Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Art Rotterdam, Foto: Stefan Kobel

13.02.2017 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 7 2017

Erinnert sich noch jemand an die dc Düsseldorf? Das war eine Kunstmesse in Düsseldorf, die genau einmal stattgefunden hat. Veranstaltet wurde sie von Walter M. Gehlen und Andreas Lohaus, die damals Gruner und Jahr als Investoren gewonnen hatten. Jetzt machen die beiden wieder eine Kunstmesse in Düsseldorf, als Fortführung ihrer Kölner Minderkunstmesse Art.Fair. Diesmal heißt die Messe Art Düsseldorf und der Investor ist die MCH Group, der auch die Art Basel gehört. Offiziell sind beide Aktivitäten der Schweizer strikt getrennt. Art Cologne-Direktor Daniel Hug lässt sich in seiner Einlassung zum Thema auf Artmagazine davon nicht irritieren.

Wer wissen will, wie eine Regionalmesse mit Kunst auf hohem Niveau erfolgreich sein kann, findet in der Art Rotterdam ein Beispiel. Ich war für das Artmagazine dort.

Im Vorlauf zur Arco in Madrid hat sich Uta Reindl für den Tagesspiegel vom 11. Februar mit deren Direktor Carlos Urroz unterhalten, der ihr erklärt, warum sich die Arco in einem schwierigen Umfeld noch eine Regionalmesse in Portugal leistet: "Die Arco Lisboa ist ein Boutique-Projekt, vergleichbar mit einem kleinen, persönlich geführten Hotel. Sie präsentiert 50 Galerien vorzugsweise aus Portugal, die schon lange eine eigene Messe organisieren wollten. Die Arco Madrid, die jedes Mal rund 200 Aussteller betreut, liefert Lissabon logistisches Know-how - vom Messebau bis zur Katalogproduktion und der Organisation von Rahmenveranstaltungen. Es ist eine sehr portugiesische Messe, doch es gibt auch Teilnehmer aus Afrika oder Brasilien. Hier lassen sich andere Arbeiten entdecken als auf der Arco in Madrid oder vergleichbaren Messen in Nordeuropa. Für uns hat es den Vorteil, dass wir expandieren und ein neues Messeformat kreieren können, das vielleicht auch in anderen Ländern funktioniert."

Die Zona Maco in Mexiko hat Tom Smith für Artnet besucht. Er hat mit einer Reihe von Ausstellern gesprochen und sie ebenso wie das Publikum angesichts der politischen Großwetterlage überraschend gelassen angetroffen.

Der Chefposten bei Christie's für die EMERI-Regionen (Europe, Middle East, Russia und India) scheint für Viele nur eine Durchgangsstation zu sein. Jetzt bekleidet ihn mit Dirk Boll ein Deutscher. Susanne Schreiber hat im Handelsblatt Details: "Das Personalkarussell dreht sich weiter. Erst im Dezember hatte Christie's CEO Patricia Barbizet (61) nach nur zwei Jahren an der Spitze kurzfristig ihren Abschied genommen und den Stab an Guillaume Cerutti (50) weitergereicht. Der politisch versierte Franzose war 2015 von Sotheby's zu Christie's gewechselt als Präsident der EMERI-Länder."

Bevor sein Geschäftsmodell mit Auktionen vollends erodiert, macht Christie's dem Primärmarkt weiter Konkurrenz. Über das jüngste Projekt am Hot Spot Los Angeles berichtet Gabriella Angeletti im Art Newspaper.

Auf der anderen Seite ziehen einige Großgalerien wie Schwarze Löcher lukrative Künstlernachlässe an sich. Jüngstes Beispiel ist die Ankündigung von Hauser & Wirth, dass sie die Vertretung des Nachlasses von August Sander übernommen haben. Die Züricher/Londoner Galerie war bisher nicht für ihre Expertise in Fotografie und Klassischer Moderne bekannt, dürfte das aufgrund ihrer Finanzkraft jedoch schnell ändern können. Damit könnte sich die Galerie gegenüber Museen, Verlagen und Forschern in eine dominante Position bringen.

Den Zusammenschluss der noch jungen Galerien Tomorrow und Hester nutzt Casey Lesser bei Artsy für eine Bestandsaufnahme der Situation in New Yorks Lower Eastside.

In Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und Co-Working Spaces entstehen auch in der Kunst neue Formen der Zusammenarbeit. Kito Nedo hat sich für die Süddeutsche Zeitung vom 11. Februar mit dem Produktionsmodell des Künstlerkollektivs beschäftigt: "Früher hätten Sammler wissen wollen 'ob das Kollektiv zusammenbleibt oder ob es sich vielleicht einfach bald wieder auflöst', erzählen die Galeristen Nadine Zeidler und Amadeo Kraupa-Tuskany, die neben GCC auch das Künstler-Duo Slavs and Tatars vertreten. 'Aber jetzt, nachdem die Kollektive kontinuierlich und erfolgreich zusammenarbeiten, begegnet uns diese Frage nicht mehr.' Tatsächlich könnten Künstler-Kollektive als temporäre Zusammenkünfte als unsicheres Art-Investment gelten."

2017 wird (fast) alles besser, behauptet ArtTactic in seinem Global Art Market Outlook (50 Dollar für 15 Seiten), dessen Kernthesen Anna Louie Sussmann für Artsy referiert. Das albernste vorgetragene Argument ist, dass es unmöglich noch schlimmer werden könnte als 2016.

Das Geschäft mit der Kunst im Internet läuft immer noch nicht richtig rund. Christiane Fricke hat sich für das Handelsblatt vom 10. Februar die verschiedenen Auktionsplattformen angesehen und mit dem Krefelder Unternehmer Rüdiger K. Weng gesprochen: "'Doch damit den privaten Endverbraucher zu erreichen funktioniert nicht wie erhofft', räumt Weng ein. Es sei wesentlich einfacher, online mit gewerblichen Kunden zu arbeiten. Solche Erfahrungen nähren die Vermutung, dass der Kunstverkauf in dem auf Effizienz getrimmten Internet auch in absehbarer Zukunft eher ein Zusatzgeschäft ist."

Verlag, Galerie, Zeitschrift, Buchandlung, Kunstfestival-Veranstalter: La Fábrica in Madrid ist eine Kunst(markt)-Maschine. Angelika Stucke portraitiert das Unetrnehmen im Handelsblatt vom 10. Februar. Sein Gründer Alberto Anaut erklärt zum örtlichen Kunstmarkt, "nach wie vor betreibe man in Spanien zu viel Bauchnabelschau, bleibe in den nationalen Grenzen verfangen. Trotzdem gebe es auf dem spanischen Markt gute Anlagemöglichkeiten: Künstler des Goldenen Zeitalters Spaniens, der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock, zu denen zum Beispiel der Maler Bartolomé Esteban Murillo zählt, hält er für noch immer unterbewertet." Aktuelle Produktion von namhaften Künstlern sei hingegen oft schon ab Galerie überbewertet.

Oprah Winfrey verkauft Gustav Klimts "Adele Bloch-Bauer II" an einen Chinesen, meldet unter anderem APA im Standard. Sie hat über den Verkauf und mögliche Konsequenzen für die öffentliche Sichtbarkeit des restituierten Gemäldes mit dem Klimt-Experten des Wiener Belvedere Alfred Weidinger gesprochen.

Aus einer deutschen Sammlung stammt Gerhard Richters "Eisberg", der die Frühjahrsauktion bei Sotheby's in London anführen wird, vermutet Rose-Maria Gropp in der FAZ.

Als erstes Opfer des Brexits hat Gina Thomas in der FAZ vom 11. Februar die National Gallery in London ausgemacht, die sich wegen des Pfund-Verfalls einen Pontormo nicht mehr leisten könne, weil der amerikanische Käufer des Gemäldes zwar bereit sei, es abzugeben, aber auf einen Ausgleich seines erlittenen Währungsverlustes bestehe. Das Werk bleibe jedoch vorläufig und Großbritannien, denn ein neuer Ausfuhrantrag könne erst in zehn Jahren gestellt werden. Eine Geschichte, bei der keiner gewinnt.

Der Skandal um die gefälschten Alten Meister aus der Sammlung Ruffini weitet sich aus, berichtet Michael Kohler in der Süddeutschen Zeitung: "Mit der neuen Entdeckung erhärtet sich der Verdacht, dass sämtliche Gemälde aus der Sammlung Ruffini moderne Fälschungen sind. Wie viele Werke Ruffini in den Handel brachte, ist derzeit noch völlig unklar: Dem französischen Journal des Arts berichtete Ruffini von einem knappen Dutzend Arbeiten, darunter solche, die als Originale von Jan Brueghel, Antoon van Dyck und Correggio gelten; ein Gemälde von Orazio Gentileschi, das als private Leihgabe in der Londoner National Gallery hängt, soll ebenfalls aus seinem Besitz stammen."

Kurz und bündig verabschiedet sich die Stuttgarter Galerie Hollenbach per Email aus dem Markt: "wir wenden uns neuen Aufgaben zu und beenden die Galerietätigkeit in unseren Räumen in Stuttgart. Wir bedanken uns für zwanzig gemeinsame Jahre mit inspirierender Kunst und interessanten Begegnungen."

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