Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Arco in Lissabon; Foto Stefan Kobel

22.05.2017 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 21 2017

110 Millionen US-Dollar für ein Gemälde von Jean-Michel Basquiat! Den glücklichen Käufer protraitiert die FAZ. Barbara Kutscher hat für das Handelsblatt vom 19. Mai eine erfolgreiche Auktionswoche in New York erlebt: " Für beide Häuser lief es in den Impressionisten- und Moderne-Auktionen besser als noch vor einem Jahr. Christie's konnte am Montag mit eingehämmerten 289,2 Millionen Dollar eine Steigerung von 104 Prozent gegenüber dem letzten Mai verzeichnen. Wie der im Januar eingestellte CEO Guillaume Cerutti vorrechnete, sei es auch das beste Ergebnis für die Abteilung seit sieben Jahren. Auch Sotheby's Einnahmen für Impressionisten und Moderne von respektablen 173,8 Millionen Dollar lagen über denen vom Vorjahr. Auch Christie's Zeitgenossenauktion am Mittwoch [...] sah bei starken 448,06 Millionen Dollar einen fast 30-prozentigen Zuwachs. Allein fünf Lose übersprangen hier die 20-Millionen-Dollar-Hürde. [...] Neue Rekordpreise für Skulpturen Diese Saison förderte eine ganze Reihe kapitaler Werke zutage, Christie's konnte auch einige große Nachlässe mit marktfrischer Kunst akquirieren. Aber vor allem auf Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts wurde entschieden geboten. Die Zuschläge setzten ein neues Preisniveau.' Für die NZZ war Christian Schaernack dabei.

Fast schon bescheiden nimmt sich dagegen der Rekordpreis von 28,8 Millionen Dollar aus, den Phillips für ein Gemälde von Peter Doig erzielte. Auch hier kaufte ein Japaner einen Basquiat, wie Nate Freeman und Andrew Russeth für Artnews berichten.

Dabei hatte die Auktionswoche eher bescheiden begonnen. Noch Mittwochnacht berichtete Scott Reyburn in der New York Times von einer verhaltenen Auktion bei Christie's, die den weniger begehrten Erbteil der Sammlung Spiegel versteigerten.

Die plötzliche Attraktivität Lissabons für Galerien ist Lorena Muñoz-Alonso beim Besuch der Arco Lisboa für Artnet aufgefallen. Meine Überlegungen im Artmagazine gehen in die gleiche Richtung.

Über den Termin der Art Cologne 2018 verschwörungstheoretisiert in der FAZ vom 20. Mai Autor G.I.: "Reagiert die Art Cologne damit auf Proteste von Ausstellern, die auf den zuletzt gestrichenen Sonntag nicht verzichten wollen? Oder hat sich die von Köln ausgehende Termindeckung mit dem Hauptstadt-Weekend insgesamt nicht bewährt?" Man weiß gar nicht, wie oft Art Cologne-Direktor Daniel Hug noch erklären muss, dass seine Messe immer nach den Osterferien stattfinde, die nun einmal variabel sind, bis das auch in Frankfurt ankommt.

Ausgerechnet ein kommerzieller Veranstalter bereitet der von ihrem Selbstverständnis her unkommerziellen Street Art die Überblicksausstellung, die Institutionen ihr bisher verwehrt haben. Auch der etablierte Kunstmarkt tut sich bisher schwer mit. Dabei gibt es längst auch jenseits von Banksy hoch gehandelte Straßenkünstler. Im Artmagazine beschreibe ich den Balanceakt zwischen Street Credibility und dem Lockruf des Geldes.

Die Kunstsammlung der Deutsche Bank in Berlin zieht um. Nicola Kuhn berichtet im Tagesspiegel: "Die Bank will es schöner, größer, anders machen - nur wenige Hausnummern weiter, Unter den Linden 5. Damit ist das Geheimnis gelüftet, was mit dem seit drei Jahren leerstehenden Prinzessinnenpalais geschehen wird. Ab Mai, Juni 2018 eröffnet die Deutsche Bank hier ein Forum für Kunst und Kultur."

Wie sich Performances handeln ließen, fragt Tobias Timm in der ZEIT vom 18. Mai anlässlich des Biennale-Beitrags von Anne Imhof: "Doch was ist mit der Performance selbst, mit dem Agieren der jungen Menschen also, das bei den Zuschauern so heftige Reaktionen auslöst? Auch die Performance wolle man eventuell vermitteln, sagt Daniel Buchholz, er müsse sich aber in den kommenden Monaten zusammen mit der Künstlerin zunächst überlegen, ob und wie man das überhaupt organisieren kann. Dabei gehe es nicht um Geldgier, sagt er, sondern zuerst um die Frage, wie man ein so wirkungsvolles Kunstwerk für die Zukunft bewahrt. Schließlich lebt die Performance auch von ihren sehr eigenen Darstellern".

Nepotismus in der Kunstszene? Kann ja gar nicht sein. Die Leiter sowohl der documenta als auch der Biennale di Venezia haben Arbeiten ihrer Lebenspartner in ihre Ausstellungen aufgenommen, berichten Hili Perlson und Julia Halperin bei Artnet.

Noch ein Abgang aus Berlin: Die Kölner Galerie Delmes & Zander wird ihren Ableger in der Hauptstadt aufgeben, Zur Begründung heißt es in einer Email: "Jedoch haben wir uns entschlossen, unsere Galeriearbeit auf einen Standort zu konzentrieren. Die Organisation zweier Ausstellungsorte lässt doch zu wenig Raum für die inhaltliche Vermittlung unserer Künstler und die Weiterentwicklung des Programms.[...] Daher werden wir nach der aktuellen Ausstellung 'Jesuys Crystiano' unsere Räume in Berlin am 10. Juni schliessen. Die Entscheidung für Köln ist dabei keine Entscheidung gegen Berlin, sondern ergibt sich aus unseren privaten Lebensumständen."

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