Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

gestorben: der Wiener Galerist Georg Kargl

22.05.2018 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 21 2018

Noch mehr Rockefeller: Nach Absolvierung des Auktionsmarathons in New York geht es an die Analyse. Anne Reimers resümiert in der FAZ die Ergebnisse und pickt beispielhaft ein bemerkenswertes Detail heraus: "Dass mancher Bieter mehr aus Faszination am Lebensstil denn aus Interesse an Kunst und Kunsthandwerk mitmischte, überrascht nicht. Im Freien speisen wie ein Rockefeller kann nun jedenfalls der Käufer des heißumkämpften Picknickkorbs: Die Taxe lag bei 10.000, der Hammer fiel bei 170.000 Dollar."

Eine detaillierte Nacherzählung der Abendauktionen mit Klassischer Moderne bei Christie's und Sotheby's in New York gibt es bei Artsy von Anna Louie Sussman. Demnach sei der Markt am oberen Ende robust genug, auch noch weiteren Nachschub aufzunehmen.

Der Preis von 157,2 Millionen Dollar, den Sotheby's für Modiglianis Frauenakt erzielte, sei nur auf den ersten Blick sensationell, findet Sarah P. Hanson in ihrem Bericht für das Art Newspaper. Schließlich sei das Gemälde an den Garantie-Bieter gegangen, nachdem sich auf der Auktion selbst keine Hand gerührt habe. Den eher schleppenden Verlauf des restlichen Abends bei Sotheby's beschreibt Eileen Kinsella bei Artnet.

Ob sich das jetzige Hochpreisniveau ob der mediokren Qualität der Toplose halten lasse, fragt sich Rose-Maria Gropp in der FAZ vom 19. Mai: "So viel lässt sich sagen: Es gibt in Amerika und Asien, sogar in Europa mehr Geld als Kunst auf dem Markt, die es aufnehmen könnte. In New York ist es jetzt noch einmal gutgegangen. Entscheidend wird für diesen Höchstpreismarkt sein, ob es gelingt, den entsprechenden Auktionen wieder wirklich kapitale Werke zuzuführen".

Den Rekordpreis von 21,1 Millionen US-Dollar für ein Gemälde von Kerry James Marshall habe auf der Zeitgenossen-Auktion von Sotheby's der Rapper Sean Combs, auch bekannt als P. Diddy oder Puff Daddy, bezahlt, meldet Barbara Graustark in der New York Times.

Laut der Händler-Familie-Nahmad, die Picassos nacktes Blumenmädchen auf der Rockefeller-Auktion für 115 Millionen US-Dollar gekauft haben, werde das Bild im Herbst in der Picasso Ausstellung im Pariser Quay d'Orsay zu sehen sein, hat Gareth Harris für das Art Newspaper erfahren. Dass Kunst vor dem Verkauf in Museen auratisch aufgeladen wird, ist nichts Neues; dass exorbitante Auktionspreise nachträglich durch museale Weihen gerechtfertigt werden sollen, hingegen schon.

Das Londoner Auktionshaus Bonham's stehe möglicherweise zum Verkauf, meldet Anny Shaw im Art Newspaper.

Das Toplos der kommenden Auktion hat Villa Grisebach in Berlin mit einer eigenen Publikation bedacht. Die Schmallippigkeit, mit der das Buch den Erstbesitzer der "Agypterin" von Max Beckmann behandelt, tadelt Stefan Koldehoff in der ZEIT: "'Von Amsterdam aus hat Göpel vorrangig den Kunsthandel nach verfügbaren Werken für das von Hitler geplante Museum sondiert.' Danach referiert Blume lange Aussagen anderer Kunsthistoriker, denen zufolge Göpel Künstlern geholfen und Bilder vor der Beschlagnahme gerettet habe. Tatsächlich ergaben Recherchen der Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und Susanne Kienlechner, dass Göpel keinesfalls nur 'sondierte', sondern auch aktiv Bilder beschaffte."

Weitgehend unbemerkt von der nicht-portugiesischen Öffentlichkeit ist in der abgelaufenen Woche die Arco Lisboa über die Bühne gegangen. Bernhard Schulz berichtet für den Tagesspiegel.

Tiflis hat jetzt auch eine Kunstmesse, meldet Loren Muñoz-Alonso im Art Newspaper.

Die Diskussion um die Rückgabe von Gegenständen mit kolonialer Vergangenheit etwas tiefer zu hängen, empfiehlt Wiebke Arndt, die Direktorin des Übersee-Museums in Bremen, im Gespräch mit Christiane Fricke im Handelsblatt vom 18. Mai. Zwar seien theoretisch drei Viertel ihres eigenen Bestandes betroffen, doch: "In den Medien ist dieses Thema Rückgabe erheblich präsenter als in der Realität. Es gibt tatsächlich nur vereinzelte Rückgabeforderungen und vereinzelte Rückgaben. In der Regel beziehen sie sich auf kulturell sensibles Kulturgut, also insbesondere auf menschliche Überreste, auch schon einmal auf religiöse Objekte, Herrschaftszeichen oder auf Stücke, die für eine Nation von herausragender Bedeutung sind. Aber es ist absolut nicht an der Tagesordnung. Tatsächlich erwarten bisher die meisten Herkunftsgesellschaften von uns etwas anderes als eine physische Rückgabe."

Ein mittelalterliches Kloster in den Schweizer Alpen hat die polnische Unternehmerin und Kunstsammlerin Grazyna Kulczyk in ein Museum umbauen lassen. Gareth Harris stellt das ambitionierte Projekt im Art Newspaper vor.

Der Streit um Haubroks Fahrbereitschaft geht weiter. In der Stiftung Brandeburger Tor diskutierten die Beteiligten öffentlich. Quynh Tran hat die Veranstaltung für die FAZ besucht und festgestellt, dass vor allem aneinander vorbei geredet wird: "Was der Fall Fahrbereitschaft an diesem Abend zeigt, ist eine Lokalposse verletzter Gefühle von Akteuren, die aneinander vorbeireden. Symptomatisch steht er aber für sehr viel globalere Probleme: die berechtigte Angst vor der Gentrifizierung auch auf industrieller Ebene und die mangelnde Kommunikation zwischen privaten Akteuren, Bezirk und Senat. Haubrok, so der Vorwurf, kommuniziert über den Bezirk hinweg nur mit Senat und Öffentlichkeit, und der Senat kommuniziert nicht mit dem Bezirk."

Dass privates Engagement nicht erst seit Kurzem einen wesentlichen Teil zu den Museumsbeständen beiträgt und dass Sammler nicht nur nach Erkenntnis streben, führe eine Ausstellung im Aachener Suermondt Ludwig-Museum vor Augen, erklärt Christiane Fricke im Handelsblatt vom 18. Mai: "In den Vitrinen der Aachener Schau liegen auch Versteigerungskataloge, aus deren Randbemerkungen sich das jeweilige Auktionsgeschehen rekonstruieren lässt. So scheint in der Sammlungsgeschichte die Marktgeschichte auf. Ein Thema, um das Museen heute immer noch gerne einen Bogen machen. Vielleicht weniger aus dem inzwischen obsolet gewordenen idealistischen Glauben an eine vom Wirtschaftlichen "unbefleckte" Kunst als in der resignativen Erkenntnis, dass man mit den begrenzten Mitteln auf dem Kunstmarkt ohnehin nicht mehr mithalten kann."

Helge Achenbach solle jetzt doch Anfang Juni vorzeitig aus der Haft entlassen werden, ist einer dpa-Meldung hervor, unter anderem bei Monopol zu lesen.

Im Pariser Skandal um gefälschte Boulle-Möbel werde den Kunsthändlern Laurent und Olivier Kraemer jetzt zusammen mit vier anderen Personen bandenmäßiger Betrug und Geldwäsche vorgeworfen, berichtet Vincent Noce im Artnewspaper.

Simon de Pury fällt immer wieder auf die Füße, so scheint es. Jetzt habe ihm ein Londoner Gericht im Streit mit dem Rudolf Staehelin Family Trust um eine per Handschlag vereinbarte Provision in Höhe von 10 Millionen US-Dollar Recht gegeben, obwohl das betreffende Gaugin-Gemälde nicht 300 Millionen US-Dollar, sondern nur 210 Millionen gebracht habe, berichtet Susanne Schreiber im Handelsblatt vom 18. Mai.

Georg Kargl ist tot. Der Wiener Galerist gehörte zu den prägnantesten Persönlichkeiten nicht nur der Wiener, sondern auch der europäischen Galerienszene. Werner Rodlauer hat ihm im Artmagazine einen einfühlsamen Nachruf gewidmet. Anne Kathrin Fessler beschreibt im Standard, was den Vor- und Querdenker in letzter Zeit umgetrieben hat. Nicole Scheyerer charakterisiert den Ausnahme-Galeristen in der FAZ treffend: "Kargl war ein überaus kritischer Geist. Von sich selbst wie von den anderen verlangte er schonungslos stets mehr als das bisher Erreichte. Dafür bewies er auch Humor und teilte sein großes Wissen bereitwillig mit jedem, der sich ernsthaft interessierte. Im Gespräch blühte Kargl dann ebenso auf wie bei den Vernissagen von besonders aufwendigen Ausstellungen, für die er keine Kosten und Mühen scheute."

Den Tod des Chicagoer Kunsthändlers Richard Gray im Alter von 89 Jahren meldet Helen Stoilas im Art Newspaper.

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