Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Schlangestehen für Milliardäre: Art Basel; Foto Stefan Kobel

03.09.2018 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 36 2018

In einer furiosen Philippika rechnet Oliver Koerner von Gustorf in der aktuellen Ausgabe von BLAU mit dem Kunstbetrieb ab. Er argumentiert, dass Künstler, Kuratoren und Kritiker mit ihrer gesellschaftskritischen Bedeutungsproduktion gerade die Schicht der Reichen und Mächtigen mit moralisierendem Dekomaterial bedienen, "die paradiesische Rückzugsorte von jener Welt schafft, die sie zugrunde richtet." Alle wollten zur Art Basel-Kaste gehören. "Doch gerade dieses Segment des Betriebs, das von superreichen Kunden bestimmt wird, sieht keinen Anlass, die eigenen sozialen Verhältnisse, seine Ökonomie infrage zu stellen. Während die radikalsten Ideen gedacht, die kritischsten Diskurse verhandelt werden, steht nur ein Gedanke nicht zur Debatte: dass die Kunstwelt selbst zu einer der Brutstätten des Desasters geworden ist. Noch immer tut sie so, als wäre sie auf der sicheren Seite. Sie macht die Katastrophe zum Gegenstand ihrer Arbeit, aber so, als hätte sie keinerlei Einfluss auf das eigene Betriebssystem."

Einen zum Thema passenden Dokumentarfilm, der im Herbst unter dem Titel "The Price of Everything" in die Kinos kommt, kündigt Tylor Dafoe bei Artnet an. Ironischerweise hat der Bezahlsender HBO auf dem einstmals als Alternativkultur-Veranstaltung gegründeten Sundance Festival die Rechte an dem Film erworben.

Vom Schwestermarkt der Kunst, dem mit Oldtimern, erzählt David Pfeifer in der Süddeutschen Zeitung; Stichwort "Matchbox für Milliardäre".

Aus der Liste der 1.000 reichsten Deutschen der Zeitschrift Bilanz hat Monopol die Namen aus der Kunstszene herausgepickt.

Der britische Kunstmarkt könnte vom Brexit profitieren, erklärt Clare McAndrew bei Artsy, da die Regierung frei wäre bei der Gestaltung der fiskalischen Rahmenbedingungen. So könnten die Abschaffung des Folgerechts oder der Verzicht auf die Einfuhrumsatzsteuer der Insel einen gewaltigen Vorteil gegenüber der EU darstellen, da Kunst und Vermögen schon immer mobil seien und sich die günstigsten Bedingungen suchten.

Die spannende Geschichte des ersten Konsortiums von Kunstsammlern, die sich 1903 in Paris zusammenschlossen, um als "La Peau de l'Ours" - "Das Fell des Bären" - in Kunst zu investieren, erzählt Rainer Stamm in der FAZ: "Die Verteilung des Bärenfells hatte sich mit einem Auktionsergebnis von mehr als 100.000 Franc als überaus ergiebig erwiesen; zwanzig Prozent ihres Gewinns gaben die Mitglieder des erfolgreichen Syndikats an die Künstler oder deren Familien weiter. Für die Gegenwartskunst war die Auktion ein Durchbruch: Diese Versteigerung kam 'einem Gerichtstag über die Jüngsten gleich', urteilte Otto Grautoff in der Kunstzeitschrift 'Cicerone': 'Die Auktion wird vermutlich eine beträchtliche Preissteigerung vieler junger Künstler zur Folge haben.'"

Statt auf drei werden sich die Aussteller der Art Cologne ab nächstem Jahr auf zwei Ebenen verteilen. Christiane Meixner vermutet in der ZEIT, dass die Beschwerden der Avantgarde-Galerien über zu wenige Besucher auf der obersten Ebene der Grund dafür seien: "Der Verzicht auf die dritte Etage, die geplante 'Verdichtung und Vernetzung' der Teilnehmer auf die beiden unteren Ebenen, zeigt, dass sie sich der fortwährenden Kritik beugt. Die Art Cologne, deren Anmeldung zur nächsten Ausgabe noch läuft, rechnet nach eigener Aussage nicht mit weniger Galerien als in den Vorjahren. Aber die Gefahr einer Schrumpfung der größten deutschen Kunstmesse war real genug, um umzubauen."

Die ewigen Skandale, Intrigen und Querelen setzen der nunmehr jährlich im Grand Palais stattfindenden Biennale des Antiquaires sichtbar zu: Lediglich 65 Aussteller hätten sich für die Edelmesse gefunden, berichtet Olga Grimm-Weissert in der aktuellen Weltkunst: "Die Gründe für die geringe Beteiligung sind evident. Zur Erklärung der spezifischen Pariser Problematik: Seit der langjährige Leiter der Biennale Christian Deydier 2014 kurzfristig abgewählt wurde, plant er eine Gegenveranstaltung in Paris und kündigte seine Messe namens Sublime für kommenden Oktober an. Hinter dem Invalidendom sollten rund 50 Aussteller alle zwei Jahre Exzeptionelles präsentieren."

Der französische Auktionsmarkt habe ein gutes erstes Halbjahr zu vermelden, berichtet Bettina Wohlfahrt in der FAZ, allen voran Sotheby's: "Vor allem aber sorgte das amerikanische Auktionshaus für siebzehn Weltrekorde und mindestens eine große Überraschung. Im vergangenen Juni entbrannte bei der Asiatika-Auktion ein zwanzigminütiges Bietergefecht um eine Vase der Qing-Dynastie, die bei Sotheby's in einem Schuhkarton eingeliefert worden war, und trieb das wundervoll bemalte Porzellangefäß auf stolze 14,2 Millionen Euro. Die Taxe hatte zwischen 500.000 und 700.000 Euro gelegen. Das Auktionswunder trug mit dazu bei, dass Sotheby's nun das beste Semester seit seinem Einstieg in den französischen Markt im Jahr 2001 feiern kann."

In die Untiefen des Kreuzfahrtkunsthandels hat sich Lisa Zeitz für die ZEIT begeben, dorthin, wo die Likörelle Udo Lindenbergs zu finden sind.

Einen unorthodoxen Vorschlag in der Diskussion um die Restitution von Stammeskunst greift Sabine B. Vogel in der Presse aus Wien auf: "Sollen fragwürdige Objekte aus 'Weltmuseen' restituiert werden? In Frankreich wird das aktiv angegangen. In Salzburg stellte jetzt die Ex-Direktorin des Weltmuseums Frankfurt ihre Sicht dar - die Objekte aus den Sammlungen verkaufen."

Die Liste in Basel hat eine neue Direktorin und neue Eigentümer. Wie aus einer Pressemitteilung der Messe hervorgeht, hat die Stiftung zur Förderung aktueller Kunst Basel, der der Gründer und bisherige Direktor Peter Bläuer weiter angehört, die 1996 gegründete Veranstaltung übernommen. Neue Direktorin wird demnach die ehemalige Berliner Galeristin Joanna Kamm.

Die Schließung der Berliner Galerie Arratia Beer meldet Monopol.

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