Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Art Rotterdam 2018

12.02.2018 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 7 2018

Die Zona Maco in Mexiko mag eine interessante Kunstmesse sein, die Berichterstattung über sie scheint jedoch ausschließlich Leuten überlassen, die einfach gerne nach Mexiko Stadt fahren, wie etwa Georges Berges für den Observer.

Während die Galeristen mit Top-Zirkus-Ambitionen oder Bestandskunden in Lateinamerika nach Mexiko fahren, bedienen andere Kollegen den mittelständischen Markt in den Niederlanden. Annegret Erhard berichtet für die NZZ vom 10. Februar und ich für den Tagesspiegel vom 10. Februar und das Artmagazine von der Art Rotterdam.

Zwei Designmessen, die so unterschiedlich sind wie die Berichterstattung darüber, verarbeitet DIE WELT vom 10. Februar. In der Abteilung Stil berichtet Jochen Overbeck von der Möbelmesse in Stockholm mit 700 Ausstellern, die sich nach seinem Eindruck tatsächlich mit der Zukunft des Designs auseinandersetzt: "Was man daraus für die Zukunft des skandinavischen Designs ablesen kann? Vielleicht, dass die Leute dort Ideen haben. Dass sie darum wissen, wie gefährlich es ist, sich auf seiner Vergangenheit auszuruhen. Und dass es schöner ist, ein Produkt anzufassen, als es durch die 3D-Brille zu sehen." Sabine B. Vogel war hingegen für den Kunstmarkt auf der Nomad im Oberengadiner Chesa Plana und bringt frohe Kunde für Menschen, die gerne unter ihresgleichen Geld ausgeben: "Aber klappt das Konzept, kaufkräftige Skifahrer zwischen Piste und Après Ski auf eine Messe zu locken? Auch darin unterscheidet sich Nomad von anderen Formaten: En passant vorbeikommende Besucher werden gar nicht erst adressiert. Gäste können nur auf Einladung kommen, 1300 waren es in Monaco."

Eine eigene Sicht auf die Veranstaltung im Engadin entwickelt Susanne Koeberle für die NZZ: "Während Preise auf dem Kunstmarkt zwar einer bestimmten, aber eben häufig etwas obskuren Logik folgen, ist dieses Thema beim Design klarer strukturiert. Ist das Objekt ein rares Einzelstück, ist es neu oder Vintage, handelt es sich um eine limitierte Edition oder um eine offene Serie? All diese Faktoren spielen eine Rolle bei der Preisbildung. Allzu günstig sollten Stücke hier allerdings nicht sein, das kommt der einschlägigen Klientel nämlich meist suspekt vor."

Immer wieder brechen einzelne Künstler aus dem oft als einengend empfundenen Verwertungssystem des Kunstmarkts aus und versuchen ohne Galerievertretung auszukommen. Birgit Rieger nennt in der ZEIT vom 8. Februar Jonathan Meese als Beispiel, aber auch zwei unbekanntere Künstler. Die wenig überraschende Erkenntnis einer Rebellin: "Die Akquise neuer Käufer und die Pflege bestehender Sammler sei eine Mammutaufgabe".

Die von der New Yorker Galeristin Elizabeth Dee organisierte Messe Independent scheint Probleme mit ihrer Brüsseler Ausgabe zu haben. Statt wie bisher parallel zur Art Brussels, wird sie erst im November stattfinden, wie ihrer Internetseite zu entnehmen ist. Man darf gespannt sein, ob ein parasitäres Format auch ohne den Wirt überlebensfähig ist oder vielleicht sogar besser gedeiht. Keine vier Wochen vor der Art Basel Miami Beach dürfte es jedenfalls schwierig werden, amerikanische Sammler ins nasskalte Brüssel zu locken.

Mit Talent und Geschäftssinn hat es Dirk Boll in die Chefetage von Christie's gebracht. Letzterer hat im Interview mit Susanne Schreiber und Peter Brors für das Handelsblatt vom 9. Februar wohl über das diplomatische Geschick gesiegt, wenn er Kunstauktionen mit Finanzprodukten vergleicht: "[Frage:] 'Würden Sie zustimmen, wenn wir sagen, dass diese Garantien das freie Spiel der Marktkräfte aushebeln? Der Verkaufserfolg ist durch die Garantie ja bereits sichergestellt.' [Boll:] 'Warum haben Sie Vorbehalte gegen etwas, das ähnlich funktioniert wie ein Termingeschäft?'"

Was hinter dem Boom am Kunstmarkt steckt, versucht Georgina Adam mit ihrem neuen Buch zu ergründen, das Astrid Mania in der Süddeutschen Zeitung vom 10. Februar vorstellt. Kaufen muss man das Werk demnach wohl nicht, denn "ein Abstieg in die Abgründe des Superreichen-Kunstmarkts ist Georgina Adams Buch nicht. So endet 'Dark Side of the Boom' auch mit einer offenen Frage: Werden die nicht-kommerziellen Eigenschaften der Kunst, ihr symbolischer Wert überleben, oder wird sich die Kunst immer mehr dem Geschmack einer globalen Elite anpassen?"Oder sollte man sich damit abfinden, dass sich der Markt für Kunst geändert hat? Beides, möchte man sagen." Eben.

Hinter der Beteiligung an Paddle8 steht ein alter Bekannter, dessen Aktivitäten ich für das Handelsblatt vom 9. Februar nachzuvollziehen versuche: "Sergey Skaterschikov erregte in der Kunstszene erstmals Aufsehen, als der Russe 2012 mit der Luxemburger Investmentfirma Redline Capital Management S.A. die Rechte an der Wiener Kunstmesse Viennafair erwarb, die er aber schon ein Jahr darauf an den jetzigen Eigentümer, ebenfalls ein Russe, weiterreichte. Skaterschikovs feindlicher Übernahmeversuch der Berliner Artnet AG scheiterte allerdings. Danach kaufte er 2014 für einen polnischen Unternehmer das Auktionshaus Abbey House, das gleichzeitig eine Galerie und eine Kunstzeitschrift betrieb. Der Kunsthandel wurde abgewickelt, der Verlag übernahm die traditionsreiche US-Zeitschrift "Artnews". Dieser wiederum ging 2015 an den US-Milliardär Peter Brant, der auch "Art in America" einbrachte. An Paddle8 war der Russe ebenfalls schon einmal kurzzeitig beteiligt.

Die Weng Fine Art AG plant eine Rückkehr an die Börse, wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht: "Etwa zwei Jahre nach dem Delisting diskutieren Vorstand und Aufsichtsrat der Weng Fine Art AG eine mögliche Wiederaufnahme der Notierung für die Aktien des Unternehmens an einer deutschen Börse. Eine Entscheidung darüber, ob, an welcher Börse und für welches Börsensegment der Aufnahmeantrag gestellt werden soll, wird voraussichtlich noch im ersten Quartal d.J. getroffen werden." Damit wäre der Monheimer Kunsthändler nach der Pleite von Auctionata wieder die zweite deutsche Firma der Branche, deren Anteile neben denen von Artnet an der Börse gehandelt werden.

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