Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

#kunstgeschichtealsbrotbelag, Malewitsch"Schwarzes Quadrat"; Foto Stefan Kobel

23.07.2018 06:00 Uhr

Kunstwoche 30 2018

Kunstgeschichte doch nicht brotlos: Marie-Sophie Hingst, unter dem Namen Fräulein Read On im Januar zur Bloggerin des Jahres gekürt, hat mit ihrer Nachschöpfung berühmter Kunstwerke im innovativen Medium Butterbrot einen Trend kreiert. Aktuell ist der Hashtag #KunstGeschichteAlsBrotBelag bei Twitter führend.

Pflichtlektüre für jeden Galeristen, dem es nicht genügt, sich als Vertreter einer aussterbenden Spezies zu sehen: Die bisher wertvollsten Einsichten aus dem Bankers Trust-Report über das Sammelverhalten der Baby Boomer, Generation X und Millennials vermittelt der National Art Services Executive des Bankers Trust Evan Beard bei Artsy. Selbst ein Millenial, gelingt es ihm, Einstellungen und Wünsche der Angehörigen seiner Generation zusammenzufassen und so auf den Kunstmarkt anzuwenden, dass dadurch ein Kundenprofil entsteht, auf das sich der Kunstmarkt einstellen kann und muss.

Sein Missfallen am klassischen Model von Kunstmessen bringt Christian Siekmeier im Interview mit Kate Brown für Artnet zum Ausdruck. Mit seiner Galerie Exile zieht er gerade von Berlin nach Wien, teils aus privaten Gründen, teils aus Unzufriedenheit mit den Berliner Verhältnissen.

Wie New Yorker Galerien mit schwindenden Besucherzahlen umgehen, fasst Rachel Corbett bei Artnet zusammen.

Der ehemalige Sotheby's-Mitarbeiter Charles Moffatt glaubt laut Nate Freeman bei Artsy, einen Weg gefunden zu haben, wie Avantgarde-Galerien überleben können: Billige Räume ohne Schaufenster zur Straße und Quersubventionierung des jungen Programms durch Kunsthandel. Allerdings räume er ein, dass - anders als er - nicht alle Galeristen Zugang zu einem entsprechenden Netzwerk hätten. Nichts Neues also.

Einen Einblick in den Alltag von Technikern, also den Menschen, die die Skulpturen erfolgreicher Künstler produzieren, gibt Lindsey Johnstone im Independent.

Über mehr als zwei Jahrzehnte hat die Organisation Anonymous Was A Woman bisher 220 Künstlerinnen aller Disziplinen ein bedingungsloses Stipendium in Höhe von jeweils 25.000 US-Dollar gewährt. Gegenüber Robin Pogebrin hat sich die 77-jährige Fotografin Susan Unterberg in der New York Times jetzt als Stifterin geoutet. Sie habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um wirkungsvoller für die Chancengleichheit von Frauen eintreten zu können. Währenddessen haben Fans der Kosmetikunternehmerin Kylie Jenner aus der Cardashian-Familie eine Fundraising-Aktion gestartet, um die 21-Jährige zur jüngsten Milliardärin der Geschichte zu machen.

Sommerloch. Für die FAZ hat Laura Henkle die neunte Ausgabe des Gemeinschaftskatalogs der Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ) durchgeblättert, so etwas wie einen Messekatalog ohne Messe, in dem virtuelle Läden in einem gedruckten Buch Highlights aus ihrem Bestand anbieten. Je länger man über dieses Paradoxon nachdenkt, umso mehr Fragen drängen sich auf.

Mit der drohenden EU-Verordnung zur Einfuhr von Kulturgütern hat sich jetzt auch Thomas E. Schmidt in der ZEIT beschäftigt. Er kommt zu ähnlichen Schlüssen wie die meisten Kommentatoren vor ihm: "Selbst wenn man zugestehen würde, dass geraubte und geschmuggelte Objekte draußen bleiben müssten - und auch die Geldwäsche unterbunden werden sollte -, eine wirksame Kontrolle wäre anders zu gewährleisten. Politisch schwieriger ist es natürlich, die europäische Einfuhrumsatzsteuer zu vereinheitlichen, mit ihr wird ohnehin schon alles lückenlos erfasst. Um mit diesen Daten verdächtige Objekte zu überprüfen, müssten allerdings Zoll und Interpol geschult und aufgerüstet werden. Billiger ist es demgegenüber, den Markt zu regulieren und dem Bürger die Lasten aufzubürden." Doch die EU in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

Teilentwarnung gibt hingegen der Münchner Anwalt Gerd Seeliger für die 4. EU-Geldwäscherichtlinie und das deutsche Geldwäschesetz (GWG) im Interview mit Marcus Woeller in DIE WELT: "Im Hinblick auf die EU-Richtlinie und das Geldwäschegesetz empfehle ich den Kunsthändlern, erst einmal in Ruhe zu prüfen, ob sie überhaupt darunterfallen, und wenn ja, in welchem Umfang sie von den dann im GwG vorgesehenen Erleichterungen, etwa der Erleichterung bei den internen Sorgfaltspflichten oder deren Durchführung durch Dritte, Gebrauch machen können."

Mehr ins Detail geht Olga Kronsteiner für den Standard. Sie hat unter anderem mit dem Münchener Anwalt Johannes von Eggelkraut-Gottanka gesprochen: "Während für andere Güterhändler weiterhin das Kriterium der Bargeldtransaktion gilt, wurde 'es für die Branche faktisch gestrichen, da die Richtlinie explizit auf den Wert der Transaktion abstellt und in der Form der Bezahlung nicht differenziert', betont Eggelkraut-Gottanka. Für ihn ist es unverständlich, 'warum der EU-Gesetzgeber die Kunsthandelsakteure aus der Gruppe der Güterhändler herauslöst und sie strengeren Regeln unterwirft als Händler von hochpreisigem Schmuck, Oldtimern oder Yachten'."

Vom Protest amerikanischer Kunsthändler gegen die von der US-Regierung erhobenen Strafzölle von zehn Prozent auf den Import chinesischer Kunst und Antiquitäten berichtet Helen Stolas im Art Newspaper.

Der wichtigste Marktplatz für Stammeskunst in Europa ist nach wie vor Paris. Die abgelaufene Saison resümiert Olga Grimm-Weissert im Handelsblatt vom 20. Juli: "Die auffallend hohen Rückgangsquoten dieser drei Auktionen indizieren vielleicht schon die Verunsicherung des Marktes durch die Restitutions-Debatte."

Die monegassischen Behörden geraten in ein immer schlechteres Licht, je länger der bizarre Rechtsstreit zwischen Dimitri Rybolovlev und Yves Bouvier andauert. Olga Grimm-Weissert fasst im Handelsblatt vom 20. Juli die Entwicklung zusammen: "Rechtsanwältin Tetiana Bersheda hat scheinbar ab Februar 2015 per SMS mit zwei hochgestellten monegassischen Polizisten 'Küsschen' ausgetauscht, um das Szenario der Festnahme von Bouvier in Monaco zu verabreden. Mit dem monegassischen Justizminister und dessen Frau korrespondierte Bersheda über ein gemeinsames Wochenende bei Rybolovlev im Schweizer Nobelskiort Gstaad, das erwiesenermaßen unmittelbar vor Bouviers Festnahme stattfand."

Vorerst gibt es doch kein Enthüllungsbuch à la Beltracchi über das Leben von Helge Achenbach. Wie die Rheinische Post selbst meldet, hätten sich der ehemalige Kunstberater und der Autor und RP-Redakteur (was die Meldung nicht erwähnt) Hans Onkelbach über einige Passagen der Biographie nicht einigen können.

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