Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Saisoneröffnung im Rheinland: Empfang der dc open in der Langen Foundation; Foto Stefan Kobel

09.09.2019 06:00 Uhr

Kunstwoche 37 2019

Die Herbstsaison ist eröffnet! Köln und Düsseldorf organisieren mit dc open traditionell den ersten größeren Aufgalopp. Rundgänge gibt es bei Monopol von Leonie Pfennig und in DIE WELT vom Alexandra Wach. Für das Handelsblatt und Artmagazine.cc war ich am Rhein unterwegs.

Wenn die Kunstmarktberichterstattung den Lokalen anheimt fällt, verengt sich die Perspektive. In der FAZ freut sich Kevin Hanschke so sehr über den jüngsten Versuch, eine Kunstmesse in der Stadt zu etablieren, dass seine Beschreibungen mehr entlarven als informieren: "Wie bei einem fotografischen Schnappschuss bannt er Momente der schnelllebigen Gegenwart auf die Leinwand. Er skizziert mithilfe von Kohlekreide Szenen auf Großformat. Die Verwackelungen in den Bildern transformieren zu zeichnerischen Schnappschüssen. Stets im Hintergrund stellt der Künstler die Natur dar, während im Vordergrund Menschen surfen, tanzen oder nachdenklich in die Welt blicken. Dadurch wirken die Bilder wie Fenster in das Gegenwartsdasein".

Während es am Main also eher unfreiwillig komisch zugeht, erklärt Evelyn Vogel das Münchener Gastgalerien-Projekt Various Others recht anschaulich in der Süddeutschen Zeitung: "Für Various Others haben sich einige aufstrebende und einige alteingesessene Galerien mit ein paar Off-Spaces und Projekträumen sowie allen wichtigen Museen und Institutionen für zeitgenössische Kunst zusammengetan. Sie haben internationale Künstler und Partnergalerien eingeladen und hoffen nun, verstärkt global agierende Sammler nach München locken zu können. Künstlergespräche, Panels, Partys und Performances sowie ein VIP-Programm mit Empfang und Besuchen bei ausgewählten Sammlern sollen für eine dichte Taktung sorgen."

Ein seltsam hybrides Format zwischen Workshop, Ausstellung und Messe hat sich die Ars Electronica mit Gallery Spaces ausgedacht, das sich Werner Rodlauer für Artmagazine.cc angesehen hat.

Erst hat die Stadt Düsseldorf das von Privatinitiative ins Leben gerufene Photo Festival an sich gerissen, anschließend vor die Wand gefahren und dann eingehen lassen. Jetzt hat sich wieder eine Gruppe von Menschen aus der Düsseldorfer Kunstszene zusammengetan. Und siehe da: Es geht doch noch etwas, berichtet Arne Lieb in der Rheinischen Post: "Den Rückhalt der Politik haben sie bekommen: Der Kulturausschuss hat am Donnerstag ohne Gegenstimme rund 100.000 Euro für die erste Ausgabe zur Verfügung gestellt. Nur die CDU enthielt sich, hatte aber politische Gründe und fühlte sich vom Ampel-Bündnis übergangen. Aus 'Düsseldorf Photo' wird nun 'Düsseldorf Photo +'."

Die MCH Group, Muttergesellschaft der Art Basel, meldet nach dem Verkauf ihrer Anteile an der Art Düsseldorf auch die vollständige Übergabe der India Art Fair an die Angus Montgomery Limited (Hongkong) von Sandy Angus, die damit alleinige Eigentümerin der Messe wird. Gleichzeitig verzeichnen die Schweizer in ihrem Halbjahresbericht von einem um knapp ein Viertel auf 272,1 Millionen Franken gesunkenen Umsatz bei einem Konzernergebnis von minus einer Million Franken: "Die MCH Group rechnet wie angekündigt im Geschäftsjahr 2019 mit einem weiteren Verlust in der operativen Tätigkeit und weiteren Restrukturierungskosten. Sie geht von einem Verlust in der operativen Tätigkeit ohne Sonderaufwände in der Grössenordnung wie 2018 aus. Die Restrukturierungskosten und der entsprechende Sonderaufwand lassen sich angesichts des laufenden Prozesses noch nicht beziffern. Von weiteren Wertberichtigungen auf die Messegebäude ist nicht auszugehen, weshalb das Konzernergebnis deutlich besser als in den beiden Vorjahren sein wird."

Patrick Drahi hat es geschafft: 91 Prozent des Aktienkapitals von Sotheby's haben seinem Übernahmeangebot zugestimmt, meldet Annie Armstrong bei Artnews. Ende des Jahres solle das Auktionshaus von der Börse genommen werden. Im Manager Magazin gibt es eine Meldung dazu von Alexandra Knape.

"Grow or die" in Chelsea: Margret Carrigan beschreibt im Art Newspaper den Wettlauf der New Yorker Galerien um immer größere Räume.

Montpellier soll ein Museum speziell für die Präsentation von Privatsammlungen erhalten, schreibt dpa, nachzulesen unter anderem in der Süddeutschen Zeitung: "Die französische Tageszeitung 'Libération' warf in einem Interview mit Nicolas Bourriaud, dem Leiter des neuen Museums in Montpellier, die Frage auf, ob sein Museum nicht jenen diene, die es nicht nötig haben? Die Antwort des ehemaligen Co-Direktors der Pariser Kunsthalle Palais de Tokyo: Das Haus sei keine Ode an den Kunstmarkt. Ihn interessiere die museale Dimension dieser Sammlungen, sagte Bourriaud. Seiner Einschätzung nach seien 90 Prozent der Sammlungen weltweit nicht 'sichtbar'."

Ob Kunst heute überhaupt noch einen Sinn habe, fragt Simon M. Ingold in der NZZ: "Sie ist mehr und mehr zum Investitions- und Luxusgut geworden, zum Statusobjekt, das der Befriedigung narzisstischer Selbstverwirklichungsphantasien von Milliardären dient. Künstler wie Jeff Koons oder Damien Hirst bedienen diese Impulse sehr gezielt. An die Stelle von gesellschaftlichem Einfluss ist das Primat des kommerziellen Erfolgs getreten. [Der Sammler Simon] Hall äussert sich ambivalent zu dieser Entwicklung: 'Kunst hat keinen intrinsischen Wert, deshalb ist der Kunstmarkt besonders anfällig für Moden und Trends, auch wenn das vielen geschmacklos erscheint. Ein erfahrener Sammler muss sich der Massenhysterie entziehen. Er muss auch erkennen, dass grosse Teile des Kunstmarkts manipuliert sind.'"

Das Wiederauftauchen von mehr als 100 in den 90er Jahren in Los Angeles aus Privathäusern gestohlenen Kunstwerken und Antiquitäten hat es in die Schlagzeilen geschafft, unter anderem beim Stern. Ein Blick auf die von der Polizei online gestellten Fotos der Objekte zeigt jedoch wenig Hochkarätiges.

Die Jahrgänge 1930 bis 1944 der WELTKUNST sind jetzt über die Uni Heidelberg online zu lesen, meldet die WELTKUNST.

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