Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Die Ruhe vor der Tefaf; Foto Stefan Kobel

18.03.2019 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 12 2019

Wie die Tefaf mit dem sich verändernden Markt umgeht, anaylsiert Melanie Gerlis ausführlich im Art Newspaper im Vorfeld der Messe. Auch Nina Siegal hat sich für die New York Times vor Ort mit den Modernisierungsmaßnahmen der Messe bei Zulassung und Jurierung beschäftigt. Einen Rundgang über die Messe hat Konstanze Crüwell für die FAZ unternommen. Ich war für Artmagazine und das Handelsblatt vom 15. März in Maastricht. Die "Kolonialismus-Debatte erreicht Kunstmesse Tefaf" titelt dpa, nachdem die Agentur selbst sie dort hineingetragen hat - nachzulesen unter anderem bei Monopol. Gerade einmal sechs der 279 Aussteller handeln dort mit Stammeskunst.

Ganz dem zeitgenössischen Design gewidmet und darin wahrscheinlich deutlich mehr Avantgarde als die Design Miami- oder PAD-Messen ist die Collectible in Brüssel, die Susanna Koeberle für die NZZ besucht hat.

Zeitgleich gab es auch noch zwei Messen mit einiger Tradition in Wien. Für Artmagazine.cc berichten Werner Rodlauer von der Art Vienna und Wolfgang Pichler von der WIKAM.

Die Ära der Kunstmessen könnte ihren Zenith überschritten haben, orakelt Tim Schneider bei Artnet, um im Anschluss die seit geraumer Zeit gängigen Trends zusammenzufassen.

Pop Up-Galerien könnten das nächste große Ding sein, glaubt Benjamin Sutton bei Artsy.

Gleich zwei Untersuchungen zum Kunstmarkt buhlen um Aufmerksamkeit. Den einen stellt die Tefaf traditionell an ihrem zweiten Öffnungstag vor. In ihm geht es in diesem Jahr um China. Den anderen lassen Art Basel und die UBS von Clare McAndrew erstellen, die sie von der Tefaf abgeworben haben, und präsentieren ihn perfiderweise nur wenige Tage vor der Tefaf. Er beschäftigt sich mit dem gesamten Kunstmarkt und setzt jedes Jahr andere Schwerpunkte.

Der Tefaf Markt-Report, der hier gelesen werden kann, lege den Schluss nahe, dass der chinesische Kunstmarkt seinen Höhepunkt überschritten habe und wohl nicht mehr an vergangene Umsätze anschließen könne, analysiert Tim Schneider für Artnet. Das zweite Jahr in Folge sei der weltweite Kunstmarkt gewachsen, jubelt hingegen Alex Greenberger bei Artnews. Das Herannahen rosiger Zeiten verheiße der Report für die Tefaf laut Frances Allitt in der Antiques Trade Gazette zufolge, da über drei Viertel der befragten Sammler in den nächsten Jahren moderne und zeitgenössische westliche Kunst kaufen wollten - ein Bereich, den die Tefaf gerade ausgebaut habe. Auf die Situation der zahlreichen Privatmuseen geht Gareth Harris im Art Newspaper ein. Viele von ihnen könnten die nächsten Jahre wohl nur überleben, wenn die Regierung erhebliche Steuervergünstigungen erließe. Eine konzise Zusammenfassung des Berichts hat Eva Komarek für Die Presse erstellt.

Aus dem Art Basel UBS-Report schlussfolgert Abby Schultz bei Barron's, Kunst sei für die Superreichen weniger attraktiv als vor einem Jahrzehnt. Das Wachstum des Kunstmarkts könne nicht von der starken Zunahme der Millionäre profitieren, da deren Zahl in den letzten zehn Jahren zwar um rasante 75 Prozent zugelegt habe, der Kunstmarkt jedoch lediglich um zehn Prozent gewachsen sei. Die Abhängigkeit kleinerer Galerien von nur einem Zugpferd betont Anna Brady im Art Newspaper, da in diesem Marktsegment im Durchschnitt eine einzelne Position für 42 Prozent des Umsatzes sorge. Das Kapitel zur Unterberwertung von Kunst aus weiblicher Produktion macht Melanie Gerlis zum Thema ihres Artikels in der Financial Times. Wie sich Galerien bemühen, daran etwas zu ändern, beschreibt Rochelle Spencer im Art Newspaper. Den Jungen (Millenials, Generation X, Generation Z) gehöre gerade in Asien die Zukunft des Kunstmarkts, liest Kanika Sood für den australischen Financial Standard aus dem Report. Zu einem ähnlichen Schluss kommt The National aus Abu Dhabi. Auch Marcus Woeller betont in DIE WELT vor allem die China betreffenden Aspekte des Berichts aus der Schweiz. Was die Gewichtsverschiebungen innerhalb der einzelnen Marktsegmente für die kleineren Marktteilnehmer, insbesondere in Europa bedeuten, habe ich für das Handelsblatt untersucht.

Farbe beeinflusse den Preis eines Kunstwerks, so eine Studie der Universität Tilburg, die Tim Schneider bei Artnet vorstellt. Blau sei am besten, gefolgt von Rot.

Die Auflösung der über 4.000 Objekte zählenden Kunstsammlung des Herrenmode-Produzenten SØR Rusche über Van Ham und Sotheby's melden Catherine Hickley im Art Newspaper, Monopol sowie ich im Handelsblatt vom 15. März .

In Italien haben sich Cristina Ruiz im Art Newspaper zufolge Kunstsammler und private Stiftungen zusammengetan, um Zeichen zu setzen gegen die Budgetstreichungen der Regierung im Kunstbereich.

Die Kulturminister von Bund und Ländern haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen im Umgang mit Kolonialobjekten geeinigt, wie einer dpa/epd-Meldung zu entnehmen ist, unter anderem in der Frankfurter Rundschau.

Der Deutsche Kulturrat stimme dem laut einer epd-Meldung, unter anderem in der Saarbrücker Zeitung, zu, bemängele jedoch, dass die Verantwortung der Kirchen aus der Diskussion ausgeklammert würden.

Größeren negativen Einfluss auf den Handel mit Stammeskunst habe der Savoy-Sarr-Bericht bisher nicht gehabt, stellt Anny Shaw im Art Newspaper fest.

Mit einem Gemälde von Paul Signac sei jetzt ein weiteres Werk aus dem "Kunstfund Gurlitt" als Nazi-Raubkunst identifiziert worden, meldet die Deutsche Welle. Damit erhöht sich die Zahl der Raubkunst-Werke in dieser seinerzeit privaten Sammlung auf sieben. Von insgesamt rund 1.500 wohlgemerkt. Konsequenzen für Politiker, die diesen Skandal zu verantworten haben? Bisher Null.

Zollfreilager dienten keineswegs der Geldwäsche oder Steuerhinterziehung, entnimmt Anny Shaw für das Art Newspaper einem Brief der EU-Kommission als Antwort auf die Anfrage eines Parlamentariers, der speziell den Luxemburger Freeport im Fokus hatte.

Kunst sei noch nie wirklich frei gewesen und schon immer nach Geld gegangen, erklärt Philipp Meier in der NZZ.

Diese These sieht auch Arno Widmann im Kölner Stadt-Anzeiger nach Besuch zweier Ausstellungen in Liechtenstein und Wien bestätigt: "Keine Kunst ohne Kapital."

Daniel Hug übernimmt neben der Art Cologne für zunächst zwei Ausgaben die Direktion der Cologne Fine Art, melden Artmagazine.cc und Georgt Imdahl in der FAZ vom 16. März.

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