Stephan
Zilkens
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Newsblog 5. KW 2026
Wer bisher noch nicht die Gelgenheit hatte Stefan Kobel mal zu hören statt zu lesen hat hier die Gelgenheit: Im WDR 3 lief unter dem Titel: "Mondpreise und Millionenverluste: Kunstmarkt in der Krise" eine Diskussionsrunde moderiert von Peter Grabowski an der neben Kobel auch Nadine Oberste-Hetbleck vom ZADIK, Isabel Apiarius-Hanstein vom Kunsthaus Lempertz und Rupert Pfab von der gleichnamigen Galerie teilnahmen. 50 erhellende Minuten - Prädikat hörenswert!
Aber nicht nur die Galerien im Deutschen Sprachraum haben ihre Mühen mit der Politik - In Spanien weigert sich die sozialistische Regierung den Mehrwertsteuersatz auf Kunst von derzeit 21% auf ein erträgliches Europäisches Niveau zu senken, obwohl sie die Gelegnheit dazu hätte. Konsequenz: Viele Galerien streiken vom 2. - 7. Februar und verzichten auf Umsätze. Ob sie ihre Mitarbeiter aussperren, um so zusätzlichen Druck zu erzeugen ist nicht bekannt. In Deutschland bleibt die Künstlersozialkasse ein Ärgernis nicht nur für Galerien. Selbstständige Grafikdesigner, Texter und überhaupt freiberufliche Kulturschaffende lösen bei ihren Auftraggebern Zahlungen an die Künstlersozialkasse aus. In der Regel entwickeln Unternehmer ihre Altersvorsorgepolitik selbst - bei Kunst nahen Tätigkeiten ist das anders geregelt und für Galerien bedeutet das eine Kostenbelastung von fast 10% der bei Ihnen verbelibenden Umsätze. 100% Verkaufspreis abzüglich 50% für den Künstler ist die Grundlage der Belastung für die Galerien. Die Abgabe wird auf den Kaufpreis berechnet. Und dann kommen die Kosten der Galerie erst in Abzug. Für viele Galerien in Deutschland ist es schwer mehr als 50.000 EUR als Jahresergebnis darzustellen - hat Hergen Wöbken in seiner Studie festgestellt. Zum Glück sterben die Idealisten nicht aus (bisher).
Jetzt hat es die holländische Staatshaftung ordentlich erwischt. 5,7 Mio. EUR hat sie für den Diebstahl rumänischer Goldobjekte locker machen müssen, weil man damit ursprünglich Prämien sparen wollte. Seit 1989 war wohl viel Glück dabei, denn es ist wenig passiert, wofür der Staat hätte haften müssen. Wenn man bedenkt, dass die Versicherung der Staatshaftung für vielleicht 9.000 EUR am Markt zu platzieren wäre, hätte man 633 Jahre Beiträge zahlen können. Nothing beats cheap insurance - das gilt auch für Staatshaftungskonstrukte - zumal trotz aller Unkerei in vielen Segmenten die Versicherungswerte steigen (und die Beitragssätze proportional sinken).
Behörden und Widersprüche bei gemeinsam handelnden Gruppen: In Minneapolis schützen sich die schießwütigen ICE Beamten untereinander und das Heimatschutzministerium stellt unhaltbare Behauptungen auf, die per Video ad absudrum geführt werden. Im Louvre werden Kronjuwelen gestohlen und die Wachmannschaft behauptet sie habe Besucher schützen müssen, was auch keinem Videobeweis standhält. Vermutlich werden viele jetzt sagen, man könne staatlich bevollmächtigte Mörder nicht mit schlecht bezahlten Museumswärtern in einem Atemzug nennen. Was den Verhaltenskern hinsichtlich der Ausstellung wechselseitiger Alibis angeht leider doch.
Mercosur wäre ein großer Hoffnungsschimmer für ein stärker werdendes Europa. Im Land mit der größten Bevölkerung und der größten Wirtschaftskraft in Europa gibt es eine politische Brandmauer, die die Grünen jetzt eingerissen haben in dem sie im Europaparlament mit der AfD gestimmt haben - darüber spricht jeder! Aber auch die Linke, die keine Minute vergehen läßt die Brandmauer moralisch hochzuhalten hat mit den Ultrarechten gestimmt - aber darüber spricht seltsamerweise keiner.
In der Nacht von letztem Donnerstag auf Freitag ist in Köln Claas Kleyboldt im Alter von 88 Jahren gestorben. Ohne ihn würde es vermutlich die Kunstversicherung als eigenständigen Geschäftsbereich innerhalb von Versicherungsgesellschaften nicht geben. Er war Vorstandsvorsitzender der Nordstern Versicherungen, als 1982 die Idee aufgesetzt wurde einen eigenen Bereich für das Thema Kunst innerhalb einer Versicherungsgesellschaft zu etablieren. Vom Markt anfangs belächelt sorgte er dafür, dass sich für Kunsthistoriker ein neues Berufsfeld entwickelte - frei nach der Devise: es ist leichter für Menschen, die etwas von Kunst verstehen das Versicherungswesen zu erlernen als umgekehrt. Im zweiten Jahr des jungen Pflänzchens fiel ein Picasso von einem Kaminsims auf eine Kerze und frass mehr als die Hälfte des bis dahin akquirierten Jahresbeitrages auf. In vielen Häusern hätte das das Ende des Versuchs bedeutet. Nicht so unter Kleyboldt: Er suchte und fand mit Stephan Waetzoldt, der sich gerade bei der Stiftung preussischer Kulturbesitz in den Ruhestand verabschiedet hatte, jemanden, der mit Lust und Ideen viele wichtige Impulse für den Aufbau der Kunstversicherung beisteuerte. Auch als durch Fusionen der Nordstern als Gesellschaft im Bauch der AXA gelandet war, wurde innerhalb dieses Konzern zunächst das Kunstgeschäft unter der Marke Nordstern weitergeführt und dann zu AXA ART entwickelt, der einzigen Einheit innerhalb des Konzerns, die nicht aus Paris heraus gesteuert wurde. Dem Deutschen AXA Konzern stand Kleyboldt bis 2007 als Aufsichtsratsvorsitzender vor und war anschließend dessen Ehrenvorsitzender. Neben vielen anderen Aktivitäten kümmerte er sich auch um die Förderung von Hochbegabten jungen Menschen und stattete dafür die Matthias Kleyboldt Stiftung mit Startkapital aus. Auch in dieser Idee wird sein Andenken weiterleben. Wir trauern mit seiner Familie.
Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln