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David ist Ukrainer - Gesehen im Albertinum, Dresden - Photo Stephan Zilkens
David ist Ukrainer - Gesehen im Albertinum, Dresden - Photo Stephan Zilkens
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 11. KW 2026

In Baden-Württemberg wurde gewählt. Das ist die Gegend, die damit und wirbt, dass sie alles kann, außer der Bundessprache. Seit über 15 Jahren stellen die Grünen in einem industriellen Kernland den Ministerpräsidenten und als Juniorpartner fungiert die CDU. Wenn man jetzt die Debatten im Fernsehen verfolgt und das mit den Zahlen vergleicht könnte man sich wundern: Die von allen anderen als demokratiefeindlich angesehene AfD holt fast 9% mehr Stimmen bei über 70% Wahlbeteiligung als bei der letzten Wahl und hat damit den größten Zuwachs von allen - aber richtig darüber reden will auch keiner. Die bisherige Regierungspartei verliert ca. 2,3% der Stimmen, wird aber als der große Sieger gefeiert und die CDU, die ca. 5,6% der Stimmen dazu gewinnt und damit mit den Grünen gleich auf ist, wird einem als der große Verlierer dargestellt. Bleibt noch die Sozialdemokratie, die gerade die 5% Hürde geschafft hat - auch kein Ruhmesblatt - und der Abgesang der Freiheitlichen hat im Stammland einen großen Chor bekommen. Wollen denn alle nur reguliert und gegängelt werden? Und wie haben die noch unters Jugendstrafrecht fallenden 16- und 17- jährigen abgestimmt?

Für den Kulturschutz war die letzte Woche ziemlich verheerend, weil neue Konfliktherde dazu gekommen sind. Iran, Abu Dhabi, Qatar, Dubai, Saudi-Arabien, Kuweit .... In allen Ländern gibt es Museen und Orte, die die jeweilige kulturelle Identität dokumentieren oder den Blick in neue Welten öffnen. Sie alle sind bedroht und den Angriffen meist schutzlos ausgeliefert. So wie die Museen in der Ukraine den Russischen Attacken ausgeliefert sind. Der Kulturgutschutz ist noch nicht systematisch entwickelt. Es gibt nur wenige Schutzbunker und in der Regel auch keinen Plan, was in einer Angriffssituation getan werden soll. Jetzt sind die Museen geschlossen, die Touristen hoffen auf Flüge in die Heimat und zwischen den Drohnen scheint sich etwas zu normalisieren. Da durchfliegen möchte man auch nicht. Die Versicherer stellen nur geringe Kapazitäten zu horrenden Preisen für die Abdeckung von Kriegsrisiken zur Verfügung. Das wollen nur wenige ausgeben, zumal sie im Totalschaden nur Geld erhielten irgendwo auf dem Weltmarkt etwas Vergleichbares wieder zu kaufen. Kunstwerke sind nun mal Unikate - und ein Leonardo ist noch längst nicht so gut, wie ein anderer ....

Das gilt übrigens auch für Wahrzeichen, wie den Kölner Dom. Dessen Instandhaltung wird zu einem großen Teil durch den von Kölner Bürgern getragenen Dombauverein sichergestellt. Die Kirche und die Stadt geben auch einen Teil, aber den deutlich kleineren. Die Stadtverwaltung ist so gut wie pleite und muss den in den letzten 8 Jahren getätigten Personalaufbau verkraften, der katholischen Kirche laufen die Gläubigen weg, weil sie ihre Botschaft nicht modernisieren will und auch nur sonst mittelprächtig wirtschaftet. Alles was die Stadtverwaltung in baulicher Obhut hat zerbröselt über kurz oder lang, weil Instandhaltung nicht so ihr Ding ist - lieber noch ein paar Fahrradstrassen in zentraler Lage und leere Straßenbahnen in Überlänge, die kein Mensch braucht. Jetzt soll die Besichtigung des Domes für Touristen, die nur besichtigen und nicht beten wollen Eintritt kosten. Vielleicht 5 EUR? Westminster Abbey kostet 30 GBP! Wenn nur 5.000 der mehr als 10.000 Besucher den Obolus entrichten würden kämen im Jahr gute 9.000.000 EUR zusammen - damit kann man den Dom lange in Stand halten und Touristen den Weg in die Stadt weisen.

Vor wenigen Jahren fielen mir am Flughafen von Jeddah die dort stationierten Patriot Abschussanlagen auf. Da landen die Gläubigen für den Hadsch nach Mekka. Für mich undenkbar, dass im 21. Jahrhundert noch in Verteidigungsstrategien des 19. Jahrhunderts gedacht wurde. Das kam mir jedenfalls so vor - Jetzt werden wir durch die wahllosen Attacken Irans eines Besseren belehrt.

Die Auktionen der letzten Woche in London sollen gute gelaufen sein - die ARCO war wohl auch nicht schlecht. Ab Donnerstag trifft sich die Kunstwelt dann in Maastricht, um die Schätze der TEFAF zu bewundern - auch die, die temporär von außerhalb der EU eingeführt wurden. Kunstspediteure kümmern sich hoffentlich straffrei um die professionelle Erledigung. Vermutlich versammeln sich Werte von ca. 4 Mrd. EUR im MECC - und das setze man mal in Relation mit den Werten eines großen Produktionsbetriebes, wie Bayer oder Volkswagen. Da ist die Wertkonzentration gestreuter.

Wenige Wochen später eröffnet die Biennale in Venedig und man wundert sich, wo der Aufschrei bleibt: Der Präsident der Biennale möchte den seit 1912 in den Giardini stehenden und seit 2022 geschlossenen Pavillon der Russen wieder von Russland bespielen lassen. Seine Vorfahren sind möglicherweise im Zirkus aufgetreten - Buttafuoco heißt Feuerspucker! - Er spricht von einer "Diplomatie der Schönheit" - und das entspricht einem eher rückwärts gewandten Kunstbegriff, denn die Kunstkritik reibt sich lieber an sperrigen Werken, die einen irgendwie anrühren - aber wenn etwas nur schön ist könnte es leicht hohl sein und dann ist das Werk durchgefallen. Krieg ist nicht schön und aktiver Kampf gegen die Bevölkerung eines Landes schon gar nicht. Russland auf der Biennale geht aktuell überhaupt nicht - und in Deutschland wäre der Feuerspucker vermutlich schon von seinem Amt entbunden.

Jetzt hoffen wir mal, dass sich die Lage im Mittleren Osten stabilisiert und die Menschen bald wieder gefahrlos reisen können.

Allen einen nachdenklichen Start in die Woche an deren Ende hoffentlich Manches klarer sein wird.

Ihr Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln