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Marcel Duchamp lässt grüßen: Art Genève 2026; Foto Stephan Zilkens
Marcel Duchamp lässt grüßen: Art Genève 2026; Foto Stephan Zilkens
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 6. KW 2026

Schon wieder ist ein Museum bestohlen worden: diesmal hat es das Silbermuseum in Doesburg (Niederlande) getroffen, das in kürzester Zeit seinen kompletten Bestand von ungefähr 300 silbernen Senfdosen, die zwischen 1700 und 1920 geschaffen wurden, an dreiste Diebe verloren hat. 2021 gegründet und bestückt aus der Sammlung von Martin de Kleijn war das Museum in der aus dem 13. Jahrhundert erbauten St. Martinskirche in Doesburg untergebracht. Die gestiegenen Preise für Silber waren wohl hier der Auslöser. Es wurden nur Ausstellungsstücke aus Silber gestohlen - wieder mal ein Beweis dafür, dass Objekte, die sich leicht zu Geld machen lassen in Museen besonders gefährdet sind.

Anderswo ist es auch schwierig. Die Einwohner von Städten mit einem langen, großen bürgerlichen Erbe wählen oft Parteien in ihre lokalen Parlamente, die Kultur nur ideologisch oder gar nicht verstehen. Konsequenterweise verweigern die von ihnen kontrollierten Verwaltungen die nötigen Mittel, um die Museen adäquat zu betreiben und baulich zu erhalten. So entsteht ein Museumspräkariat! Und das der Nachwelt oftmals geschenkte Erbe droht zu vergammeln. Auch wenn Künstlerstiftungen anfänglich die Kosten für Museen schultern können gehen ihnen die liquiden Mittel ab. So scheint es jetzt dem Paul Delvaux Museum in Saint-Idesbald (komischer Heiliger, noch nie gehört) in Belgien zu gehen. Die Stiftung hat zwar große Bestände an Arbeiten von Delvaux aber kein Geld auf dem Konto. Stiftungen sind in der Regel zum Werterhalt verpflichtet - aber sie können auch nicht ständig aus ihren Beständen abgeben, nur um den Erhaltsverpflichtungen nachzukommen.

Manches Auktionshaus würde sich über gutes Material freuen - allerdings das Auktionshaus Zeller aus Lindau am Bodensee nicht mehr. Nach über 60 Jahren schließt es jetzt seine Pforten. Mit einer lapidaren Mail werden Kunden und Einlieferer darüber informiert, dass nur noch die Homepage für Nachverkäufe eine zeitlang offen sei. Das Schicksal scheint Sotheby's nicht bevor zu stehen, wenn man Stefan Kobel's Nachrichten folgt. Art Financing scheint das große Geschäft zu sein und classic cars werden jetzt zur Risikostreuung beigemischt. In den letzten Jahren wurde auch das Personal im Hause umgeschichtet, wie man hört. Allerdings kommen bei der European Federation of Auctioneers (EFA) immer häufiger Klagen über schleppende Auszahlungen von Auktionserlösen von Einlieferen an. Die Zinsen auf ausgegebene Kredite sind eben interessanter als die für in Anspruch genommene Kreditlinien.

Sind die Informationen der EFA eher nur einem kleinen Kreis bekannt werden die Beschwerden die beim Ombudsmann (der jetzt gerade eine Frau ist) der Versicherungen eingehen jährlich veröffentlicht. 30.000 Beschwerden gab es im letzten Jahr, ca. 20% davon wurden nicht angenommen, ca. 30% sind noch in Prüfung, ob sie angenommen werden können aber die andere Hälfte ist ausgewertet und the winner is: Die Kraftfahrtversicherung! Auf den Plätzen folgen Rechtschutzversicherungen (mit stark steigender Tendenz), die Lebensversicherung (keine nennenswerte Veränderung) und die Haftpflichtversicherung. Wenn man bedenkt, welches Kesseltreiben Politik und Presse, auch auf Europäischer Ebene, wegen angeblich unlauterem Verhalten insbesondere der Lebensversicherer für Bürokratieaufbau und Kontrollwahn veranstalten, an Statt dem Bürger die Verantwortung für sein Handeln und den Markt machen zu lassen hechelt man wohl einem Popanz hinterher. Es gibt ca. 84 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland und 3.246 Beschwerden dagegen beim Ombudsmann! Das sind 0,0038% gemessen am Gesamtbestand. Das lohnt weder einen weiteren Regulierungsaufwand noch einen Eingriff in die Bezahlsysteme der Vertriebe.

Letzte Woche habe ich mit meinen Worten über die Künstlersozialkasse Verwirrung gestiftet. Das bedauere ich. Zwischenzeitlich ist bei Monopol ein Artikel von Daniel Völzke erschienen, der das Thema auf den Punkt bringt. Allerdings scheint die Begründung von Politik und gewerkschaftlichen Künstlerverbänden, dass die Künstlersozialkasse erforderlich sei, um künstlerische Arbeit überhaupt erst möglich zu machen, eher dünn. Deutschland ist das einzige Land mit einem solchen Absicherungssystem in der Welt, so weit wir wissen, und anderswo entsteht keine Kunst? ...

Und dann war da noch die Art Genève bis Sonntag mit 80 Galerien in der Westschweiz. Die meisten aus der Schweiz und aus französischsprachigen Gegenden. Einige wenige aus Österreich und aus Deutschland keine. Dabei wird dort gut verkauft - sagen die, die mehr als zweimal dort waren. Allerdings sind die Standmieten schon ziemlich gezuckert. 100 TEUR sind schnell ausgegeben und die muss man als Galerie erst einmal wieder hereinholen. Preise fast wie in Basel. Ein weißer Fontana mit 2 Schnitten für 2,7 Mio. EUR, allerdings auch ein nicht ganz so typischer mit 5 Schnitten für 1,4 Mio. EUR. Christos Reichstag in einer großen Fassung wurde für 550 TEUR angeboten und kleine Arbeiten von Kawamata gab es für unter 10 TEUR. Alles in Allem eine solide Messe für Galerien und Sammler.

Jetzt hoffen wir auf eine gute Art in Karlsruhe, die am Mittwoch beginnt, gleichzeitig mit der Art Basel in Doha (Qatar) und der Art Philippines in Manila. Den Ukrainern wünschen wir eine Woche in der die Drohnen schweigen (P hat das ja angeblich T versprochen - aber beide haben ihr eigenes Verständnis von Wahrheit) und Ihnen eine Woche voller angenehmer Kunsterlebnisse

Das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln