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The Team auf der Art Düsseldorf, Photo: unbekannter Parkwächter gegenüber dem Eingang
The Team auf der Art Düsseldorf, Photo: unbekannter Parkwächter gegenüber dem Eingang
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 17. KW 2026

Wieder so eine Woche für Börsenspekulanten, die Wetten auf steigende oder fallende Preise eingehen. Straße von Hormuz auf - Straße von Hormuz zu! Mal sehen, wie oft sich das noch wiederholt. Für planbares Wirtschaften ist das Gift. Für Zocker kann das zu großem Reichtum führen. Die Freunde des Amerikanischen Präsidenten müssen demnächst so einiges finanzieren - gegen Spendenquittung versteht sich: Eine gigantische Presidential Library in Miami und einen Triumphbogen in Washington, der größer ist als sein Pariser Vorbild, dass schon die römischen Vorbilder deutlich überragt. Architektonische Geschmacklosigkeiten sollen da im Land der unbegrenzten Möglichkeiten entstehen, die vermutlich dann nicht mehr so schnell zu beseitigen sind und vielleicht dereinst das Land daran erinnern, dass man bei der Wahl seiner Präsidenten (allerlei Sie wissen schon) nicht für das größte Maul stimmen sollte.

A Propos Amerika: die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. sucht noch Sponsoren für eine große Ausstellung im Hangar 7, die am 4. Juli zur 250 Jahrfeier der Unabhängigkeitserklärung eröffnet werden könnte. Es fehlen noch 2,2 Millionen - steuerlich absetzbar - um ein spannendes Projekt zu realisieren, dass Trump ganz bestimmt nicht schmecken wird. Es könnte die erste Deutsche Übersichtsausstellung zur amerikanischen Kunst seit über 30 Jahren werden. Wie reagieren Künstlerinnen und ihre andersgeschlechtlichen Pendents auf die aktuelle Situation in den USA? Wie bewegt sie die Spaltung der Gesellschaft, ihre Polarisierung und Radikalisierung? Welchen Beitrag wollen sie leisten, damit die freiheitlichen Ideale der Demokratie weiter gelten? Unternehmen, die helfen wollen, dass diese Ausstellung stattfindet, melden sich bitte bei der Stiftung. Viele scheinen Angst vor der Rache des großen Bruders zu haben - schade, denn gleichzeitig werfen sie der Bundesregierung vor nicht entschlossen genug die Interessen Europas gegenüber der Trump Administration zu vertreten. Support Artists in Exile Cologne e.V. ist darauf eingestellt, dass sich auch Kunstschaffende aus USA für ein Stipendium bewerben.

Iran, Israel, Russland und USA stehen auf der offiziellen Teilnehmerliste der diesjährigen Biennale in Venedig. Nach offizieller Lesart führen diese Länder Krieg, teilweise gegeneinander, teilweise gegen Drittstaaten. Es gibt über 100 weitere bewaffnete Konflikte weltweit von Myanmar, Nigeria, Somalia, Kongo über Libanon bis nach Syrien und Randgebiete der Türkei, die nicht als Krieg bezeichnet werden, aber trotzdem Leid zu den betroffenen Menschen bringen. Vor zwei Jahren war der israelische Pavillon in Venedig geschlossen und Russland hatte seinen Pavillon Bolivien zur Verfügung gestellt. Jetzt soll Russland, dessen Angriff auf die Ukraine auch Europa und damit auch Italien bedroht wieder teilnehmen - dagegen gibt es zum Glück weitreichende Proteste. Manche vertreten die Ansicht, dass kein Land, was zur Zeit aktiv Krieg führt an der Biennale teilnehmen solle. Das beträfe dann auch die USA im 250. Jahr nach ihrer Unabhängigkeitserklärung.

Die Messen in Mailand und Düsseldorf sind gerade zu Ende gegangen - Kobel berichtet. Man vergisst gerne, dass im Vorfeld der Messen die gesamte Infrastruktur in die Räume gebracht werden muss, damit man irgendwo ein Bild hängen kann. Da man nicht endlos Zeit hat und die Hallen Miete kosten geht es um eng getaktete Zeitpläne - fragen Sie mal die Logistiker, die die Art Basel in Hong Kong betreuen. Die haben von 20:00 Uhr, wenn die Messe Sonntags schließt, bis Montag 4:00 Uhr früh Zeit das Kongresszentrum komplett zu räumen. Im Böhler Areal in Düsseldorf stand Ostern noch keine Wand, an der man Bilder aufhängen konnte. Der für den Transport der Messewände zum Areal Böhler zuständige Spediteur konnte seine Fahrzeuge kurzfristig aufgrund technischer Probleme nicht mehr einsetzen. Ersatz war nicht zu finden: Zwei Tage vor Karfreitag, für eine Anlieferung direkt nach Ostern, blieb eine europaweite Telefonaktion — bei der rund sechzig Spediteure kontaktiert wurden — ohne Ergebnis. Die Messe stand vor dem Worst Case. Um nicht absagen zu müssen, griff Walter Gehlen, Direktor der ART DÜSSELDORF, zum Telefon: In den frühen Morgenstunden klingelte er den Geschäftsführer von Hasenkamp aus dem Schlaf — und bat um Hilfe. Dr.Thomas Schneider nahm sich der Sache an. Innerhalb weniger Stunden gelang es ihm, Spediteure aus seinem Netzwerk zu mobilisieren und davon zu überzeugen, Düsseldorf Vorrang zu geben. Eine ausreichende Anzahl von Spezial-40-Tonnern stand bereit, das Standbaumaterial erreichte das Messegelände — und die ART DÜSSELDORF 2026 konnte stattfinden. Die Messe war gerettet. Hasenkamp sei Dank

In den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts hieß die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach, die für eine liberal-rechtsstaatliche Linie stand und hohes Ansehen genoss. Benjamin Limbach, ihr Sohn und grüner Justizminister von Nordrhein-Westfalen, steht eher für intransparente Personalentscheidungen und gut gemeinte aber extrem spießige Gesetzesinitiativen, die das Verhältnis der Geschlechter regeln soll und das Gegenteil bewirken. Allen Ernstes möchte er unter Strafe stellen, wenn Männer Frauen hinterher pfeifen. Klar, solches Verhalten ist schlechtes Benehmen, Ausdruck mangelnder Erziehung und korreliert ziemlich direkt mit dem Bildungshorizont des Pfeifenden. Sicher ist, die Konkretisierung des Gesetzesvorhabens beschäftigt Juristen und schafft weitere Beschäftigungsgrundlagen für diesen Berufsstand. Interessant werden die Beweisaufnahmen, noch interessanter die Verfahren und von den Kosten wollen wir gar nicht sprechen. Was ist eigentlich wenn die angepfiffenen Frauen mit eindeutigen Fingergesten reagieren, die mindestens den Tatbestand der Beleidigung erfüllen? Es sollte doch um Bürokratieabbau gehen - oder gilt die Gesetzesinitiative den tausenden im Justizwesen, deren Stellen durch Bürokratieabbau gefährdet wären? Von Letzterem ist allerdings nichts zu merken - Stellenabbau in Verwaltungen? Nur im frei finanzierten Wettbewerb, nicht in der durch Steuergelder finanzierten Verwaltung..

Zum Schluß etwas Erfreuliches: Han Byul Jung ist bei Liberty zur Head of Underwriting Fine Art&Specie in der Schweiz ernannt worden und folgt damit David Saillen auf dieser Position. Wir gratulieren herzlich.

Und ganz zum Schluß was richtig Langweiliges: Bayern München ist schon wieder Deutscher Meister im Fußball. Oder freuen wir uns jetzt über stabile Verhältnisse?

Allen eine Woche mit anregendem Kunstgenuss - der Freiheit eine Gasse!

Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln