Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Neu in Hongkong: Ivan Wirth und Mark Bradford; Foto Stefan Kobel

03.04.2018 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 14 2018

Dank Dennis Kremer wissen wir: "Mit Kunst lässt sich viel Geld verdienen. Das zieht Betrüger an: Fälscher und Geldwäscher wittern gute Geschäfte." In der FAZ erklärt der Wirtschaftsredakteur mal dem Lieschen Müller, wie schlimm es auf dem Kunstmarkt zugeht: Da wird der berühmte Ebay-"Dachbodenfund" bemüht, der bekanntlich nur bei Bildender Kunst die Gier der Schnäppchenjäger weckt, da wird gerade zeitgenössische Kunst besonders gerne gefälscht, und zu guter Letzt versteigt der Autor sich zu der Behauptung: "Beide Fälle, Achenbach und Bouvier, weisen mindestens eine Gemeinsamkeit auf: Sie zeigen, dass viele Kunstgeschäfte auf Gutgläubigkeit beruhen und die wenigsten die Rechnungen genau anschauen. Ein Phänomen, das sonst im Wirtschaftsleben kaum vorstellbar ist." Nein, im Wirtschaftsleben ist es überhaupt nicht vorstellbar, dass die Gutgläubigkeit von Anlegern ausgenutzt wird. Der Autor ist übrigens "Gewinner des Econsense-Journalistenpreises 2010 sowie des State-Street-Preises für Finanzjournalisten 2010 und 2015".

Auf Kunstmarktberichterstattung auf Anfängerniveau hat sich auch die ZEIT zurückgezogen, die Clemens Bornsdorf die Bauernfalle Kunstauktion erklären lässt: "Wer unbedarft in eine Auktion spaziert, bis zu seinem persönlichen Limit mitsteigert und den Zuschlag erhält, dürfte also eine wenig erfreuliche Überraschung erleben, wenn er statt 2,2 Millionen am Ende 2,75 Millionen Euro zahlen muss - oder auch nur 2.750 Euro statt 2.200. Der Ersteigerer wäre dann selbst schuld und hätte keine Chance, den Kauf rückgängig zu machen. Denn wer die Auktionsbedingungen der Häuser gründlich liest, erfährt darin, wie Endpreise berechnet werden. Zudem gibt es bei Auktionen, anders als bei klassischen Käufen nicht die gesetzliche Möglichkeit, vom Kauf zurückzutreten. Denn die im Bürgerlichen Gesetzbuch für das Auktionswesen definierten Ausnahmen bedeuten nicht nur, dass die Preisangaben ungewöhnlich intransparent sind, sondern beispielsweise auch, dass es das klassische Widerrufsrecht nicht gibt. Was bleibt, ist die Tatsache, dass der Kunstmarkt einmal mehr ungewöhnlich schwer zu durchschauen ist und damit auch an seiner eigenen Mystifizierung mitstrickt."

Warum die Art Basel Hongkong für Kunstfreunde aus hiesigen Gefilden keine Reise lohnt, erklärt Brita Sachs wohl eher unfreiwillig in der FAZ: "Pearl Lam, die glamouröse Galeristin in Hongkong, Shanghai und Singapur, spricht vom Sicherheitsbedürfnis neuer Sammler: Um keinen Fehler zu machen, kaufen sie große Namen. Was jeder kennt, was alle haben, muss nach dieser Logik gut sein."

Für den asiatischen Kunstmarkt sei die Bedeutung der Art Basel hingegen kaum zu hoch einzuschätzen, glaubt Gerhard Mack in der NZZ: "Der Erfolg der Galerien ist wesentlich der Art Basel zu verdanken, die gestern Samstag zu Ende ging. Asiatische Sammler waren es gewohnt, auf Auktionen zu kaufen. Es gab zwar bereits zuvor Kunstmessen in der Region, und ihre Zahl nimmt stetig zu. Aber erst der Art Basel ist es mit ihrem Ruf gelungen, Käufer zur Gegenwartskunst und zum Erwerb bei Galerien zu bewegen. Dass diese Entwicklung so schnell ging und die Messe sich in nur fünf Jahren zur zentralen Drehscheibe für den Kunstmarkt einer Region von Istanbul bis Auckland entwickelte, hat viele Beobachter überrascht."

Für Harald Krämer hat die Veranstaltung hingegen noch Überraschungen zu bieten, worüber er sich bei Artmagazine freut: "Besucht man eine Kunstmesse wie die Art Basel, so gibt es verschiedene Gründe hierfür und neben der Passion die Sammlung zu erweitern, sich als KünstlerIn in Szene zu setzen oder sich einfach nur ein Bad in der Menge zu gönnen, bietet die reichhaltige Vielfalt auch die Möglichkeit Entdeckungen zu machen, die aus Sicht eines Kurators zu neuen Ausstellungsideen führen können. Da sich über die Tage vom Moment der Voreröffnung bis zum Schliesstag die Präsentationen der Werke in den einzelnen Kojen kontinuierlich verändern - die Messe sozusagen als Prozess in Permanenz wahrgenommen werden sollte - tauchen immer mal wieder unerwartete Begegnungen auf von denen einige hier vorgestellt seien, da es ein Ding der Unmöglichkeit ist, diesen Kunstmessemoloch als Ganzes wahrzunehmen."

Was so alles verkauft wurde auf der Messe, hat Anna Louie Sussman für Artsy zusammengetragen.

Die wachsende Bedeutung Asiens und hier wiederum Hongkongs auf dem Kunstmarkt hebt Philipp Meier in der NZZ vom 31. März hervor: "Ostasien ist in Sachen Kunst rasant am Aufholen. Heute sind allein an den prestigeträchtigsten Auktionen in New York und London für rund 30 Prozent der Gesamterlöse Bieter aus Asien verantwortlich. Wobei Chinesen die grösste Nachfrage stellen. Hongkong ist unterdessen zu einem Hub gerade auch für westliche Kunst geworden. Über die Hafenstadt am Perlfluss finden rund 90 Prozent der Kunstimporte nach China statt, 50 Prozent sind es nach ganz Asien. In diesem florierenden Markt spielt die Art Basel die Mittlerrolle. Und mit ihr vor allem auch die westlichen Galerien, die an der Messe ihre Verkaufsstände haben und in Hongkong selber mit immer mehr Ausstellungsräumen starke Präsenz markieren".

Die drei Arbeiten Jean-Michel Basquiats mit den höchsten Auktionspreisen stammen alle aus dem Jahr 1982. Alexxa Gotthardt versucht für Artsy zu ergründen, warum das so ist.

Was sie vom aktuellen Kunstzirkus hält, der derzeit die Medien beherrscht, verrät die Münchener Sammlerin Ingvild Goetz im Focus vom 30. März Dona Kujacinski: "Viele Menschen verstehen heute nichts mehr von Kunst, betrachten ein Kunstwerk als Statussymbol. Aber es ist Gott sei Dank auch so, dass sich dieses Vorgehen nur auf wenige Künstler konzentriert. Ein gutes Beispiel ist der japanische Milliardär Yusaku Maezawa, der einen doch etwas mittelmäßigen Jean-Michel Basquiat für 110,5 Millionen Dollar gekauft und sich damit überall hat abbilden lassen."

Mit 764 Milliarden Dollar im Jahr sei der Umsatz der Arts Industries in den USA doppelt so hoch wie der der Landwirtschaft, jubelt Sarah Cascone bei Artnet. Sie beruft sich dabei auf eine Studie, die sie sich vielleicht besser genau angesehen hätte. Demnach umfasst der Sektor ebenfalls Rundfunk, Werbung und Musikindustrie. Erstellt haben die Studie das Wirtschaftsministerium und das National Endowment for the Arts, das der US-Präsident gerne abschaffen würde. Es wäre also nicht vewunderlich, wenn die Institution ein Interesse an einem möglichst hohen Wert der Branche hätte.

Die Superreichen hätten erstmals seit acht Jahren wieder mehr Geld für Kunst ausgegeben, entnimmt Henri Neuendorf für Artnet dem Wealth Report von Knight Frank.

Sotheby's scheint umzudenken und seine Mitarbeiter als wahren Reichtum des Unternehmens entdeckt zu haben, weshalb es sie mit Aktien daran teilhaben lassen wolle, berichtet Susanne Schreiber im Handelsblatt.

Apropos Ebay-Dachbodenfund: Den scheint in Großbritannien tatsächlich jemand gemacht zu haben: Laut Telegraph sei das Foto, das dort ein britischer Wild West-Fan für 7 Pfund gekauft habe, ein authentisches Portrait von Jesse James und 2 Millionen Pfund wert.

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