Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Weniger ist manchmal mehr: Art Cologne; Foto Jutta Dahmen

15.04.2019 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 16 2019

Kunstmessen seien nun einmal Verkaufsschauen, stellt Swantje Karich in DIE WELT lakonisch fest: "Die Kölner Kunstmesse versucht nicht mehr, schöner zu sein, als es eine klassische Messe eben sein kann: Ein Labyrinth aus weißen, dünnen Wänden breitet sich vor dem Auge aus. Schön ist anders. Beauté aber war ein Privileg der Boomjahre, der Zeit also, als man von der ABC in Berlin bis zur Frieze in New York noch daran glaubte, dass sich die Kunstmessen absetzen könnten von den Uhrenverkaufsschauen, man noch eine Form finden wollte, die die kommerzielle Aggressivität der Messe etwas abmildert und trotzdem für gute Verkäufe sorgt. Die Erkenntnis der vergangenen Jahre aber ist eindeutig: Kunstmessen sind eben auch nur Messen."

Das Angebot und die Aufstellung der Art Cologne fasst Christiane Fricke im Handelsblatt vom 12. April zusammen: "Anders als im letzten Jahr knubbeln sich die Großen nicht mehr alle an einem bevorzugtem Platz. Es präsentiert sich überall gut, sicher auch dank der offenen Ausstellungsarchitektur. Die Vielfalt des Gebotenen ist erstaunlich. Von der Edition (mit sechs spezialisierten Anbietern) über die klassischen Kunstgattungen bis hin zu Fotografie und Medienkunst mit Virtual Reality ist alles vertreten; bezeichnenderweise aber kein Künstler der auf internationalen Auktionen höchstbezahlten unter 45-Jährigen. So ist auf Deutschlands ältester Kunstmesse gute Kunst zu finden, die preislich noch nicht weggaloppiert ist."

Auch Rose-Maria Gropp gefällt in der FAZ die aufgeräumte aktuelle Ausgabe: "Köln war immer ein publikumsfreundlicher Kunstmarkt; die Auswüchse in den Achtzigern mit mehr als 300 Ausstellern waren vorübergehend Irrweg Richtung Jahrmarkt. Jetzt macht die Art Cologne alles richtig, sie hat ihr Profil noch einmal geschärft. Keinerlei Ambition im Höchstpreismarkt des Auktionsgeschäfts, das im Mai mit den New Yorker Prestigeveranstaltungen in die Frühjahrsrunde geht. Die Art Cologne findet ihr Publikum in der direkten Berührung mit der Kunst und mit deren Vermittlern. Das erzeugt, nicht zuletzt, einfach Entdeckerfreude." Interpretationshinweise zum folgenden Absatz werden gerne entgegengenommen: "Dass Künstlerinnen im Vormarsch sind, (wieder)entdeckte oder ganz junge, hat vor allem damit zu tun, dass sich Sehweisen verändert und Produktionsbedingungen deutlich verbessert haben, natürlich auch unter segensreichem Druck. Dass die etablierten Galerien an der Durchsetzung mitarbeiten, ist eine gute Entwicklung."

Vorab hat Alexandra Wach in der ZEIT Zweifel angemeldet: "Ob der Verlust eines eigenen Stockwerks dem Nachwuchs aber tatsächlich guttut und seine Platzierung zwischen den langjährigen Profis mehr Sichtbarkeit garantiert, muss sich noch erweisen. Fraglich ist auch, ob die Absage an die Expansion von Dauer sein wird. Schließlich springt Hug jetzt noch beim Sorgenkind der Kölner, der im Herbst stattfindenden Messe für Kunst, Design und Antiquitäten, der Cologne Fine Art, als Direktor ein. Eine Fusion der beiden Plattformen werde es allerdings nicht geben, erklärt Hug."

Ähnliche Ratschläge für Einsteiger im Kunstmarkt geben Stefan Koldehoff im Gespräch mit Klemens Kindermann für den Deutschlandfunk und ich im Gespräch mit Nadine Krüger für das ZDF.

Meine Eindrücke von der Art Cologne habe ich für Artmagazine aufgeschrieben.

Deutlich schwieriger als in Köln ist die Situation in Buenos Aires, wo die ArteBA inmitten einer schweren Rezession der Wirtschaft des Landes stattfindet, wie Eileen Kinsella bei Artnet beschreibt.

Mit Inventarlisten der Art & Antique in Salzburg mühen sich Brita Sachs für die FAZ und Eva Komarek für die Wiener Presse sowie Dorothea Baumer für die Süddeutsche Zeitung.

Wenn die Inspirationsarmut des Messeberichts von Helen Holmes für den Observer zur Dallas Art Fair ein Indikator für die Attraktivität der Messe ist, wird Texas wohl nicht der nächste Hotspot der Kunstwelt.

Das Portal Independent Collectors und seinen Gründer Christian Kaspar Schwarm, den diesjährigen Träger des Art Cologne-Preises für Kunstvermittlung würdigt Susanne Schreiber im Handelsblatt: "Dieses hochwertig gestaltete Onlinenetzwerk ist 'werbefrei und verkauft keine Kunst, Daten oder Services an Dritte', erzählt der Gründer dem Handelsblatt. Seine anhaltende Leidenschaft für aktuelle Kunst und die Horizonte, die sie eröffnet - das spürt jeder, der mit ihm spricht - ist größer als die persönliche Eitelkeit des Sammler-Entdeckers. 'Schwarms Engagement und seine Projekte zielen darauf ab, zu zeigen, dass das Sammeln von Kunst mehr ist als eine rein private Obsession: Es ist eine in die Gesellschaft zurückfließende Kulturleistung', sagt BVDG-Geschäftsführerin Sturm."

Das Guggenheim hat während eines Symposiums offensichtlich sehr dünnhäutig auf Fragen nach der Authentizität von Werken der Minimal Art und Konzeptkunst reagiert, die oftmals kaum oder gar nicht aus Originalteilen bestehen, berichtet Andy Battaglia bei Artnews. Gleichwohl seien einige Werke aussortiert worden, weiß Nancy Kenney im Art Newspaper. Für den Kunstmarkt ist diese Frage ebenfalls von Bedeutung. Bei Oldtimern und Möbeln gibt es da recht strenge Kriterien, bei zeitgenössischer Kunst handelt es sich hingegen um Neuland.

Ein außerhalb des US-Rechtsraums erklärungsbedürftiges Kunstversicherungsprodukt hat die Aris Title Insurance Corporation auf den Markt gebracht. Eine Meldung dazu hat Claire Selvin für Artnews verfasst.

Vom Ergebnis der Recherchen des Bestseller-Autors Ferdinand von Schirach zum Familienerbe berichtet die dpa, nachzulesen unter anderem in der FAZ: "Der Autor [...] hatte die Studie beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg in Auftrag gegeben und selbst finanziert. Demnach hat seine Großmutter Henriette nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle Kunstobjekte und Möbel, die der Familie von den Alliierten entzogen worden waren, durch Rückgabe oder Kauf zurückbekommen. 'Dieses Ergebnis der Untersuchung ist niederschmetternd', sagte von Schirach. Seine Großmutter habe damit ein zweites Mal Schuld auf sich geladen."

Das Abwracklager der Axa Art hat Uli Kreikebaum für den Kölner Stadt-Anzeiger besucht: "Wenn die Sachverständigen einen Totalschaden festgestellt haben, darf das Kunstwerk nicht mehr auf den Markt. In der Regel entwertet der Künstler seine Schöpfung dann selbst - danach gehört es der Versicherung, die dafür bezahlt hat. Einmal im Jahr versteigert die Axa Art 30 bis 40 Werke bei der sogenannten Herz-zu-Herz-Aktion für einen guten Zweck. Die Käufer müssen unterschreiben, dass sie die Objekte nicht öffentlich ausstellen werden - einst wertvolle Werke werden sogar als Leihgabe versichert, um Versicherungsbetrug vorzubeugen."

Vom achten Kölner Kunstversicherungsgespräch berichte ich für Artmagazine.

Zur Diskussion um Emil Nolde und das Bundeskanzleramt reicht im Grunde der Kommentar des Historikers Michael Wolffsohn aus einem Interview mit Christoph Heinemann im Deutschlandfunk: "Tugendhysterie". Ob sich der Shitstorm auf den Markt für Nolde auswirkt, scheint wenig wahrscheinlich.

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