Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Toxisch: Guggenheim Museum; Foto Stefan Kobel

19.08.2019 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 34 2019

Ein Gerhard Richter-Museum wird es in Köln bekanntermaßen nun wohl nicht geben - wozu auch, wenn der Künstler wahrscheinlich drei Räume in dem noch zu errichtenden Berliner Bau von Herzog & de Meuron bespielen kann, wie Nicola Kuhn im Tagesspiegel berichtet. Ausgehandelt habe den Deal, bei dem es auch um Steuerleichterungen gehen soll, Monika Grütters, worüber sich Daniel Völzke bei Monopol ebenfalls wundert.

Worauf sich britische Museen im Fall eines No Deal-Brexits einrichten müssen, fasst Javier Pes für Artnet zusammen.

Eine Liste mit "New Yorks toxischsten Museums-Beiräten" haben Whitney Mallett und Katy Schneider für Vulture erstellt. Der Kampf für eine saubere Kunst hat womöglich gerade erst begonnen.

Auch dpa greift das Thema auf, nachzulesen unter anderem bei Monopol: "Die Frage, aus welchen Quellen die Mäzene ihr Vermögen schöpfen, taucht immer häufiger auf. Einer der Gründe dürften wachsende Protest-Communities in sozialen Netzwerken sein. Der französische Journalist und Spezialist für Mäzenatentum, Bernard Hasquenoph, verortet diesen Trend in der angelsächsischen Welt. Für Historiker [Andreas] Hansert ist dabei nicht jeder Vorwurf gerechtfertigt: 'Fachlich[e] Einschätzung und die Art, wie etwas zum Teil aufgegriffen und kolportiert wird, sind nicht unbedingt deckungsgleich.'"

Wie Kunst in der Wirtschaft etwas bewirken kann, zeigt Gerhard Mack in der NZZ am Beispiel der Zwillinge Frank und Patrik Riklin, die mit Kunstprojekten für frischen Wind in Unternehmen sorgen: "Mit einem weiteren Projekt haben die Riklins ein Unternehmen verändert. Hans-Dietrich Reckhaus kam zu den beiden, weil er ein neues Insektenschutzmittel auf den Markt bringen wollte. Er leitet in Bielefeld ein familieneigenes KMU. Statt zu einer Werbeagentur zu gehen, wollte er die Künstler mit einer Aktion beauftragen. Die fragten ihn jedoch zuerst, was für ihn eine Fliege wert sei. In einem neunmonatigen Prozess wandelte sich der Unternehmer zum Insektenschützer. Inzwischen hat er das Label 'Insect Respect' etabliert, Aldi und andere Firmen rennen ihm die Bude ein, weil sie auf ihren Flachdächern zertifizierte Ausgleichsflächen für Insekten anlegen wollen. Die Firma Reckhaus produziert weiter Insektenvertilgungsmittel, aber die Chargen sind vor der Herstellung kompensiert."

Von einem zehnprozentigen Zolltarif, der beim Import in die USA ab dem 1. September auf in China hergestellte Kunstwerke gelte, berichtet Margaret Carrigan im Art Newspaper.

Im aktuellsten Teil seiner Reihe versucht Artsys (nicht ganz unbefangener) Consumer Marketplace Strategist Alexander Forbes zu beweisen, dass die Veröffentlichung von Preisen Künstlern, Galeristen und Sammlern hilft. Er argumentiert unter anderem mit den Untersuchungen des eigenen Unternehmens, die belegten, dass Neulinge unter Umständen gar nicht erst anfingen Kunst zu kaufen, weil die Intransparenz sie abschrecke.

Die Pace Gallery macht jetzt auch in Irgendwas mit Kunst und Internet oder Tech: Alex Greenberger meldet bei Artnews die Gründung von PaceX. Seine Erklärungen zum Inhalt des Projekts sind so vage wie die von Pace-Chef Arne Glimcher. Um viel Geld wird jedenfalls gehen, da als CEO von PaceX Christy MacLear ageheuert wurde, die zuvor schon Vice Chairman von Sotheby's Art Agency, Partners war.

Der neue CEO der Messe Schweiz scheint zum Antritt gleich Nägel mit virtuellen Köpfen machen zu wollen, wie Kurt Tschan in der Basler Zeitung zu Protokoll gibt: "[Bernd] Stadlwieser schwebt deshalb eine Messe light vor. Vor allem von den Hallen, die durchschnittlich nur zu 25 Prozent genutzt sind, will er sich lieber heute als morgen trennen. Gerne verweist er auf die weltgrössten Anbieter von Messen, etwa auf die britischen Reed Exhibitions oder Informa, die überhaupt keine Hallen besitzen. Weniger Ballast bedeutet weniger Fixkosten und mehr Flexibilität. Stadlwieser schweben Roadshows vor, wo Werbeinhalte von Ort zu Ort wandern." Das verspricht eine goldene Zukunft: Die Art Basel nur noch im Internet, und die herbeigerufenen Berater von McKinsey reformieren die MCH Group so gründlich wie zuletzt die Bundeswehr.

Die Auktionssaison in Frankreich fasst Bettina Wolfarth für die FAZ vom 17. August zusammen: "Sotheby's bleibt in diesem ersten Halbjahr mit 124 Millionen Euro, trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr, weiterhin Spitzenreiter in Frankreich, gefolgt von Artcurial mit 123 Millionen Euro und einer Steigerung von vier Prozent - wobei für Artcurial neben der Mehrwertsteuer auch die umsatzstarken Sammlerautos inbegriffen sind, die bei Sotheby's ausgegliedert in der Filiale RM auktioniert werden. Christie's hält mit 84 Millionen Euro im ersten Semester den dritten Platz und muss einen Rückgang von 15,7 Prozent verzeichnen."

"30 Millionen, 70 Millionen, zum Ersten, Zweiten.. ach so, nein, ich meine 13 Millionen, 17..." So ungefähr muss wohl die Oldtimer-Auktion von RM Sotheby's in Monterey abgelaufen sein, als ein Porsche Typ 64 aufgerufen wurde. Gerd Setgmaier und Gregor Hebermehl berichten für Auto Motor Sport über die Posse. Den beunruhigenderen Teil der Geschichte hat allerdings Hannah Elliott bei Bloomberg, die den Verlauf der gesamten prestigeträchtigen Auktion als sehr schwach beurteilt. Der Markt für Oldtimer sei ein "Blutbad". Das wiederum könnte ein Indikator für den Zustand des Kunstmarkts sein, werden beide Sparten doch in Vermögensreports gerne miteinander verglichen.

Ein Dauerstreit um das Erbe des Bildhauers Fritz König weitet sich zum Krimi aus, den Christiane Fricke für das Handelsblatt aufgreift. Mittlerweile seien 80 Werke des Küsntlers aus dem Stiftungsbestand verschwunden: "Auf der einen Seite steht Ex-Museumsdirektorin Stefanje Weinmayr, die penibel und hartnäckig um den Erhalt des Künstlererbes kämpft. Bis August 2017 leitete sie das Skulpturenmuseum. Dann wurde ihre Arbeitsplatzbeschreibung geändert und ihr die Leitung des Skulpturenmuseums in der Praxis entzogen. Die Stadt bewertet dies anders. Hierüber streiten die Parteien inzwischen vor dem Arbeitsgericht. Seit 1. August ist Weinmayr freigestellt. Sie darf sich zu den Vorgängen aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht äußern. Auf der anderen Seite stehen Reinhard Sax, im Vorstand der Stiftung seit 1995, seit Langem auch deren Geschäftsführer, Testamentsvollstrecker von Fritz Koenig und selbst Sammler von Koenig-Werken. Ferner die Stadt Landshut mit ihrem Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP), der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist." Die Autorin vergleicht den Fall mit dem Skandal um posthume Güsse von Jean Arp Anfang der Nuller Jahre, in dessen Verlauf der (im Artikel nicht namentlich genannte) um Transparenz bemühte Museums-Direktor Raimund Stecker geschasst wurde.

Den österreichischen Staatspreis für Kunstkritik erhält Silvia Eiblmayr, meldet Thomas Trenkler im Kurier aus Wien. Die Preisträgerin war unter anderem 2009 für den Pavillon Österreichs auf der Biennale in Venedig mitverantwortlich. Die Geehrte ist also Kuratorin und hat als solche ihre Verdienste, auch als Autorin. Kunstkritikerin ist sie jedoch nicht. Das heißt, bereits bei der zweiten Vergabe des Preises demonstrieren die Verantwortlichen, wie wichtig ihnen unabhängige Kunstkritik ist: gar nicht.

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