Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Bessere Zeiten: Berlin Art Week; Foto Stefan Kobel

16.12.2019 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 51 2019

Es war einmal in Berlin. Und zwar eine Kunstmesse. Mit dem Rückzug der Muttergesellschaft der Art Cologne ist jetzt der dritte Versuch gescheitert, in Berlin eine Kunstmesse von internationalem Format zu etablieren.

Die halbherzige Unterstützung der Messe durch die Stadt thematisiert Silke Hohmann bei Monopol: "Der Berliner Wirtschafts- und Kultursenat hatte, statt der Messe und ihren Teilnehmern unmittelbar günstigere Bedingungen zu schaffen, die Berlin Art Week ins Leben gerufen, die als große Dachorganisation funktioniert und den Zusammenschluss von lokalen Berliner Institutionen rund um den Messetermin orchestrierte. Dieses organisatorische Großevent der Kulturprojekte Berlin konnte aber für sich genommen immer nur so viel internationale Strahlkraft aufbringen, wie das Programm der einzelnen beteiligten Häuser es hergab. 2019 war das Highlight eine Auseinandersetzung des Malers Thomas Scheibitz mit den Picasso-Werken aus der Sammlung Berggruen im äußersten Westen der Stadt."

Die Meinungen Berliner Galeristen zu Ende der heimischen Kunstmesse hat ebenfalls Monopol eingeholt.

Kolja Reichert macht in seinem Kommentar für die FAZ sehr deutlich, wo er die Verantwortung für das Scheitern der Art Berlin sieht: "'Take it or leave it', hieß es, als wären die Kölner Bittsteller und nicht Investoren in einen Standort, der aus eigener Kraft keinen Kunstmarkt schafft, außer als potemkinsches Dorf. Verständlich, dass sie sich am Mittwoch zurückzogen. 'Take it or leave it': In diesem Satz zeigt sich die gesammelte Ignoranz der Berliner Politik, die nicht versteht, wie Kultur-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftspolitik einander bedingen.

Auch Brigitte Werneburg spart in der taz nicht mit Kritik an den Berliner Verantwortlichen: "Gerade was die landeseigene Kulturprojekte GmbH angeht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, sie sei in der Absicht gegründet worden, den Mythos vom Kunststandort Berlin mit fehlgeleiteten Events, schrecklichen Street-Art-Projekten und Ähnlichem möglichst effizient zu ruinieren. Gleiches muss bei der landeseigenen Tempelhof Projekte GmbH vermutet werden, die für die Ausstellungsflächen in den Hangars zuständig ist. Offenkundig ist man dort der Meinung, sich 2020 vor Anfragen international bedeutsamer Veranstalter nicht retten und damit der Art Berlin keine Zusage geben zu können. Die Wirtschaftssenatorin über die Situation der Art Berlin zu informieren hat die Tempelhof Projekte GmbH jedenfalls ganz offensichtlich versäumt, so überrascht, wie man sich im Büro der Senatorin vom Ausstieg der Koelnmesse zeigt."

Die laut Senat einsame Entscheidung der Kölner thematisiert Nicola Kuhn im Tagesspiegel: "'Der Ausstieg ist eine Entscheidung der Kölnmesse, die wir bedauern. Noch bedauerlicher ist, dass die Messe vorher keine Gesprächsanfragen oder Hinweise an die Senatsverwaltungen dazu gerichtet hat, dass die art berlin in 2020 nicht gesichert ist', heißt es aus dem Büro von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop."

Die Opferrolle möchte Elke Buhr von Monopol der Berliner Politik nicht abnehmen. Auch sonst das Engagement des Senats für ausbaufähig: "Auch was die bisherigen Unterstützungsmaßnahmen der Galerienszene angeht, fällt die Bilanz nicht so rosig aus, wie der Wirtschaftssenat es glauben machen möchte. Die Kooperationsprojekte mit der ABC wurden zuletzt 2014 durchgeführt, die Unterstützung der Berliner Galerien auf internationalen Kunstmessen ist ebenfalls längst ausgelaufen. Und der Effekt der Berlin Art Week auf den Kunstmarkt wird von Galeristinnen und Galeristen laut der jüngsten Umfrage des Landesverbands der Galerien verneint."

Mein Kommentar findet sich bei Artmagazine.

Gleich drei Millionenzuschläge vermeldet Sabine Spindler im Handelsblatt von der Moderne und Zeitgenossen-Auktion bei Ketterer in München, mit der sich das Haus in Deutschland erneut an die Spitze gesetzt habe.

Hochpreiskunst habe ihre Berechtigung und sei sogar ein Zeichen für einen gesunden Markt, glaubt Philipp Meier in der NZZ: "In ihrer Ambivalenz fordert solche Kunst den Intellekt eben ganz anders heraus als der makellose Lack eines Ferrari. Die weltweite Finanzelite ist verrückt nach solcher Kunst. Ihre Kunstbegeisterung ist ihr indessen hoch anzurechnen. Denn sie ermöglicht eine Kunstszene, die ausgesprochen reich, lebendig und vielseitig ist mit ihren Ausstellungen, Biennalen, Messen und Debatten, an welchen nicht zuletzt eine breite Öffentlichkeit partizipieren kann. Es ist das nicht zu überschätzende Verdienst dieser Elite, ein überaus generöses modernes Mäzenatentum darzustellen." Die Argumentation hinkt an so vielen Stellen, dass man gar nicht weiß, wo anfangen. Vielleicht bei der Familie Sackler.

Mit dem Markt für osteuropäische Avantgarden ginge es wieder ein wenig bergauf, nachdem dieser mit der Finanzkrise 2008 eingebrochen war, schreibt Eva Komarek in der Presse aus Wien: "Dabei hätten sich die Märkte sehr unterschiedlich entwickelt. Am stärksten und stabilsten habe sich die tschechische Kunst entwickelt. 'Der Markt für tschechische moderne Kunst ist heute recht international, mit starker Nachfrage aus Frankreich, Osteuropa und Tschechien', sagt die Expertin. Im frühen 20. Jahrhundert gingen viele tschechische, aber auch ungarische Künstler und Intellektuelle nach Paris und wurden beeinflusst von den avantgardistischen Strömungen wie dem Kubismus, dem Surrealismus oder dem Expressionismus."

Alle Jahre wieder... werden die Jahresgaben der Kunstvereine von der FAZ angepriesen, diesmal von Brita Sachs in der Samstagsausgabe: "Fast alle deutschen Kunstvereine halten zur Vorweihnachtszeit Jahresgaben parat und bieten ihren Mitgliedern damit die Chance, Kunst zu vergünstigten Preisen zu kaufen." Und von Kito Nedo in der Süddeutschen Zeitung: "Jahresgaben, die viele Kunstvereine ihren Mitgliedern vor Weihnachten zum Kauf anbieten, erfüllen viele verschiedene Funktionen: Sie stärken die Mitglieder-Bindung, vermitteln das Programm, ermöglichen den Kunstkauf zu moderaten Preisen - und, sehr wichtig, sie helfen, die oft schmalen Vereins-Etats aufzubessern. Da sich der Verein und die Künstlerinnen und Künstler den Gewinn aus dem Jahresgaben-Verkauf oft teilen, werden so auch diese direkt unterstützt. Wer also in einen Kunstverein eintritt und Jahresgaben kauft, tut gleich mehrfach Gutes für die Kunst."

Ein Berufungsgericht habe die Klage des Sammlers Dmitry Rybolovlevs wegen Betrugs endgültig abgewiesen und den Kunsthändler und ehemaligen Freeport-Betreiber Yves Bouviers Unschuld festgestellt, meldet Vincent Noce im Art Newspaper.

In Miami habe sich das streikende Reinigungspersonal (Stundenlohn im Durchschnitt 8 Dollar 50) Bananen auf die Brust geklebt, um gegen ihre miese Bezahlung zu protestieren, berichtet Manuel Madrid in der Miami New Times: "Eine Banane ist mehr wert als wir!"

Die Liste der Top 200 Sammler von Artnews ist erschienen. Die Liste der zehn Deutschen unter ihnen ist zum dritten Mal in Folge unverändert.

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