Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Neues Spiel, neues Glück, neue Kunstmesse; Spielcasino im Marina Bay Sands Singapur; Foto Stefan Kobel

16.07.2018 06:00 Uhr

Kunstwoche 29 2018

Eine neue Messe für einen Neuen Markt: Die MCH Group, Muttergesellschaft der Art Basel hat eine neue Messe in Singapur angekündigt. Zusammen mit AngusMontgomery Arts und Tim Etchells, denen die Schweizer unter anderem schon die Art HongKong (heute Art Basel Hongkong) abgekauft haben, wollen sie im November 2019 die Art SG in Singapur aus der Taufe heben. Eine Meldung auf Deutsch dazu gibt es bei Monopol, Hintergrundinformationen von Anny Shaw im Art Newspaper.

Endlich sind computergenerierte Kaufempfehlungen für Kunst in greifbare Nähe gerückt! Welche Kunstwerke auf der Art Basel Miami Beach am meisten instagrammiert wurden und und welche Publikumsgruppen welche Art von Kunst bevorzugt teilen, haben Ahmed Elgammal and Doug Woodham für Artsy untersucht. Dabei sei aufgefallen, dass VIPs und normalsterbliche zahlende Besucher einen weitgehend ähnlichen Geschmack hätten. Die beiden Autoren arbeiten mit Big Data im Bereich Kunstinvestment.

Eine Revolution des Kunstmarkts verspreche die Blockchain-App von 4ARTechnologies, die Jan Mölleken in der Berliner Morgenpost vorstellt. Laut ihrem Erfinder könne sie Kunstwerke eindeutig identifizieren und Fälschungen erkennen. Im März 2019 wolle der Erfinder mit der Vermarktung beginnen, bis dahin sammle er noch Investorengelder.

Welche Rolle der Markt bei der Wahrnehmung von Kunst männlicher und weiblicher Künstler spielt und welche er spielen könnte, ist ein Thema des Interviews, das Pablo Larios mit den Galeristinnen Monika Sprüth und Philomene Magers für Frieze geführt hat: "Right now there is a feeding frenzy in the market. The art market has turned global, and there is a huge demand for material. Obviously there is an added financial aspect: art by under-recognized female artists becomes a section of the market, and in a way the art market is today, a new field of speculation. The only thing that you can hope for is that, because the market is looking at a larger number of women artists now, it sheds light onto the truly important female artists. And even beyond any wave, that they will stay the focus of attention."

Das Folgerecht dürfte in den USA endgültig gescheitert sein. Der neunte Senat des US-Berufungsgerichts habe den California Resal Roaylties Act CRRA praktisch vollständig kassiert, berichtet Eileen Kinsella bei Artnet.

Eine weitere Gerichtsentscheidung könnte das Ende der beliebten Vermeidung der bundesstaatlichen Sales Tax (vergleichbar mit der Umsatzsteuer) bedeuten, vermutet Eileen Kinsella bei Artnet. Bisher umgeht der Kunsthandel in den USA gerne diese Steuer, indem beim Verkauf eines Kunstwerks der Versand in einen anderen Bundesstaat vorgetäuscht wird. Damit entfällt die Pflicht, vom Käufer die Steuer einzutreiben und an den Staat abzuführen. In South Dakota habe laut Kinsella jetzt der Oberste Gerichtshof geurteilt, das Verkäufer keine Niederlassung dort haben müssen, um zu Abführung der örtlichen Sales Tax verpflichtet zu sein. Andere Bundesstaaten könnten dem Beispiel folgen, vermutet sie.

Das Washingtoner Berufungsgericht habe die Zuständigkeit der US-Justiz im Fall des Welfen-Schatzes bejaht, freut sich in seinem Blog Nicholas O'Donnell, der die Klägerseite vertritt. Jetzt müsse die Stiftung Preußischer Kulturbesitz beweisen, dass der Verkauf 1935 durch ein jüdisches Händlerkonsortium freiwillig erfolgte.

Die gestiegenen Umsätze der Londoner Auktionen deutet Nate Freeman bei Artsy als Indiz dafür, dass es immer weniger eine Rolle spiele, an welchem Ort Kunst versteigert werde.

Für Gina Thomas bestätigen die Ergebnisse der Londoner Altmeister-Auktionen ebenfalls einen Trend, wie sie in der FAZ darlegt: "Vieles, auch auf der besser denn je besuchten 'Masterpiece'-Messe, deutet darauf hin, dass der Handel die Früchte der zunehmend raffiniert vermarkteten Crossover-Strategie erntet. Sie will Käufern, die sonst eher zur Moderne neigen, die Hemmschwelle zur Alten Kunst nehmen, zum einen durch ein dekorativ gestaltetes Nebeneinander von Alt und Neu, zum anderen mit dem Argument, dass auf dem Altmeister-Sektor erstrangige Qualität zu geringeren Preisen erwerbbar ist als auf dem überhitzten Markt für moderne und zeitgenössische Kunst."

Einen verblüffend einleuchtenden Vorschlag für die Verwendung der Giambologna-Millionen greift Susanne Schreiber im Handelsblatt vom 13. Juli auf und legt ihn der Bayer AG ans Herz: "Das für die Kunstgeschichte des impulsgebenden Rheinlands so wichtige Museum Morsbroich hat kürzlich einen beachtlichen Erneuerungsplan vorgelegt. Wenn der Dax-Riese mit einem Teil der "Mars"-Millionen das örtliche Kunstmuseum revitalisieren würde, wirkte das Unternehmen als "good citizen" gleich doppelt gut an seinem Hauptsitz Leverkusen."

Auf den stabilen Markt für Skulptur der Gotik weist Sebastian Preuss anlässlich der bevorstehenden Bamberger Antiquitätenwochen in der ZEIT hin: "Die Skulptur der Gotik war lange ein klassisches Sammelgebiet, fest verankert im Geschmackskanon des Bildungsbürgertums. Zum Salon mit Barockmöbeln und persischen Teppichen gehörten Altmeistergemälde und mittelalterliche Heiligenfiguren. So traditionell lebt und sammelt heute kaum noch jemand. Und auch die Connaisseure, die sich bestens auskennen und nach kunsthistorischen Kriterien Spezialsammlungen alter Kunst aufbauen, gibt es immer weniger. Trotzdem haben die gotischen Skulpturen den allgemeinen Geschmackswandel überraschend schadlos überstanden."

Nach den ersten Versteigerungen aus der Insolvenzmasse des französischen Aristophil-Fonds für Manuskripte rekapituliert Olga Grimm-Weissert im Handelsblatt vom 13. Juli den Skandal: "Denn die erste Auktion am 20. Dezember 2017 war ein Desaster. Von den erwarteten zwölf bis 16 Millionen Euro stagnierte das Gesamtergebnis bei knapp drei Millionen Euro. Das französische Kulturministerium hatte fünf Lose - unter anderem vom Marquis de Sade und von André Breton, auf 8,5 bis 11,5 Millionen Euro geschätzt - als 'staatliches Kulturgut' erklärt. Die Folge: eine 30-monatige Ausfuhrsperre, in der der Staat eine Finanzierung für den Ankauf auftreiben muss. Diese Preisverhandlungen sind komplex, denn die den Investoren zuvor von Aristophil berechneten Preise sollen völlig abgehoben vom Markt gewesen sein."

Den Umzug der Kunst und Antiquitäten München in die Kleine Olympiahalle vermeldet Susanne Schreiber im Handelsblatt vom 13. Juli. Nach Nockherberg und Palast habe die traditionsreiche Messe jetzt wieder eine langfristige Bleibe gefunden.

Das kann teuer werden (für den Versicherer): In Paula Coopers Galerie im New Yorker Galerienviertel Chelsea hat es einen Brandschaden gegeben, berichtet Andy Battaglia bei Artnews.

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