Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Dubai: Endlich wieder Kunstmesse! Foto Stephan Zilkens

06.04.2021 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 14 2021

Die Art Dubai ist nach Viennacontemporary und Art Paris letzten September die erste größere Kunstmesse, die ihre Besucher in der physischen Welt empfangen hat. Der auswärtige Zuspruch schien überraschend hoch, wie Sabine B. Vogel für die WeLT beobachtet: „Die wenigen europäischen Galerien sind mit ihren großen Ständen im Hauptzelt untergebracht, wo es dementsprechend geschäftig zugeht. Halle C dagegen erschreckt mit Ständen voller bunter, plakativer und dekorativer Kunst. Die gibt es auf der Art Dubai immer, aber derartig zusammengepackt, irritiert es doch sehr. Das bewährte Versprechen dieser Messe, hier außergewöhnliche Werke aus dem Nahen Osten zu finden, ist diesmal eine besondere Herausforderung, da die meisten Galerien auf Sicherheit setzen und figürliche, oft im Stil der Moderne gehaltene, recht konservative Malerei anbieten. Offenbar rechnen die Galerien kaum mit europäischen Käufern, die deutlich experimentellere Kunst bevorzugen. Da haben sich die Galeristen eigentlich verschätzt: Es sind erstaunlich viele angereist und nehmen damit die Quarantäne bei der Rückkehr in ihre Länder in Kauf.“

Wer welches Geld in den neuen Vertriebskanal der NFT schüttet, versuche ich für das Handelsblatt zu ergründen.

Sogar für den heftigen Kursanstieg der Artnet-Aktie nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts (PDF) müssen die NFTs bei Bastian Galuschka von Godmode Trader herhalten: „Meiner Ansicht nach liegt der Grund in einer Pressemitteilung, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde. Demnach will Artnet im aktuell völlig gehypten NFT-Markt mitspielen und 2021 erste Auktionen mit Non Fungible Tokens anbieten. Auch will Artnet in Zukunft Bezahlungen via Kryptowährungen anbieten. Ob sich das auch positiv auf das Ergebnis auswirken wird, muss das Management aber erst noch zeigen.“

Bedenkliche Tendenzen macht Scott Reyburn beim NFT-Hype für die New York Times aus: „'Ich finde die Entwicklung hin zur Fraktionierung beunruhigend', sagte Michael Moses, der Gründer von Mei-Moses, einer Datenbank für Auktionsverkäufe, die jetzt zu Sotheby's gehört. Sein Hauptindex zeigt, dass in den letzten 10 Jahren der Gesamtwert der vielen tausend Kunstwerke, die bei Auktionen weiterverkauft wurden, nicht gestiegen ist. 'Wie bewertet man etwas, das fraktioniert wird? Wert ist etwas, das im Laufe der Zeit inkorporiert wird, nicht in einem Augenblick hinzugefügt', sagte Moses in einem Interview. Das Zerschneiden von teuren digitalen Gegenständen in handelbare Token mache den Markt 'voll von Volatilität', fügte er hinzu. 'Im Grunde ist es ein Glücksspiel. Sie haben keine Vorstellung vom wahren Wert der Arbeit.'“

Noch etwas weiter geht Emily Pothast bei Medium: „Aber für jede Grimes oder Lindsay Lohan gibt es Tausende von Künstlern, die NFTs auf eigene Kosten prägen und dabei Geld verlieren. 'Sie werden vielleicht bemerken, dass dies sehr nach einem Eitelkeits-Galerie-Betrug oder Pay-to-Play aussieht', schreibt [der Kryptowährungs-Blogger David] Gerard. 'Sie hätten recht - der Zweck ist es, Ihr wertvolles tatsächliches Geld in die Kryptowirtschaft zu saugen.' Dies ist nicht das erste derartige Schema, um bestehende Volkswirtschaften anzuzapfen, um einen Hype um den Kauf und Verkauf von NFTs zu erzeugen.'

Einen drastischen Umsatzeinbruch für NFTs meldet Brandon Kochkodin bei Bloomberg: „Seitdem der Hammer bei der Beeple-Auktion fiel, ist der durchschnittliche Tageswert der verkauften NFTs auf den von Nonfungible.com erfassten Marktplätzen - die keine Daten von Christie's enthalten - von 19,3 Millionen Dollar auf einen Tiefstand von 3,03 Millionen Dollar am 25. März gefallen.“

Gelassenheit und Geduld mahnt Georgina Adam im Art Newspaper an: „Erleben wir eine tiefgreifende Verschiebung des Geschmacks und der Werte, wenn die 'Boomer'-Generation vergeht und eine neue [Alters-] Kohorte eine ganz andere Vorstellung davon durchsetzt, was heute von Bedeutung ist? Persönlich glaube ich das nicht. Ich denke, dass dieser Preisanstieg eher mit der Welt der Kryptowährungen zusammenhängt als mit den Vorzügen der angebotenen Kunst, die in den meisten Fällen erschütternd schrecklich ist. Wenn der Krypto-Rausch abkühlt, werden wir sehen, was in der Kunstwelt noch wertvoll ist: Wie in einem anderen Zusammenhang denkwürdig gesagt wurde, wenn die Flut kommt, werden wir sehen, wer Badehosen trägt.“ Das könnte ein würdiges Schlusswort sein, wenn da nicht noch weitere Wellen zu erwarten wären.

Währenddessen verkündet Justin Sun, der Unterbieter bei Beeple, er mache jetzt in Picasso. James Tarmy macht daraus bei Bloomberg eine Nachricht, die wiederum andere Medien aufgreifen. Zwar war das am 1. April, aber bei dem Thema dürfte das auch schon keine Rolle mehr spielen.

Das Pariser Hôtel Drouot ist im Kunstmarkt eine einzigartige Institution, über das Lukas Fuchsgruber ein Buch geschrieben hat, das Bettina Wohlfarth in der FAZ vorstellt: „Im Mittelpunkt des Buchs steht der Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von Auktionen nach deren Monopolisierung im Drouot und einem immer deutlicher spekulativen Kunstmarkt. Untrennbar damit verbunden ist das politisch-ökonomische Umfeld, in das sich diese Finanzialisierung des Kunstmarktes abspielte.“

Über seine eigene Karriere und den Kunstmarkt hat Sabine Spindler mit Jeff Koons für das Handelsblatt gesprochen: „Für manche ist Koons der Midas des Kunstmarktes. Was er berührt, wird zu Gold. Diesen Ruf hat ihm die 'Celebration'-Serie eingebracht. Aber im Handelsblatt-Gespräch gesteht er auch, dass es unverkaufte Kunstwerke gibt. Manche davon hat er selbstverständlich für sich selbst behalten.“

Ob es an der Zeit ist, die eigene Galerie zu schließen, kann durch einen aus acht nicht ganz ernst gemeinten Fragen bestehenden Test von Chen & Lampert bei Art in America herausgefunden werden.

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