Zilkens Newsblog

Gilt auch in Deutschland - gesehen in Zug CH Photo Stephan Zilkens
Gilt auch in Deutschland - gesehen in Zug CH Photo Stephan Zilkens
Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 37. KW 2026

Auch das ist Deutschland: Jetzt stimmen die Vorhersagen doch glatt ziemlich genau mit dem Ergebnis überein. Ca. 2,1 Millionen Menschen leben in Sachsen-Anhalt (so viel wie in Litauen), davon haben ca. 250.000 also 12% einen Migrationshintergrund. Wahlberechtigt waren ca. 1,7 Mio. Menschen, davon 2% mit Migrationshintergrund. Für die östlichen Bundesländer sind diese Verhältnisse typisch. In jedem westlichen Bundesland sind diese Relationen völlig anders. Ein Teil dieser Entwicklung liegt an Rostock - Langenhagen, wo man 1991 Fidschis klatschen wollte, ein anderer, und vermutlich viel entscheidender, ist die völlige Absenz der Aufarbeitung der Schuld des Dritten Reiches durch die DDR. Die Bösen saßen im Westen und die guten im Schutz der Sowjetunion im Osten. Auch das erklärt, dass ca. 580.000 Menschen einer Partei ihre Stimme gegeben haben, die in ihrem Programm viele Punkte hat, die absurd nationalistisch und ausgrenzend sind, mit denen sie vermutlich nicht mal einig gehen. Vermutlich gehen Sie davon aus, dass in 4 Jahren gar nicht so viel kaputt gehen kann. Das war 1932 anders. Derweil sorgt sich das Zentrum für Provenienzforschung in Magdeburg um den Zuschuss der Sachsen-Anhaltinischen Landesregierung zur Miete ihrer Immobilie. Ohne Räume wird Forschung schwierig - ohne Provenienzforschung der Deutsche Kunstmarkt abgehängt. Die AfD scheint genau das zu wollen. Und es ist ihr gelungen Emotionen bei den Wählern zu wecken, die dumpf und unkontrolliert um eine Welt wabern, die eigentlich keiner mehr möchte. Ohne Euro und Europa wird Deutschland zum Opfer anderer, denen das in die Karten spielt. In Finnland und den baltischen Staaten hat man Erfahrungen mit der Verlässlichkeit russischer Regierungen und baut nicht umsonst schon lange Schutzräume.

Verlassen wir dieses unerquickliche Feld und bauen auf die Stabilität unserer Verfassung, der Menschen Schwächen eingedenk. Frankreich hat sein Versprechen wahr gemacht und England die Tapisserien von Bayeux für eine Zeit überlassen. König Charles (man möchte immer noch Prinz schreiben, so lange war er das) hat mit Präsident Macron gemeinsam eröffnet. Pompös war es und ein Bekenntnis zu Europa, was Herrn Farage in Rage gebracht haben dürfte. 

In Monte Carlo treffen sich gerade mehrere tausend Menschen, um die Rückversicherungsverträge des nächsten Jahres zu verhandeln. Ein jährliches Ritual - mal gehts rauf, mal gehts runter. Im Moment scheinen Überkapazitäten die Preise nach unten zu beeinflussen. Ob die Kunstversicherung als Zwerg in großen Märkten davon etwas zu spüren bekommt wird man sehen. 9/11 als letztes Großereignis ist lange her und bei den Buschfeuern in Kalifornien war die Kunst als erstes in Sicherheit. Trotzdem: die Diebstahlswelle in Museen geht weiter: Jetzt hat es den Schatz von Villena getroffen, der nächstens aus einem Museum, das gerade 2024 wieder eröffnet und die neuesten Sicherungseinrichtungen hatte, gestohlen wurde. 10 KG Gold aus der Bronzezeit, erst 1963 wieder entdeckt und auf dem Kunstmarkt nicht handelbar! Die Aufsichtsbehörden in Spanien überlegen jetzt gegen die Museumsleitung vorzugehen, weil nachts keine Personenbewachung da war. Was für ein Unsinn - die alten Männer hätten nichts verhindern können, wenn sie nicht ihr Leben riskieren wollten. Man hat den Eindruck, dass viele Politiker jedweden Geschlechts noch in der Dramaturgie von Bel Figor verfangen sind - und die Filme liefen in den 60gern des vorigen Jahrhunderts. 

Stimmt - ich war von Montag bis Freitag in der Schweiz und habe mich gefreut, dass in Zug in den ehemaligen Räumen der altehrwürdigen Galerie Gmurszynska die Galerie Helvetika 1575 eingezogen ist in der es u.a. Glasarbeiten von Tony Cragg im Angebot gibt. ÖPNV funktioniert in dem Land perfekt und die Bahnapp erlaubt einem auch jedes städtische Verkehrsmittel zu nutzen, egal wo man ist. Am nächsten Tag wird nach dem jeweils günstigsten Tarif abgerechnet. Wenn die Deutsche Bahn das mal könnte! Es gäbe sicher sehr viel mehr, die spontan das Wagnis eingehen in rumpelige deutsche Straßenbahnen einzusteigen. 

Ansonsten gibt es noch zwei Personalien aus dem Kunstversicherungsbereich: In London hat es Steven Lawrence, der schon seit 23 Jahren bei AXAXL (a Company of AXA) im Juwelen, Schmuck und Cash in Transit Bereich unterwegs ist, geschafft die Nachfolge von Chris Bentley zu übernehmen, der sich im Frühjahr in die Freiheit des Marktes bewegt hat. Man darf gespannt sein, welchen neuen Impulse im Kunstversicherungsgeschäft von ihm ausgehen. Gleiches gilt beim HDI Global im übrigen für Tobias Sigurdson, der jetzt als Head of Fine Art and Specie berufen wurde. Er hat nach seinem LinkedIn Profil eine blitzsaubere Karriere als Transportversicherer zuerst bei Landsförsikeringar und dann beim HDI in Schweden hinter sich. Für die Kunstversicherung muss das nicht schlecht sein, denn sie kommt mental aus der Transportversicherung - halt nur mit deutlich höheren Einzelwerten, die nicht jeder Schadensachbearbeiter nachvollziehen kann. 

Was wurde über den Kunstmarkt letzte Woche geschrieben? Immerhin ging die Frieze Seoul, die DC Open und die Hamburg Art Week zu Ende. Berlin Art Week und Positions ist diese Woche - der Tross reist wieder - Alles bei Kobel im Anschluss (auch die kleinen Fehler von Georg Imdahl, der Gisela Capitains 40-jähriges Berufsjubiläum vergisst und Philipp von Rosen Lempertz abspenstig macht). 

Den Deutschen Lesern wünsche ich Besonnenheit im Umgang mit den Aufgeregtheiten, die das Wahlergebnis mit sich bringt, den Österreichern Gelassenheit mit dem eigenen Kunstmarkt und den Schweizern Stärke in der weitgefassten Neutralität. 

In diesem Sinne 

Ihr Stephan Zilkens mit dem Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln.