Stephan
Zilkens
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Newsblog 38. KW 2026
Die Art Week in Berlin ist schon wieder vorbei und mit ihr die Positions im Hangar des Flughafen Tempelhof. 28.000 Besucher zählte die Messe diesmal. Weniger Besucher haben die Kassen der Galerien besser klingeln lassen. Gerade das Segment über 30.000 EUR wurde sehr aktiv bedient. Zilkens Fine Art unterstützte mit dem Best Booth Award, den Stephanie Oeing an die Galerie Met aus Berlin überreichen durfte und den Academy Award, der Helen Vogelsang von der UDK Berlin und Rosalie Becher von der Kunstakademie Düsseldorf verliehen wurde.
Underwriter sind die Menschen, die Risiken für Versicherer in die Bücher nehmen. Bei der Industrie- und der Kunstversicherung sind die Risiken oft sehr individuell und man verständigt sich auf Ereignisse, die man versichern will und solche, die ausgeschlossen werden. Bei der Allgefahrenversicherung im Zusammenhang mit Kunst möchte man Dinge versichern, die plötzlich und unvorhergesehen einen Gegenstand beschädigen oder zerstören. Die direkte Bearbeitung des Werkes (also Herstellung oder Restaurierung) ist zum Beispiel von der Deckung ausgenommen. Immer mehr Versicherer bieten jetzt unter der gleichen Deckung Gebäude-, Hausrat- und Kunstversicherungen an und schließen die direkte Bearbeitung aus. Wir dürfen uns jetzt mit einem Fall beschäftigen, bei dem die Arbeit am Gebäude zu Schäden an seinem Inhalt geführt hat. Eigentlich eine klare Sache, am Inhalt wurde nicht gearbeitet. Findige und vom Deckungswillen weit entfernte Hausjuristen wollen jetzt den Schaden als nicht ersatzpflichtig deklarieren, wohl auch, weil der Regress gegen den ausführenden Handwerker schwierig sein könnte. Das Verhalten solcher Wesen, die Bedingungen mit anderen Augen lesen, als beim Vertragsschluss zwischen den Parteien vereinbart hilft nicht gerade den Ruf der Versicherungswirtschaft zu fördern. Compliance als Argument für die strikte Trennung zwischen Betrieb (Underwriting und Verwaltung) und Schaden ist gerne genommen - entspringt aber der gleichen kruden Denke, die letztlich Beamten unterstellt bestechlich zu sein, wenn sie kleine Aufmerksamkeiten im Gegenwert von mehr als 5 EUR annehmen. Kein Wunder das Polen in der wirtschaftlichen Entwicklung besser vorankommt. Das Land denkt in Ermöglichen - nicht in Verhindern.
Jetzt ist schon wieder ein Diebstahl in einem Museum in Frankreich erfolgt: In Cagnes sur Mer hat man 2 Renoir geklaut. Nach Alarmauslösung war die Polizei in 5 Minuten da! - Es hat gereicht, um 2 Werke mitzunehmen und zwei auf der Flucht zu verlieren. Der Schaden wird daher eher unter 5 Mio. EUR bleiben. Die Werke gehören dem französischen Staat und waren als Leihgaben überlassen. Jetzt fragt sich, ob die Versicherungswirtschaft überhaupt betroffen ist? Könnte ja auch Staatshaftung gewesen sein. A Propos - Lettland hat seit kurzem in 52 Artikeln seine eigene Staatshaftung für Ausstellungen gesetzgeberisch umrissen. Grundsatz: 3.000 EUR Selbstbehalt je Ausstellung. Eine Art Allgefahrendeckung, die für Ausstellungen im Inland und für Leihgaben ins Ausland genutzt werden kann. Mindestens 65.000,00 EUR für eingehende und 10.000 EUR für ausgehende Konzepte als Leihwerte. -im Klartext, die 400,00 EUR Beitrag für so kleine Summen spart der Staat und legt dahinter so viele Artikel, dass allein das Lesen teurer ist, als die auf einer Regulierungspraxis aufbauende Versicherungsdeckung. Die Deckung beginnt übrigens erst, wenn die Ausstellungsstücke dem Transporteur übergeben wurden. Aufhängen, Abhängen, Verpacken etc. ist eng ausgelegt damit nicht Teil der Haftung. Schäden durch Terrorismus werden auch nicht übernommen. Jetzt fragt sich, ob man als z.B. Deutsches Museum auf einen solchen Schweizer Käse akzeptieren kann. Die Übernahme ausschließlich des Terrorismusrisikos durch die Versicherungswirtschaft würde dort als negative Risikoselektion betrachtet. Das schwere, hoch volatile Risiko soll man tragen und das überschaubarere und durch aktives Riskmanagement eingrenzbare nicht als Verdienstgrundlage haben? Lettland ist ein kleines Land und spart mit der so konstruierten Staatshaftung möglicherweise an der falschen Stelle.
2026 listet das Journal des Arts bereits 11 Diebstähle aus Museen auf. Und es sind bei Leibe nicht nur Gold- und Schmuckarbeiten, die unter zunehmender Gewaltanwendung gestohlen werden. Es ist eine latente Gefahr und mit dem Ausbau der Sicherungsmaßnahmen für Museen häuft man längst nicht so viel Lorbeer auf sein Haupt, wie mit einer erfolgreichen Blockbuster Show. Die Erfahrung muss jetzt auch Yilmaz Dziwior, der Direktor des Museum Ludwig in Köln machen: Nach der erfolgreichsten Publikumsausstellung, die fast 500.000 Menschen in das Museum gelockt hat, verlangt die Verwaltung jetzt eine Reduzierung der Personalkosten um 20%. Vermutlich sollen jetzt Kataloge und Registrararbeiten von KI erledigt werden. Die Amtsschimmelreiter, von denen Köln mindestens 7.500 zu viele hat, denken nicht im Traum daran, sich überflüssig zu machen. Selbst die löchrige lettische Staatshaftung würde ich für Leihgaben in solche Kommunen nicht zur Anwendung bringen. Köln ist nur ein Pars pro Toto für die Kulturpolitik in den meisten Deutschen Städten. Die denkt nicht ans Ermöglichen ...
An vielen Stellen liest man: Der Kanzler ist an Allem schuld - Immerhin Verantwortung gibt man ihm damit - allerdings möchte man die notwendigen Konsequenzen aus Renten- und Steuerreform (wenn sie mal den Namen verdient und ihr neidiges Erscheinungsbild an die wirtschaftlichen Notwendigkeiten angepasst hat) nicht immer tragen. Manche rufen nach einem Wechsel in der Legislatur. Selbst Söder, der bisher immer Ambitionen hatte, duckt sich - in der Konstellation zu gewinnen scheint mehr als unwahrscheinlich. Und Söder hat so oft seine Meinung(en) gewechselt, dass es fast egal ist, was er von sich gibt.
Also spucken wir in die Hände und denken positiv nach vorn. Nächsten Sonntag sind Berlin und Mecklenburg-Vorpommern dran, den Journalisten allerlei Geschlechts Futter für Untergangsszenarien zu geben. Ignorieren wir das und vertrauen auf die Stabilität der Verfassung.
In diesem Sinne nach Vorne denken und vor die Welle kommen wünscht Ihnen
Stephan Zilkens mit dem Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH in Solothurn und Köln