Zilkens Newsblog

Donald I. - roi du monde - Collage ChatGPT
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Portraitfoto von Dr. phil. Stephan Zilkens

Stephan Zilkens

Newsblog 4. KW 2026

Wenn man lang genug regiert kann man schon so einiges bewirken im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Bei Louis XIV. gehörte die Entmachtung des Adels ebenso dazu, wie eine expansive Aussenpolitik. Das Spiel der Entmachtung lief über die verschiedenen eigentlich stink-normalen Dinge, die ein lebendes Wesen so täglich hinter sich bringen muss wie Auftsehen, Anziehen, Arbeiten, Essen, Schlafen. Der König nutzte dies öffentlich und kreierte das petit und grand lever und desgleichen natürlich auch zur Schlafenzeit als petit und grand coucher veranstaltet. Der Rang und die Wertschätzung der Teilnehmer allerlei Geschlechts - in dem Fall aber doch vornehmlich männlich - drückte sich an der jeweiligen Berechtigung aus zu welchem Aufstehen- oder Schlafenszeremoniell man gebeten war. So ähnlich macht Trump das auch, wenn man sich die Bilder aus dem Oval Office anschaut. Interessant, dass die Menschen nach 400 Jahren immer noch mit diesen Mitteln einzufangen sind. Es wird spannend in Davos diese Woche, hoffen wir, dass es warm ist und die Rutschgefahr durch gefrierenden Speichel reduziert ist. Die letztjährige Friedens-Nobelpreisträgerin hat es auch ohne Glatteis geschafft auszurutschen und dem offenen Erpresser die Medaille ihres Preises zu überreichen.

Mercosur könnte, trotz des Gekläffs der französischen Bauern, für Europa eine Riesenchance werden. Für die Versicherungswirtschaft allemal, wenn die in Brasilien und drum herum geltenden Protektionismen fallen. Das könnte auch für die Versicherung von Kunstausstellungen interessant werden und den kulturellen Austausch auch auf nicht-staatlicher Ebene fördern. Womit wir bei den Tapisserien von Bayeux wären, die vor 1.000 Jahren vermutlich von der Insel in die Normandie gelangt sind. Der aktuelle Ausstellungsort muss renoviert werden und Macron und Stamer ist nichts besseres eingefallen, als sie für 1 Jahr nach London ins Britische Museum schaffen zu wollen. Selbst David Hockney findet das nicht gut, weil die Materialien hoch empfindlich sind und der Teilverlust von Originalsubstanz ziemlich wahrscheinlich ist. Die Englische Regierung offeriert dafür die Staatshaftung - was denn sonst, wenn es um 800.000.000 GBP geht und man Prämie sparen will? Es ist allerdings fraglich, ob die Staatshaftung greift, wenn sich die brüchigen Fasern derbröseln. Das gilt neudeutsch als inherent vice oder Beschaffenheitsschaden und ist ausgeschlossen. Natürlich kann man für den Versicherungswert heutzutage eine perfekte Kopie anfertigen - sie dürfte vermutlich deutlich billiger sein - aber will man die Kopie sehen, wenn das Original verloren ist? Oder ist das Ganze ein geschickter Schachzug von Macron sich für den Kulturetat einen Zuschuss aus England zu besorgen? Viel stiller ist es um Vermeers Mädchen mit dem Ohrring bestellt, die im August nach Osaka reisen soll, weil das Mauritshaus in Den Haag renoviert wird.

Das Kunsthaus Lübeck hat am 4. Advent seine Pforten geschlossen. Das man von der Stadt etwas mehr als das Holstentor in Bezug auf Kunst und insbesondere Papierarbeiten hören durfte war Frank-Thomas Gaulin und Klaus Oestmann zu verdanken, die über 50 Jahre dieses Kleinod intelektueller Behaglichkeit erfolgreich betrieben haben. 82 und 88 Jahre alt sind sie und Nachfolger hat es an der Küste wohl keine gegeben. Schade eigentlich - Lübeck ist jetzt ein bisschen ärmer.

Mutiger allerdings ist die Schleswig-Holsteinische Landesregierung, die sich vollständig aus den Klauen von Microsoft zu entwinden sucht und die Verwaltung samt der 44.000 Mailadressen auf Open Source Anbieter umstellt. Es gibt Alternativen zu Teams und Co - das Beispiel sollte Schule machen.

Über Cyber Risiken wird ja mittlerweile als dem neuen Feuerrisiko gesprochen, weil es Unternehmen völlig handlungsunfähig machen kann. Dagegen ist der neue Plan der SPD in Sachen Erbschaftssteuer fast ein Klacks, wenn er nicht gerade den Kern des Deutschen Wohlstands - nämlich den Mittelstand - zu Gunsten der internationalen Großunternehmen treffen würde. Aber Neid ist ja erste Bürgerpflicht - Schweden kann ganz gut ohne Erbschaftssteuer. Als neues Risiko für Unternehmen baut sich gerade KI auf - hängt irgendwie mit dem Netz und dem www. zusammen. Insbesondere operative Risiken (KI lernt mit allem was es zu lesen bekommt und verwurstet es an jeden Fragesteller), rechtliche Themen und Reputationsrisiken können mit KI verbunden sein.

In dieser Woche startet der hiesige Messezirkus mit dem House of Galleries im Trianon in Frankfurt zwischen der 42. und 44. Etage. 44 Aussteller werden mit Einzelpräsentationen erwartet. Und der Frankfurter Kunsthandel ist gewaltig vertreten. Drücken wir die Daumen, dass der Auftakt gelingt. Parallel dazu startet die Art Singapore mit einigen bekannten Galerien aus dem deutschsprachigen Raum: Gisela Capitain, Ropac, Gmurczynska, Fuchs, Zilberman, Urs Meile, Von und Von und Neugerriemschneider. Vor ein paar Jahren gab es eine Markterkundung mit dem BVDG dorthin. Tja und dann startet am 23. Januar auch noch die BRAFA, die sich ein bisschen wie die kleine TEFAF anfühlt, zumindest, wenn man die Mischung der dort ausstellenden Kunstgattungen ansieht. Die Art Genève hat glück - an ihrem Termin gibt es keine Konkurrenz mit anderen Messen. Aber die Woche drauf knubbeln sich die Art Karlsruhe, die Art Basel Qatar und die Arte Fiera Bologna auf dem gleichen Termin. Wohl dem, der weiß, wie man Kunst sorgefältig transportieren und die Zollformalitäten erledigen kann - der kann dazu beitragen, dass die Messen Erfolge für die Aussteller werden. In Miami hat man schon Galerien ohne Kunst auf den Messen gesehen aber neuerdings ist auch das Modell Galerie ohne Galerist beliebt, weil die amerikanischen Grenzwächter sich daran gestossen haben, dass derjenige als Tourist einreisen wollte.

Bleiben Sie standhaft gegen sich aufbauende Absolutismen und genießen eine hoffentlich erfolgreiche Woche.

Stephan Zilkens und das Team der Zilkens Fine Art Insurance Broker in Solothurn und Köln