Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Sommer, I/III; Bild Stefan Kobel

03.08.2020 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 31 2020

Nicht nur der Kunstmarkt befindet sich durch Corona in einer Krise bisher ungekannten Ausmaßes. Doch um ihn soll es in diesem dreiteiligen Rückblick gehen, der mit einer Zusammenfassung der globalen Entwicklung beginnt und mit einer genaueren Betrachtung der Messe- und der Auktionssparte fortgesetzt wird.


Als hätte sie es geahnt, stimmt uns Annegret Erhard Anfang des Jahres auf einen grundlegenden Wandel beim Kunstkonsum in der WELT ein: "Derweil verringert sich die Zahl der kleinen und mittleren Galerien in Berlin und andernorts kontinuierlich. Grund sind die steigenden Kosten bei sinkendem Umsatz. Ursache ist aber auch, dass sich das Käuferverhalten vor allem der jüngeren Generation rapide ändert. Man ist zwar durchaus kunstsinnig, kauft auch hin und wieder, doch das Kompilieren, der Aufbau einer in sich stimmigen Sammlung, wird immer seltener angestrebt. Man muss nicht haben, um zu genießen - kein Auto, keine Wertobjekte, keine Kunstwerke, ist schließlich doch nur Ballast in einer nomadisch angelegten Biografie. Man bildet sich online, betrachtet online, ist auf Instagram im Austausch, man zieht zur Art Week und zum Gallery Weekend durch die Galerien und Museen. Das reicht."


Trotz eines mittelmäßigen Jahres 2019 sehe der sechste Art & Finance Report von Deloitte (PDF-Download) positiv in die Zukunft des Kunstmarkts, hat Sabine Spindler bei der Lektüre für das Handelsblatt Ende Januar festgestellt: "Laut Report beinhalteten die Anlage-Assets der Vermögenden und Family Offices 2018 Kunst im Wert von 1,7 Billionen Dollar. Und sie prophezeien, das Volumen werde weiterwachsen. Bis 2023 wird die Zahl der Ultra-Reichen, die jeweils über mehr als 30 Millionen liquider Vermögensmasse verfügen, schätzungsweise um weitere 43.000 Personen steigen. Experten sehen darin ein schlummerndes Potential für den kunstbezogenen Finanzmarkt."


Die Schließung der New Yorker Galerie Koenig & Clinton von Leo, dem anderen Sohns von Kasper König, meldet Alex Greenberger für Artnews.


Die phänomenalen Steigerungszahlen bei den Onlineverkäufen von Gagosian präsentiert Yasmin Gagne Anfang Februar bei Fastcompany. Motor des Wachstums seien die zwei (!) virtuellen Viewing Rooms, die die Galerie betreibe.


Leverage, also der Einsatz von Fremdkapital, nehme im Kunstmarkt explosionsartig zu, behauptet Katya Kazakina bei Bloomberg. Hedgefonds-Manager wie Daniel Sundheim hätten den Kunstmarkt als neues Geschäftsfeld entdeckt und gingen mit gigantischen Summen auf Einkaufstour, um das schnelle Geld zu machen.

Jetzt ist doch Schluss für Blain|Southern. Wie sich mit dem Abgang Graham Southerns Ende letzten Jahres schon angekündigt hatte, ist die Galerie mit Standorten in London, Berlin und New York am Ende. Daniel Völzke rekapituliert die Geschichte für Monopol: "Künstler wie Mat Collishaw, Jake & Dinos Chapman, Rachel Howard, Henning Strassburger und Sean Scully hatten in den letzten Monaten die Galerie verlassen, teilweise in Streit, wie 'Artnet News' berichtet. Die Galerie soll in eine finanzielle Schieflage geraten sein."


Als Kampfansage an die Auktionshäuser versteht Stephanie Dieckvoss im Handelsblatt die Vermarktung der Sammlung Marron durch die drei Megagalerien Gagosian, Pace und Acquavella: "Eine Lehre wird man aus dieser Geschichte ziehen können. Die Mega-Galerien werden sich künftig keine Chance entgehen lassen, den Marktanteil, den ihnen die Auktionshäuser wegnehmen, seit sich diese sowohl an junger Kunst als auch an Privatverkäufen versuchen, wieder wettzumachen. 'Eine neue Gruppe hat sich zusammengetan und die mächtigen Häuser ins Visier genommen, bestätigt Philip Hoffman, CEO der Fine Art Group, einer Londoner Kunstberatungsfirma. Er spricht von einem Paradigmenwechsel. Das war auch Marc Glimcher zu entlocken: 'Ja, jetzt gibt es zu den Auktionen eine Alternative.'"


Kulturstaatsministerin Monika Grütters will nicht nur Institutionen, sondern auch freischaffende Künstler bei der Bewältigung der Coronaviruskrise mit finanzieller Hilfe unterstützen. In einer Pressemitteilung verspricht sie: "Künstler und Kultureinrichtungen können sich darauf verlassen, gerade mit Blick auf die Lebenssituationen und Produktionsbedingungen der Kultur-, Kreativ- und Medienbranche: Ich lasse sie nicht im Stich! Wir haben ihre Sorgen im Blick und werden uns dafür einsetzen, dass die speziellen Belange des Kulturbetriebs und der Kreativen miteinbezogen werden, wenn es um Unterstützungsmaßnahmen und Liquiditätshilfen geht."


Wie Galeristen mit der aktuellen Situation umgehen, hat Brita Sachs für die FAZ vom 21. März zusammengetragen: "Manch einer prophezeit das Ende kleiner Galerien. Deborah Schamoni in München stimmt dem zu, zeigt aber Zuversicht. Im Zweipersonenbetrieb managt sie ihre Galerie mit internationalen Künstlern, sitzt im Komitee der Art Cologne und erfreut sich eines 'verlässlichen Sammlerkreises'. Der Ausfall von Messen und Schauen spare Kosten: 'Es ist eine Zeit zum Nachdenken, übers Programm, über Struktur.' Zum Internet meint Schamoni, wer Kunst als Investment betrachte, sei da gut aufgehoben, aber 'auf meinem Level sind die Leute Liebhaber, die möchten die Werke physisch sehen'."


Einzig die Art Lender scheinen gerade einen Boom zu erleben, wie Katya Kazakina and Tom Metcalf bei Bloomberg beschreiben.


Hoffentlich erinnert sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters auch nach der Corona-Krise noch an ihre Worte aus dem Gespräch Ende März mit Jörg Biesler im Deutschlandfunk: "'Es gibt eine ganz breite Einsicht, wie wichtig dieser Bereich ist. Das sagen wir uns nicht nur selber im Moment, das sagen wir nicht nur in der Politik, sondern das haben auch in der Gesellschaft viele verstanden: Kultur ist kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leistet, sondern Sie sind wirklich unverzichtbar. Wir merken das im ersten Augenblick, wo sie ausfallen, wie sehr sie uns fehlen. Es ist Ausdruck von Humanität, was diese Künstlerinnen und Künstler schaffen, und das brauchen wir heute mehr denn je'."


Für "verzweifelt, unausgegoren und sinnlos" hält der Berliner Professor Jörg Heiser im Gespräch mit Nana Brink im Deutschlandfunk die allerorten hastig auf die Beine gestellten Versuche von Museen und Galerien, ihre Angebote im Netz zu präsentieren. Raimar Stanges Kommentar bei Artmagazine geht in eine ähnliche Richtung. Anika Meier hält bei Monopol dagegen: "'Ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist', sagte Jörg Heiser. Wenn man stehen bleibt und nicht schaut, wohin der Weg führt, weiß man auch nicht, ob der Weg der richtige ist. Viele Museen und Galerien sind in den letzten Jahren neue Wege gegangen und wissen, welches der richtige und welches der falsche Weg ist. Jetzt sind vielleicht auch einmal die Kunstkritik und der Kulturjournalismus gefragt und müssen sich überlegen, wie über Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter geschrieben und gesprochen werden kann."


Etwas untergegangen im Corona-Trubel sind die Turbulenzen, in die zwei Unternehmen geraten sind: Die Aktien von Artprice sind auf Wunsch des Unternehmens vom Börsenhandel ausgesetzt und Paddle8 ist insolvent, wie ich im Handelsblatt melde.


An Roosevelts New Deal während der Great Depression erinnert Anfang April Kito Nedo in der Süddeutschen Zeitung und fordert Ähnliches für die gegenwärtige Situation: "Wie würde es wohl aussehen, wenn eine international gestimmte Kulturpolitik nicht das Abwarten, sondern das Handeln in der Gegenwart und das Reagieren auf diese jetzt als wichtigste Aufgabe der Kulturproduktion definieren würde? Warum sollten Künstlerinnen und Künstler nicht ähnlich energisch wie die Forscherinnen und Forscher in den Laboren durch die Politik unterstützt werden? Auch die Kunst kann ihren Teil dazu beitragen, die Veränderungen und sozialen Verwerfungen verstehen zu helfen, die sich gegenwärtig in einem schwindelerregenden Tempo abspielen."


Eine andere und intellektuell ärmere Kunstwelt nach Corona befürchtet Jerry Saltz in einem Essay für Vulture: "Es wird Galerien auf der anderen Seite dieser Kluft geben, und natürlich auch Museen und Künstler, die arbeiten. Aber ich befürchte, dass eine solche Trennung die Ungleichheiten, die dieses Universum immer mehr beherrschen, nur noch verschärfen wird. Megagalerien und Kunststars werden überleben, und die Kluft zwischen ihnen und allen anderen wird sich nur noch vergrößern, so dass die weniger organsierten Künstler und Galerien nahezu unsichtbar werden."


Wie eine Epiphanie hat die Selbsterkenntnis Marc Glimcher, den Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden der Pace Gallery, als Folge seiner CoVid19-Erkranung überkommen. Artnews veröffentlicht Mitte April das aufrüttelnde Dokument: "Als Galeristen sind wir im Geschäft der Zukunft: der Atelierbesuch, der uns an eine Ausstellung denken lässt, der Kundenbesuch, der uns an einen Kunstmessestand denken lässt, das Treffen mit unserem Kuratorenteam, das uns dazu bringt, uns ein neues Buch oder eine neue Performance vorzustellen. Im Moment haben wir keine andere Wahl, als im Geschäft der Gegenwart zu sein und die Tragfähigkeit bestimmter unhaltbarer Praktiken zu überdenken: die Preisgestaltung, das Über-Promoten, die Reisen, die unerbittliche Befriedigung der niedrigsten Instinkte der Spekulanten, die explodierenden Overhead-Kosten, der selbstzerstörerische Wettbewerb, die manipulierten Auktionsrekorde und die verzweifelte Suche nach Kapital zum Verbrennen, nur um zu beweisen, dass man es verbrennen kann." Wow. Es wird spannend, den Worten Taten folgen zu sehen.


Über die aktuelle Situation und die Zeit nach der Krise hat Bettina Wohlfarth für die FAZ vom 11. April gesprochen, unter anderem mit Jocelyn Wolff: "'Für mich ist es auch eine strukturelle Krise und Covid-19 ein auslösendes Element. Sie ist stärker als die vom Anfang der neunziger Jahre. Wir sind vielleicht auch eher in einer Wertekrise und am Ende eines Zyklus.' Viele sagen jetzt, dass sich die Digitalisierung beschleunigen werde, er erwarte das Gegenteil: 'Die sozialen Netzwerke normieren den Austausch. Ich habe das Gefühl, die Kunstwelt wird sich entdigitalisieren und von neuem zu einem Vektor sozialen Lebens und gedanklichen Austauschs werden.' Außerdem erwartet Wolff, dass der Markt erst einmal konservativer werde, dass Glamour und spekulative Aspekte an Einfluss verlieren."


Ein Drittel der französischen Galerien könnte die Krise nicht überleben, warnt der Galerienverband Comité professionnel des galeries d'art laut Vinvent Noce im Art Newspaper.


Seltsame Allianzen tun sich auf in einem sich dann doch trotz aller Kassandrarufe immer weiter digitalisierenden Kunstmarkt. Besonders bemerkenswert ist die neue Plattform Sotheby's Gallery Network, auf der zunächst acht New Yorker Blue Chip-Galerien Werke zum Kauf anbieten. Eileen Kinsella erklärt das Portal für den Konkurrenten Artnet.


Auch das Galeriegeschäft läuft langsam wieder an. Über die Aussichten seiner Zunft hat Evelyn Vogel Anfang Mai mit dem Vorsitzenden des Bundesverbands Deutscher Galerien (BVDG) Kristian Jarmuschek für die Süddeutsche Zeitung gesprochen: "Für mich ist die entscheidende Frage: In welchem Zustand sind Anfang September die Galerien wirtschaftlich, aber auch psychologisch. Und in welchem Zustand sind die Leute, deren Aufmerksamkeit wir einwerben wollen. Was wir im Herbst machen werden, werden wohl eher Messen mit Ausstellungscharakter sein, anlässlich derer man sich endlich wieder trifft, sich sieht, sich austauscht, die neuesten Arbeiten der Künstler kennenlernt und sich Orientierung verschafft. Der finanzielle Druck wird auf alle enorm sein. Viele Sammler werden sich fragen: Ist das jetzt das wichtigste, Kunst zu kaufen für meine weißen Wände, auf die ich im Corona-Home-Office wochenlang gestarrt habe? Dennoch möchte ich ungern von einer Krise sprechen, eher von einer Bedrohung. Es wird auf jeden Fall schwierig werden. Das Funktionieren des Kunstmarkts darf spätestens jetzt auf keinen Fall mehr als eine Selbstverständlichkeit angesehen werden."


Einen Umsatzverlust von 73 Prozent befürchten Kunsthändler und Galeristen laut einer Umfrage der Art Dealers Association of America ADAA (PDF), die Margaret Carrigan für das Art Newspaper ausgewertet hat: "Neben den Einnahme- und Personalverlusten, die bereits eingetreten sind und für den Rest des Quartals prognostiziert werden, ist die dringendste Sorge der Galerien der Overhead für ihre physischen Räume: Eine überwältigende Mehrheit (80%) der Befragten mietet ihre Räume, und rund der Hälfte dieser Händler wurde von den Vermietern ein Mietnachlass oder Zahlungsaufschub gewährt."


Global denken, lokal agieren scheint für Reena Devi bei Cobosocial aus Hongkong das mögliche Erfolgsrezept für Galerien in der näheren Zukunft zu sein: "Vielleicht wird mit der Wiedereröffnung der Kunstwelt nach dem Lockdown ein kollektives Verständnis dafür entstehen, dass Zusammenarbeit und Gemeinschaft nicht nur große Schlagworte sind, sondern echte Werkzeuge zum Aufbau eines nachhaltigen Kunst-Ökosystems. Es ist jedoch auch klar, dass sich dieser Sinn für Zusammenarbeit und Gemeinschaft vorerst wahrscheinlich auf das Lokale konzentrieren wird, was Kunstszenen mit inhärent starken und aktiven lokalen Akteuren einen Vorteil verschafft."


Einen nüchternen Blick auf die Kunstwelt post-Corona wirft Daniel Hug, Direktor der Art Cologne, im Gespräch mit Arterritory: „Im extremsten Fall wird nur der absolute Kern des Kunstmarktes übrig bleiben. Gagosian wird es weiterhin geben, die meisten seriösen Sammler werden bleiben, die meisten jungen Galerien werden bestehen bleiben, die Sekundärmarkthändler werden in Ordnung sein, die großen Auktionshäuser werden bleiben, die Preise für Namen aus der Kunstgeschichte werden steigen, der Markt für Künstler der Moderne und Blue-Chip-Künstler der Nachkriegszeit wird bestehen bleiben. Die mittelgroßen Händler werden Probleme haben, ebenso wie die trendigen, überteuerten Künstler und die jungen Künstler, deren Werke für über 50.000 € verkauft werden. Die meisten Kunstmessen werden darunter leiden, viele Kunstmessen werden eingestellt, weil es weniger Galerien gibt. Die Dinge werden lokaler und weniger global werden.“


Die Geschichte der Kaperung der Kunstwelt durch Menschen aus der Finanzwelt erzählt Nate Freeman bei Artnet: „Wenn es darum geht, dass Finanztypen die Kunstwelt infiltrieren, scheinen die Barbaren vor der Tür zu stehen. Früher begnügten sich die Bankiers damit, am relativen Rand des Bilderkaufgeschäfts zu stehen, indem sie ihre Boni dazu nutzten, Warhols zu bündeln oder sich durch auffällige Geschenke einen Platz auf Museumstafeln zu krallen. Jetzt leiten sie Auktionshäuser, eröffnen Galerien, bauen private Museen und flüstern Milliardären als Kunstberater ins Ohr.“


Auf seinem Rundgang durch Berliner Galerien hat Kevin Hanschke für die FAZ vom 16. Mai ein Stimmungsbild eingefangen, unter anderem bei Eigen + Art: "Auch Lybke kritisiert die Verfehlungen der Berliner Kulturpolitik. Galerien seien der kulturelle Wirtschaftsfaktor Nummer eins der Stadt - und würden die Politik nichts kosten. Er meint, dass der Mythos von Berlin als Metropole von Kunst und Kultur gerade enden könnte, weil die Politik die Kunst schlichtweg vergessen habe: 'Der Senat dachte, die Kultur und ihr Erfolg seien gottgegeben, und merkt jetzt, dass es nicht so ist', sagt Lybke. Dennoch hat er Hoffnung. Berlin sei für ihn stets eine Stadt des Anfangs gewesen, der ständigen Veränderung, deshalb werde es immer Goldgräber geben, die unabhängig von staatlicher Unterstützung Neues erschaffen."


Eine so vergnügliche wie gnadenlose Abrechnung mit dem champagnerbetriebenen Raumschiff Kunstszene nimmt Oliver Koerner von Gustorf für Monopol vor. Dabei nimmt er weder seine Zunft, noch sich selbst von der Kritik aus. Doch belässt er es nicht bei der Vivisektion des Corona-Scheintoten, sondern er zeigt auch Perspektiven auf: "Wenn Kunst also so wichtig für die Demokratie ist, wie es in den Feuilletons hoch und runter gebetet wird, und gegen die augenblickliche Traumatisierung helfen soll, dann sollte man jetzt den Nachbarschaften und Communitys mit dem New Deal die Ressourcen geben, um Kunst-Commons zu gründen, digital und als reale Orte. Der Staat müsste die Ressourcen zur Verfügung stellen, das heißt Gebäude und für eine bestimmte Dauer gesicherte Budgets für Ausstattung und Jobs."


Die Theorie von Naomi Kleins Desaster-Kapitalismus wendet der ehemalige Londoner Galerist Pierre D'Alancaisez in einem bemerkenswerten Blogbeitrag auf die Kunstbranche an: "In der Kunstwelt, die von ihren eigenen Ungerechtigkeiten zerrissen wird, während sie ihrem Publikum die Revolution predigt, fehlt eine praktische, skalierbare Methodik für Veränderungen. Solange Künstler und ihre Institutionen gleichzeitig nach künstlerischen Freiheiten, gesellschaftlicher Relevanz, Ruhm und Profit streben, werden sie in dem von Klein beschriebenen Teufelskreis stecken bleiben."


Ein Familienstreit und ein geplatztes Immobiliengeschäft scheinen das Galerie-Imperium Marlborough zu zerlegen, wie einem etwas verworrenen Beitrag Nate Freemans für Artnet zu entnehmen ist. Monopol bietet eine Zusammenfassung auf Deutsch.


Romantische Hoffnungen auf ein Ende der Kommodifizierung von Kunst (oder Art as an Asset Class) macht ein Blick auf das Art Lending jedoch zuverlässig zunichte. Carol Ryan analysiert im Wall Street Journal nüchtern die goldenen Aussichten dieser illustren Branche: "Wenn die Zinsen sinken, wie in diesem Jahr, steigt in der Regel die Nachfrage nach Kunstkrediten. Investoren nutzen solche Darlehen, um Millionen von Dollar freizusetzen, die in ihren Sammlungen gebunden sind, und legen das Geld in Vermögenswerte an, die eine höhere Rendite bieten können. Private-Equity- und Hedge-Fonds-Bosse nutzen Kunstdarlehen seit langem als Teil ihrer Portfoliomanagementpläne, aber sie werden auch bei anderen Sammlern immer beliebter."

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