Kobels Kunstwoche

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Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobel Kunstwoche 32 2026

Die Ausnahme von Kunst beim Zollregime der USA kommt für manche zu spät, schreibt Daniel Grant im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Die Unklarheit darüber, ob Kunst, Antiquitäten und andere Sammlerstücke den verschiedenen Einfuhrzöllen des US-Präsidenten unterliegen würden oder nicht – gestützt auf Notstandsgesetze, die Trump ab Anfang 2025 als Grundlage für sein Zollregime nutzte –, hat den Handel mit diesen Gegenständen durcheinandergebracht. 'Die früheren Zölle haben Importeuren und der Schifffahrtsbranche, die für unser Geschäft unverzichtbar ist, das Leben schwer gemacht', sagt Clinton Howell, ein Händler für englische Antiquitäten in San Francisco. 'Ich kaufe nicht in Europa ein. Ich kaufe alle meine englischen Antiquitätenmöbel innerhalb der USA, da es dort reichlich davon gibt.'“

Nach einem Jahr Pause kehrt die ADAA (Art Dealers Association of America) Art Fair (vormals Art Show) in die Armory zurück, meldet Artforum. Artforum und Artenws, die beide zum Konzern Penske Media gehören, veranstalten im November gemeinsam die erste Art Week NYC, an die die Neuauflage der Messe andockt.

Den aktuell x-ten Artikel über die Destination Art Fair hängt Naima Morelli im Observer nicht als Erste an der Can Art Fair auf Ibiza auf. Als Zeugin für die Großartigkeit dieser Messe lässt sie Nazy Nazhand auftreten, die sie als Sammlerin vorstellt. Die ist allerdings nach eigener Aussage im Hauptberuf Art Advisor, ebenso wie Morellis Observer-Kollegin Elisa Carollo (PDF) selbst. Es ist aber auch verwirrend mit den vielen Hüten, die manche Kunstweltmenschen aufhaben.

Überarbeitung als Dauerzustand, mangelnde Anerkennung und schlechte Bezahlung beschreibt Harriet Lloyd-Smith bei The Art-Journal als Grundkonstanten der Kulturbranche: „Im Laufe meiner Karriere wurde mir schon oft gesagt, ich solle die Dinge nicht so persönlich nehmen. Abgesehen davon, dass diese Bemerkung nervig und geschlechtsspezifisch ist, zeugt sie von einem Missverständnis des Berufs. Meine Arbeit basiert – wie bei vielen Menschen in der Kunstszene – auf meiner Person: meiner Vorstellungskraft, meinen Meinungen, meinen Beziehungen, meinem Mut und meinem Geschmack. Das sind keine Extras, die wir nur aus Spaß und wegen des kleinen Risikos mit einbringen. Es sind Voraussetzungen für die Rolle – der Rohstoff, der uns in unserem Job gut macht. Das größte Berufsrisiko besteht darin, selbst zum Beruf zu werden. Die Arbeit fließt in das Sozialleben über, das Sozialleben in Freundschaften, und die Menschen, die wie Freunde wirken, entpuppen sich als Kollegen. Wenn du nie wirklich frei hast, hast du keine Zeit, dich zu erholen – oder den Schaden zu bemerken, bis er bereits angerichtet ist.“

Im Grunde scheint es da nicht verwunderlich, dass die Kunstwelt voller toxischer Menschen ist. Paddy Johnson stellt sich bei Hyperallergic (kostenlose Registrierung) die Frage trotzdem: „Vorsicht ist im Grunde das A und O jeder professionellen Absicherung. Überprüfe deine Kooperationspartner, halte Vereinbarungen schriftlich fest und akzeptiere, dass keiner von euch alles erkennen kann. Fast schon per Definition kommt toxisches Verhalten überraschend. Denn wenn du es erwartet hättest, hättest du dich gar nicht erst auf diese Person eingelassen. Du brauchst Vertrauen, um in der Kunstwelt zu bestehen. Gleichzeitig ist es manchmal schwer zu erkennen, wer deine echten Freunde sind, denn fast jede Beziehung basiert zumindest teilweise auf einem gegenseitigen Austausch. Die meisten meiner Freundschaften würden ohne die Kunst verschwinden.“

Eine erfolgreiche Auktionssaison meldet Felicitas Rhan in der FAZ (Paywall) aus der Schweiz: „Das zurückliegende erste Halbjahr sei sogar eines der besten der Firmengeschichte gewesen, vermeldet das Traditionshaus Koller in Zürich. Es verbuchte neun Zuschläge über einer Million Franken sowie eine Verkaufsquote von 90 Prozent. Auch Artcurial Beurret Bailly Widmer in Basel blickt auf ein erfolgreiches Semester zurück. In der Frühjahrsauktion mit Schweizer Kunst blieben zwar zwei der Spitzenlose – Winterlandschaften von Cuno Amiet – unverkauft. Doch das dritte Toplos, ein Mädchenbildnis von Albert Anker, erreichte die untere Taxe von 500.000 Franken. Auch Félix Vallottons Ansicht der Alyscamps in der Morgensonne traf mit einem Zuschlag bei 250.000 Franken die untere Schätzung.“

Das Modell von 24hdrop stellt Ursula Scheer im Interview mit dessen Betreiber Christoph Oberlechner in der FAZ (Paywall) vor. Auf der Plattform wird wöchentlich ein Kunstwerk angeboten. Verlost wird nach einer zehnprozentigen Sicherheitsleistung das Recht, das Werk zum „Galeriepreis“ zu erwerben. Allerdings arbeitet Lechner direkt mit den Künstlern:„Ich bin eher ein zusätzliches Angebot im Kunstmarkt und bringe bestenfalls neue Sammler und Sammlerinnen ins Spiel, die dann auch bei anderen Galerien kaufen. Mir war von Anfang an am wichtigsten, wieder mehr Fun in den Kunstkaufprozess reinzubringen und mit tollen Kunstschaffenden zu arbeiten.“ Die Autorin erklärt das Modell rein aus der App heraus, über die Webseite funktioniert es allerdings auch. Tatsächlich ist die Auswahl der bisher knapp 100 Werke sehr zeitgenössisch und könnte über das Zockerelement in Verbindung mit der zweifellos vorhandenen Szenekenntnis des Machers auch Menschen zum Kunstkauf und später zum Sammeln animieren. Die Aufbauarbeit leisten jedoch die Galerien, die hier leer ausgehen.

Der unter anderem von Maximilíano Durón bei Artnews gemeldete Diebstahl des keltischen Torques de Vix aus dem Museum in Châtillon-sur-Seine habe in Frankreich zu einem fragwürdigen Aktionismus geführt, beklagt Stefan Trinks in der FAZ (Paywall): „Als Reaktion auf die Diebstahlserie hat die französische Regierung angekündigt, 'gefährdete', also wertvolle Kunstschätze künftig besser zu schützen. Demnach sollten 'besonders sensible Exponate vorübergehend' aus den Ausstellungen genommen und an sicheren Orten verwahrt werden – bis sie besser 'gegen mögliche Angriffe geschützt' seien, so einer der vielen jetzt verkündeten Punkte des Aktionsplans. […] Man stelle sich vor, das Berliner Bodemuseum nach dem Diebstahl seiner Hundert-Kilo-Goldmünze oder das Grüne Gewölbe Dresden nach dem dortigen Diamantenraub wären einfach leer geräumt worden. Die Befreiung der Ausstellungssäle von ihren Exponaten kann nicht die Idee des Universalmuseums Louvre sein – dafür gibt es Versailles.“

Bernard Arnaults Unmut über eine sechsteilige Serie zu seinem Familienclan in Le Monde (Paywall) berichtet Devorah Lauter bei Artnews: „Grob gesagt beschreibt dieser fünfte von sechs Artikeln, der sich mit Kunst befasst, wie der 77-jährige Arnault und der von ihm geführte Luxuskonzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) im Laufe der Jahre dank großzügiger, auffälliger Investitionen in Kunst und Kultur von erheblichen Steuervergünstigungen profitiert haben. Wie ARTnews bereits berichtet hat, gehören dazu unter anderem die Gründung der einflussreichen Fondation Louis Vuitton (FLV), seines privaten Museums in Paris, sowie die Finanzierung von Kunstankäufen im Auftrag öffentlicher französischer Museen, um nur einige Beispiele zu nennen. Laut Le Monde waren diese Initiativen von dem kalkulierten Wunsch getrieben, seine Macht zu demonstrieren, Marketingchancen zu nutzen und Steuerabzüge geltend zu machen.“

Athena Art Finance ist eine der bekanntesten Marken in der Kunstkreditbranche (Art Lending). Ihr ehemaliger CEO Rebecca Fine hat jetzt mit Metis eine neue Gesellschaft gegründet, die mit den Daten von Winston Art Group und Artory das Geschäft effizienter gestalten will, berichtet Elisa Carollo im Observer: „Während der Zeit, in der Athena Art Finance zu Yieldstreet gehörte, hat Fines Team 11 dieser Kunst-Kreditfonds sowie einen Kunst-Beteiligungsfonds aufgelegt. Während der Kunst-Beteiligungsfonds und die darin enthaltenen Werke bei einem subkontrahierten Anlageberater bei Yieldstreet verbleiben, werden die Kunst-Kredit-Anlagevehikel von Athena abgewickelt, da das Unternehmen keine neuen Kredite mehr vergeben wird. Fine ist fest davon überzeugt, dass ihre Priorität bei Metis dieselbe bleibt wie damals bei Athena: einen einzigartig persönlichen, conciergeartigen Kreditdienst anzubieten, der sowohl den Wert einer Sammlung als auch die Leidenschaft ihres Besitzers dafür respektiert, wobei der Schwerpunkt auf der Erhaltung der Sammlung und den langfristigen Zielen des Sammlers liegt […] Sammler können die Darlehenssumme für viele verschiedene Zwecke nutzen, aber Metis wird sich nicht dazu äußern, wie sie diese Mittel einsetzen. Das ist ein weiterer Unterschied zu Fines Arbeit bei Yieldstreet. Dennoch wollen viele Sammler diese Liquidität nutzen, um mehr Kunst zu kaufen – vor allem auf dem aktuellen Markt, auf dem sie echte Chancen sehen. 'Sie glauben, dass es ein Preisungleichgewicht gab und dass der Markt bis vor kurzem schwach war; daher sehen viele darin eine Kaufgelegenheit.'“ Man erkennt im Kunstmarkt die PR daran, dass über die finanziellen Interessen immer noch eine Schicht „Passion“-Glitzer geschüttet wird.

Die neue Zweitwohnungssteuer in New York dürfte einige Kunstsammler und -händler treffen schreibt Katya Kazakina bei Artnet: „Einige, wie der Mega-Dealer David Zwirner, Arne und Marc Glimcher von der Pace Gallery, der Künstler Julian Schnabel, der Kunstberater Allan Schwartzman und der Sammler Mitchell Rales, werden namentlich genannt. Andere, darunter die Milliardäre Steve Cohen, Leon Black und Len Blavatnik, lassen sich mit Gesellschaften mit beschränkter Haftung in Verbindung bringen. Die Villa des Mega-Händlers Larry Gagosian in der East 75th Street gehört der Sugar Shack LLC und hat laut DOF einen von der Stadt festgelegten Wert von 63,3 Millionen Dollar.

Das unrühmliche Ende der eher peinlichen Kunstsammlung Silvio Berlusconis meldet APA: „Die Sammlung umfasst rund 25.000 Gemälde und Skulpturen und ist derzeit in einer 4.500 Quadratmeter großen Lagerhalle unweit von Berlusconis Residenz in Arcore bei Mailand untergebracht. Nun soll die Halle abgerissen werden und einem Supermarkt weichen.“

Die immer noch erstaunlich niedrigen Preise für Arbeiten der im Juni verstorbenen Künstlerin Rune Mields thematisiert Christiane Fricke im Handelsblatt vom 31. Juli: „Immer wieder wurden jedoch die frühen Röhrenbilder eingeliefert, gehäuft bei Lempertz, wo sie Ergebnisse zwischen 1700 und 5200 Euro erzielten. Bei Van Ham kam vor einem Jahr ein 1,80 Meter hohes frühes Röhrenbild von 1971/72 auf 13.200 Euro inklusive Aufgeld. Auf dem Primärmarkt liegen die Preise höher, bewegen sich jedoch weiterhin auf vergleichsweise moderatem Niveau. Hier wurde auf Mields' eigenen Wunsch bislang mit dem 'Faktor 60' gearbeitet, also Höhe und Breite zusammengezählt und mit dem Faktor 60 multipliziert, zuzüglich Mehrwertsteuer. Für ein Bild in den für sie typischen Maßen von 2 mal 1,45 Meter kämen so 20.700 Euro netto heraus. Bei besonderen Arbeiten würde auf diesen Preis – [ihrer Galeristin Judith] Andreae zufolge - noch etwas draufgeschlagen. Es bleibt zu hoffen, dass ausreichend Werke auf den Markt gelangen, um eine angemessene Neubewertung dieser bedeutenden Position zu ermöglichen“.

Ihren Abschied vom Art Newspaper gibt Chefredakteurin „at large“ Julia Michalska auf ihrem auf privat gestellten Instagram-Account bekannt. Ihre Kollegin Anna Brady, bereits seit zwei Jahren freiberuflich - wird als „Art Market Editor-at-Large - The Art Newspaper“ Teil der Advisory Group der London Art Fair, wie ihrem eigenen Instagram-Account und der Webseite der Messe zu entnehmen ist.