Kobels Kunstwoche

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Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 3 2026

2026 schickt sich an, den letzten sechs Jahren in nichts nachstehen zu wollen. Und auch für den Kunstmarkt gibt Melanie Gerlis im Art Newspaper keine Entwarnung: „Auf dem Kunstmarkt scheint sich der Geschmack hin zu preisgünstigeren Kunstwerken (und einigen wenigen Trophäen) dauerhaft zu verschieben, da Sammler sich mit der Tatsache abfinden müssen, dass sich ihre 'Investitionen' in Kunst in den letzten zehn Jahren nicht ausgezahlt haben. Vorsicht wird vorherrschen, da der Markt allmählich akzeptiert, dass die Nachfrage ebenso ein Problem sein könnte wie das Angebot. Die Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor, aber angesichts des düsteren ersten Halbjahres dürften sie nur knapp über dem Tiefpunkt von 2024 liegen. Für 2026 erwarte ich mehr vom Gleichen.“

Kunst sei dabei, nur ein weiteres Asset der Luxuskategorie zu werden, glaubt Ursula Scheer in der FAZ (Paywall): „Ein Drittel seines Umsatzes macht Sotheby’s inzwischen mit dieser Produktklasse; der Konkurrent Christie’s etwa ein Viertel. Wer glaubte, 'quiet luxury' wäre die Zukunft, und Teilhabe oder Erleben könnten wichtiger werden als Besitz, wird von der Nachfrage nach Luxusgütern, die oftmals Distinktions- und Materialwert vereinen, eines Besseren belehrt – nicht nur am Golf. Für nachrückende, kapitalstarke jüngere Sammler und Sammlerinnen sind Geschmeide, Villen, Oldtimer und Design nicht mehr bloß potentielle Türöffner auf dem Weg zur Kunst, sondern mindestens gleichrangige Bestandteile eines identitätsstiftenden Asset-Shoppings im globalisierten High-End-Kaufhaus der Konsumkultur. In diesem sind Künstler Marken, die mit anderen Marken Synergieeffekte erzielen – siehe Louis-Vuitton-Täschchen mit Dekor von Yayoi Kusama. Das hat Rückwirkungen auf den Kunstbetrieb. Luxusmarken treten als Mäzene auf, sie fördern, kuratieren und geben Kunst in Auftrag.“ Zu einem ähnlichen Schluss komme ich eine Woche vorher für Monopol.

Den Gang der Art Basel nach Katar sieht Philipp Meier in der NZZ ungewohnt kritisch: „Die roten Zahlen sind seit 2017 auf kumulierte 420 Millionen Franken angewachsen. Dementsprechend macht auch der amerikanische Milliardär James Murdoch Druck. Er ist Grossaktionär der MCH Group und setzt auf den Brand der Art Basel als Geldmaschine.

Mit ihrem Engagement in Doha hat sich die Art Basel allerdings auch die Kritik zugezogen, sie lasse sich für die Imagepflege Katars einspannen. Einerseits versucht sich das Land mit Sport und Kunst dem Westen anzunähern, anderseits fördert es weltweit die Verbreitung der Ideologie der Muslimbruderschaft. Katar finanziert die Terrororganisation Hamas und unterstützt mit seinem Sender al-Jazeera islamistische Gruppierungen. Überdies ist in Katar die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Das betrifft auch die künstlerische Freiheit.“

In der WeLT sucht Marcus Woeller nach einer Erklärung für den Trend zur Vermischung der Märkte für Collectibles und Kunst: „Das Luxussegment dient längst nicht mehr bloß als Ergänzung, sondern als Stabilisator – und womöglich als Wachstumsmotor. Es ist planbarer und krisenfester als der Markt für klassische Kunst, der unter einem knapper werdenden Angebot höchster Qualität leidet, während die Weltwirtschaft insgesamt unter geopolitischer Unsicherheit ächzt. Selbst ultra-vermögende Käufer im Hochpreissegment agieren vorsichtiger. Mit jüngeren Kunden teilen sie jedoch eine Haltung: Sie unterscheiden immer weniger zwischen E und U, zwischen Fine Art und Luxusobjekt, sondern investieren in ikonische Stücke mit Geschichte. Die Auktionshäuser folgen dieser Logik.“

Die Luxusbranche sehe sich allerdings ebenfalls mit einem Strukturwandel konfrontiert, hat das Branchenmagazin Business of Fashion zusammen mit McKinsey herausgefunden: „In den letzten drei Jahren hat sich das Wachstum des Luxusvolumens abgeschwächt, sodass Marken zunehmend auf Preiserhöhungen setzen, um ihre Umsatzentwicklung aufrechtzuerhalten. Zwischen 2023 und 2025 werden schätzungsweise rund 80 Prozent des Wachstums des Luxusmarktes auf Preiserhöhungen statt auf Volumenzuwächse zurückzuführen sein – ein Hebel, auf den man sich nicht unbegrenzt verlassen kann. Gleichzeitig hat sich der Wettbewerb um Marktanteile verschärft, da Kunden ihre frei verfügbaren Ausgaben auf ein breiteres Spektrum von Kategorien, darunter Reisen und Wellness, verteilen. Anspruchsvolle Aufsteiger [Aspirational shoppers] – diejenigen, die jährlich zwischen 3.000 € (ca. 3.494 $) und 10.000 € (11.647 $) für Luxusgüter ausgeben – haben ihre Ausgaben für Luxusgüter angesichts von Preiserhöhungen und einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld gekürzt. Schätzungsweise 35 Prozent der ambitionierten Luxuskunden haben ihre Luxusausgaben zurückgefahren oder verschoben.“

Der Wandel trifft auch den Uhrenmarkt, berichtet ntv: „Mit ausschlaggebend laut der Analyse: Die Generation Z verändere den Luxusuhrenmarkt. 'Über Jahrzehnte haben sportliche Stahluhren bei jüngeren Käufern dominiert, jetzt ist eine deutliche Tendenz zu Dresswatches zu erkennen - kleinere, schlichtere und elegantere Modelle.' Cartier ist der Auswertung zufolge bei der Gen Z besonders beliebt. […] Branchenbeobachter [Michael] Müller verweist auch auf die allgemeine Unsicherheit angesichts der Weltpolitik: 'Die Leute halten ihr Geld zusammen.' Das spüre man aber vor allem im Preisbereich zwischen 1.000 und 5.000 Euro. 'Bei über 10.000 denkt man nicht mehr so darüber nach.'“

Comics holen hingegen auf, meldet ebenfalls ntv: „Ein Superman-Comic-Heft von 1938, das damals 10 Cent kostete, hat einen Millionen-Rekord aufgestellt. Das Heft wurde für 15 Millionen Dollar (knapp 13 Millionen Euro) von einem Sammler gekauft, der anonym bleiben wollte, wie das New Yorker Unternehmen Metropolis Collectibles/ComicConnect mitteilte. Damit sei der vorherige Rekordpreis für ein Comic-Heft weit übertroffen worden, hieß es weiter. Im vorigen November war ein Heft der Superman-Reihe aus dem Jahr 1939 für 9,1 Millionen Dollar in New York versteigert worden.“

Nicht so gut laufen die Geschäfte hingegen bei Bonham's, meldet Josh Spero in der Financial Times (Paywall): „Der Vorsteuerverlust von Bonhams stieg 2024 um fast 90 Prozent auf 213 Millionen Pfund, da das Auktionshaus unter dem anhaltenden Einbruch des Kunstmarktes zu leiden hatte. Der Großteil des Verlusts entfiel auf Wertminderungsaufwendungen in Höhe von 153 Millionen Pfund, die auf niedrigere Cashflow-Prognosen zurückzuführen waren. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Großbritannien sank um 9 Prozent auf 176 Millionen Pfund. Bonhams wurde im Oktober an einen seiner Kreditgeber, Pemberton Asset Management, verkauft, dem es laut den jüngsten beim britischen Handelsregister eingereichten Abschlüssen 193 Millionen Pfund schuldete.“

Marcus Woeller nimmt für die WeLT eine Bestandsaufnahme des Markts für Fotografie vor: „Das Ranking offenbart zweierlei: Erstens ist die Fotografie zweihundert Jahre nach ihrer Erfindung fast so vielfältig wie die bildende Kunst insgesamt. Zweitens erreicht sie weiterhin nicht jene astronomischen Marktpreise, die Käufer etwa für Gemälde von Gustav Klimt oder Pablo Picasso zahlen. Fotografie gilt nach wie vor als Nischenmarkt, in dem sich Entdeckungen machen lassen – der aber auch für Überraschungen gut ist. So akquirierte Diandra Donecker, die Leiterin der Fotoabteilung und heutige Mitgeschäftsführerin des Auktionshauses Grisebach in Berlin, ein Fotogramm von László Moholy-Nagy, das 2017 für fast eine halbe Million Euro versteigert wurde – Rekord für ein Foto in Deutschland.“

Vor- und Nachteile der Dominanz der Kunstmessen erörtert Elisa Carrollo im Obeserver: „Während die Branche ein umstürzendes Jahr 2025 hinter sich lässt und mit offenen Fragen in das Jahr 2026 startet, hat sich ein breiter Konsens herausgebildet, dass das derzeitige Messesystem nicht mehr tragbar ist. Paradoxerweise können es sich viele Galerien – insbesondere aufstrebende und mittelständische Galerien, die mit hauchdünnen Margen arbeiten – aufgrund der sich abschwächenden Marktbedingungen zwar kaum noch leisten, an Messen teilzunehmen, aber sie können es sich auch nicht leisten, darauf zu verzichten. Die Teilnahme an Messen ist zu einer Notwendigkeit für das Branding geworden, wobei die Liste der Messen, an denen eine Galerie teilnimmt, nun als Statussymbol fungiert und ihre wahrgenommene Rangstufe definiert, ähnlich wie es FIFA-Turniere für nationale Fußballmannschaften tun. [...] Gleichzeitig stellen Messen für Galerien unbestreitbar ein finanzielles Risiko dar. Steigende Kosten für Teilnahme, Transport und Reisen können für kleinere Galerien leicht zum Todesurteil werden. Aber Messen können auch, und das nicht selten, die Entwicklung einer Galerie umkehren, indem sie eine echte Chance auf internationale Bekanntheit, institutionelle Anerkennung und – gelegentlich – Verkäufe bieten, die groß genug sind, um das ganze Jahr über zu tragen.“

Eine Biennale als Anker und Motor für den Kunstmarkt hat Silvia Anna Barrilà in Indien für die WeLT erlebt: „Die Biennale dient auch als Auftakt für Veranstaltungen des indischen Kunsthandels: Vom 8. bis 11. Januar 2026 findet das Mumbai Gallery Weekend statt; vom 5. bis 8. Februar 2026 läuft die India Art Fair in Neu-Delhi. 'Die Kochi Biennale ist eine Inspirationsquelle für uns', erklärte die Direktorin der Kunstmesse Jaya Asokan, 'insbesondere die damit verbundene Students’ Biennale, auf der wir Künstler mit großem Potenzial entdecken und teilweise zu Nebenprojekten der Messe einladen.' In der mittlerweile 17. Ausgabe verstehe man sich nicht mehr nur als kommerzielle Veranstaltung, sondern versuche, zeitgenössische Kunst ganzjährig zu fördern. Die Biennale habe zudem einen festen Platz auf der Messe; viele Werke von Biennale-Künstlern würden dort von ihren Galerien zum Kauf angeboten. Getragen von der indischen Wirtschaftsleistung wachse auch der Kunstmarkt kontinuierlich.“

Der in den letzten Jahren stark gewachsene Bereich des Art Lending erfährt einen Rücksetzer, erklärt Josh Spero in der Financial Times (Paywall): „Laut einer neuen Studie kam es 2024 bei der Hälfte der Nichtbanken, die Kredite gegen Kunstwerke vergeben, zu Kreditausfällen, gegenüber nur 17 Prozent zwei Jahre zuvor. [...] Harry Smith, Vorstandsvorsitzender des Kunstgutachters Gurr Johns, sagte: 'Die traditionellen Märkte sind gespalten zwischen den Besten und dem Rest. Kredite an die Besten sind in Ordnung – Kredite an den Rest sind absolut nicht in Ordnung.' Gurr Johns, das jährlich Kunstwerke im Wert von 4 bis 5 Milliarden Dollar bewertet, die als Sicherheiten dienen, gibt seinen Geschäftbereich für Kleinkredite auf.“

Für eine Erweiterung des Anfang letzten Jahres von der ehemaligen Artnet (evtl. Paywall) Kolumnistin Annie Armstrong eingeführten Begriffs der Red Chip-Kunst plädiert Wolfgang Ullrich im Tagesspiegel (Paywall): „Red-Chip-Kunst ist also keineswegs nur Kunst für Reiche. Vielmehr handelt es sich dabei um den ersten Typus bildender Kunst, der komplett einer popkulturellen Logik folgt. Statt durch Museen oder Biennalen, durch Kuratoren, Galerien oder andere Gatekeeper bekannt zu werden, verdanken Red-Chip-Künstler Ruhm und Reichtum allein Followern und Fans, die toll finden, was sie machen – die sich damit identifizieren können, daraus mal Trost, mal Unterhaltung, mal Inspiration beziehen. Die meisten dieser Fans haben allerdings nicht genügend Geld und Platz, um teure Unikate zu kaufen. Weil es so viele Fans sind, lassen sich mit Editionen und Auflagenobjekten, Drucken und Figuren dennoch große Summen umsetzen. Werke der Red-Chip-Kunst gibt es deshalb oft auch skaliert: in verschiedenen Größen, Materialien sowie Formen der Limitiertheit, sodass für jeden etwas dabei ist. Sticker, Buttons oder kleine Drucke kosten oft nur zweistellige Beträge. Wer will, kann aber auch fünf-, sechs-, gar siebenstellig für einzelne Werke zahlen.“

Im Urheberrechtsstreit um die Kippenberger-Gemälde in der Berliner Paris Bar vermeldet Monopol ein rechtskräftiges Urteil: „Das Oberlandesgericht München hat entschieden, dass der Berliner Plakatmaler Götz Valien als Miturheber zweier Gemälde von Martin Kippenberger anzuerkennen ist.“

Das Leben des Galeristen Franz Dahlem lässt Bernhard Schulz bei Monopol Revue passieren: „Ob er an seinen Tod dächte, wurde er in einem weiteren Gespräch mit dem 'Kunstforum' gefragt. 'Täglich', lautete die Antwort. 'Ich bezweifle, ob es ihn überhaupt gibt, obwohl ich vor kurzem eine Grabstelle gekauft habe. Ich gehe gern in Kirchen und auf Friedhöfe.' Wie sein langjähriger Freund und Verleger seiner Autobiografie Lothar Schirmer jetzt mitgeteilt hat, ist Franz Dahlem bereits Ende Dezember bei München im Alter von 87 Jahren gestorben.“ Der Kurator Klaus Honnef erinnert sich an auf Facebook: „Er war einer derjenigen, die wie Hefe im zähen deutschen Kunstbetrieb gewirkt haben. Wie viele, ist er heute vergessen, anders als die Künstler, die seinem unermüdlichen Einsatz mehr, als sie denken, verdanken. Ohne Dahlem und anderen sähe der deutsche Kunstbetrieb, ja, leider schon immer wie gegenwärtig aus. Und es hätten die hochgemuten 1970er und 1980er Jahre nicht gegeben, als die deutschen Künstler die Kunstwelt eroberten. Einen wie ihn gibt es nicht mehr.“

Den Tod des Galeristen Robert Mnuchin meldet Matt Phillips in der New York Times: „Robert E. Mnuchin, ein Partner bei Goldman Sachs, der sein Know-how vom Börsenparkett, seine Verbindungen zur Wall Street und seine tiefe Liebe zur Kunst nutzte, um sich eine zweite Karriere als einer der führenden Galeristen und Kunsthändler New Yorks aufzubauen, verstarb am Freitag [19.12.] in seinem Haus in Bridgewater, Connecticut. Er wurde 92 Jahre alt.“