Kobels Kunstwoche

Duesseldorf Cologne Open 2026; Foto Stefan Kobel
Duesseldorf Cologne Open 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 37 2026

Der Bericht von Georg Imdahl über die dc open in der FAZ vom 5. September ist weniger ein Rundgang als vielmehr eine Bestandsaufnahme der rheinischen Szene anhand einiger Beispiele: „Ein anderer Kölner Galerist hat schon nach wenigen Monaten die Segel gestrichen und seine Räume, zuvor vom Kollegen Jan Kaps bespielt, an die Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem weitergegeben. Die zählt an diesem Wochenende zu den Teilnehmern der 18. Dc Open, bei denen fünfzig Galerien aus Düsseldorf und Köln ihre Ausstellungen eröffnen. André Schlechtriem, gebürtiger Troisdorfer und also Kölner, hat sich in Berlin gerade räumlich verkleinert und damit Ressourcen geschaffen, ein Kapitel am Rhein aufzuschlagen. Dort, erzählt er gegenüber der F.A.Z., könne er auf die „tollsten und treuesten“ Sammler neben jenen aus den Vereinigten Staaten zählen. Ohnehin kämen in den letzten Jahren immer weniger Interessenten in die deutsche Hauptstadt; mit Köln verbinden ihn noch immer die Erinnerungen seiner Großmutter an die Art Cologne in deren Blütezeiten. Schlechtriem wünscht sich für die Messe ein schärferes Profil.“ Recht knapp fällt der Rundagng von Boris Pofalla für die WeLT aus: „Dass ein solcher Zufall möglich ist, liegt am Format von DC Open: Rund 50 Galerien in Düsseldorf und Köln eröffnen an diesem Wochenende zeitgleich ihre neuen Ausstellungen, ergänzt durch zehn Off-Spaces sowie ein Programm von Museen, Kunstvereinen und Stiftungen beider Städte. Was einst als überschaubarer rheinischer Rundgang begann, ist längst ein Erfolgsmodell geworden.“ Ich war für Monopol im Rheinland.

Die Eröffnungen der Frankfurt Art Experience stellt Ursula Scheer in der FAZ (Paywall) vor: „Wer nicht routinemäßig Kunst verkauft, die zu Millionenpreisen das Portfolio von Milliardären aufwertet, sondern kulturelle Aufbauarbeit von der Basis bis in das mittlere Marktsegment hinein leistet, der hat nicht nur mit steigenden Kosten, sich wandelnden Innenstädten und Investitionsunlust in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu kämpfen, sondern muss sich inzwischen auch die Aufmerksamkeit potentieller Kunden hart erarbeiten. Welche Anstrengungen unternommen werden, um die rarer gewordene Laufkundschaft zu locken, und sei es nur zum Schaufensterbummel, zeigt der gemeinsame Saisonstart der Frankfurter Galerien vom 4. bis zum 6. September. Das seit einigen Jahren von der Plattform Frankfurt Art Experience organisierte Gallery Weekend bietet stolze 50 Ausstellungseröffnungen auf, darunter zehn in Offspaces und drei in Kunststiftungen.“

Gute Laune trotz verhaltener Umsätze meldet Vivienne Chow von der Frieze Seoul und der Kiaf bei Artnews: „Die schleppenden Verkaufszahlen am ersten Tag haben das Vertrauen der Branche in das asiatische Kulturzentrum jedoch nicht getrübt. Die Partygänger, Zuschauer und Spekulanten sind verschwunden. Das Aufkommen einer neuen Generation von Kunstkennern und ein lebendiges lokales Kunstökosystem haben einige Branchenveteranen davon überzeugt, einen ganzheitlicheren, langfristigen Ansatz für den Markt zu verfolgen, während sie auf die Zukunft setzen.“ Im Art Newspaper (evtl. Paywall) beschreibt dieselbe Autorin den Zustand Marktplatzes: „Doch laut Brancheninsidern handelt es sich hierbei nicht um einen Rückgang, sondern um eine notwendige Korrektur hin zu einem reiferen, diversifizierteren und nachhaltigeren Ökosystem, das sich in einen breiteren asiatischen Kontext einfügt. 'Der koreanische Kunstmarkt ist mittlerweile ein wichtiger Standort in Asien, an dem internationale Galerien Ausstellungen veranstalten und Ausstellungsräume betreiben', sagt die in Hongkong ansässige Yuki Terase, Gründungspartnerin der Kunstberatungsfirma Art Intelligence Global. 'Es ist auch ein Zeichen der Reife für Asien, das es sich leisten kann, mehrere Messen gleichzeitig stattfinden zu lassen. Es geht nicht darum, dass eine Stadt eine andere ersetzt; es ist eine Erweiterung.'“ Ein Nachwuchsproblem gebe es in Korea nicht, daher könnten weitere Kunstmessen durchaus eine Chance haben, glaubt Elisa Carollo im Observer: „Braucht die Welt noch eine weitere Kunstmesse? Diese Frage taucht immer wieder auf, wenn eine neue angekündigt wird. Doch die Diskussion sieht anders aus, wenn es um von Galeristen organisierte alternative Veranstaltungen geht, die ins Leben gerufen wurden, um bestimmte Lücken im Messesystem zu schließen, gleichzeitig Einstiegshürden abzubauen und einen fließenderen Austausch zu schaffen. Das war bei PAVILION der Fall, das nach Taipeh und Hongkong nun seine erste Ausgabe in Seoul eröffnet hat. [...] Aber braucht Seoul das wirklich? Angesichts der Fülle an lokalen Talenten, vor allem im Bereich der Nachwuchskünstler, und der wachsenden Nachfrage nach kulturellen Erlebnissen, insbesondere bei einem jüngeren Publikum, scheint das der Fall zu sein. Laut Regierungsdaten besuchten im Jahr 2025 77 Prozent der Koreaner in ihren 20ern mindestens eine Kultur- oder Kunstveranstaltung, verglichen mit 70,8 Prozent der Menschen in ihren 30ern und 57,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bei den über 60-Jährigen lag die Quote bei nur 31,6 Prozent.“

Sotheby's hat es vorgemacht, andere ziehen nach, meldet Brian Boucher bei Artnews: „Bei Christie’s berechnet das Auktionshaus ab dem 1. September 28 % des Zuschlagspreises für jedes Los bis einschließlich 1,5 Millionen Pfund oder 2 Millionen Dollar; 22 % des Zuschlagspreises ab 1,5 Millionen Pfund oder 2 Millionen Dollar bis einschließlich 6 Millionen Pfund oder 8 Millionen Dollar; und 15 % des Zuschlagspreises oberhalb dieser Schwelle. Die Änderungen betreffen alle Abteilungen außer dem Weinbereich und wurden laut einer an ARTnews gesendeten Pressemitteilung 'nach einer internen Bewertungsprozess' eingeführt. [...] Auch Bonhams erhöht seine Gebühren mit Wirkung zum 1. Oktober. Alle Auktionskategorien, mit Ausnahme von Wein und Whisky, Münzen und Medaillen sowie Autos und Motorrädern, sind von den ersten Änderungen der Gebührenstruktur seit 2023 betroffen.“

Die personellen Veränderungen bei Phillips werten Hikmat Mohammed, Daniel Cassady und Sarah Douglas bei Artnews als Zeichen dafür, dass die Eigentümer eine andere Strategie verfolgen, als unbedingt Nummer Drei hinter Christie's und Sotheby's sein zu wollen: „Es gibt ein paar Anhaltspunkte. Uhren laufen extrem gut. Drucke und Multiples sind stark. Die E-Commerce-Plattform „Dropshop“ hat gerade gemeinsam mit Cj Hendry die dritte Kollektion eines Kartenspiels mit 52 Sammelkarten herausgebracht. Die Fotografie ist ein weiterer etablierter Geschäftsbereich von Phillips. Diese Abteilungen erfordern nicht die gleichen Garantien wie die Jagd nach einem 30-Millionen-Dollar-Gemälde. [...] Eine Quelle meinte, Phillips könnte sich in Zukunft auf Bereiche konzentrieren, in denen das Unternehmen bereits einen Vorsprung hat, die Kosten niedrig halten und aufhören, mit Christie’s und Sotheby’s um jedes prestigeträchtige Auktionsstück zu konkurrieren.“

Kurz vor seinem Ausscheiden als Leiter Phillips-Niederlassung in Hongkong spricht Jonathan Crockett mit Hok-Hang Cheung von Artnews unter anderem über den dortigen Markt: „Hongkong hat sich wieder erholt. Bestimmte Kategorien haben sich extrem gut entwickelt: vor allem Luxusuhren sowie traditionelle chinesische Kunst, sei es Keramik oder Malerei. Wir sind im Uhrensektor vertreten und haben daher von diesem Interesse profitiert, während andere Auktionshäuser mit vollwertigen Abteilungen für chinesische Kunst vom jüngsten Wiederaufleben des Interesses in diesem Bereich profitiert haben. Auf der diesjährigen Art Basel Hong Kong verkauften einige Galerien Werke für viele Millionen US-Dollar, und wir sehen weiterhin, dass Werke in dieser Preisklasse auf Auktionen verkauft werden – die Nachfrage ist also nach wie vor vorhanden. Aber sie ist definitiv geringer als zuvor, und der Markt hat anders reagiert. Anstelle von weniger hochpreisigen Losen sehen wir eine Rekordzahl an angebotenen Losen, wenn auch zu deutlich niedrigeren Preisen.“

Taiwans Galerien orientierten sich zunehmend weg von Festlandchina in Richtung Westen, beobachtet ebenfalls Hok-Chang Cheun für den Observer: „Gepaart mit der geografischen Nähe, einer gemeinsamen Sprache und Chinas Aufstieg zum drittgrößten Kunstmarkt der Welt diente das Festland lange Zeit als wichtigster Wachstumsmarkt. Heute jedoch strebt eine jüngere, international orientierte Generation von Kunstfachleuten, geprägt von ihren eigenen Erfahrungen in der Diaspora, eher nach globaler Integration als nach regionaler Konsolidierung. Im Juli beispielsweise eröffnete die in Taipeh gegründete PALM Gallery ihren neuen Standort in der Rue Chapon 48 im Pariser Stadtteil Le Marais. Die Eröffnung folgt auf ähnliche Schritte von Nunu Hung von NuNu Fine Art, die 2023 in New York eröffnete, und Bluerider ART, die 2023 in Londons Mayfair eröffnete und 2025 nach Palm Beach expandierte.“

Junge und überhaupt alle Menschen mit schmalem Geldbeutel zum Kauf von Kunst anzuregen, sei ein Weg, den Kunstmarkt wieder in Bewegung zu bringen, glaubt Naomi Rea, die in der Financial Times (evtl. Paywall) einige Initiativen vorstellt: „Le Conte gehört zu einer neuen Generation von Kreativen, die versuchen, das Sammeln zugänglicher zu machen. Sie reiht sich ein in eine Reihe etablierter Initiativen wie die „Art Car Boot Fair“, eine beliebte, zweimal jährlich stattfindende Veranstaltung, die das Konzept einer steifen Kunstmesse mit der britischen Tradition des Flohmarkts verbindet. Künstler bauen Tische auf, um ihre Waren zu verkaufen, und Feilschen und Tauschen sind willkommene Verhandlungstaktiken.“

Einen Einblick in die Abläufe der Räumung des Wallraf-Richartz Museums in Köln durch eine bekannte Kunst-Spedition gibt Christiane Vielhaber im Kölner Stadt-Anzeiger: „Das letzte Bild, das – natürlich auch wegen der Berühmtheit des Malers und der dramatischen Inszenierung – am Montag im Wallraf abgenommen und bei einem Fototermin verpackt wurde. Was vorher seit Wochen im Museum passierte, das hat sich vor allem aus versicherungstechnischen Gründen im Verborgenen abgespielt. Denn im Wallraf wurden unschätzbare Werte bewegt.“