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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Brafa Brüssel 2026; Foto Stefan Kobel
Brafa Brüssel 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 5 2026

Einen der Tefaf zugeworfenen Fehdehandschuh findet Andreas Platthaus auf der Brafa in Brüssel für die FAZ vom 24. Januar: „Die Erweiterung hat ein klares Ziel: der Konkurrenz (nicht nur im Benelux-, im Weltmaßstab) von Maastricht den Rang ablaufen. Dort wird im März die TEFAF ausgerichtet, und die beiden Universalkunstmessen streiten um den Ruf der größten Exklusivität beim Angebot. Die TEFAF ist aufwendiger, was die Gestaltung der Stände angeht, und hat mehr Aussteller bei allerdings kleinerer Fläche. Brüssel punktet zudem mit seinem Zuwachs. Und mit dem Standort: „Für uns ist das die beste Messe hier“, lässt sich Florian Kolhammer aus Wien vernehmen, Spezialist für die dortige Sezessionskunst, 'nirgendwo ist das Publikum so international.' Brüssel erreicht man besser als Maastricht, und es ist auch mehr Geld in der Stadt selbst. Das sieht man auf der Messe vertretenen heimischen Galerien ebenso an wie ihrem Angebot, das sich nicht zuletzt aus belgischen Sammlungen speist.“ So genau scheint der zitierte Händler bei der Eröffnung der Tefaf nicht aufs Publikum beim Kampf um die Austern geachtet zu haben. Ich war für den Tagesspiegel (Paywall) und Artmagazine in Brüssel.

Dem House of Galleries in einem ehemaligen Frankfurter Bankenhochhaus hat Ursula Scheer für die FAZ vom 24. Januar einen Besuch abgestattet: „Mit dem scheinen die Frankfurter Galerien für den Moment das passende Format für sich gefunden zu haben: dort, wo das Geld in der Stadt sitzt, aber dennoch nicht zu abgehoben; lokal, aber international verstärkt; mit Kunst in großer Bandbreite von freundlichen Einstiegspreisen bis in den Zehntausenderbereich und begleitet von 'Talks'. Luft nach oben bleibt natürlich immer noch.“ Für Monopol berichtet Eugen El: „Das diesmal über 40 Galerien, vier Tage und drei Hochhausstockwerke umspannende Format möchte explizit nicht als Messe gesehen werden – was in einer Stadt, die seit etlichen Jahren ohne eine ernst zu nehmende Kunstmesse auskommen muss, nicht weiter verwundert. Genuin frankfurterisch erscheint uns auch der Ansatz, Leerstandsflächen durch öffentlichkeitswirksame Kunstevents interessant machen zu wollen. Ebenso vertraut sind dem Betrachter einige Lokalmatadoren, deren Mittelmaßflachware für den risikoscheuen Sammlerbürger mit dem metropolitan-verwegenen Ausblick kontrastiert – Frankfurter Kunstmarkt eben.“ In Frankfurt war ich für Artmagazine.

Nach der Viennacontemporary setzt auch die Spark Art Fair in Wien aus. Noch vor der offiziellen Pressemitteilung lässt der Eigentümer seine Stellungnahme über das Boulevardportal Heute verbreiten. Mit Wiener Galeristen haben Eva Komarek und Almuth Spiegler für die Presse (Paywall) gesprochen: Emanuel Layr „formuliert klar, was sich vermutlich die gesamte Galerienszene denkt: 'Ich bin müde von den Versprechungen der Veranstalter, ständigen Direktorenwechseln, unklaren Eigentümerverhältnissen - und ich denke, man muss aufpassen, dass das nicht auf die Galerien abfärbt, die tolle Arbeit leisten.' Sophie Tappeiner, eine der jüngeren der Branche, würde sich sehr wohl eine Messe in Wien wünschen. Obgleich auch sie es nicht eilig hat. […] Wichtig wäre bei einer neuen Messe, findet Nikolaus Oberhuber, der Wiener, der in Berlin die Galerie KOW leitet und im Komitee der Viennacontemporary saß, dass auch die Stadt Wien davon überzeugt werden könne, dass ,eine Messe ein förderungswürdiges Projekt sei.“ Michael Huber konstatiert im Kurier:“Vor diesem Hintergrund ist die diesjährige Absage der Spark wohl als Auftakt zu einer grundlegenden Neuordnung des Wiener Kunststandorts zu sehen.“ Von mir gibt es dazu eine Meldung bei Artmagazine sowie einen Kommentar bei Monopol.

Über den Kunstmarkt im allgemeinen, die Situation der Messen und die kommende Premiere der Art Cologne Palma spricht deren Direktor Daniel Hug mit Marcus Woeller in der WeLT: „Die Insel hat eine lange Kunstgeschichte – Joan Miró lebte dort, Miquel Barceló ist Mallorquiner, Roni Horn besitzt seit Langem ein Haus auf der Insel. Wahrscheinlich verfügt Mallorca über eine größere Kunstszene als die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Saudi-Arabien zusammen. Für eine gute Kunstmesse braucht man vor allem Galerien, Künstler und Sammler. Dieser Mikrokosmos ist entscheidend. Deshalb gibt es die Art Cologne in Köln – und deshalb kann sie auch in Palma funktionieren. […] Wir schaffen ein Modell mit zwei Messen unter der Marke Art Cologne. Palma ist eine Boutique-Messe mit experimentellem Charakter am Mittelmeer. Köln bleibt eine starke deutsche Messe. Beide sind lokal verankert, in starken Regionen. Sie können sich gegenseitig befruchten“.

In der ersten Februarwochen bleiben die Galerien in Spanien aus Protest geschlossen, meldet Clementine Kügler in der FAZ: „Grund für den Streik ist die mangelnde Bereitschaft der spanischen Regierung, die EU-Richtlinie 2022/542 für einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz im Kunsthandel umzusetzen. Während Musik, Theater, Kino und Literatur mit einem reduzierten Prozentsatz innerhalb der Europäischen Union wettbewerbsfähig bleiben, belastet das spanische Finanzamt die bildende Kunst – Künstler und Galerien, den Handel mit Antiquitäten und Sammlerstücken – immer noch mit einem Mehrwertsteuersatz von 21 Prozent. In anderen Ländern der EU gelten inzwischen Sätze von fünf bis acht Prozent.“

Das Vertrauen in den Kunstmarkt sei zurück, resümiert Daniel Cassady für Artnews den Global Art Market Outlook 2026 von ArtTactic (nur 245 Britische Pfund): „Die Erholung ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Das größte Vertrauen herrscht am oberen und unteren Ende des Marktes. Werke mit einem Preis von über 1 Million US-Dollar erleben aufgrund des wiederkehrenden Angebots an hochwertigen Werken ein erneutes Interesse, während Werke unter 50.000 US-Dollar von einer stabilen Transaktionsaktivität und einer breiteren Käuferbeteiligung profitieren. Der mittlere Marktbereich bleibt zwischen diesen beiden Polen eingeklemmt, da weniger Käufer bereit sind, ihre Grenzen zu überschreiten.“ Der Begriff „Mittelmarkt“ hat dies- und jenseits des Atlantiks unterschiedliche Bedeutungen.

Einblicke in den Kunstmarkt entlockt der kulturpolitische Reporter Peter Grabowski Isabel Apiarius-Hanstein vom Kölner Kunsthaus Lempertz, dem Düsseldorfer Galeristen Rupert Pfab, Nadine Oberste-Hetbleck vom Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung (ZADIK) in Köln und mir in der Radiosendung „Mondpreise und Millionenverluste: Kunstmarkt in der Krise“ auf WDR3, auch als Podcast zum Download.

Die britische Kulturministerin habe die Bazooka ausgepackt, meldet George Nelson bei Artnews: „Die Londoner Museen werden aufgefordert, ihre Reichweite auf das ganze Land auszuweiten, nachdem Kulturministerin Lisa Nandy am Mittwoch ein bahnbrechendes Förderpaket für die Künste in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund angekündigt hat. Nationale Einrichtungen wie das British Museum und die National Portrait Gallery erhalten 600 Millionen Pfund, aber Nandy betonte, dass mit dieser Investition auch die Verantwortung einhergeht, ein Publikum außerhalb der Hauptstadt anzusprechen. [...] Die Finanzierung zielt darauf ab, die marode kulturelle Infrastruktur Großbritanniens zu sanieren, und wird als die größte Neugestaltung im Kunstbereich seit einer Generation bezeichnet. Sie folgt auf Jahrzehnte knapper Budgets, darunter eine 30-prozentige Kürzung der Mittel für den Arts Council England (ACE) im Jahr 2010 und eine zuvor angekündigte Investition in Höhe von 270 Millionen Pfund.“

Die Berliner Galerie Johann König verlässt nach zwei Jahren Das Kunstkraftwerk Bergson in München, meldet Brita Sachs in der FAZ.

Den Tod des ehemaligen Hamburger Galeristen Ulrich Dörrie meldet Monopol: „Von 1987 bis 2011 war er Partner der Dörrie | Priess Galerie in Hamburg, von 2005 bis 2010 zudem der Berliner Dependance der Galerie. Zuvor prägte Dörrie als wichtiger Akteur der Offszene die Buch Handlung Welt und des Vereins weltbekannt.“