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Hongkong; Foto Stefan Kobel
Hongkong; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 14 2026

Das Münchener Auktionshaus Neumeister. Laut einer Pressemitteilung beendet das traditionsreiche Unternehmen seinen Betrieb zu Ende Oktober: „Diese Entscheidung hat Katrin Stoll, Geschäftsführende Gesellschafterin bei NEUMEISTER, aus privaten Gründen gefällt. Sie hängt mit ihrer Lebensplanung zusammen und steht in zeitlicher Koinzidenz mit der Auflösung der privaten Eigentümer- und Erbengemeinschaft innerhalb ihrer Familie. Hierzu gehörten auch die Räumlichkeiten des Auktionshauses in der Barer Straße 37. Diese wurden, neben weiteren Liegenschaften, veräußert. Der Entscheidung zur Einstellung des Geschäftsbetriebes waren diverse Sondierungsgespräche vorangegangen, die nicht zielführend waren. Auch Katrin Stolls Kinder haben andere berufliche Wege eingeschlagen.“

Ein Loblied auf die Art Basel im allgemeinen und die Ausgabe in Hongkong im besoinderen singt Philip Meier in der NZZ: „Die Galerien, die an der Art Basel Hong Kong ausstellen – es sind dieses Jahr rund 240, darunter die besten der Welt –, richten ihr Angebot denn auch sorgfältig auf die fernöstliche Klientel aus. Diese stellt jetzt im Convention Center am Hongkonger Victoria Harbour den weitaus grössten Anteil des Publikums. Und für diese zahlungskräftige Kundschaft – Sammler aus Hongkong, China, Taiwan, Korea und Japan – werden eben lange nicht nur Werke von Kunstschaffenden aus Fernost angepriesen. Vor allem bedeutende Namen der abendländischen Kunstproduktion sind gefragt. […] Solche Werke sind begehrte Objekte der Kunstinvestition, denn sie werden immer rarer auf dem Markt. Die Art Basel ist eine der wenigen Messen, auf denen man noch kapitalen Kunstwerken der klassischen Moderne begegnen kann.“ Allerdings war die Art Basel schon immer eine der wenigen Messen, auf denen man kapitalen Kunstwerken der klassischen Moderne begegnen kann. Denn viele waren es noch nie.

Jenseits der üblichen Erfolgsmeldungen der Blue Chip-Galerien, die Tessa Solomon von der Art Basel Hong Kong für Artnews referiert, schien es relativ verhalten zuzugehen: „An anderer Stelle auf der Messe schlug Charmaine Chan, Direktorin bei Pearl Lam in Hongkong, einen zurückhaltenderen Ton an. Obwohl sie bis 17 Uhr mehrere fünfstellige Verkäufe vermelden konnte, stellte sie fest, dass die für lokale Sammler typische 'entschlossene' Kaufbereitschaft spürbar fehlte. 'Es ist offensichtlich, dass die Verkäufe langsamer laufen als gewöhnlich', sagte sie als erfahrene Vertreterin der Art Basel Hong Kong. 'Normalerweise sind Käufer aus Hongkong recht entschlossen. Vor drei Jahren hatten wir Mr. Doodle am Stand, und wir waren bereits am ersten Tag ausverkauft.'“ Auch Vivienne Chow und Cathy Fan haben für Artnet (evtl. Paywall) eine gefämpfte Energie wahrgenommen: „Trotz überfüllter Gänge und einiger Millionen-Deals lassen sich die Käufer angesichts eines zurückhaltenden Marktes und geopolitischer Unruhen Zeit.“

Ihr Engagement dort habe die Messe gerade um weitere fünf Jahre verlängert, berichtet Harrison Jacobs bei Artnews: „Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Stadt eine neue Vereinbarung mit der Art Basel unterzeichnet hat, um sicherzustellen, dass sie für weitere fünf Jahre der einzige Austragungsort in der Region bleibt. Rosanna Law, die Kulturministerin der Sonderverwaltungszone, gab die Vereinbarung am Mittwoch bekannt, die vorsieht, dass die Art Basel die Messe sowohl hinsichtlich ihres Umfangs als auch ihrer Wirkung ausbauen soll. Während Law bestätigte, dass die Messe weiterhin im Hong Kong Convention and Exhibition Centre stattfinden wird, erklärte sie, dass Nebenveranstaltungen oder großformatige Installationen im Kai Tak Sports Park stattfinden könnten, einer neuen Sport- und Unterhaltungsstätte mit einer Kapazität von mehr als 50.000 Plätzen, die 2025 mit einer Reihe von Auftritten von Coldplay offiziell eröffnet wurde.“

Einen attraktiven Salon Du Dessin hat Emil J. Sennewald für das Handelsblatt vom 27. März in Paris besucht: „Der etablierte, zuletzt jedoch etwas ermüdet wirkende „Salon du Dessin“ präsentiert sich in seiner 34. Ausgabe im Palais Brongniart mit 39 Ausstellenden nicht nur gewohnt qualitätvoll, sondern auch in neuer Frische – sichtbar etwa an Neuzugängen wie Demisch Danant aus New York oder Lowet de Wotrenge aus Antwerpen.“

Im Vorfeld der Art Basel Hong Kong untersucht Elisa Carollo anhand des Mishcon de Reya x ArtTactic - China Art Market Report für den Observer, ob der Kunstmarkt in Festland-China und Hongkong sich nachhaltiug erholt: „Im Laufe des Jahres 2025 war die steigende Nachfrage nach traditionellen asiatischen Kunstwerken einer der stärksten Treiber im Millionen-Dollar-Segment. Da sich der Markt – insbesondere auf dem Festland – zunehmend von der Abhängigkeit eines engen internationalen Ultra-High-End-Segments wegbewegt und sich einer diversifizierteren, kulturell verankerten regionalen Nachfrage zuwendet, stiegen die Umsätze mit traditioneller asiatischer Kunst im Vergleich zum Vorjahr um 32,4 Prozent, womit diese Kategorie zu den leistungsstärksten gehörte. Im Jahr 2025 machten traditionelle asiatische Kunstwerke wertmäßig 37,2 Prozent des gesamten Auktionsumsatzes in Hongkong aus. Damit übertrafen sie den Bereich der Luxus-Sammlerstücke und überholten die bildende Kunst, deren Marktanteil von 38,7 Prozent im Vorjahr auf 26,7 Prozent zurückging.“

Indien sei einer der wenigen Teilmärkte im Aufschwung, erklärt Melanie Gerlis in der Financial Times (Paywall): „'Während sich ein Großteil des globalen Kunstmarktes in einer Korrekturphase befindet, durchläuft Indien eine Phase des strukturellen Wachstums, und es findet ein echter Wandel statt', sagt Jaya Asokan, Direktorin der India Art Fair. Sie unterscheidet den aktuellen Boom von dem kurzlebigen „Preisanstieg“ zu Beginn der 2000er Jahre, bei dem es eher um [Spekulationen seitens] der Diaspora und um internationale Nachfrage ging' und der mit dem globalen Wirtschaftsabschwung rasch zusammenbrach. [...] Die Zukunft liege jedoch im Inland, sagt Asokan, und werde von Städten außerhalb von Neu-Delhi und Mumbai vorangetrieben. Auch an anderen Orten herrscht reger Betrieb, etwa in Hyderabad, Kalkutta, Ahmedabad, Chennai und Jodhpur. Die nächste Wachstumsphase wird durch die Dezentralisierung im Land vorangetrieben werden.'“ Entwickelt sich Indien ähnlich stürmisch wie China vor über 20 Jahren oder doch eher entlang der gemächlicheren Traditionslinien der indischen Gesellschaft?

Hinter die verschlossenen Türen von Secret Auctions blickt Katya Kazakina für Artnet, dessen aktueller Intelligence Report zum Download (PDF) bereit steht: „Ich erfuhr erstmals im Jahr 2024 im 'Canvas'-Newsletter von geheimen Auktionen, als dessen Autor, Jeremy Hodkin, den Verkauf von Dmitry Rybolovlevs Rothko bei Christie’s für 195 Millionen Dollar enthüllte – genau zu dem Zeitpunkt, als der russische Milliardär vor einem New Yorker Gericht in seinem Betrugsverfahren gegen Sotheby’s aussagte. (Das Gericht entschied zugunsten des Auktionshauses.) Seitdem haben sich die Gerüchte auf dem Markt verdichtet, da immer mehr solcher Verkäufe ans Licht kamen und immer mehr Menschen versuchten, solche Auktionen durchzuführen. Die Auktionen außerhalb des öffentlichen Rahmens und außerhalb der Saison signalisieren einen Wandel in der Branche, der von dem Wunsch nach Geheimhaltung – und nach Meisterwerken – angetrieben wird. Die Schrumpfung des Kunstmarktes seit 2022 ist ein weiterer Faktor, ebenso wie der Abfluss von Auktionsveteranen in den privaten Sektor.“

Die Ergebnisse des A.I. In Galleries Report 2026 (PDF) fasst George Nelson für Artnews zusammen: „Einem neuen Bericht zufolge wird künstliche Intelligenz in kommerziellen Galerien bereits weit verbreitet eingesetzt, jedoch weitgehend ohne Aufsicht. Laut dem Bericht 'AI in Galleries' des Kunstbranchennetzwerks First Thursday geben 84 Prozent der befragten Galerien an, dass sie KI-Tools in ihrer täglichen Arbeit nutzen. Dennoch verfügen nur 8 Prozent über formelle Richtlinien, die regeln, wie diese Tools eingesetzt werden sollen. Die Ergebnisse basieren auf Interviews mit 103 Fachleuten aus der Galeriewelt weltweit, darunter Eigentümer, Direktoren und Mitarbeiter, die vorwiegend in Großbritannien, Europa und den USA tätig sind. Der Bericht zeichnet das Bild einer Branche, die neue Technologien stillschweigend einführt, es jedoch versäumt, eine gründliche Steuerung und Strategie zu implementieren.“

Besucher Großbritanniens müssen sich darauf einrichten, für die großen Museen des Landes demnächst Eintritt zu bezahlen, melden Jim Pickard und George Parker in der Financial Times (Paywall): „Millionen ausländischer Touristen, die Englands bekannteste Museen besuchen, müssen nach den am Donnerstag von Kulturministerin Lisa Nandy vorgestellten Plänen Eintrittsgebühren entrichten. [...] Nandy erklärte, die Regierung wolle 'die potenziellen Chancen prüfen, die sich durch die Erhebung von Eintrittsgebühren für internationale Besucher in Museen ergeben könnten'.“

Mit dem Berliner Galeristen Johann König habe ich in seinem Podcast Was mit Kunst über den Kunstmarkt, die Berichterstattung darüber und meinen Werdegang gesprochen.

Nach nur gut einem Jahr ist Ex-Christie's-Chef Guillaume Cerutti seinen Job als Präsident der Pinault Collection schon wieder los, meldet Vincent Noce im Art Newspaper (evtl. Paywall). Demnach "lehnten Cerutti und Pinault es ab, sich zu den Gründen für diesen Schritt zu äußern. Cerutti verlässt jedoch eine überfüllte Hierarchie innerhalb der relativ schlanken Struktur der Pinault-Sammlung. An der Spitze der Pyramide steht François Pinault als 'président d’honneur' (Ehrenpräsident); doch selbst im Alter von 89 Jahren ist er mit Unterstützung seines langjährigen Beraters Jean-Jacques Aillagon nach wie vor sehr aktiv im Leben der Sammlung und der Museen."

Christopher Canizares, Partner bei Hauser & Wirth, verlässt die Galerie, um sich mit einer Künstleragentur selbständig zu machen, meldet Daniel Cassady bei Artnews: „Das neue Unternehmen soll das Galeriesystem ergänzen, anstatt mit ihm zu konkurrieren. Canizares wird direkt für Künstler tätig sein und sie in ihren Beziehungen zu Galerien, Institutionen und Sammlern beraten. 'Ich werde vom Künstler beauftragt, ich werde vom Künstler bezahlt, ich arbeite für den Künstler', erklärte er und beschrieb damit eine Struktur, die es ihm ermöglicht, im Auftrag eines Kunden mit mehreren Galerien zusammenzuarbeiten.“

Uschi Niggemann, die 1982 das erste Büro von Sothby's in Köln eröffnete und ihre Karriere als Präsidentin Deutschland beendete, ist Anfang März gestorben. Rose-Maria Gropp würdigt sie in der FAZ (Paywall): „Mit ihr geht, so ist auch Tobias Meyer zu verstehen, eine Persönlichkeit, wie es sie im aktuellen, immer schärfer kompetitiven Auktionsgeschäft kaum noch gibt.“