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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Miart 2026; photo Stefan Kobel
Miart 2026; photo Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 17 2026

Die zehnte Ausgabe der Art Düsseldorf überzeugt die Kommentatoren. Georg Imdahl schreibt in der FAZ (Paywall): „Großer Stand, kleine Formate lautet das Prinzip bei der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin, die ebenso wie Esther Schipper aus Berlin zum ersten Mal an der Art Düsseldorf teilnimmt. Man habe sich 'das zwei Jahre angeschaut, uns gefällt das Line-up', so Schipper-Direktor Jonas Kriszeleit. Mit diesen Neuzugängen kann Düsseldorf tatsächlich punkten, auch wenn die Stimmung schon mal 'fiebriger' gewesen sei, wie Grässlin bemerkt, wobei Düsseldorf „natürlich nicht die Art Basel“ sei. Kein Widerspruch, aber, der Vergleich drängt sich wegen der zeitlichen Nähe auf, das Angebot ist dichter, gehaltvoller als auf der soeben über die Bühne gegangenen Art Cologne Palma Mallorca.“ Den Vergleich mit der rheinischen Konkurrenz bemüht auch Regine Müller implizit und explizit im Handelsblatt vom 17. April: „Allein die mit Tageslicht gesegneten, luftigen Hallen mit ihrem postindustriellen, leicht aufgerauten Charme sind der stickigen Künstlichkeit üblicher Messearchitektur weit überlegen. Es kann kein Zufall sein, dass die Kölner Konkurrenz gegen die wachsende Bedeutung der Düsseldorfer Messe ihr neues Format, die 'Art Cologne Palma Mallorca', den Düsseldorfern ausgerechnet direkt vor die Nase platziert hat, denn deren erste Ausgabe ging gerade erst am vergangenen Sonntag zu Ende.“ Die im Angebot durchscheinende Marktlage spricht Jens Bülskämper bei Artmagazine an: „Dass man im Format so auffällig klein und handlich auftritt, ja doch, das habe schon mit der krisenhaften Weltlage zu tun, bekennt der Düsseldorfer Galerist Pfab. Man wolle gut durch diese Phase kommen und das sei eben eine der Maßnahmen. Sicher ein Statement, dem sich viele Galerien auf der Messe anschließen – offensichtlich. Denn nicht Weniges könnte man spontan im Shoppingbag nach Hause tragen, bisweilen reichte gar ein Jutebeutel. Jener Art-to-go Spirit gilt übrigens auch für die Preise: Im Tausch mit einer schicken Schweizer Uhr wären große Teile des Angebots locker zu erwerben.“

Eine deutlich längere Tradition hat die vor 30 Jahren gegründete Miart in Mailand, die Karen Krüger für die FAZ (Paywall) charakterisiert: „Auf das klassische Konzept der linearen Organisation verzichtet die Miart. Sie erstreckt sich über drei Ebenen mit 160 Galerien aus 24 Ländern, von denen viele Soloschauen zeigen. 'Die Reduzierung gegenüber den 179 Galerien des Vorjahres war eine bewusste Entscheidung, um die Qualität zu erhöhen', sagt der Messedirektor Nicola Ricciardi.“ Eine Einordnung der Messe und des Standorts nimmt Arun Kakar für Artsy vor: „In den letzten Jahren wurde viel über Mailands Aufstieg zur Kunsthauptstadt berichtet, der durch eine neue Welle internationaler Galerien, die sich in der Stadt niedergelassen haben, sowie durch Gerüchte über internationale Sammler, die von Italiens neuem, günstigen Steuersystem angezogen werden, befeuert wurde. Doch die miart ist nicht die einzige große Kunstmesse des Landes – die Artissima in Turin und die Arte Fiera in Bologna bleiben beeindruckende norditalienische Pendants –, sodass ihre Stärke in der Anziehungskraft der Stadt selbst liegt. Wie sich herausstellt, müssen Sammler aus ganz Europa kaum überredet werden, ihre Zeit zwischen den Weltklasse-Museen, Stiftungen und der wachsenden Zahl trendsetzender Galerien der Stadt zu verbringen, die alle während einer gut besuchten Mailänder Kunstwoche große Menschenmengen anzogen. Dieses Versprechen wird durch die Ankunft der trendigen alternativen Messe Paris Internationale in diesem Jahr unterstrichen, die am Wochenende ihre erste Ausgabe außerhalb der französischen Hauptstadt im Mailänder Palazzo Galbani veranstalten wird.“

Ich war für das Handelsblatt vom 17. April und Artmagazine in Mailand auf allen drei Messen.

Ein vergiftetes Lob spricht Carlie Porterfield der Dallas Art Fair im Art Newspaper (evtl. Paywall) aus: „Nach den Turbulenzen der Pandemiejahre scheint sich die Dallas Art Fair nun in einem stabileren Rhythmus einzupendeln und zieht regelmäßig eine ausgewählte Riege von Kunsthändlern und Sammlern an. Bei der diesjährigen Ausgabe gab es weniger Abgänge im Ausstellerverzeichnis: Im Vergleich zu mehr als 40 in früheren Jahren kehrten 2025 nur etwa 31 Galerien nicht zurück. Die Gesamtzahl der Aussteller blieb mit rund 90 in etwa konstant.“ Wenn ein Drittel der Aussteller nicht zurückkommt, ist das kein Zeichen von Erfolg.

Die Art Dubai soll jetzt doch stattfinden, meldet Margaret Carrigan zusammen mit Details bei Artnet: „Die neu gestaltete Messe spiegelt sowohl logistische Herausforderungen als auch sich wandelnde Prioritäten im Zuge des Krieges der USA und Israels gegen den Iran wider. Mit nur 50 Ausstellern, von denen zwei Drittel ihren Sitz in der Region haben oder dort Niederlassungen unterhalten, wurde die Messe um rund 57 Prozent verkleinert. Vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar war ursprünglich die Teilnahme von rund 120 Ausstellern aus 35 Ländern vorgesehen. Die Organisatoren erklärten in einer E-Mail, dass in Zeiten der Unsicherheit „manche Dinge weitergehen müssen, und die Art Dubai ist eines davon“. Die Messe hat zudem ein „Risikoteilungsmodell“ für Standgebühren eingeführt, bei dem die teilnehmenden Galerien nur einen Prozentsatz ihres Gesamtumsatzes zahlen, der auf den Gegenwert ihrer Standgebühr begrenzt ist.“

Leichte Erholungssignale macht Daniel Cassady von Artnews bei Sotheby's aus: „Sotheby’s ist nach mehreren Verlustjahren wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt, auch wenn die zugrunde liegende Finanzlage weiterhin komplex ist. Das Auktionshaus erzielte im Jahr 2025 laut Finanzunterlagen, die von der Financial Times geprüft wurden, einen Vorsteuergewinn von 53 Millionen US-Dollar – eine Kehrtwende gegenüber dem Verlust von 190 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Der Umsatz stieg um fast 20 Prozent auf 7,1 Milliarden US-Dollar, wobei die Einnahmen aus dem Kerngeschäft, den Auktionen, um 26 Prozent auf rund 1 Milliarde US-Dollar zunahmen. Die von Sotheby’s veröffentlichten Gesamtjahreszahlen zeigen eine allgemeine Verbesserung im gesamten Unternehmen. Das Unternehmen meldete für das Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, sowie ein bereinigtes EBITDA von 363 Millionen US-Dollar – eines der höchsten Niveaus in seiner Geschichte.“

Knapp ein Jahr nach der Übernahme von Artnet und zuvor Artsy durch den Investor Andrew E. Wolff, meldet Daniel Cassady bei Artnews zuerst die Fusion beider Unternehmen, und zwei Tage später berichtet Alex Greenberger an selber Stelle von großflächigen Entlassungen vor allem bei der Redaktion von Artnet: „Quellen berichteten ARTnews, dass die Entlassungen insbesondere den redaktionellen Bereich von Artnet, Artnet News, betrafen, eine der meistgelesenen Kunstpublikationen in den USA und Europa. Zu den erfahrenen Reporterinnen, die nicht mehr bei Artnet News tätig sind, gehören Sarah Cascone und Eileen Kinsella, die beide seit mehr als einem Jahrzehnt für die Publikation tätig waren. Andrew Russeth, der zuvor als Chefredakteur von ARTnews tätig war, soll nun als Interimsredakteur von Artnet News fungieren, das bisher von New York, London und Berlin aus operierte. Laut diesen Quellen war auch das Berliner Team stark betroffen, das Artnet bei seinen Bemühungen unterstützt, Kunst online zu verkaufen.“

Zweifel an der Strategie meldet Marion Maneker bei Puck (Paywall) an: „Durch den Zusammenschluss von Artsy und Artnet leitet Jeff Yin nun eine gemeinsame Kunstmarktplattform mit neuem Potenzial – eine KI-gestützte Auktionsdatenbank, fusionierte Galerienetzwerke und eine verschlankte Redaktion. Kann seine Vision den Kontakt mit der Realität überstehen?“

In die gleiche Falle wie der CEO tappt Valentina Di Liscia von Hyperallergic: „Obwohl Artnet jedes Jahr Millionen mit seinem Kernprodukt, der Preisdatenbank, sowie mit den Erlösen aus seinen Online-Auktionen erwirtschaftet, verzeichnete das Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatzrückgang von 12 %, den es in erster Linie auf die 'unter den Erwartungen liegende Entwicklung im Mediensegment' zurückführte. Um es ganz klar zu sagen: Journalismus verkauft sich nicht.“ Dabei waren praktisch seit ihrer Einführung die Auktionen der Verlustbringer des Unternehmens, nicht das Magazin. Tatsächlich hat der Bereich Medien auch im genannten Zeitraum rund 100.000 Euro mehr Umsatz erzielt als die Preisdatenbank. Geschäftsberichte müsste man lesen können.

Alten Wein in neuen Schläuchen verkauft Elisa Carollo im Observer, dessen Interview vom letzten Jahr sie für ihren aktuellen Text erneut verwertet, ohne wesentlich Neues hinzuzufügen.

Über die Zusammenführung der beiden Unternehmen und deren Zukunft habe ich mit Andrew Wolff für Monopol gesprochen.

Die Anbiederung der Kunstbranche an die Luxusindustrie könnte sich tatsächlich als schlechte Strategie erweisen. Denn auch die Collectibles aus dem Modebereich können in den Sog eines Strukturwandels geraten. Die Modebloggerin Amy Odell (Backrow Anmeldung/Paywall) hat auf Instagram die tatsächlich auf Auktionen erzielbaren Preise der Birkin Bag mit den Erwartungen der Einlieferer verglichen, die immer weiter auseinandergehen: „Die Durchschnittspreise für verkaufte Taschen sind seit Januar 2025 auf dem Wiederverkaufsmarkt um rund 2.500 Dollar gefallen, während die Angebotspreise nur um 1.000 Dollar (oder etwa 4 Prozent) gesunken sind. Verkäufer verlangen im Durchschnitt 2.000 Dollar mehr, als Käufer tatsächlich zahlen. 'Die Menschen haben große Angst davor, einen Wertverlust dieses Vermögenswerts hinzunehmen', sagte Truss-Gründer Woody Lello. 'Es herrscht eine Art kollektives Unterbewusstsein, dass die Leute schon kommen werden, wenn wir sie einfach weiterhin zu denselben Preisen anbieten.' Wir befinden uns möglicherweise an einem Wendepunkt für etwas, das seit langem als Wertanlage diskutiert wird. Sie trägt zwar Ihre Schlüssel und Ihre Brieftasche, aber sie ist nicht nur eine Tasche – sie soll ihren Wert besser halten als fast alles andere im Kleiderschrank einer Person. Doch die Daten von Truss zeigen, dass Birkins zwar immer noch deutlich besser verkauft werden als der durchschnittliche Luxusartikel auf dem Wiederverkaufsmarkt, es jedoch immer schwieriger wird, sie als solide Investitionen zu betrachten.“

Mit Foundation schließt ein weiterer NFT-Marktplatz, meldet Harrison Jacobs bei Artnews: Fügen Sie der Liste ein weiteres Opfer des zusammengebrochenen NFT-Marktes hinzu: Foundation, ein kuratierter, auf Ethereum basierender Marktplatz, der während des Booms der digitalen Kunst im Jahr 2021 an Bekanntheit gewann. Am Mittwoch gab Mitbegründer und CEO Kayvon Tehranian in einem offenen Brief auf X bekannt, dass der Verkauf der Plattform an das Unternehmen für digitale Kunst Blackdove gescheitert sei, sodass es keine tragfähige Möglichkeit mehr gebe, den Betrieb aufrechtzuerhalten. 'Unser Ziel bei der Suche nach einem Käufer war es stets, Foundation weiterleben zu lassen – jemanden zu finden, der die Plattform am Laufen hält und dieser Community auch in Zukunft dient“, schrieb Tehranian. „Das ist nun nicht mehr möglich.'“

Die Illustratorin Molly Crabapple bezeichnte KI als im Freitag als größten Kunstraub der Geschichte: „KI-Bildgeneratoren hatten mein gesamtes Werk aus dem Internet gesammelt, ihren Bots zum Fraß vorgeworfen, und es als Produkt verkauft. Und es betraf nicht nur meine Arbeit, sondern die aller. Milliarden von Bildern wurden ohne Nennung des Urhebers, ohne Entschädigung, ohne Zustimmung aus dem Internet geplündert. Für mich war und ist das der größte Kunstraub der Geschichte. Die Tech-Giganten wussten genau, was sie taten. Bereits 2023 behauptete der Risikokapitalgeber Marc Andreessen, die Durchsetzung des Urheberrechts würde die gesamte Branche „zerstören“. Technologieunternehmen würden wie immer vorgehen – schnell handeln und Dinge kaputtmachen. Und die, die sie kaputtmachen würden, wären wir.“

Die Stiftung Kunstfonds beklagt die Einmischung des Bundes in ihre Arbeit, berichtet Ulrike Knöfel im Spiegel: Für die Auswahl sind unabhängige Gremien zuständig. So soll die politische Einmischung in inhaltliche Belange verhindert und damit die Freiheit der Kunst gewährleistet werden. Doch genau dieses Grundprinzip sehen Weimers Kritikerinnen und Kritiker in Gefahr. So melden sich jetzt Jurorinnen und Juroren der Stiftung Kunstfonds mit einer scharfen Stellungnahme zu Wort. Auch die Stiftung sei aufgefordert worden, 'die Namen der aktuellen Jurymitglieder aller Förderprogramme zu übermitteln'. Das kommentieren die Unterzeichnenden so: 'Wir, aktuelle und ehemalige Jurymitglieder der Stiftung Kunstfonds, möchten unser Entsetzen über die politische Einmischung des Beauftragten für Kultur und Medien zum Ausdruck bringen.' Man habe kein Vertrauen in die Intention und Handhabung der abgefragten Listen, dies vor allem vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse.“ In den USA greift Tessa Solomon für Artnews das Thema auf.

In einem langen lesenswerten Portrait des Ministers von Jana Simon in der ZEIT (Paywall) kommt dieses Thema ebenfalls zur Sprache: „Weimer sagt: 'Generell muss man genau hinschauen, wer einen mit Steuergeld finanzierten Staatspreis bekommt. Das muss legitimiert sein. Sonst können sie das den Bürgern nicht erklären.' Aber will man in einem Land leben, das vor jeder staatlichen Förderung die politische Gesinnung durch den Geheimdienst prüfen lässt? Und damit Entscheidungen von unabhängigen Jurys außer Kraft setzt? Andererseits kann man auch fragen: Wieso bewerben sich Einrichtungen oder Projekte, die diesen Staat offenbar gering schätzen, eigentlich um dessen Geld?“

Derweil warnen rund 30 Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt laut dpa vor der AfD: „Die Kulturinstitutionen stellen weiterhin heraus, dass die AfD selbst von Vereinen, die eine Landesförderung beantragen, zukünftig ein 'glaubhaftes Bekenntnis' zu einer 'patriotischen Grundhaltung' erwartet werde. 'Das Kulturkonzept der AfD verdrängt, wie wichtig vielfältige Impulse für eine lebendige Kultur sind. Diese leben den Grundstein für gesellschaftliche Entwicklungen und Erneuerungsprozesse.'“