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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Sommerausgabe II/III; Foto Stefan Kobel
Sommerausgabe II/III; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 28 2026

Das Messejahr erwischt keinen guten Start, wie direkt zu Beginn des ersten Teils unseres dreiteiligen Saisonrückblicks klar wird. Gleich zwei schwere Schläge hat der Kunstmarkt in Österreich zu verkraften. Die führende Kunstmesse Viennacontemporary wird nicht mehr stattfinden, wie ich bei Artmagazine melde. Finanzielle Hintergründe und der Standpunkt des Galerienverbandes sind bei Olga Kronsteiner im Standard nachzulesen: „Überraschend kommt das Ende der VC für die heimische Galerienszene ja nicht. Sowohl die finanziellen Schwierigkeiten der Betreibergesellschaft als auch 'die problematische finanzielle Gebarung und die chaotische Firmenstruktur' seien 'seit längerer Zeit Gegenstand von Diskussionen', erklärt Martin Janda namens des Galerienverbandes. Dessen zentrales Anliegen bliebe jedoch, dass es in Wien 'eine starke Plattform für Galerien' gebe, die wiederum 'auch dem hohen Niveau entsprechen müsse, mit dem Galerien seit Jahren intensiv arbeiten und den Standort Wien zu einem international beachteten Ort für zeitgenössische Kunst gemacht haben'.“ Eine zusammenfassende Meldung ohne Paywall findet sich bei Monopol. Nur einen Tag später verliert Salzburg seine renommierteste Messe, meldet Werner Remm bei Artmagazine.

Einen der Tefaf zugeworfenen Fehdehandschuh findet Andreas Platthaus auf der Brafa in Brüssel für die FAZ vom 24. Januar: „Die Erweiterung hat ein klares Ziel: der Konkurrenz (nicht nur im Benelux-, im Weltmaßstab) von Maastricht den Rang ablaufen. Dort wird im März die TEFAF ausgerichtet, und die beiden Universalkunstmessen streiten um den Ruf der größten Exklusivität beim Angebot. Die TEFAF ist aufwendiger, was die Gestaltung der Stände angeht, und hat mehr Aussteller bei allerdings kleinerer Fläche. Brüssel punktet zudem mit seinem Zuwachs. Und mit dem Standort: „Für uns ist das die beste Messe hier“, lässt sich Florian Kolhammer aus Wien vernehmen, Spezialist für die dortige Sezessionskunst, 'nirgendwo ist das Publikum so international.' Brüssel erreicht man besser als Maastricht, und es ist auch mehr Geld in der Stadt selbst. Das sieht man auf der Messe vertretenen heimischen Galerien ebenso an wie ihrem Angebot, das sich nicht zuletzt aus belgischen Sammlungen speist.“ So genau scheint der zitierte Händler bei der Eröffnung der Tefaf nicht aufs Publikum beim Kampf um die Austern geachtet zu haben. Ich war für den Tagesspiegel (Paywall) und Artmagazine in Brüssel.

Nach der Viennacontemporary setzt auch die Spark Art Fair in Wien aus. Noch vor der offiziellen Pressemitteilung lässt der Eigentümer seine Stellungnahme über das Boulevardportal Heute verbreiten. 

Die Expo Chicago schrumpft zwei Jahre nach ihrer Übernahme durch den Frieze-Konzern auf ihr Normalmaß zurück. Mit etwas über 130 sei die Zahl der Aussteller in diesem Jahr knapp ein Viertel kleiner als im Vorjahr, berichtet Maximilíano Durón bei Artnews. Im Sommer 2023 hatte der Unterhaltungs- und Eventkonzern Endeavor, zu dem die Frieze gehört, die Messe zusammen mit der Armory Show übernommen und das Teilnehmerfeld auf über 170 ausgeweitet. Die Zahl der Galerien entspricht jetzt wieder der Größenordnung vor der Übernahme und beinhaltet immer noch ein Dutzend koreanische Galerien. Letztes Jahr waren es aufgrund einer Kooperation mit dem südkoreanischen Galerienverband noch 20.

Business as usual meldet Lisa-Marie Berndt von der Art Genève für Monopol: „Neben internationalen Schwergewichten wie Hauser & Wirth, Pace, Mennour, Galerie Lelong und Eva Presenhuber ist die Schweizer Szene stark präsent. Galerien wie Fabienne Levy oder Peter Kilchmann haben hier fast ein Heimspiel. Neu dazu kommen unter anderem Louis & Sack aus Paris, Seventeen aus London und Danysz mit Standorten in Paris, Shanghai und London. Die Art Genève bleibt damit eine Schnittstelle zwischen französischem Markt, Schweizer Sammlerszene und internationalem Austausch.“

Als den Versuch, einen Kunstmarkt im Top-down-Verfahren in einer Region zu etablieren, beschreibt Daniel Cassady Anfang Februar bei Artnews die Einführung der Art Basel Qatar: „Die wichtigste Frage ist, ob die Art Basel und die Katarer einen Kunstmarkt 'reverse-engineeren' können, indem sie eine große internationale Messe einführen, bevor vor Ort eine dichte Infrastruktur kommerzieller Galerien existiert. Ob diese Strategie erfolgreich ist, hängt weniger von den Verkäufen in der ersten Woche ab als davon, ob die Galerien wiederkommen und ob die Sammler im nächsten Jahr mit größerem Vertrauen zurückkehren. Aber zumindest vorerst scheint die Art Basel Doha das zu erreichen, was sie sich vorgenommen hat.“ Die Rahmenbedingungen der Messe umreißt Ursula Scheer in der FAZ (Paywall): „Kunst- und Kulturpolitik, vorangetrieben von Sheikha Al Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al Thani an der Spitze der Museumsorganisation Qatars, kommt eine weitere Schlüsselrolle zu. Nicht umsonst gehört die Schwester des Emirs seit Jahren zu den mächtigsten Playern im globalisierten Kunstbetrieb: Unter ihrer Ägide entstehen Institutionen, Sammlungen und Netzwerke. Dieses kulturelle 'Ökosystem', wie es in offiziellen Verlautbarungen gerne heißt, ist weder Wildwuchs noch das Ergebnis einer Graswurzelbewegung, sondern planvoll angelegt wie ein barocker Schlossgarten. Nun steigt der Kunsthandel des Landes in die Königsklasse auf: mit der Art Basel.“ Ich war für MonopolArtmagazine und Deutschlandfunk (Audio) in Doha.

Eine erfreuliche Tendenz im Durcheinander macht Daniela Gregori auf der Art Karlsruhe für Artmagazine aus: "Seit drei Jahren läuft die „art“ nun unter neuer Führung, das macht sich durchaus positiv bemerkbar. Freilich herrscht noch immer ein mitunter kunterbuntes Viel-zu-viel, doch wird in eine auf weniger Spektakel zielende Richtung korrigiert und geförderte Formate wie re:discover für Positionen in „gereiften Schaffensphasen“ tun dem Gesamtbild gut. Sie lassen Entdeckungen zu, die sich heute nicht mehr beweisen müssen, weil sie es längst haben." Auch Christiane Meixner vom Tagesspiegel (evtl. Paywall) ist angetan: „Daneben gibt es auf der Art Karlsruhe auch jene Stände, an denen laute, manchmal auch schlicht (oder schlecht) dekorative Kunst herumröhrt. Doch es sind weniger als früher, und mit ihrem Rückzug wächst die Qualität jener Messe, die auf jeden Fall einen Besuch lohnt.“

Zumindest im internationalen Aufmerksamkeitswettbewerb hat die Zona Maco (nicht unverschuldet) das Nachsehen. Der anscheinend einzig angereiste internationale Pressevertreter Benjamin Sutton vom Art Newspaper findet gleichwohl eine entspannte Atmosphäre vor.

Die zeitgleich mit der Messe in Doha stattfindende India Fair empfindet Elisa Carollo im Observer als authentischer: „Im Gegensatz dazu ist der Besuch der India Art Fair vor allem eine Übung in Demut – man muss sich eingestehen, wie viel man noch nicht weiß, sich einen möglichst umfassenden Überblick über eine lebendige Szene verschaffen und bereit sein, dazuzulernen.

Die internationale Pressereise zur Maze Art Gstaad bestand aus mir. Da das Format durchaus spannend ist, hier etwas mehr als der übliche Link zu Artmagazine: „Besser könnte das Timing nicht sein. Schlechter auch nicht. Das Rosey Long Weekend bringt die Alumni des wohl renommiertesten (und teuersten) Internats der Welt, des Institut Le Rosey, nach Gstaad. Ein besseres Publikum für die kleine Boutiquemesse Art Gstaad mit ihren nur rund 40 Ausstellern lässt sich kaum denken. Andererseits bedeutet das ausgebuchte Hotels und Mondpreise.“

Eitel Sonnenschein meldet Maximilíano Durón von der Frieze LA bei Artnews: „Von Beginn an war die Messe mit Besuchern gut besucht. In diesem Jahr gab es ein leicht verändertes Layout, wodurch die Messe weniger beengt wirkte. Das neue Layout vermittelte auch den Eindruck, dass die Messe gut besucht war. Die Energie war auf jeden Fall spürbar. Die 95 Aussteller der Messe brachten eine Fülle von Kunstwerken mit. Während sich viele Händler für Stände entschieden, an denen sie eine Mischung aus Künstlern ihres Programms präsentierten, setzten einige auf Einzelpräsentationen. Gemälde und Skulpturen sind ebenso reichlich vertreten wie Textilien, doch der auffälligste Trend ist ein Anstieg der Fotografie im Vergleich zu früheren Ausgaben der Messe.“

Mögliche Gründe für die etwas schleppend erscheinende Vernissage der Arco im März erkundet Sarah Belmont für Artnews: „Einige erwähnten eine konkurrierende Frühstücksveranstaltung, die möglicherweise die Aufmerksamkeit der VIPs abgelenkt habe. Andere spekulierten darüber, ob das aktuelle geopolitische Klima die Teilnahme von Sammlern aus der Golfregion verhindert habe. Aber die Arco hat stets ihr eigenes Tempo verfolgt, und gegen Mittag waren die Gänge voller Besucher. 'Wir haben noch nicht viel verkauft, aber ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Tagen die Früchte unserer Arbeit ernten werden', erklärte Chantal Crousel, Gründerin einer gleichnamigen Pariser Galerie, gegenüber ARTnews. 'Es ist eine etwas ruhigere Messe. Es gibt viel zu sehen, und die Besucher nehmen sich wirklich Zeit zum Betrachten. Wenn sie einen ersten Funken verspüren, neigen sie dazu, zunächst einen Schritt zurückzutreten und sich zu vergewissern.'“ Auf die enge Beziehung mit den Institutionen geht Nicole Scheyerer bei Parnass ein.

In einem ausführlichen Essay für den Observer erzählt Paco Barragan die Geschichte der Globalen Kunstmessenkriege: „Während die Art Basel als geopolitischer Architekt fungiert hat – indem sie die weltweit bedeutendsten kulturellen Knotenpunkte ausgewählt, besetzt und konsolidiert hat –, hat sich die Frieze vor allem durch Replikation ausgebreitet und sich an Orten etabliert, an denen bereits ein Ökosystem vorhanden war. Die Mehrheit der Messen weltweit, von Europa bis Asien und von Lateinamerika bis zum Golf, bleibt in regionalen Kreisläufen gefangen. Sie skalieren nicht, sie reorganisieren weder Kapitalflüsse noch Legitimität, und sie verändern die globale Landkarte nicht. Nur die Art Basel tut dies; die Frieze folgt ihren Konturen, anstatt sie neu zu zeichnen. Bis heute ist die Wahrheit über den globalen Kunstmessenkrieg einfach: Die Art Basel verändert Städte; die Frieze schließt sich ihnen an. Der Rest beobachtet von den regionalen Randgebieten aus.“ Absolut lesenwert!

Die Tefaf in Maastricht begeistert Brian Boucher bei Artnews: „Trotz weltweiter Unruhen und eines sich ständig verschärfenden Konflikts im Nahen Osten zeigten sich die von ARTnews an ihren Ständen auf der Kunstmesse TEFAF in Maastricht befragten Händler, sofern sie bereit waren, über ihre Umsätze zu sprechen, mehr als zufrieden – auch wenn, wie ein Händler anmerkte, Sammler aus dem Nahen Osten möglicherweise nicht reisen konnten. [...] Jörn Günther, ein Händler für seltene Bücher aus Basel, der seit dreißig Jahren auf der TEFAF ausstellt, sagte, dieses Jahr sei sein bestes gewesen.“ Einen Generationswechsel erhofft sich Ursula Scheer in der FAZ (Paywall): „ Licht, Luft und feinsinnige Korrespondenzen zwischen ausgewählten Objekten bietet dagegen die römische Antikenhändlerin Alessandra Di Castro – Vertreterin einer neuen Generation, die gleichwohl mit ihrer 2009 gegründeten Galerie auf eine bis ins Jahr 1878 zurückreichende Familientradition aufbaut. Im TEFAF-Leitungskomitee gehört sie zu der Gruppe von Händlern, die die vor 38 Jahren gegründete, von einer Stiftung getragene Messe in Richtung Zukunft führen sollen. Kontinuität in der Leitung und damit eine klare strategische Linie gibt es seit Jahren nicht: Die Direktoren gaben sich zuletzt die Klinke in die Hand, mit fünf Personalwechseln in vier Jahren. Nach dem Abgang von Dominique Savelkoul im Dezember übernehmen nun Mitglieder des Exekutivkomitees im Halbjahrestakt alternierend das Ruder; gerade ist Boris Vervoordt als Präsident und Chairman dran.“

Die großen Pläne der Murdochs – MCH-Großaktionär James und seine Frau Kathryn – enthüllt Nate Freeman bei Vanity Fair: „'BASEL PROJECT' war ein Codename für das, was ich nun als „Futurific Institute“ bezeichnen darf. Die mir nahestehenden Quellen, mit denen ich gesprochen habe, machten keinen Hehl von den Ambitionen, die dahinter stehen. Das Festival soll 2028 an den Start gehen und wird in Basel in der Schweiz stattfinden, einige Monate nach der Kunstmesse, wobei das sommerliche Klima des Rheinlandes genutzt wird, um unmittelbar mit den Konferenzen der Vordenker in den schicken Bergstädten zu konkurrieren: dem Stiftung Davos Festival, dem Aspen Ideas Festival, der Allen & Company Sun Valley Conference usw. [...] Es wird ein völlig eigenständiges Unternehmen mit einer anderen Mission als die Art Basel sein, doch die Kunstinfrastruktur der Stadt wird dabei eine wichtige Rolle spielen.“

Jenseits der üblichen Erfolgsmeldungen der Blue Chip-Galerien, die Tessa Solomon von der Art Basel Hong Kong für Artnews referiert, schien es relativ verhalten zuzugehen: „An anderer Stelle auf der Messe schlug Charmaine Chan, Direktorin bei Pearl Lam in Hongkong, einen zurückhaltenderen Ton an. Obwohl sie bis 17 Uhr mehrere fünfstellige Verkäufe vermelden konnte, stellte sie fest, dass die für lokale Sammler typische 'entschlossene' Kaufbereitschaft spürbar fehlte. 'Es ist offensichtlich, dass die Verkäufe langsamer laufen als gewöhnlich', sagte sie als erfahrene Vertreterin der Art Basel Hong Kong. 'Normalerweise sind Käufer aus Hongkong recht entschlossen. Vor drei Jahren hatten wir Mr. Doodle am Stand, und wir waren bereits am ersten Tag ausverkauft.'“ Auch Vivienne Chow und Cathy Fan haben für Artnet (evtl. Paywall) eine gefämpfte Energie wahrgenommen: „Trotz überfüllter Gänge und einiger Millionen-Deals lassen sich die Käufer angesichts eines zurückhaltenden Marktes und geopolitischer Unruhen Zeit.“

Einen attraktiven Salon Du Dessin hat Emil J. Sennewald für das Handelsblatt vom 27. März in Paris besucht: „Der etablierte, zuletzt jedoch etwas ermüdet wirkende „Salon du Dessin“ präsentiert sich in seiner 34. Ausgabe im Palais Brongniart mit 39 Ausstellenden nicht nur gewohnt qualitätvoll, sondern auch in neuer Frische – sichtbar etwa an Neuzugängen wie Demisch Danant aus New York oder Lowet de Wotrenge aus Antwerpen.“

Den zweiten Anlauf der Art Cologne in Palma auf Mallorca stellt Josie Thaddeus-Johns bei Artsy vor: „Die Art Cologne Palma Mallorca 2026. Auch wenn die Messe für spanische Sammler durchaus attraktiv sein dürfte, sind ihre deutschen Wurzeln unverkennbar. Am VIP-Tag der Messe am 9. April stellte ein Galerist fest, dass das Publikum überwiegend aus Deutschen bestand, von denen viele Zweitwohnsitzer auf der Insel sind. Dies sorgt für ein fokussiertes Publikum mit hohen Erwartungen. Hochpreisige Werke, darunter ein 1,3 Millionen Euro (1,53 Millionen Dollar) teures Werk von Anselm Kiefer am Stand der in Berlin und Palma ansässigen Galerie Kewenig, zeigten, dass das Art Cologne-Erbe präsent war. [...] Passend zum Veranstaltungsort schienen die Galerien eher einen entspannten Käufer im Blick zu haben als einen, der die deutsche Art Cologne besuchen würde. Einige Besucher tragen Leinenanzüge, andere erscheinen in Flip-Flops. Dennoch scheint dies keine Messe zu sein, die sich an brandneue Käufer richtet, sondern vielmehr an begeisterte Sammler im Urlaubsmodus." Im Tagesspiegel freut sich Christiane Meixner.

Die Verdrängung der Fiac durch die Art Basel sei ein Gewinn für die Art Paris, stellt Sarah Moroz im Observer fest: „'Der Markt in Paris hat sich in den letzten Jahren stark verändert', meinte Garrett Landolt, Direktor bei Esther Schipper, an einem Stand, der sich einen Gang von Almine Rech entfernt befand. 'Anfangs war es ein recht lokaler Markt: Pariser kauften in Pariser Galerien ein. Mit der Ankunft der Art Basel ist er in den letzten Jahren sehr international geworden. Wir haben von einigen gehört, dass die Art Basel Paris mittlerweile so prestigeträchtig geworden ist, dass die Art Paris plötzlich zugänglicher und vielleicht interessanter ist, weil es dort unterschiedliche Preisklassen gibt. So erhält man eine große Vielfalt an Besuchern.'“

Die zehnte Ausgabe der Art Düsseldorf überzeugt die Kommentatoren. Georg Imdahl schreibt in der FAZ (Paywall): „Großer Stand, kleine Formate lautet das Prinzip bei der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin, die ebenso wie Esther Schipper aus Berlin zum ersten Mal an der Art Düsseldorf teilnimmt. Man habe sich 'das zwei Jahre angeschaut, uns gefällt das Line-up', so Schipper-Direktor Jonas Kriszeleit. Mit diesen Neuzugängen kann Düsseldorf tatsächlich punkten, auch wenn die Stimmung schon mal 'fiebriger' gewesen sei, wie Grässlin bemerkt, wobei Düsseldorf „natürlich nicht die Art Basel“ sei. Kein Widerspruch, aber, der Vergleich drängt sich wegen der zeitlichen Nähe auf, das Angebot ist dichter, gehaltvoller als auf der soeben über die Bühne gegangenen Art Cologne Palma Mallorca.“ Die im Angebot durchscheinende Marktlage spricht Jens Bülskämper bei Artmagazine an.

Eine deutlich längere Tradition hat die vor 30 Jahren gegründete Miart in Mailand, die Karen Krüger für die FAZ (Paywall) charakterisiert: „Auf das klassische Konzept der linearen Organisation verzichtet die Miart. Sie erstreckt sich über drei Ebenen mit 160 Galerien aus 24 Ländern, von denen viele Soloschauen zeigen. 'Die Reduzierung gegenüber den 179 Galerien des Vorjahres war eine bewusste Entscheidung, um die Qualität zu erhöhen', sagt der Messedirektor Nicola Ricciardi.“ Eine Einordnung der Messe und des Standorts nimmt Arun Kakar für Artsy vor.

Die Art Brussels behauptet sich seit 1968 (zunächst als Biennale, seit 1997 jährlich) als Messe für zeitgenössische Kunst mit Höhen und Tiefen. In diesem Jahr hat sie deutlich abgespeckt. Nicole Büsing und Heiko Klaas zeigen sich im Tagesspiegel angetan: „[Discovery] umfasst genauso viele Aussteller wie im vergangenen Jahr. Der Hauptsektor Prime dagegen hat kräftig Federn lassen müssen, die Zahl der Teilnehmer ist hier von 108 auf 83 gesunken. Daher tummeln sich sämtliche Galerien diesmal in der Halle 5. Messedirektorin Nele Verhaeren hat den krisengedingten Aderlass zum Anlass genommen, die frei gewordenen Flächen in der Halle 6 mit einem anderen Konzept zu gestalten: In der neu geschaffenen Sektion Horizons zeigen jetzt sieben Galerien monumentale Werke. […] Auch wenn die Art Brussels in diesem (Krisen-)Jahr etwas kleiner und überschaubarer daherkommt, muss man sich um die Zukunft der Messe wohl keine Sorgen machen.“

Die Jubelberichte von Kunstmessen sind oft schwer zu lesen, vor allem, wenn die Berichterstattung fast ausschließlich von US-amerikanischen Medien stammt. Man muss schon sehr zwischen Zeilen lesen, um eine Vorstellung von den tatsächlichen Verhältnissen zu bekommen. Die New Yorker Messewoche führt das wieder einmal vor. „Es ist ein Fest“, zitiert die Überschrift den Bericht von der Frieze New York, den Brian Boucher und Daniel Cassady für Artnews verfasst haben. Die ihrer Meinung nach angenehmste Messe hat Tessa Solomon von Artnews mit der Independent erlebt. Die Teilnahmekosten der New Yorker Kunstmessen hat Valentina di Liscia für Hyperallergic recherchiert. Überraschenderweise ist demnach die Frieze bei den großen Ständen teurer als die Tefaf.

Die in Dubai lebende Rebecca Anne Proctor hat die Art Dubai für Artnet (evtl. Paywall) besucht: „Dubai erlebt aufgrund des Konflikts einen erheblichen wirtschaftlichen Schock und befindet sich im Übergang von raschem Wachstum zu einer Phase der Anfälligkeit und des Risikomanagements. Dennoch herrschte am Eröffnungstag der Messe eine optimistische Stimmung, und viele Gäste lobten die intimere Atmosphäre, die an eine Version der Veranstaltung aus der Zeit vor Covid erinnerte, bevor die Besucher in Scharen in die Megastadt am Golf strömten.“

Die June Art Fair in Basel wurde am Sonntag, einen Tag vor ihrem Start, ohne Begründung abgesagt.

Mit Kunstmarktfolklore schmückt Marcus Woeller in der WeLT seinen Bericht über die Art Basel, die „mit einem Höhenflug gestartet“ sei: „Exklusiv sind auf der Art Basel aber vor allem die Verkaufspreise. Rekordverdächtig etwa sind die 35 Millionen Dollar Nachfragepreis, mit denen die Galerie Hauser & Wirth den Verkauf eines Picasso-Gemäldes ('Der Maler und sein Modell in einer Landschaft', 1963) am ersten Preview-Tag meldete. Insgesamt 35 Werke wollen die Schweizer zum Auftakt verkauft haben. 'Der erste Tag der Art Basel 2026 war ein voller Erfolg – so stark wie noch nie zuvor', ließ der Präsident des Unternehmens, Iwan Wirth, verlautbaren.“ Ein wenig Wasser in den Wein gießt Scott Reyburn in der New York Times (Paywall): „Das Problem ist jedoch, dass viele Marktakteure, vor allem aus den Vereinigten Staaten, den Fokus genau umgekehrt setzen. Die Anziehungskraft der ultraschicken Art Basel in Paris im Oktober veranlasste mehrere in den USA ansässige Aussteller, sich von der diesjährigen Schweizer Messe zurückzuziehen. Auch waren auffallend weniger Amerikaner unterwegs, die sich an den Ständen umschauten. 'Die wichtigsten amerikanischen Sammler warten erst mal ab, bis Oktober', sagte Wendy Goldsmith, eine in Palm Beach, Florida, ansässige Kunstberaterin. 'Paris hat eine bessere Auswahl an Hotels, Restaurants und Geschäften als Basel. Wenn sie sich also entscheiden müssen, wird es jetzt Paris sein.'“