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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Biennale Internazionale dell'Antiquariato di Firenze (Biaf); Foto Stefan Kobel
Biennale Internazionale dell'Antiquariato di Firenze (Biaf); Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 40 2026

Die Armory Show feilt seit Jahren an ihrem Profil, um auch weiterhin als New Yorker Leitmesse zu gelten. Daniel Cassady und Brian Boucher beschreiben den Prozess bei Artnews: „Und trotz all der Veränderungen erfüllt die Armory eine Funktion nach wie vor bemerkenswert gut: Sie signalisiert New York, dass der Sommer vorbei ist (oder, wie Klischeeliebhaber es nennen, ‚zurück in die Schule‘). Diese Rolle war dieses Jahr besonders deutlich zu spüren. Als die Messe 2021 ins Javits Center umzog, wurde sie auch auf die Woche unmittelbar nach dem Labor Day verlegt, wodurch sie direkt in den Trubel der Galerieeröffnungen, Abendessen und Partys fiel, die die Herbstsaison einläuten. Mit der Verlegung auf den 24.–27. September verschafften sich die Verantwortlichen der Frieze zudem etwas Luft gegenüber ihrer Messe in Seoul, die zeitgleich stattfand. Das Ergebnis wirkte – zumindest am Eröffnungstag – deutlich zivilisierter. Anstatt dem ohnehin schon überfüllten September-Kalender noch ein weiteres Großereignis aufzubürden, fühlte sich die Messe tatsächlich wie der Beginn von etwas Neuem an. [...] Die interessantere Frage ist jedoch, wo sich die Armory in einer zunehmend überfüllten Hierarchie von Messen einordnet. Die diesjährige Ausgabe versammelt rund 230 Galerien, etwa genauso viele wie im letzten Jahr, doch ein erheblicher Teil der Messe ist jüngeren Händlern und Einzelpräsentationen gewidmet.“

Als etwas unaufdringlicher beschreibt Max Lakin die Independent 20th Centruy für die New York Times: „Die 'Independent' ist zurückhaltender als ihre Konkurrenten. Seit 2010 hat sie sich zum Ziel gesetzt, eine weniger einschüchternde, kuratorisch orientierte Messe zu präsentieren, und hält ihre Ausstellerliste (vergleichsweise) klein. Dass sie in dieser Saison ihr Modell aus dem 20. Jahrhundert im Breuer-Gebäude inszeniert, ist ein Coup – sie hüllt ihre unverhüllten Ambitionen in das Erbe des Designs. (Die Armory Show findet dagegen im Javits Convention Center statt, der Heimat der Comic Con und des Greater New York Dental Meeting.) Elizabeth Dee, Gründerin und Leiterin von Independent, sagt, dass der neue Standort im Breuer-Gebäude 'dauerhaft' sein wird – was angesichts der hohen Fluktuation der Mieter in den letzten 12 Jahren vielleicht etwas optimistisch erscheint.“

Die recht strikten Ausfuhrbedingungen Italiens seien für die Biennale Internazionale dell'Antiquariato di Firenze (Biaf) Fluch und Segen, schreibt Gina Thomas in der FAZ vom 26. September: „Das gibt der Veranstaltung bei allem Interesse, das sie bei ausländischen Museumskuratoren und Sammlern findet, einen ausgesprochen italienischen Charakter, der dem Ehrgeiz nach Internationalität Schranken setzt. Dazu kommt freilich auch die bisweilen etwas kunterbunte Präsentation, bei der sich exquisite Stücke mit gewöhnlicheren Gegenständen vermengen. [...] Unter der neuen Präsidentschaft des Florentiner Händlers Bruno Botticelli strebt die Messe eine engere Anknüpfung an die Kultureinrichtungen der Stadt und das Netzwerk des Kunstmarkts an, um das internationale Prestige zu steigern. Exemplarisch dafür steht die Zusammenarbeit mit dem Palazzo Strozzi, der unter der Leitung von Arturo Galansino in den vergangenen Jahren zu einer führenden internationalen Ausstellungsstätte avanciert ist. Passend zu einer mit Fragmenten bestückten Messe in einer fragmentierten Zeit ist dort gerade die faszinierende Ausstellung „Broken“ eröffnet worden. Hier wird der internationale Anspruch mit Verve erfüllt.“ In Florenz war ich für das Handelsblatt vom 25. September und Artmagazine.

Die Fine Art Paris in der Woche zuvor hat Emil Sennewald für das Handelsblatt vom 25. September besucht: „Seit sie aus dem November in den September verschoben wurde, ist die Messe 'Fine Arts Paris' für viele ein ideal üppiger Auftakt des Pariser Kunstherbsts. 'Das ist ein vor allem französisches Ereignis, bei dem internationales Publikum genau deshalb dabei sein will', meint Nicolas Andrin, dessen Aborigène Galerie viel Aufmerksamkeit erregt. Nach 30.000 Besuchern 2024 und 28.000 im vergangenen Jahr steht die Messe an einer Schwelle: Spürbar wurden Qualität und Kohärenz konsolidiert, viele Händler sind nach guten Verkäufen im letzten Jahr zuversichtlich, anfängliche Zweifel am neuen Format scheinen verflogen.“

Das Setting atemberaubend, die Kunst so lala – so charakterisiert Ernst Herb die aktuelle Ausgabe der Contemporary Istanbul für die FAZ (aktuell wieder ganz ohne Paywall): „Bei näherem Hinsehen fällt auf der Messe allerdings auf, dass bei den in den Hallen einer alten Schiffswerft ausgestellten Werken das dekorative Element überwiegt. Promi-Kunst von dem Hollywood-Schauspieler Johnny Depp, der hier erstmals eine großformatige Skulptur vorstellt, gibt es obendrein. […] All das tut dem Ort, an dem die CI abgehalten wird, keinen Abbruch, im Gegenteil. Das Messegelände schlägt mit dem vor 2700 Jahren von griechischen Kolonisten gebauten Hafenanlagen und dem Blick auf die Hagia Sophia weltweit die Veranstaltungsorte aller Konkurrenten, sei es die Art Basel Paris in ihrem atemberaubenden Glaspalast oder die Art Basel Hongkong mit ihrem Blick auf die spektakuläre Skyline. Wenn Istanbul auch mit seiner Hardware punkten kann, so mangelt es aber im Großen und Ganzen an der Qualität der zur Schau gestellten Kunst.“

Von der nach wie vor regional geprägten Artbo in Bogota berichtet Vanessa H. Larson für das Art Newspaper (evtl. Paywall).

Nachdem in letzter Zeit Gerüchte über den Weggang der Tefaf aus Maastricht kursierten, macht die Händlerorganisation jetzt Nägel mit Köpfen und bindet sich laut einer Pressemitteilung langfristig: „Die Verlängerung festigt die langjährige Partnerschaft zwischen der TEFAF und dem MECC Maastricht und sichert der Messe ihren Standort bis 2036. Die neue Vereinbarung tritt an die Stelle des aktuellen Vertrags, der bis zur Ausgabe 2027 läuft. [...] Ein neuer Fünfjahresvertrag sichert der TEFAF New York ihren Standort in der Park Avenue Armory bis 2031“.

Ob das Auktionshaus Scheublein in München in die von der angekündigten Schließung Neumeisters eröffnete Lücke stoßen kann, fragt Brita Sachs in der FAZ: „Nicht von ungefähr ähneln sich die Profile der beiden Mehrspartenhäuser, schließlich arbeitete Michael Scheublein knapp 25 Jahre, davon neun Jahre als Geschäftsführer, in der Firma seines Schwiegervaters Rudolf Neumeister. Als es mit dessen Tochter Katrin Stoll zu Unstimmigkeiten kam, gründeten Scheublein und seine Frau Martina Neumeister-Scheublein 2008 kurzerhand ihre eigene Auktionsfirma; die Geschäftsführung teilt sich das Ehepaar inzwischen mit seiner Tochter Nikola.“

Teure Kunst ist nicht zwingend gut und gute Kunst nicht unbedingt teuer. Den ersten Teil von diesem Aphorismus unterzieht Alex Greenberger für Artnews einem Feldversuch: „Mega-Galerien hingegen fangen mittlerweile an, Künstler unter Vertrag zu nehmen, die noch nicht einmal 30 sind, und verschaffen ihnen damit eine Bühne, die früher den Etablierten, den Bekannten und den am Markt Bewährten vorbehalten war. Und so spricht man, wenn es um diese aufstrebenden Stars geht, von Dollarzeichen und Auktionsrekorden. Über die Werke selbst redet man dann meist nicht. Wie gut ist diese Kunst eigentlich wirklich? Sechs Ausstellungen in New Yorker Galerien – allesamt Einzelausstellungen von Künstlern unter 45 Jahren mit Auktionsrekorden von fast 200.000 Dollar oder mehr – bieten die Gelegenheit, das zu beurteilen. Mit Ausnahme einer dieser Ausstellungen ist das Bild nicht gerade rosig.“ Das Ergebnis ist erfrischend und ernüchternd zugleich.

Die letzte Woche vom aktuellen Kulturstaatsminister via dpa verbreitete Drohung, die Kulturförderung des Bundes von der richtigen Gesinnung abhängig zu machen, bildet einen Präzedenzfall, an den ein möglicher Nachfolger einer weniger demokratisch gesinnten Partei anknüpfen könnte. Die Idee stößt denn auch nicht überall auf Gegenliebe. Saskia Trebing etwa ist bei Monopol nicht begeistert: „Der jüngste Fall stammt vom parteilosen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der sich seit seinem Amtsantritt eher als Kulturkämpfer denn als -Ermöglicher inszeniert. Im Fall einer Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin - die Partei wurde mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp bei der dortigen Wahl am vergangenen Sonntag klar stärkste Partei - wolle Weimer die gerade beschlossenen Bundesmittel für die Kultur in der Hauptstadt überdenken. […] Ob Weimer seine öffentlichen Gedankenspiele überhaupt umsetzen könnte (der Hauptstadtfinanzierungsvertrag mit einer Laufzeit bis 2037 ist unterzeichnet) ist die eine Frage. Doch allein der Eindruck, dass es nur dann Geld gibt, wenn die politische Ausrichtung stimmt, ist fatal. Er steht nicht nur der verfassungsmäßig garantierten Kunstfreiheit entgegen, sondern rüttelt auch an der in Deutschland seit den 1970er-Jahren gewachsenen Überzeugung, dass eine Kultur, die sich mit staatlicher Förderung frei entfalten kann, am Ende allen nützt.“

Opfer von Nazi-Verfolgung und deren Erben, könnten in den USA wieder hoffen, berichtet Frauke Steffens anlässlich zweier anstehender Gerichtsverfahren in der FAZ: „Zwei neue Klagen könnten den Umgang mit NS-Raubkunst in den Vereinigten Staaten verändern. Wie die 'Los Angeles Times' berichtet, werden beide Verfahren durch Gesetzesänderungen in Kalifornien und auf US-Bundesebene aussichtsreicher. In Zukunft soll verhindert werden, dass Restitutionsansprüche allein wegen Verjährung oder an anderen juristischen Hürden scheitern. Die beiden neuen Klagen sind ihrem Gegenstand nach sehr unterschiedlich; nur eine fällt unter die herkömmliche Definition von Raubkunst oder Zwangsverkauf.“

Eine neue Reihe zur Outsider Art kündigt Katharina Cichosch bei Monopol an: „Fest steht, dass jene "Outsider" längst Insider in vielerlei Hinsicht sind. Sie stellen institutionell und in Galerien aus, werden öffentlich und privat gesammelt, es gibt eigene Magazine und Kunstmessen. Wie die Outsider Art Fair in New York, die seit 1993 jedes Jahr im Metropolitan Pavillon stattfindet. 2013 wurde ein weiterer Ableger in Paris etabliert. […] Kein Wunder, dass auch 'New York Magazine'-Kritiker Jerry Saltz von der Outsider Art Fair schwärmt. Übrigens auch deshalb, weil hier ausgestellt und zu haben ist, was vielerorts gerade wegbricht oder schon weggebrochen ist: der Mid-Market, also Kunst im mittleren Preissegment, eigentlich mal ein sweet spot für Händler, Künstler und Käufer. Wobei auch Einsteigerpreise zu finden waren, ohne dass man sich auch nur eine Sekunde bei den sonst üblichen Angeboten für ebensolche 'Einsteigerkunst' wähnte.“