Kobels
Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt von Stefan Kobel. Jede Woche neu. Newsletter abonnieren

Astoria Art Show Wien; Foto Stefan Kobel, Geld KI
Astoria Art Show Wien; Foto Stefan Kobel, Geld KI
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 39 2026

Nachdem die Astoria Art Show in Wien bei Besuchern, Ausstellern und Künstlern auf ein durchweg positives Echo gefunden hat, entwickelt sich rund um die öffentlichen Zuschüsse eine Diskussion. Christain Mayr hat für den Kurier (Paywall) recherchiert: „Vielleicht liegt die Antwort darin, dass man angesichts großer Löcher im Kulturbudget [...] Ganze zur Geheimsache machen wollte. Weil die gewählten Förderkanäle eine ziemlich schiefe Optik ergeben. Und vielleicht war auch das der Grund, warum Bürgermeister Michael Ludwig im letzten Moment verhindert war und es von ihm kein Foto auf der Astoria Artshow in der früheren Garage in der Trautsongasse gibt. Warum nicht gleich? Die Antwort liefert wohl das interne Vertragswerk namens Sponsoringvertrag Astoria Art Show das dem KURIER aus vertraulicher Duelle zugespielt wurde. Darin sammelt Holdingtochter WH-Media von gleich sechs Stellen des Konzerns das Geld für die Astoria-Messe zusammen in Summe noch einmal satte 140.000 Euro: Von der Wien Holding selber qibt es 15.000 Euro, Stadthalle, Wiener Hafen und Vereinigte Bühnen steuern je 10.000 bei, die WSE bringt noch einmal 20.000 ein. Fehlen 75.000 Euro. Hier wird es brisant“. Die Bewegungen in der Wiener Galerienlandschaft skizziere ich für Artmagazine. Mit dem Wiener Galeristen Emanuel Layr habe ich für Monopol darüber gesprochen, wie er mit dem Strukturwandel umgeht.

In die New Yorker Herbstsaison mit ihren Kunstmessen und Galerieeröffnungen gehen Szenekenner mit gedämpften Erwartungen, hat Brian Boucher für Artnews erfahren: „Den Konsens lässt sich vielleicht am besten mit den Worten der New Yorker Beraterin Aileen Agopian zusammenfassen, die in einem Telefonat mit ARTnews eine zwiespältige Botschaft vermittelte. 'Die Sammler sind voller Tatendrang', sagte sie. 'Aber sie sind diszipliniert. Die Galerien sind voll, die Vernissagen sind überfüllt. Aber niemand kauft mehr so, als wäre es 2021.' Der New Yorker Berater Alex Glauber äußerte sich ähnlich zwiespältig: 'Zu Beginn der Herbstsaison gibt es meiner Meinung nach viel Begeisterung unter den Sammlern und den Wunsch, Sammlungen wohlüberlegt zu erweitern.'“ „Wohlüberlegt“ klingt deutlich unterkühlter als etwa „beherzt“.

Die Halbjahreszahlen der Art Basel-Mutter MCH habe ich mir für Monopol angesehen.

Die im Detail durchwachsenen, in Summe jedoch beachtlichen Ergebnisse der Auktion bei Kornfeld in Bern fasst Susanne Schreiber im Handelsblatt vom 18. September zusammen: „Die vierstündige Auktion '150 Ausgewählte Werke“ sah am 11. September zahlreiche gängige Werke im fünf- und tiefen sechsstelligen Bereich, aber auch 14 Zuschläge über der Millionenschwelle. Das Ergebnis von rund 69,5 Millionen Franken ist aufs Jahr gesehen für den deutschsprachigen Raum rekordverdächtig. Dazu kommen noch 1,7 Millionen Franken aus der Onlineauktion.“

Gisèle Croës, eine der wichtigsten Händlerinnen für chinesische Antiquitäten, lässt ihre besten Stücke bei Bonhams in Paris versteigern, geht aus einer Pressemitteilung hervor: „Die Auktion umfasst eine außergewöhnliche Auswahl von über 70 Meisterwerken, die Gisèle Croës über Jahrzehnte hinweg zusammengestellt hat.“ In einer Email schreibt sie: „Ich freue mich von ganzem Herzen, einige meiner wertvollsten Stücke mit euch zu teilen“. Da drängen sich einige Fragen auf: Handelt es sich um Warenbestand ihrer 1975 in Brüssel eröffneten Galerie? Zieht sich die Händlerin zurück? Warum verkauft sie die angeblich wertvollsten Objekte überhaupt und warum über eine Auktion?

Im Editionsgeschäft entsteht ein neuer Riese. Pace Prints schluckt Brand X, meldet Min Chen bei Artnet: „Durch diesen Schritt wird Brand X in Pace Prints integriert, doch beide Unternehmen werden ihre bestehenden Werkstätten weiterhin betreiben. Die Räumlichkeiten von Brand X in Long Island City werden die Präsenz von Pace Prints in New York stärken. Pace Prints bereitet sich außerdem darauf vor, diesen Herbst eine Galerie und eine Werkstatt in Los Angeles zu eröffnen. Die neue Organisation wird von Pace-Präsident und CEO Jacob Lewis geleitet, für den die Übernahme 'absolut Sinn macht', wie er mir sagte, und dabei darauf hinwies, dass Pace Prints und Brand X bereits seit Jahrzehnten zusammenarbeiten.“

Die Christoph Müller Stiftung verschenkt die aus noch rund 1.500 Kunstwerken bestehende Sammlung des im Jahr 2024 verstorbenen Journalisten und Sammlers. Florian Illies stellt das bisher einzigartige Projekt in der ZEIT (Paywall) vor. Museen „dürfen sich nun aussuchen, was ihnen fehlt und was sie bewegt – und was sie sich aber in dieser Zeit, in der auch öffentliche Museen mannigfaltige Probleme haben, nicht mehr leisten können, weil selbst in großen deutschen Städten wie Dresden oder Düsseldorf die offiziellen Ankaufsbudgets komplett gestrichen sind. Da wirkt diese Aktion wie ein Hoffnungsschimmer, der hoffentlich Schule machen wird. Denn ist es nicht sinnvoller, den eigenen Kunstbesitz an jene zu verschenken, die es sich selbst nie leisten könnten, aber dafür glühen? Anstatt es den eigenen Erben weiterzugeben, die das Ganze oft eher lustlos als Kunstgeschmack einer vergangenen Generation entgegennehmen und als goldgerahmte Last empfinden. Ist das nicht überhaupt ein tolles Signal in einer Gesellschaft, die sich fragt, wie gerecht eigentlich ein Erbe ist?“

Die Berlin Modern-Scheune sorgt weiterhin für schlechte Presse. Nicola Kuhn fasst den Stand der Dinge im Tagesspiegel zusammen: „Wer den halbjährlichen Report an den Haushaltsausschuss des Bundestages über die Fortschritte beim künftigen Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts liest, kann nur wieder miese Laune bekommen. […] Über dem Erweiterungsbau der Neuen Nationalgalerie steht kein guter Stern, so sehr die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Geschichte auch umdrehen möchte. Was mit veranschlagten Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro begann und jetzt bei 489 Millionen Euro steht, kann nicht schöngeredet werden, vor allem wenn der gerne abfällig 'Scheune' genannte Bau immer noch unbeliebt ist.“

Nicht nur in Deutschland, sogar in der als solide geltenden Schweiz können sich Museumsneu- oder anbauten als Geldgrab erweisen, wie Helene Obrist im Tagesanzeiger (Paywall) vor Augen führt: „Das Kunsthaus schreibt seit Jahren rote Zahlen – trotz Rekordbesuchszahlen. Sie reichen nicht aus, um den steigenden Betriebsaufwand zu decken. 2021 wurde der Chipperfield-Neubau eröffnet, seither bespielt das Museum zwei Häuser und eine Ausstellungsfläche von 11’500 Quadratmetern. Das geht ins Geld: Seit der Neueröffnung hat das Kunsthaus rund 7,4 Millionen Franken Schulden angehäuft. 'Der Aufwand für das erweiterte Kunsthaus wurde unterschätzt', schreibt der Stadtrat. Der Businessplan von 2011 sei 'zu optimistisch' angesetzt worden. Der zusätzliche Platz erforderte weitaus mehr Personal für Aufsicht, Technik und Administration. Insgesamt hat das Kunsthaus 60 Vollzeitstellen mehr geschaffen als geplant.“ Die Folgen eines Neins bei der anstehenden Volksabstimmung über eine Etaterhöhung hätten für das Haus einschneidende Konsequenzen: „Würde die Stadt die Beiträge nicht erhöhen, müssten gemäss Stadtrat und Kunsthaus gewisse Gebäude geschlossen und die genutzte Ausstellungsfläche reduziert werden.“ Die enge Verzahnung von Politik und Wirtschaft in Zürich zeigen Andreas Tobler und Yann Cherix in einem spannenden Bericht, ebenfalls im Tagesanzeiger (Paywall), auf: „Politik, Medien und Öffentlichkeit arbeiten sich an der Bührle-Sammlung ab. Die linke Wochenzeitung WOZ beschreibt die Machtlinien im Kunsthaus und schreibt 'vom rot-grün regierten Zürich, das auf altes und neues Geld trifft'. Der Satz beschreibt gut, worauf die Aufregung um die Sammlung eigentlich fusst. Der Disput ist auch ein Grabenkampf zwischen zwei Milieus, die sich in einem gemeinsamen Haus treffen und dort voneinander abhängig sind.“

Was eine Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt bedeuten würde, erzählt Annegret Laabs, die Direktorin Magdeburger Kunstmuseums, im Gespräch mit Saskia Trebing für Monopol: „Es geht um einen fundamentalen Umbau der Gesellschaft, um die Beseitigung der Kunstfreiheit. Das ist ein Paradigmenwechsel hin zu einer staatlich gelenkten Kulturpolitik. Das ist nicht weniger als Missbrauch der Kultur für ideologische Zwecke. Wir kennen das aus vielen anderen autoritär geführten Ländern. Wenn Chefideologen der AfD sagen: "Es kann doch jeder machen, was er will. Aber nicht mit dem Geld unserer Steuerzahler", dann bedeutet das in einem föderalen System am Ende nur die Abschaffung von Kultur, die nicht dem Staatsziel dient. Das ist ein Kulturkampf, und ich denke, das ist etwas, was die meisten Menschen außerhalb Sachsen-Anhalts leider noch nicht begriffen haben.“

Bei Artnet gibt es ein Gespräch zwischen dem Sammler/Händler/Schreiber Adam Lindemann und dem Betrüger Inigo Philbrick, bei dem man nicht weiß, wen von den beiden man ekliger finden soll.

Monopol startet eine englische Online-Ausgabe. Dafür hat das Magazin die ehemalige Artnet-Redakteurin Kate Brown gewonnen.

Den Preis der österreichischen Sektion des Kritikerverbands Aica für junge Kunstkritik erhält Lena Holzer, meldet Artmagazine. Herzlichen Glückwunsch!