Kobels
Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt von Stefan Kobel. Jede Woche neu. Newsletter abonnieren

Streit um Kunst im öffentlichen Raum in Frankfurt; Foto Stefan Kobel
Streit um Kunst im öffentlichen Raum in Frankfurt; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 33 2026

Die Aspen Art Fair in einem Hotel mit 38 hochkarätigen Ausstellern sei als Anker der dortigen Art Week erfolgreich, urteilt Min Chen bei Artnet: „Das Tempo auf der Messe war ganz im Stil von Aspen. Die Händler beschrieben eine intime, fast schon gemächliche Atmosphäre, in der die Käufer lange bei den Werken verweilten und sich ausgiebig unterhielten. Sammler wie Barbara und Bruce Berger sowie Sharon und John Hoffman waren anwesend, ebenso wie die Künstler Hank Willis Thomas, Cheryl Pope, Dustin Yellin und Jewel. Bei der VIP-Eröffnung der Messe am Mittwoch sagte Thomas Kelly von der Sean Kelly Gallery, er habe sich an seinem Stand gut 20 Minuten lang mit dem Sammler Jorge Pérez unterhalten können, ohne 'in zehn verschiedene Richtungen gezogen zu werden'.“

Neben Hongkong, Shanghai und Peking entwickle sich mit Hangzhou eine vierte Kunstmetropole, erklärt Xintian Wang im Observer: „Mit der China Academy of Art (CAA) als Anker und dank privater Finanzmittel aus den Bereichen Technologie, Fertigung und Handel entwickelt sich Hangzhou still und leise zu einem der dynamischsten Zentren für zeitgenössische Kunst in China. Seit dem Start der Hangzhou Art Week im Jahr 2024 und der Verdreifachung der Anzahl unabhängiger Kunsträume nach der Pandemie hat die Stadt ein Ökosystem aus von Künstlern geführten Initiativen, diskreten Sammlern und experimentellen Institutionen gefördert, das fest im Alltag verwoben ist.“

Die im Vergleich zu den Vorjahren stark angestiegenen Umsätze der großen Auktionshäuser in der ersten Jahreshälfte sind vor allem durch herausragende Nachlässe zustande gekommen. In der jüngeren Vergangenheit war oft zu hören, dass der Auktionshandel nicht an fehlendem Interesse, sondern unter einem Mangel an hochwertigen Einlieferungen leide. Das ändere sich gerade, analysiert Daniel Cassady von Artnews: „Der Tod hat begonnen, dieses Problem zu lösen, und das ist wohl kein einmaliger Zufall. Wir befinden uns in der Anfangsphase des sogenannten 'Great Wealth Transfer', bei dem Vermögenswerte in Höhe von Dutzenden Billionen Dollar von der 'Silent Generation' und den Babyboomern an ihre Erben der Generation X, der Millennials und der Generation Z übergehen werden. [...] Vor zehn Jahren machten Käufer unter 40 laut Lissner weniger als 10 Prozent der Käufer bei Sotheby’s aus. Heute sind es etwa 20 Prozent. Die interessante Frage ist also nicht, ob die aktuelle Generation großer Sammler sterben wird. Zuckerman, der seit den 1970er Jahren im Auktionsgeschäft tätig ist, gab darauf die am wenigsten sentimentale Antwort: 'Es gibt einen unerschöpflichen Vorrat an Nachlässen mit Kunstbesitz.' Die Frage ist vielmehr, ob die nächste Generation daran interessiert ist, das zu kaufen, was zum Verkauf steht.“ Und wie viele der über Jahrzehnte zusammengetragenen Kunstwerke ein Markt aufnehmen kann, der in der Zwischenzeit schon wieder neue Stars produziert hat und immer weiter produziert. Irgendwann wird möglicherweise der Punkt kommen, an dem ein Rothko, der nicht ganz AAA-Museumsqualität hat, nicht mehr zu einem achtstelligen Betrag abzusetzen ist. Dann könnte es ganz schnell zu einer Abwärtsspirale kommen.

Gustave Courbets wirtschaftliches Erfolgsrezept erklärt Sabien B. Vogel in der WeLT anlässlich seiner Ausstellung im Essener Folkwang Museum: „Courbet agierte wie ein Unternehmer. Er suchte den direkten Kontakt zu Sammlern, bestand auf einer eigenständigen Preisgestaltung beim Verkauf seiner Bilder, organisierte seine eigenen Ausstellungen und betrieb eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit. [...] Seine sozialistischen Ideen hinderten Courbet keineswegs daran, auch den kapitalistischen Kunstmarkt zu bedienen. Das erforderte Erfindungsreichtum. Denn damals gab es noch keine Galerien in unserem heutigen Sinn und nur wenige Kunsthändler. Aufträge und Verkäufe liefen über den Staat und die strengen Salons der Kunstakademie. Diese Salons waren in einer Zeit, in der Museen noch keine Wechselausstellungen zeigten und Kunsthallen noch nicht existierten, die wichtigsten Präsentations- und auch Verkaufsorte – reguliert von mächtigen Akademieprofessoren, die als Jurymitglieder über den Stand der Kunst wachten.“

Von hinten durch die Brust ins Auge berichtet Literatur-Redakteur Andreas Platthaus in der FAZ vom 8. August von einem kalifornischen Antiquariatsangebot mit erlesenen Goethiana: „Und damit ist dieses 'Römische Carneval' nicht einmal das teuerste Buch im ersten Katalog einer amerikanischen Antiquariatsgalerie, die sich den Namen 'Atelier Zweig' gegeben hat (in deutscher Schreibweise, denn damit soll Stefan Zweig geehrt werden, der ja auch ein großer Bibliophiler war). [...] Das nun in Los Angeles angebotene ist das letzte in Privatbesitz; es stammt, wie fast das ganze Katalogangebot, aus der Sammlung von Heribert Tenschert, dem seit vielen Jahrzehnten bedeutendsten Antiquar des deutschen Sprachraums, der über das neue Atelier Zweig den amerikanischen Markt vor Ort erreichen will.“ Statt das marktbekannte Angebot eines Katalogs wortreich zu referieren, wäre es vielleicht interessanter gewesen, mit Tenschert über seine Entscheidung zu sprechen, ein (Online-) Angebot speziell für den amerikanischen Markt zu entwickeln. Ungefähr die Hälfte der im Online-Katalog angebotenen Objekte weist die „Heribert Tenschert Collection“ als Provenienz aus. Ein Großteil der nicht dazu gehörigen Bücher kostet dreistellig. Die Inhaber des Atelier Zweig Oda Victoria Reitan und Elian Pres-Gurwits weisen für Antiquare sehr außergewöhnliche Lebensläufe aus. Die Geschichte dahinter wäre möglicherweise die eigentliche Geschichte.

50 Millionen Euro soll die Renovierung der Uffizien in Florenz kosten, berichtet Chiara Dino im Merkur: „Das Projekt von Direktor Simone Verde, seine Vision der Galerie Uffizien in Florenz zu verwirklichen, nimmt Gestalt an. Das Maßnahmenpaket umfasst zahlreiche Großprojekte. Ziel ist es, in rund zwei Jahren fertig zu werden, wenn im Jahr 2028 die Baustellen der 'Neuen Uffizien', die 1989 begonnen wurden, endgültig abgeschlossen sein sollen.“ Rund 2,4 Millionen Euro sollen in Einführungsräume investiert werden: „Diese sollen einem Publikum, das, wie die Verantwortliche Simona Pasquinucci sagte, 'immer weniger vorbereitet ist', erste Grundlagen der Kunstgeschichte vermitteln.“

Das Geschäft mit Privatführungen durch Museen und ähnlichen exklusiven Kulturerlebnissen beschreibt Daniel Grant im Observer: „Wendy Perrin, eine ehemalige Redakteurin bei Condé Nast Traveler, die mittlerweile eine Reise-Website mit Informationen zu Spezialtouren betreibt, hat eine nach Regionen geordnete Liste mit geprüften 'Fixern' vor Ort zusammengestellt, die private Reiserouten maßgeschneidert zusammenstellen können. Die Besuche der beliebtesten Sehenswürdigkeiten dauern zwischen zwei Stunden und einem halben Tag oder einem Abend, und die Preise hängen von vielen Faktoren ab, darunter 'wie viel und welche Art von Sonderzugang du dir wünschst', sagte sie dem Observer. Manche Reisende wünschen sich eher ein À-la-carte-Erlebnis – ein bisschen von diesem, ein bisschen von jenem –, während andere 'eine umfassendere, mehrtägige Reise mit Rundum-Betreuung' suchen, die 10.000 Dollar oder mehr kosten kann, je nachdem, ob das Museum nachts extra für sie geöffnet wird oder ob der Chefkurator die Führung übernimmt.“

Skandal oder Sommerloch? Hessische Medien haben die angeblich fragwürdigen Umstände um die Beauftragung der Installation "A Sky Full of Hope" der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman im Rahmen der World Design Capital über der Konstablerwache in Frankfurt als Thema entdeckt. Der Hessische Rundfunk geht es mit Beiträgen in der Hessenschau scheinbar neutral an: „Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) argumentiert im hessenschau-Interview, es sei Geld, 'das im Stadtmarketing gewissermaßen übrig war für die Illumination unserer Stadt'. Es werde deswegen nicht an anderer Stelle gespart. Wer hat Recht? Das Geld wurde für den Zweck der Illumination gesichert, für den es auch ursprünglich vorgesehen war. Insofern liegt die Dezernentin richtig. Aber: Werden Restmittel nicht verwendet, dann verschwinden sie nicht einfach – sie werden weder im Kamin verbrannt noch an die Steuerzahler zurückgezahlt, wie ein Sprecher des Frankfurter Finanzdezernates auf hr-Anfrage klarstellt. Sie stehen der Stadt weiterhin zu Verfügung und müssen neu verplant werden.“ Als Zeugen lässt der Autor Tobias Lübben einen lokalen Großkünstler auftreten: „Genau das stört den Frankfurter Installationskünstler Tobias Rehberger, der auch Professor an der Städelschule für bildende Künste ist. Frankfurt sei die x-te Stadt, in der nun eins von Echelmans Netzen hänge, 'was meiner Ansicht nach so kitschig ist wie Leuchtleisten, die es mittlerweile in einem Mercedes gibt, wo man auch noch die Farbe wechseln kann'.“ Das klang im Februar noch ganz anders, als die Hessenschau noch deutlich freundlicher berichtete: „Frankfurt setzt mit der Skulptur auf Atmosphäre als Impulsgeber – und darauf, dass ein farbig leuchtendes Kunstwerk sich positiv auf eine der widersprüchlichsten Ecken der Innenstadt auswirkt. 'Das ist ein hehrer Anspruch', findet Historiker [Christian] Setzepfandt. Für eine dauerhafte Veränderung brauche es städtebauliche und ordnungspolitische Maßnahmen. Er rät, das Projekt als Experiment zu betrachten – und am Ende ehrlich zu prüfen, was es wirklich verändert. Und als Experiment sieht es auch Echelman selbst. Ihre Installation 'A Sky Full of Hope' wird kommen. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“ Die Frankfurter Neue Presse und Alexander Jürgs in der FAZ (Paywall) lassen vox populi unkommentiert in Artikeln freien Lauf, in denen es allerdings meist eher um die Summe (2,3 Mio. Euro) oder den Kunstcharakter des Werks geht („Taubenschissfänger“, „Völlig sinnlos, ein Witz“). An der Faktenlage hat sich seit Februar allerdings nichts geändert. Man hätte also ausreichend Zeit gehabt, sich in Förder-, Vergabe- und Haushaltsrecht und -praxis einzuarbeiten, anstatt das Thema ein halbes Jahr liegen zu lassen und dann mit Empörungsjournalismus die Saure Gurken-Zeit aufzupeppen. Auf das Konto welcher Partei wird diese Art der Berichterstattung wohl einzahlen?

Russland hat in der Region Cherson mit einer Drohne die letzte kosakische Holzkirche des 18. Jahrhunderts zerstört, melden Yevhen Fomin auf der die ukrainischen Nachrichtenseite MOCT und Sophia Kishkovsky im Art Newspaper.

Die Perspektiven des Steidl Verlags nach dem überstandenen vorläufigen Insolvenzverfahren erörtert Simon Bainbridge im Art-Journal: „Die Verhandlungen mit potenziellen Investoren liefen tatsächlich schon lange vor dem Gerichtsverfahren im Juli und haben sich laut Steidl in letzter Zeit beschleunigt. Zwölf ernsthafte Investoren haben nun Interesse bekundet, die Zukunft des Verlags zu sichern. 'Das Verlagswesen in Deutschland steht derzeit unter enormem Druck, und wir wurden von einer Reihe verschiedener Probleme getroffen', sagt Steidl in seinem Interview mit Deutschlandfunk Kultur. 'Das größte Problem für uns ist, dass … 95 Prozent unserer Bücher exportiert werden.'“

Mit Courtney Willis Blair, Sukanya Rajaratnam und Jessie Washburne-Harris verlassen drei Top-Leute White Cube New York, meldet Katya Kazakina bei Artnet (evtl. Paywall): „Der Vertreter von White Cube wies die Vermutung zurück, die drei Abgänge seien ein Zeichen für Kosteneinsparungen oder Personalabbau, und verwies auf die mehr als 30 Mitarbeiter, die weiterhin in der Galerie an der Upper East Side beschäftigt sind, sowie auf das bevorstehende Programm, das bedeutende Einzelausstellungen umfasst“. Einzelausstellungen sind allerdings das Tagesgeschäft aller Galerien; die Einlassung wirkt in diesem Zusammenhang wie eine mit links geworfene Nebelkerze.