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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Art Cologne 2026; Foto Stefan Kobel
Art Cologne 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 46 2026

Dass eine Kunstmesse mehr sein kann als eine reine Verkaufsschau, hat Bundeskulturminister Wolfram Weimer laut dpa anlässlich seines Besuchs der Art Cologne erklärt: „Der Bund habe ein Interesse daran, dass die älteste Kunstmesse der Welt wachse und eine noch größere Strahlkraft entfalte, sagte Weimer zur Eröffnung der Art Cologne in Köln. Galeristen und Künstler nähmen die Messe 'als Verdichtungsort ihres Schaffens und ihrer Leidenschaft an'. Zum 60-jährigen Bestehen der Art Cologne 2027 wolle der Bund seine bisherige Unterstützung erweitern und vertiefen. Genaueres dazu müsse in Gesprächen mit allen Beteiligten noch erarbeitet werden. Vorstellbar sei zum Beispiel ein Kongress, der Begegnungen von Kunst und Politik ermögliche, sagte Weimer auf dpa-Nachfrage.“

Guter Dinge ist Helga Meister in der Rheinischen Post (Paywall): „Die Art Cologne ist auch im 59. Jahr ihres Bestehens ein Erfolgsmodell. „Das Geschäft ist schwierig, aber es macht Spaß“, resümiert Messechef Daniel Hug. Er blickt vorsichtig zuversichtlich auf den Markt, der sich weitgehend konsolidiert hat, auch wenn die Herausforderungen bleiben. Der deutsche Kunstmarkt wird nicht von reichen Spekulanten, sondern von einer breiten Mittelschicht getragen. Und zum 60. Jubiläum in der neuen Confex-Halle im nächsten Jahr verspricht Kulturstaatsminister Wolfram Weimar zu helfen, damit die älteste Kunstmesse der Welt noch eine größere Strahlkraft entfaltet. Nach einem flauen Beginn bei einer privaten Preview wurde es am Wochenende richtig voll. Am Samstag meldete Hug den ersten Verkauf in Millionenhöhe“.

Vorsichtig optimistisch äußert sich Georg Imdahl zur Art Cologne in der FAZ, auch mit Blick auf Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: „Der war als erster Inhaber dieses Amts angereist, um bei der 59. Ausgabe ein Grußwort an die Presse zu richten und Unterstützung in vager Rhetorik zu signalisieren. Allerdings ist Weimer nicht im Bild, wenn er helfen will, die Messe „größer zu machen“, eine „Perspektive des Wachsens“ zu eröffnen, denn darum geht es hier nicht: Der Umfang mit diesmal 160 Ausstellern aus 22 Ländern ist nicht das Problem der Art Cologne – eher besteht es in der enormen internationalen Konkurrenz aller Gewichtsklassen, gegen die es sich zu behaupten gilt […] Ob mit oder ohne staatlichen Support, ob mit dem neuen VIP-Mittwoch für geladene Gäste oder nicht – Köln kann eine fiebrige ökonomische Hitze längst nicht mehr entfachen, wie sie in Basel oder Paris und anderswo erzeugt wird. Aber das ist inzwischen ja auch hinlänglich bekannt. Es geht also um realistische Erwartungen, mit denen man anreist. Und siehe da: Nach wie vor finden sich auf der Art Cologne sehenswerte Stände“.

Mit dem Messedirektor Daniel Hug hat sich Regine Müller für das Handelsblatt vom 6. November im Vorfeld der Messe unterhalten: „Eine generelle Beobachtung: 'Seit der Pandemie haben sich Messen weltweit regionalisiert', so Hug. Für Köln galt allerdings immer schon, dass sich dort traditionell die rheinischen und deutschen Sammler treffen und alle Jahre wieder ein Kunstwerk kaufen. Hug ist generell optimistisch: 'Ich habe das Gefühl, dass der Kunstmarkt in Deutschland im Allgemeinen noch stabil ist. Sicher, manche Galerien schließen, aber es machen auch immer wieder neue Galerien auf.' Im Konzert der großen Messen hält er die Art Cologne nach wie vor für die 'wichtigste Messe im deutschsprachigen Raum'.“ Abgesehen von Basel, vielleicht – was aber unwidersprochen bleibt.

Ideenlosigkeit wirft Alexandra Wach der Art Cologne im Tagesspiegel (evtl. Paywall) vor: „Ist das ein Zeichen von fehlendem Instinkt oder schlicht Neid auf Großmessen vom Schlage einer Art Basel Paris, die sich vor Superreichen nicht retten kann? Soll doch die Jugend halb Europas gerade auf die Barrikaden gehen, der Art Cologne fällt nichts Besseres ein, als einen protzigen, aber immerhin vollelektrischen Jaguar Typ 01 in den Eingang zu stellen. Dazu passt auch eine Neuerung der 59. Ausgabe, die sich Direktor Daniel Hug wohl bei den Parisern abgeschaut hat: eine Preview vor der Preview. Sammler der exklusiven A-Klasse durften schon am Mittwochnachmittag herbeiströmen, was zur Folge hatte, dass am Donnerstag die Gänge durchlässig blieben. Bleibt zu hoffen, dass dieses selbst verschuldete Manko nicht auch nächstes Jahr in dem Confex-Center und der Halle 1 der Koelnmesse droht, wohin die Art Cologne umziehen wird.“ Aus der Platzierung eines grottenhäßlichen Klumpens High Tech-Metall durch einen Sponsor eine moralische Verpflichtung der Messe abzuleiten, zu Jugendprotesten in Paris und anderswo Stellung zu beziehen, wirkt schon ein bisschen weit hergeholt. Die A-Klasse ist übrigens nach landläufigem Verständnis eine Kompaktwagen-Modellreihe von Mercedes-Benz und bestenfalls noch eine andere Bezeichnung der Kreisklasse im Fußball.

In Vorlage war da schon Michael Kohler im Kölner Stadt-Anzeiger gegangen, der tags zuvor gefragt hatte: „Wer will es den Zaungästen des heutigen Kunstmarkts auch verdenken, dass sie diesen nicht für einen grundlegenden Teil der Kunstwelt, sondern für ein Anhängsel der Luxusgüterindustrie halten? Schließlich leben die großen Marktteilnehmer, von den internationalen Auktionshäusern bis zur Art Basel in all ihren über den Erdball verstreuten Versionen, nicht erst seit gestern davon, die Grenzen zwischen Kunstwerk und Trophäe zu verwischen.“ Medien könnten dagegenhalten. Zum Beispiel, indem sie nicht jeden Gaga-Preis, der für ein Kunstwerk bezahlt wird, mit Schlagzeilen wie „Der Kunstmarkt boomt“ begleiten, sondern ihn einordnen in einen Gesamtzusammenhang. Berichterstattung über die Autobranche wird ja auch nicht andauernd mit Exzessen wie dem Rolls-Royce La Rose Noire Droptail (28-30 Mio. Euro) garniert.

Ich war für Artmagazine in Köln und habe in der Tagesschau etwas über den Sammlernachwuchs sagen dürfen.

180 Millionen US-Dollar ohne Aufgeld soll Van Goghs Gemälde „Châtaigniers en fleurs“ bei Sotheby's in New York einspielen. Im Vorfeld der Herbstauktionen analysiert Ursula Scheer für die FAZ vom 7. November die Lage der großen Auktionshäuser dort: „Der anvisierte Gesamtumsatz: 1,1 Milliarden Dollar, etwa so viel wie im vorjahr. Seit vergangenem November und Mai, als die Großversteigerungen in New York nach der Post-Covid-Baisse wieder beste Ergebnisse lieferten, können die Auktionatoren für Höchstpreiskunst vor Kraft wieder kaum gehen, scheint es – während die Galerien je nach Segment eher leise treten. Die New Yorker Prestigeauktionen werden erweisen, ob die Versteigerer weiterhin dynamisch auf hohem Niveau vorausmarschieren, oder ob sie womöglich da und dort doch straucheln. […] bei Phillips, dem kleinsten der großen Auktionshäuser, knirscht es derweil. An der Performance kann es nicht liegen: Die Maiauktionen in New York liefen außerordentlich gut, nicht ein einziges Los der Abendversteigerung blieb liegen. In der Führungsebene unter dem 2024 installierten CEo Martin Wilson aber gab es zuletzt immer wieder Abgänge.“

Die Herbstsaison in deutschen Auktionshäusern bietet einige Gemälde von Carl Spitzweg. Brita Sachs beleuchtet in der FAZ vom 7. November die Marktlage für den Spätromantiker: „Im Jahr 2000 erzielte eine Version seines 'Ewigen Hochzeiters' einen Hammerpreis von umgerechnet 1,2 Millionen Euro, auch hier ging es um eine Spitzweg-'Ikone' – das vergebliche Bemühen eines jungen Stenzes um ein einfach gekleidetes Mädchen, unter der scharfen Beobachtung von Wäschermädchen und einer Matrone. Der Zuschlag bei Neumeister in München war das beste je erreichte Auktionsergebnis für ein Gemälde des Künstlers und blieb ein Ausreißer. Ein Blick auf die Liste der Versteigerungen seit 2010, die auf der Datenbank Artprice nachzulesen ist, zeigt jedoch bei wenigen Rückgängen häufig gute Steigerungen über die Obertaxe hinaus. Derzeit reicht die Preisspanne von etwa 10.000 Euro bis in den mittleren und unteren sechsstelligen Bereich, abhängig von Sujet, Malweise oder Provenienz.“

Der angeschlagene Pace-Konzern habe nach eigenen Angaben den Turnaround geschafft, schreibt Hikmat Mohammed bei Artnews: „'Wir haben die Talsohle hinter uns, wir hatten gerade eine Rekord-Kunstmesse auf der Art Basel Paris und unsere Ausstellungen, vor allem von jungen Künstlern, waren ausverkauft – es wendet sich alles zum Guten', sagte er am Montag in einem Telefoninterview mit ARTnews und merkte an, dass das Unternehmen bereits wieder schwarze Zahlen schreibt und 'ziemlich bald' einen neuen Standort in Europa eröffnen wird.“ Die großen Unternehmen können halt je nach Geschäftslage skalieren. Wenn es denn so stimmt, wie CEO Marc Glimcher erzählt.

Hessen geht einer dpa-Meldung zufolge voran bei der Restitution kolonialer Objekte: „Das Museum Wiesbaden gibt laut hessischem Kulturministerium als erstes deutsches Museum menschliche Überreste aus der Kolonialepoche an Indonesien zurück. Die zehn Schädel werden am Dienstag (10.11.) in der Landeshauptstadt 'in einem feierlichen Akt Vertretern der indonesischen Regierung überreicht', hieß es.“

Gute Nachrichten für den europäischen Kunsthandel hat Naomi Rea bei Ocula: „Die Europäische Kommission wird das Risiko von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf dem Kunstmarkt bald herabstufen, obwohl sie zuvor neue Richtlinien und spezialisierte Polizeieinheiten empfohlen hatte, um das 'hohe' Risiko anzugehen. Laut dem Protokoll einer Sitzung der Experten-Untergruppe zum Dialog mit dem Kunstmarkt, über das die 'Financial Times' als Erste berichtete, soll die Gefahrenstufe in der bevorstehenden supranationalen Risikobewertung (SNRA) der EU-Behörde zu Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, die noch vor Ende 2026 veröffentlicht werden soll, von 'hoch' auf 'mäßig' herabgestuft werden.“ Erstaunlich, dass eine Branche, die weltweit ungefähr so viel umsetzt wie der Autohersteller Audi allein und in Deutschland etwa so viel Geld bewegt wie TEDI oder Fielmann, gar kein bevorzugtes Vehikel für Geldwäsche oder Terrorfinanzierung zu sein scheint.

Den Niedergang des einst führenden Kunstzeitschrift Artforum beschreibt Travis Jeppesen, ein ehemaliger Redakteur des Magazins bei Tablet: „17 Jahre lang hatte ich regelmäßig für Artforum geschrieben, und 17 Monate lang hatte ich als leitender Webredakteur in Vollzeit gearbeitet. Doch nach einer qualvollen Zeit, in der ich den Niedergang des Magazins miterleben musste – begünstigt durch giftige Büropolitik, eine in Mittelmäßigkeit versunkene redaktionelle Kultur und zahlreiche Zensurmaßnahmen – sowie nach der unangenehmen persönlichen Erfahrung, Ziel einer Kampagne passiv-aggressiven Verhaltens seitens der neuen Chefredakteurin gewesen zu sein, kam ich zu dem schmerzhaften Schluss, dass Artforum im Grunde genommen tot ist. Zwar mag es weiterhin monatliche Ausgaben oder 'Inhalte' auf einer Website mit seinem Logo herausbringen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass es jemals seinen einst so gepriesenen Status zurückerlangt, scheint gleich null zu sein. Und das aus dem einfachen Grund, dass die Grundfesten der Publikation – sowohl was die Führung, als auch die redaktionelle Integrität betrifft – bis ins Mark verfault sind. […] Vor ein paar Monaten hat Penske Media etwas getan, was sie Artforum versprochen hatten, niemals zu tun: Sie haben die Büros von ARTnews und Art in America auf die Etage von Artforum in ihrer Zentrale in Manhattan verlegt. Die drei Publikationen teilen sich nun alle dasselbe Büro. Man muss sich nicht den Kopf zerbrechen, um herauszufinden, was als Nächstes passieren wird.“

Ein Beispiel dafür, wie Medien zum Teil heute funktionieren, scheint immer noch und schon wieder meine Berichterstattung zur Wiener Galerieszene zu sein. Nachdem die ersten Reaktionen schon vor vier Wochen einliefen, hat das Art Newspaper (evtl. Paywall) Melanie Gerlis das Thema aufgreifen lassen. Bei Artnews macht dann Brian Boucher daraus wiederum „Zwei weitere Wiener Galerien schließen“, als wäre die (bereits erfolgte) Schließung von Exile und Zeller van Almsick eine Neuigkeit.