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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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MIA Phot Fair BNP Paribas Mailand; Foto Stefan Kobel
MIA Phot Fair BNP Paribas Mailand; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 13 2026

Nach langen Zögern hat die Art Dubai beschlossen, ihre im April anstehende Ausgabe nicht abzusagen, sondern in angepasster Form Mitte Mai auszutragen, ist ihrer Webseite zu entnehmen: „Wir planen, die Art Dubai 2026 in einem angepassten Format im Madinat Jumeirah vom 14. bis 17. Mai 2026 durchzuführen. Diese Ausgabe wird in einem fokussierteren und flexibleren Format stattfinden und Galerien, Künstler sowie Institutionen durch eine Kombination aus Präsentationen, Kooperationen und öffentlichen Veranstaltungen zusammenbringen.“

Darüber hinaus gehe die Messe beim Preismodell neue Wege, berichtet Melissa Gronlund im Art Newspaper (evtl. Paywall): "Auch das Finanzierungsmodell wird angepasst. Laut der E-Mail müssen die teilnehmenden Händler bei dieser Ausgabe keine Standgebühren entrichten, sondern zahlen stattdessen einen Prozentsatz ihres Umsatzes, der jedoch auf den Gegenwert der Standgebühr begrenzt ist. Die Standpreise für die Art Dubai 2026 betragen 739 US-Dollar pro Quadratmeter (zzgl. MwSt.) – sie reichen von etwa 15.000 US-Dollar für einen kleinen Stand bis zu etwa 60.000 US-Dollar für einen großen Stand. Galeristen, die nicht an der Ausgabe 2026 teilnehmen möchten, müssen dennoch eine Standgebühr im Voraus entrichten, die auf die Ausgabe 2027 angerechnet wird."

Eine stetig ernstzunehmend werdende MIA Photo Fair BNP Paribas hat Silvia Anna Barrilà für Il Sole 24 Ore erlebt: „Es nahmen 111 Aussteller teil, darunter 76 Galerien (genauso viele wie im Vorjahr), 27 internationale Aussteller und 24 Erstaussteller. Die Veranstaltung zog sowohl bei der Vernissage am Mittwoch, dem 18. März, mit 2.500 Besuchern als auch an den Eröffnungstagen eine große Zahl von Besuchern an. Wie im Vorjahr hat die Qualität der Veranstaltung zugenommen, auch wenn sie nach wie vor uneinheitlich ist und an kleinen Ständen manchmal nicht ausreichend zur Geltung kommt. Auch die Stadt engagiert sich zunehmend mit einem Off-Programm aus Ausstellungen und Fotoprojekten, die auch Orte einbeziehen, die üblicherweise nicht für Kunst genutzt werden“. Für die Wiener Presse (Paywall) war Sabine B. Vogel in Mailand und ich für Artmagazine.

Das Schwinden der US-amerikanischen Marktdominanz in einigen Nischen streift Martin Moeller-Pisani in einem Interview mit Ursula Scheer für die FAZ vom 21. März im Vorfeld des Salon du Dessin in Paris: „Seit meiner Teilnahme am Salon habe ich nicht mehr in New York ausgestellt, weil die wichtigsten amerikanischen Museumsvertreter und Sammler im März nach Paris kommen. Letztes Jahr habe ich über zwanzig Kuratoren allein aus deutschen Kupferstichkabinetten getroffen. Das Publikum auf dem Salon du Dessin ist international, aber die große Begeisterung der französischen Besucher für das Thema Handzeichnungen macht diese Messe unvergleichbar.“

Die großen Pläne der Murdochs – MCH-Großaktionär James und seine Frau Kathryn – enthüllt Nate Freeman bei Vanity Fair: „'BASEL PROJECT' war ein Codename für das, was ich nun als „Futurific Institute“ bezeichnen darf. Die mir nahestehenden Quellen, mit denen ich gesprochen habe, machten keinen Hehl von den Ambitionen, die dahinter stehen. Das Festival soll 2028 an den Start gehen und wird in Basel in der Schweiz stattfinden, einige Monate nach der Kunstmesse, wobei das sommerliche Klima des Rheinlandes genutzt wird, um unmittelbar mit den Konferenzen der Vordenker in den schicken Bergstädten zu konkurrieren: dem Stiftung Davos Festival, dem Aspen Ideas Festival, der Allen & Company Sun Valley Conference usw. [...] Es wird ein völlig eigenständiges Unternehmen mit einer anderen Mission als die Art Basel sein, doch die Kunstinfrastruktur der Stadt wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Und es ist das einzige Ideenfestival, das Insider mit der Biennale in Venedig verglichen haben. Ich erwähnte die Friedensgespräche. Mir wurde deutlich gemacht, dass Basel seit langem ein Ort ist, an dem sich die Staats- und Regierungschefs der Welt wohlfühlen, um Wege der Zusammenarbeit auszuloten – vielleicht bei üppigen Raclette-Essen.“

Mögliche Auswirkungen der mutmaßlichen Enttarnung Banksys auf seine Stellung im Kunstmarkt diskutiert Ursula Scheer in der FAZ (Paywall): „Banksy oder Cunningham oder Jones konnte als Anonymus das System bedienen, scheinbar ohne Teil von ihm zu werden, entzog sich juristischer Verantwortung, institutioneller Kontrolle und der Celebrity-Kultur. Ein nicht mehr anonymer Banksy könnte Urheberrechte geltend machen, aber auch wegen Beleidigung oder Vandalismus belangt werden. Wie Behörden in Venedig vorgehen, wenn er wieder ein historisches Gebäude besprayte, hinge wohl davon ab, ob er seine Aura als Künstler bewahren kann. Wird die Liebe zu ihm entschwinden wie der Herzluftballon auf 'Love is in the Bin', wenn statt eines Phantoms ein weißer, mittelalter Durchschnittsengländer irgendwo Bilder hinterlässt? Dafür ist Banksy zu berühmt und schon zu lange als mutmaßlicher Cunningham enttarnt.“ Auf alle Fälle könn eer jetzt seine Urheberrechte (und Folgerecht) geltend machen.

Aus seinem Paralleluniversum meldet sich Ulf Poschardt in der WeLT (Paywall) mit einer wunderlichen Begründung, warum Wolfram Weimer gescheitert sei: „Nicht, weil es an politischer Überzeugung fehlte oder am Tatendrang, sondern schlicht und ergreifend, weil es dem Bürgertum an der richtigen Analyse mangelt – und ebenso am kulturell-ästhetischen Handwerkszeug, das dringend erforderlich wäre, um sich in einem durch linke Vorgänger auf einzigartige Weise konstruierten, nahezu feudalen Gefüge zurechtzufinden.“ Dem Mann ist dabei nicht einmal entgangen, dass in den letzten 20 Jahren das Amt des Kulturstaatsministers 16 Jahre lang mit CDU-Leuten besetzt war. Doch die seien der Linken quasi hörig gewesen. Wenn CDU-Mitgliedschaft jetzt als links gilt, sind wir schon viel weiter als befürchtet. Sein vermeintlich bürgerlicher Fiebertraum endet mit der radikalen Forderung: „Bürgerliche Politik hat keine Chance, wenn sie dem etablierten Kulturbetrieb, den ÖRR und den NGOs nicht die staatliche Finanzierung entzieht.“ Schade um die Richard-Wagner-Festspiele, die Staatsoper Unter den Linden, das Pergamonmuseum und den Zentralrat der Juden.

Licht in den dicht gewalkten Berliner CDU-Filz zu bringen, versucht Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung (Paywall) : "Es sind Tausende Seiten, die einerseits die schöne, abkürzungsreiche Textbausteinsprache der Verwaltung, andererseits aber auch energische Machtausübung dokumentieren und, nach einem internen Antikorruptionsgutachten, das der Berliner Zeitung vorliegt, Regelverletzungen bis zur groben Fahrlässigkeit belegen. Wenn dem so wäre und dadurch ein Schaden für das Land entsteht, könnte die Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson persönlich dafür haftbar gemacht werden. Die Berliner Staatsanwaltschaft will nicht bestätigen, dass bereits ein Anfangsverdacht geprüft wird, wie der Tagesspiegel ohne Quellenangabe berichtete." Wobei die parteilose Wedl-Wilson den Augiasstall ja nur geerbt hat und von einigen seiner Bewohner unter Druck gesetzt worden sein soll. Über das aktuelle Thema hinaus, zeigt der Artikel aber auch, wie Verwaltungshandeln funktioniert, was wiederum erklärt, warum vieles in Deutschland so läuft, wie es läuft, oder eben auch nicht. Die AfD macht sich übrigens diese Verwaltungsstrukturen zunutze, indem sie Sand ins Getriebe streut, wo sie nur kann, um hinterher mit dem Finger auf "die Altparteien" wegen deren vermeintlicher Untätigkeit zu zeigen.

Der US-amerikanische HEAR-Act zur Restitution könnte gravierende Folgen auch in Deutschland und für den Leihverkehr haben, berichtet Simon Emmerlich in BR24: "Tatsächlich fassen die USA die Möglichkeit für Klagen, auch durch ausländische Staatsbürger, nun sehr weit. Einzige Voraussetzung ist, dass die beklagte kulturgutbewahrende Institution kommerzielle Aktivitäten in den USA verfolgt. Das dürfte in vielen Fällen etwa durch Leihgeschäfte zwischen Museen gegeben sein. Hinzu kommt, dass es – anders als im deutschen Recht – in den USA bei NS-Verbrechen keine Verjährung gibt."

Die spektakuläre Pleite der Münchener Porzellanhandlung Röbbig ist der Sächsischen Zeitung eine ganze Seite wert, auf der Ulrich Wolf, Jakob Hammerschmidt und Oliver Reinhard die Ergebnisse ihrer Recherchen ausbreiten: „Den Insolvenzantrag vom Juni 2025 begründet [Insolvenzverwalter Dino] Straub mit 'seit Längerem bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Eigentümers'. Die Umsätze seien seit 2022 stark zurückgegangen. Außerdem gebe es „Nachforderungen des Finanzamtes in Millionenhöhe“. Er bezifferte die Schulden bei den bislang 39 registrierten Gläubigern auf 17 Millionen Euro, von denen er bislang 2,8 Millionen Euro akzeptiert habe.“ Wie sie den Dreh zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der heutigen Porzellanmanufaktur Meissen finden, mag sich jedoch nicht erschließen.

Yves Bouvier steht mal wieder vor Gericht, meldet Vincent Noce im Art Newspaper (evtl. Paywall) Es geht immer noch um verschwundene Picassos.

Den verstorbenen Sammler Egidio Marzona würdigt Gesine Borcherdt in der WeLT vom 21. März: „Doch die Eröffnung des Archiv der Avantgarden im Mai 2024 wurde von einer Tragödie überschattet: Marzonas Sohn, der Galerist und Kunsthistoriker Daniel Marzona, war nur zehn Tage zuvor überraschend verstorben. Ein Schlag, von dem sich der Vater nicht mehr erholte. Egidio Marzona starb am 15. März. Mit ihm geht nicht nur ein einzigartiger Sammler, sondern einer, dessen Intellekt und Intuition ihm auf untrügliche Weise den Weg durch das Kleingedruckte der Kunstgeschichte wiesen. Sein Stil, sein Spürsinn und sein leiser Sinn für Humor werden fehlen.“