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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Neues Domizil der David Nolan Gallery, New York; Foto Privat
Neues Domizil der David Nolan Gallery, New York; Foto Privat
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 36 2026

Das Ende des Sommers markiert in Frankreich die Rentrée Ende August, dem traditionellen Austragungsdatum der Art-o-Rama in Marseille, von der Laura Helena Wurth in der FAZ vom 29. August berichtet: „[Messedirektor Jérôme] Pantalacci sieht die Art-O-Rama immer noch als eine Messe, bei der Galeristen sich miteinander vernetzen und Künstler austauschen können. Das sei der Grund, weshalb sich die Galerien mit einem eigens für die Messe entwickelten Projekt bewerben müssen und ihre Messeauftritt selbst entwerfen dürfen. Ein Stand kostet lediglich 3600 Euro, und so ist der Druck zu verkaufen wesentlich geringer als auf anderen Messen. Manche Galerien können es sich hier leisten, Werke auszustellen, die erst einmal geradezu unverkäuflich wirken.“ Die Rolle der Messe für die Produktion betont Hanno Hauenstein im Tagesspiegel: „Dass die Art-o-rama mehr sein will als ein bloßer Marktplatz für Kunst, zeigt sich auch an den Preisen. Gleich zwölf Auszeichnungen werden während der dreitägigen Messe vergeben – circa ein Preis für jeden dritten Messestand . Der Prix Roger Pailhas erstattet der Gewinnergalerie die komplette Teilnahmegebühr. Der mit 10.000 Euro dotierte Prix PÉBÉO ist mit dem Erwerb der Arbeit eines ausstellenden Kunstschaffenden verbunden. Weitere Preise werden von privaten Sammlungen, einem Sammlerverband, der Kunsthochschule und dem Département Bouches-du-Rhône gestiftet.“

Der Chart in Kopenhagen hat Ursula Scheer für die FAZ (jetzt wieder mit Paywall) einen Besuch abgestattet: „Den Einstieg leicht machen, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen: Das war von Beginn an ein Anliegen der Messe, deren Aussteller auf Einladung nominiert werden, dezidiert nur aus Skandinavien oder mit einer persönlichen Verbindung in ein nordisches Land. Gegründet 2013 von fünf Galerien in der Stadt, gehört die CHART inzwischen einer nicht gewinnorientierten Stiftung. Geben ist für sie also aufs Ganze gesehen wichtiger als Einnehmen. Entsprechend trägt die Messe zur landestypischen Demokratisierung der Kultur mit ihrem Rahmenprogramm bei: Kunst in der Metro, frei zugängliche Vorträge und Videokunstvorführungen, Performances und Konzerte sowie eine Großinstallation im Innenhof von Charlottenborg.“ Ein in irgendwie erfrischend buntes Bonbonpapier gewickeltes und doch wohl eher unabsichtlich vergiftetes Lob überreicht Jens Bülskämper der parallel stattfindenden Enter Art Fair via Artmagazine: „Die Enter ist die Eyecandy-Messe schlechthin. Sie präsentiert das, was Menschen tatsächlich auf ihren heimischen Wänden sehen wollen. Und bevor jetzt die ewigen Spötter und Skeptiker auf den Plan treten: Kunst kann viele Formen annehmen, sich in diversen Spielarten zeigen, und das ist gut so. Sie darf auch mal Wohlgefühl und Trost spenden, Wellness fürs Auge sein. Kunst ist als Schule der Sensibilität per se politisch, auch wenn mal kein 'Krieg böse' draufsteht.“ Das könnte man auch über eine Scope oder Affordable Art Fair sagen, mit denen man als ernstzunehmende Kunstmesse eher nicht assoziiert werden möchte.

Parallel zur Art Week Tokyo Anfang November veranstalten die Macher des Basel Social Club den Tokyo Jazz Club, meldet Lee Cheshire beim Art Newspaper.

Das Ende des Hypes im koreanischen Kunstmarkt untersucht Payal Uttam im Vorfeld der Frieze Seoul für Artnews: „Der in Seoul ansässige Berater Hong Chang-Hee sagte, die spekulativen Aktivitäten, die mit dem Boom einhergingen, seien abgeklungen. Heute haben höhere Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheit und Währungsschwankungen dazu geführt, dass 'Sammler stärker auf Liquidität achten' und beim Erwerb von Werken, die mehrere hunderttausend Dollar kosten, selektiver vorgehen. Diese Besonnenheit erstreckt sich auch darauf, welche Künstler gekauft werden; Haam sagte, ihm sei in letzter Zeit aufgefallen, dass koreanische Sammler mehr Vertrauen in 'Märkte setzen, die sie direkt beobachten können', und sich intensiv mit zeitgenössischen asiatischen Künstlern beschäftigen, anstatt automatisch auf westliche Blue-Chip-Namen zurückzugreifen. Doch Sammler im Spitzensegment kaufen nach wie vor, so Timmy Kim, ein in Seoul ansässiger Berater und Kurator. Er sieht eine Zweiteilung des Marktes: Die alte Garde erwirbt weiterhin Werke etablierter Künstler zu Preisen über 1 Million Dollar von Blue-Chip-Galerien, während jüngere Sammler in der Regel Werke unter 10.000 Dollar kaufen, oft von aufstrebenden Künstlern aus neueren lokalen Galerien.“

Das Auktionshaus Philipps habe die Hälfte seiner Führungsmannschaft verloren, berichten Sarah Douglas, Maximilíano Durón, Daniel Cassady bei Artnews: „Die beiden hochrangigsten Abgänge sind Miety Heiden, Vorsitzende des Bereichs Privatverkäufe, und Jonathan Crockett, Vorsitzender für Asien. Beide werden ihre Posten nächsten Monat offiziell aufgeben. (Über Crocketts Weggang wurde heute früh erstmals in 'Art Asia Pacific' und im 'Baer Faxt'-Newsletter berichtet.) Bislang bestand das vierköpfige Führungsteam des Hauses aus Heiden, Crockett, Robert Manley, Vorsitzender und weltweiter Leiter für moderne und zeitgenössische Kunst; sowie Marianne Hoet, Leiterin der Geschäftsentwicklung und Vorsitzende für Europa. Dieses Quartett unterstand allesamt dem Geschäftsführer Martin Wilson, der die Spitzenposition übernahm, nachdem Ed Dolman 2024 zurückgetreten war, um seine eigene Beratungsfirma zu gründen. (Im Dezember 2024 trat auch die stellvertretende Geschäftsführerin Amanda Lo Iacono von ihrem Posten zurück.)“

Das Kölner Kunsthaus Lempertz wagt sich mit einem lokalen Partner auf Pariser Terrain, berichtet Bettina Wohlfarth in der FAZ: „Jetzt tritt das Unternehmen zum ersten Mal in Paris auf. Gemeinsam mit Artcurial versteigert es am 8. September im Hauptsitz der französischen Kollegen am Rond-Point des Champs-Élysées die bislang kaum bekannte Afrikana-Sammlung von Jean-Jacques Rotthier. Beide Häuser hatten zuvor schon anderweitig kooperiert, etwa für Auktionen mit afrikanischer und ozeanischer Kunst in Brüssel anlässlich der BRAFA-Messe. Paris aber ist der wichtigste Ort für den Handel mit indigenen Werken. Die Versteigerung nun wird zeitgleich mit der Messe im Kunstviertel von Saint-Germain, dem Parcours des Mondes, stattfinden, für den Sammler und Spezialisten von weither anreisen.“

Connecticut biete sich für immer mehr Künstler als Alternative zum überteuerten New York an, hat Daniel Cassady für Artnews recherchiert: „Die Idee dahinter ist zum Teil, Connecticuts seltsames Image in der kulturellen Vorstellungswelt zu korrigieren. Maine hat Künstler. Das East End hat Künstler. Connecticut hat Hedgefonds und gute Schulen – so lautet zumindest das Klischee. In Wirklichkeit hat der Staat eine lange künstlerische Geschichte und eine ungewöhnlich dichte institutionelle Landschaft, vom Wadsworth Atheneum und dem New Britain Museum of American Art bis hin zu Yale und, in jüngerer Zeit, NXTHVN (ausgesprochen: Next-Haven). New Haven selbst ist eine der Städte mit der größten rassischen und ethnischen Vielfalt im Bundesstaat“.

Während der Öffnunsgzeiten haben bewaffnete Täter ein Diamantcollier aus dem MAK in Wien geraubt, meldet dpa.

Die private Merz-Akademie in Stuttgart ist insolvent, meldet Monopol.

Was im Fall einer Galerieinsolvenz von Küsntlern und Kunden zu beachten ist, erklärt Anna Brady im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Einer der heikelsten Aspekte der jüngsten Insolvenzen der Galerien Stephen Friedman, Arusha und Simon Lee war die große Zahl von Künstlern und Sammlern, die nun darum kämpfen, Werke zurückzuerhalten, die sie in gutem Glauben, aber ohne schriftliche Vereinbarungen in Kommission gegeben hatten. Als ungesicherte Gläubiger stehen solche Einlieferer ganz unten auf der Liste, wenn es darum geht, ihre Verluste bei einer Unternehmensinsolvenz auszugleichen. Doch es ist noch nicht alles verloren, wenn sie schnell handeln, sagt Petra Warrington, Partnerin bei der Londoner Anwaltskanzlei Wedlake Bell, die sich auf Kunst- und Luxusrecht spezialisiert hat: 'Einlieferer sollten sich so schnell wie möglich an die Insolvenzverwalter wenden, ihre Eigentumsrechte geltend machen und Eigentumsnachweise vorlegen.' Doch der Prozess kann langwierig sein, warnt Warrington, 'vor allem, wenn die Unterlagen unklar sind'.“

Es gibt aber auch noch gute Nachrichten aus der Szene der sogenannten mid tier-Galerien in New York. Die David Nolan Gallery vervierfacht ihre Fläche und zieht von der Upper East Side nach TriBeCa in die seit März verwaisten Räume der Londoner Timothy Taylor Gallery. Lindsay Jarvis und Max Werner verfestigen ihre Zusammenarbeit mit der Eröffnung der Galerie Jarvis & Werner in der Bowery, meldet Maximilíano Durón bei Artnews.

Die Bonner Sammlerin Carolin Scharpff-Striebich ist m 28. August im Alter von 63 Jahren gestorben, gibt die Sammlung Scharpff auf Instagram bekannt. Die Freunde des Kunstmuseums Bonn würdigen sie ebenfalls dort: „Carolin Scharpff-Striebich war geprägt von ihrem authentischen Interesse und ihrem umfassenden Wissen, ihrer Offenheit für Neues und ihrer bestechenden Uneitelkeit. Gespräche mit ihr waren von Herzlichkeit, Respekt, Humor und einer selbstverständlichen Zugewandtheit getragen.“