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Art Cologne Palma Mallorca 2026; Foto Stefan Kobel
Art Cologne Palma Mallorca 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kunstwoche 16 2026

Den zweiten Anlauf der Art Cologne in Palma auf Mallorca stellt Josie Thaddeus-Johns bei Artsy vor: „Die Art Cologne Palma Mallorca 2026. Auch wenn die Messe für spanische Sammler durchaus attraktiv sein dürfte, sind ihre deutschen Wurzeln unverkennbar. Am VIP-Tag der Messe am 9. April stellte ein Galerist fest, dass das Publikum überwiegend aus Deutschen bestand, von denen viele Zweitwohnsitzer auf der Insel sind. Dies sorgt für ein fokussiertes Publikum mit hohen Erwartungen. Hochpreisige Werke, darunter ein 1,3 Millionen Euro (1,53 Millionen Dollar) teures Werk von Anselm Kiefer am Stand der in Berlin und Palma ansässigen Galerie Kewenig, zeigten, dass das Art Cologne-Erbe präsent war. [...] Passend zum Veranstaltungsort schienen die Galerien eher einen entspannten Käufer im Blick zu haben als einen, der die deutsche Art Cologne besuchen würde. Einige Besucher tragen Leinenanzüge, andere erscheinen in Flip-Flops. Dennoch scheint dies keine Messe zu sein, die sich an brandneue Käufer richtet, sondern vielmehr an begeisterte Sammler im Urlaubsmodus."

Im Tagesspiegel freut sich Christiane Meixner: „Kein Vergleich mit 2007, als Hugs Vorgänger bei der Art Cologne eine ähnliche Veranstaltung in einem Hangar am Flughafen von Palma realisierte. Nach einer Ausgabe war Schluss, danach zwei Jahrzehnte keine Rede mehr von einer Messe auf den Balearen. Doch Mallorca, sagt Hug, hat sich verändert: Es gibt mehr renommierte Galerien auf der Insel, den lokalen Verband und eine öffentliche Förderung. Und den expliziten Wunsch nach einer neuen Qualität von Tourismus. Hug macht daraus einen spannenden Mix. Stände gibt es ab zwölf Quadratmetern und dazu zwei unterschiedliche Startpreise, je nach Alter der Galerien.“

Georg Imdahl geht in der FAZ (Paywall) auf die äußeren Umstände ein: „Zur Gastfreundschaft der Galerienallianz Art Palma Contemporani zählte die Forderung, dass sämtliche zwölf Mitglieder teilnehmen können. Dieser Wunsch war offenbar nicht verhandelbar und ist nicht durchweg vorteilhaft für das Angebot.[...] Unterdessen lud der Zürcher Galerist Damian Grieder am Vorabend der Eröffnung in sein Privathaus mit einer Pop-up-Ausstellung von Christian Jankowski. Mit solchen Events kann Mallorca punkten.Vielleicht spielen der deutsch-spanischen Messe auch die Unsicherheit im Nahen Osten in die Karten, derentwegen die Art Dubai verschoben wurde.“

Die Vorteile der Lage in Europa thematisiert Georgina Adam im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Auf die Frage, ob sich der Golfkrieg auf die Verkaufszahlen auswirke, antworteten einige Aussteller und Besucher, Mallorca befinde sich in einer Art Blase und bleibe daher unberührt. Justus Kewenig von der gleichnamigen Galerie in Berlin und auf Mallorca war jedoch der Ansicht, dass die internationale Lage der Insel zugutekommen könnte. 'Da die Emirate und insbesondere Dubai nun keine Reiseziele mehr sind', sagte er, 'kommen wohlhabende Urlauber eher hierher … es bietet Sonne, Meer und Sicherheit!' Und tatsächlich, während das Meer direkt hinter den Glasfenstern des Kongresszentrums glitzerte und eine fröhliche, sonnengebräunte Menschenmenge auf der Dachterrasse in der Sonne zu Mittag aß, schwärmte ein Aussteller: 'Es macht absolut Sinn, hier eine Kunstmesse zu veranstalten!'“ Ich war für Monopol und Artmagazine auf Mallorca.

International hat die Art Paris wenig Echo gefunden. Für Euronews berichtet Mohammad Shayan Ahmad: „Insgesamt ist die Schau breit angelegt und entfaltet viele unterschiedliche Unterthemen. Der Bereich „Promises“, der jüngeren Galerien gewidmet ist, vereint 27 Aussteller, viele davon zum ersten Mal. Er gehört zu den dynamischsten Zonen der Messe, mit klarem Fokus auf aufstrebende Künstlerinnen und Künstler und einem auffälligen Anteil von Frauen.Zugleich baut die Messe ihr Designprofil weiter aus. Nach ihrem Debüt im vergangenen Jahr kehrt die French Design Art Edition zurück und wächst auf 17 Aussteller – von Studios bis hin zu Interior-Designerinnen und -Designern.“ Die Verdrängung der Fiac durch die Art Basel sei ein Gewinn für die Art Paris, stellt Sarah Moroz im Observer fest: „'Der Markt in Paris hat sich in den letzten Jahren stark verändert', meinte Garrett Landolt, Direktor bei Esther Schipper, an einem Stand, der sich einen Gang von Almine Rech entfernt befand. 'Anfangs war es ein recht lokaler Markt: Pariser kauften in Pariser Galerien ein. Mit der Ankunft der Art Basel ist er in den letzten Jahren sehr international geworden. Wir haben von einigen gehört, dass die Art Basel Paris mittlerweile so prestigeträchtig geworden ist, dass die Art Paris plötzlich zugänglicher und vielleicht interessanter ist, weil es dort unterschiedliche Preisklassen gibt. So erhält man eine große Vielfalt an Besuchern.' Er hob nicht nur die 'Qualität der Berater und Sammler' hervor, die vorbeikamen, sondern auch, dass die Besucher neugierig auf die Werke am Stand waren und sich Zeit nahmen, Fragen zu stellen – im Gegensatz zu den Käufern, die sich auf der Art Basel beeilen, die gewünschten Werke zu ergattern.“

Die Fokussierung auf ihre regionale Stärke tue der Expo Chicago gut, urteilt Maxwell Rabb bei Artsy: „In ersten Gesprächen kam ein Thema immer wieder zur Sprache: Die Messe wirkte wie neu belebt. Dieser Wandel zog Sammler aus dem Mittleren Westen an, die seit Jahren nicht mehr dabei gewesen waren, sowie ein größeres internationales Publikum. Die Ausgabe 2026 ist die dritte der EXPO unter der Leitung des Messekonzerns Frieze und die erste unter der Leitung von Kate Sierzputowski, der ehemaligen künstlerischen Leiterin der Messe. In Zusammenarbeit mit der renommierten Chicagoer Kuratorin Essence Harden hat sie einen übersichtlicheren Grundriss und eine klarere kuratorische Vision eingeführt, wodurch die Messe auf 140 Galerien reduziert wurde, verglichen mit 170 im Jahr 2025. Schlanker, prägnanter und fokussierter wirkt die diesjährige EXPO wie neu belebt. Die Messe startete in lebhafter Stimmung, wobei mehrere Stände bereits innerhalb der ersten Stunden ausverkauft waren“. Ob und wie die Kunstmessen der Szene vor Ort nutzen, fragt Natalie Jenkins bei Hyperallergic: „Zwischen den unzähligen aktiven Künstlern, unterbezahlten Kunstverwaltern und wohlhabenden, oft wohlmeinenden Kunstliebhabern, die ihr Geld für 40-Dollar-Eintrittskarten und 7-Dollar-Flaschen Dasani [-Wasser] ausgeben, drängt sich die Frage auf: Was leistet die Expo Chicago (und ihr Umfeld aus angrenzenden Messen) eigentlich für die lokale Kunstszene? Die offensichtliche Antwort ist die langweilige. Kunstmessen verkaufen Kunst. Doch in Wirklichkeit zerfällt dieser Zweck in etwas Unübersichtlicheres. Die vielleicht interessanteste Art, die Messewoche in Chicago zu erleben, ist als eine Art Vivisektion des Kunstökosystems des Mittleren Westens, die unser pulsierendes, blutendes Herz im Inneren offenlegt. Auf der Expo selbst offenbart eine kompaktere Messe sowohl die Freuden als auch die Schwachstellen des aktuellen kreativen Umfelds in Chicago.“ Von zahlreichen Verkäufen berichtet Brian Boucher für Artnews.

Die immer schwieriger werdenden ökonomischen Rahmenbedingungen der Kunstproduktion in den USA und besonders in New York prangert der Künstler Josh Kline in einem vielbeachteten Essay in der Zeitschrift October an. Alex Greenberger greift den Text für Artnews auf: „Klines Essay mit dem Titel 'New York Real Estate and the Ruin of American Art', der in der Zeitschrift October erschienen ist, zeichnet ein verzweifeltes Bild der Kunstszene der Stadt. Er fungiert sowohl als Elegie auf eine verlorene New Yorker Kunstwelt der 2010er Jahre – jene, die Kline als Künstler hervorbrachte, der für seine Arbeiten über die Fähigkeit der Technologie, Ungleichheiten zu verschärfen, bekannt wurde – als auch als vernichtende Kritik an all den Privilegien, die erforderlich sind, um hier Erfolg zu haben. Der Beitrag ist viral gegangen, was bei October-Essays mittlerweile nicht mehr oft vorkommt.“ Sogar Frauke Steffens berichtet für die FAZ (Paywall).

Aus aktuellem Anlass nimmt Olga Kronsteiner den Umgang des Kunsthandels mit dem Werk Otto Mühls für den Standard unter die Lupe: „Dort wird jene Strategie gepflogen, die Klaus-Albrecht Schröder als Geschäftsführer des 'Wiener Aktionismus Museums' seit Wochen fordert, um die Investitionen seiner Arbeitgeber zu sichern: einer 'Trennung von Leben und Werk', der jetzt auch 41 ehemalige Mitglieder der Mühl-Sekte aus der Elterngeneration in einem STANDARD-Gastkommentar vehement widersprechen.

Demnach sei eine solche 'Trennung' schon deshalb nicht argumentierbar, da die Kunstproduktion 'Teil des Vermarktungs- und Verschleierungssystems' der Mühl-Sekte gewesen sei. Nach Jahrzehnten, in denen der Kunsthandel den Künstler-Guru im Windschatten musealer Präsentationen zu einer Schlüsselfigur des Wiener Aktionismus hochjubelte, fällt eine kritische Auseinandersetzung offenbar schwer.“

Die außergerichtliche Einigung im prominentesten Rechtsstreit der NFT-Szene meldet Harrison Jacobs bei Artnews: „Eine langwierige juristische Auseinandersetzung zwischen Yuga Labs, der Muttergesellschaft des Bored Ape Yacht Club, und dem Künstler Ryder Ripps sowie dessen Geschäftspartner Jeremy Cahen ist nun endlich beendet, nachdem sich die Parteien am Dienstag auf einen Vergleich geeinigt haben. Die Einzelheiten des Vergleichs sind zwar vertraulich, doch gaben die Parteien bekannt, dass sie sich auf ein dauerhaftes Verbot geeinigt haben, wonach Ripps und Cahen keine Marken oder Bilder mehr verwenden dürfen, die Eigentum von Yuga Labs sind.“ Welchen Streitwert legt man bei so etwas eigentlich zugrunde – den damaligen oder den aktuellen Wert von NFTs?

Über eine neue griechische Gesetzgebung zum kulturellen Erbe stellt Tessa Solomon bei Artnews vor: „Der Ende Januar vom Parlament verabschiedete Gesetzentwurf sieht strenge strafrechtliche Sanktionen vor, die sich nach der Schwere der Straftat richten, darunter Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren und Geldstrafen von bis zu 300.000 Euro in den schwerwiegendsten Fällen. Zudem erweitert er die rechtliche Definition des Kunstbetrugs auf Fragen der Provenienz, des Zustands und der Zuschreibung und präzisiert gleichzeitig, was unter geschütztem Kulturgut zu verstehen ist – wobei der Geltungsbereich auf 'Kinos von historischer Bedeutung' ausgedehnt wird. Gemäß dem neuen Gesetzentwurf sind als Fälschungen identifizierte Werke der Vernichtung zu unterziehen.“

Am heutigen Montag geht ein Gesetzesentwurf zur Restitution von Kulturgut in die Parlamentsdebatte, berichtet Andy Battaglia ebenfalls bei Artnews.

Fair Warning, der Veranstalter superexklusiver Auktionen, hat mit Saara Pritchard eine neue Partnerin. Sie und Gründer Loïc Gouzer sprechen im Interview mit Daniel Cassady bei Artnews über ihre Pläne: „Zunächst geht es darum, das Team aufzubauen. Dann folgt die Entwicklung der Technologie. Wir überdenken, wie Live-Auktionen auf einer Plattform funktionieren – wie wir diesen Moment online nachbilden können. Außerdem arbeiten wir an neuen Wegen, Kunst zu verkaufen. Es ist noch früh, aber bald wird sich mehr Klarheit ergeben. Der Investor kommt aus der Tech-Branche, daher spielt dies eine große Rolle.“

Die Frieze hat einen neuen COO, meldet Maximilíano Durón bei Artnews: „Mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Leitung renommierter Unternehmen der Kunstwelt bringt Lasry eine Mischung aus Erfahrungen in Auktionshäusern, auf Kunstmessen und in Galerien bei Frieze ein. Zuletzt war er als Chief Operating Officer bei Perrotin tätig und leitete dort die Logistik und den Betrieb an den neun Standorten der Galerie weltweit. Vor seiner Tätigkeit bei Perrotin arbeitete er von 2018 bis 2023 bei der Art Basel, wo er bis zum Managing Director aufstieg. Während seiner Amtszeit war er an der Gründung der Art Basel Paris beteiligt, die 2022 ihre erste Ausgabe veranstaltete.“