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Kobels Kunstwoche

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Sommerausgabe III/III; Foto Stefan Kobel
Sommerausgabe III/III; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 29 2026

Der Jahresbeginn steht bei der Auktionsberichterstattung meist in Rück- und Ausblicken, die den dritten und letzten Teil unseres Saisonrückblicks eröffnen. In welchem Umfang große Vermögen den Kunstmarkt bewegen, macht Melanie Gerlis in ihrem Bericht über Single Owner Sales für die Financial Times (Paywall) deutlich: „'Neu ist das Ausmaß, sowohl hinsichtlich des Volumens als auch des Wertes', sagt Caroline Sayan, Präsidentin und CEO der Kunstberatungsfirma Cadell North America. Zuvor war sie 25 Jahre lang bei Christie's tätig und betreute dort Nachlassverkäufe, darunter die 835 Millionen Dollar teure Sammlung von Peggy und David Rockefeller im Jahr 2018, ein Jahr nach dem Tod des Industriellen und Erben. 'Stellen Sie sich das wie Flugzeuge vor, die landen. Vor dieser Zeit gab es kleinere Jets, einzelne Flugzeuge, und es war einfach, sie zu manövrieren. Dann kamen plötzlich diese Jumbojets', sagt sie. Statistiken des Analyseunternehmens ArtTactic zeigen, dass im Jahr 2018 Sammlungen aus einem einzigen Besitz – überwiegend Nachlässe – 2,1 Milliarden Dollar (17 Prozent) des Auktionsumsatzes ausmachten, gegenüber 820 Millionen Dollar (7 Prozent) im Jahr 2017. Seitdem haben die Gesamtumsätze und Prozentsätze diesen Wert noch übertroffen: Sammlungen aus Einzelbesitz haben einen durchschnittlichen Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar und machen 23 Prozent der Auktionsumsätze im Zeitraum 2021–2025 aus.“ Man kann sich das nicht oft genug vor Augen führen: Mittlerweile stammt knapp ein Viertel des Auktionsumsatzes und damit mehr als ein Zehntel des gesamten Kunstmarktvolumens aus dem Bestand von einer oder zwei Handvoll Personen.

In einer zweiten Runde hat Sotheby's nicht nur mit Kunstwerken, sondern auch mit Autos besicherte Kredite gebündelt und weiterverkauft, berichtet Daniel Cassady bei Artnews: „Die Aufnahme von Sammlerautos ist das deutlichste Signal dafür, in welche Richtung sich das Geschäft von Sotheby's entwickeln wird. Anstatt die Kunstkreditvergabe als Nischendienstleistung im Zusammenhang mit Auktionsaktivitäten zu betrachten, positioniert sich das Unternehmen als breitere Finanzierungsplattform für Luxusgüter, die Kredite für alles von Gemälden bis hin zu wertvollen Automobilen vergibt.“

Die Londoner Auktionsumsätze des letzten Jahres referiert Anne Reimers in der FAZ vom 31. Januar: „Im internationalen Kunstmarkt ging es zuletzt bergauf. Der Standort London aber ist im vergangenen Jahr weiter hinter New York zurückgefallen. Bei Sotheby’s lag das nicht zuletzt daran, dass das Unternehmen seine Akquise auf die großen New Yorker Novemberauktionen, mit denen der neue Hauptsitz im Breuer-Gebäude glanzvoll eingeweiht werden sollten, konzentrierte.“

Sotheby's dreht an der Preisschraube, meldet Carlie Porterfield im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Nach der neuen Gebührenstruktur von Sotheby's steigt die Käuferprovision für Verkäufe in New York von 27 % bei Losen mit einem Preis von 1 Million Dollar oder mehr auf 28 % für alle Werke, die für einen Zuschlagspreis von bis zu 2 Millionen Dollar (1,5 Millionen Pfund in London) verkauft werden. 

Die spannende Frage, was aus Auktionshäusern wird, wenn das Luxussegment die Kunstsparte überflügelt, stellt George Nelson bei Artnews.

Die Londoner Auktionen seien erstaunlich gut verlaufen, analysiert Elisa Carollo im März im Observer: „Nachdem die bei Sotheby's am Vorabend erzielte Gesamtsumme von 131 Millionen Pfund darauf hindeutete, dass sich der Kunstmarkt weiterhin mit bemerkenswerter Gelassenheit entwickelt – scheinbar unbeeindruckt von Kriegen, politischen Brüchen und einer sich langsam auflösenden Weltwirtschaft –, bekräftigte Christie's diesen Eindruck gestern (5. März) mit seiner dreiteiligen Abendauktion. Die Versteigerung verlief weitgehend ohne dramatische Zwischenfälle, folgte einem sorgfältig vorbereiteten Drehbuch und brachte dem Auktionshaus letztlich einen Gesamtumsatz von 197.472.600 Pfund (263.823.394 Dollar) ein. Bei den drei Auktionen wurden 21 Lose mit Garantien von Dritten versehen, um deren Ergebnisse zu sichern – ein Anstieg von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“

Durch die Veröffentlichungen von Galerien und Auktionshäusern im britischen Pendant zum Bundesanzeiger haben sich Anna Brady und Anny Shaw für das Art Newspaper (evtl. Paywall) gearbeitet: „Alle vier großen Auktionshäuser befinden sich letztlich im Besitz einer Offshore-Muttergesellschaft wie die von [Sothebys] Drahi, was bedeutet, dass ein wahrheitsgetreues und umfassendes Bild ihrer Finanzlage letztlich verschleiert wird.“

Hinter die verschlossenen Türen von Secret Auctions blickt Katya Kazakina für Artnet, dessen aktueller Intelligence Report zum Download (PDF) bereit steht.

Kunst als Wertspeicher und und Instrument beim Vermögensübergang seien aktuell der Motor des Auktionsgeschehens, glaubt Scott Reyburn im April im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Dieses institutionelle Interesse wird vermutlich durch die Erkenntnis beflügelt, dass im Rahmen des sogenannten 'Great Wealth Transfer' in den nächsten zehn Jahren 1,2 Millionen Menschen Vermögenswerte in Höhe von rund 31 Billionen Dollar an ihre Erben weitergeben werden. Etwas mehr als 10 % des Wertes dieser Vermögenswerte werden laut Schätzungen des Deloitte-Berichts auf Kunst und Sammlerstücke entfallen. Dieser Prozess ist der Haupttreiber für jegliches Wachstum auf dem Kunstauktionsmarkt. [...] Wenn man von den Londoner Auktionen im März ausgeht, werden sich die Superreichen der Welt im Mai in New York nicht allzu sehr darum kümmern, ob im Nahen Osten oder anderswo Krieg herrscht.“

Zur hier bereits letzten Montag gemeldeten Geschäftsaufgabe des Münchner Auktionshauses Neumeister merkt Brita Sachs in der FAZ (Paywall) an: „Große Verdienste erwarb sich Katrin Stoll mit ihrem Engagement für die Provenienzforschung, insbesondere auch mit der Aufarbeitung der eigenen Firmengeschichte hinsichtlich des Vorgängerunternehmens Weinmüller während des Nationalsozialismus. In der Kunsthandelsbranche erntete sie dafür Bewunderung, sorgte aber auch für Unruhe, wohl weil manch einer befürchtete, sie wecke schlafende Hunde. Anders als von Beobachtern erwartet, folgten nur wenige dem guten Beispiel. Die Sommerauktion am 24. Juni findet noch wie geplant bei Neumeister statt.“

Fair Warning, der Veranstalter superexklusiver Auktionen, hat mit Saara Pritchard eine neue Partnerin. Sie und Gründer Loïc Gouzer sprechen im April im Interview mit Daniel Cassady bei Artnews über ihre Pläne: „Zunächst geht es darum, das Team aufzubauen. Dann folgt die Entwicklung der Technologie. Wir überdenken, wie Live-Auktionen auf einer Plattform funktionieren – wie wir diesen Moment online nachbilden können. Außerdem arbeiten wir an neuen Wegen, Kunst zu verkaufen. Es ist noch früh, aber bald wird sich mehr Klarheit ergeben. Der Investor kommt aus der Tech-Branche, daher spielt dies eine große Rolle.“

Leichte Erholungssignale macht Daniel Cassady von Artnews bei Sotheby's aus: „Sotheby’s ist nach mehreren Verlustjahren wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt, auch wenn die zugrunde liegende Finanzlage weiterhin komplex ist. Das Auktionshaus erzielte im Jahr 2025 laut Finanzunterlagen, die von der Financial Times geprüft wurden, einen Vorsteuergewinn von 53 Millionen US-Dollar – eine Kehrtwende gegenüber dem Verlust von 190 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Der Umsatz stieg um fast 20 Prozent auf 7,1 Milliarden US-Dollar, wobei die Einnahmen aus dem Kerngeschäft, den Auktionen, um 26 Prozent auf rund 1 Milliarde US-Dollar zunahmen. Die von Sotheby’s veröffentlichten Gesamtjahreszahlen zeigen eine allgemeine Verbesserung im gesamten Unternehmen. Das Unternehmen meldete für das Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, sowie ein bereinigtes EBITDA von 363 Millionen US-Dollar – eines der höchsten Niveaus in seiner Geschichte.“

Von einer sehr erfolgreichen Designauktion in New York berichtet Elisa Carollo für den Obeserver: „Die Sammlung von Jean und Terry de Gunzburg, die als wertvollste Designauktion aus einem einzigen Nachlass in der Geschichte von Sotheby’s angekündigt wurde, hat die Erwartungen erfüllt. Die Auktion 'The Collection of Jean & Terry de Gunzburg – Design Masters' am 22. April im Breuer-Hauptsitz des Auktionshauses endete mit einem Gesamterlös von 96 Millionen US-Dollar für 107 Lose, bei einer ursprünglichen Schätzung von 28,5 bis 42,5 Millionen US-Dollar, und wurde damit zur wertvollsten Design-Sammlung, die jemals in den USA verkauft wurde.“

Private Sales werden für die großen Auktionshäuser immer wichtiger, berichtet George Nelson bei Artnews.

Eine Weiterdrehe für seine Privatauktionen hat Loïc Gouzer gefunden, über den Daniel Cassady bei Artnews berichtet: „Sie ist noch ungetestet, aber genau das macht für ihn einen Teil des Reizes aus. Am 23. April wird seine Auktions-App 'Fair Warning' ein neues Format namens 'No Warning' einführen. [...] Zunächst wird ein Werk zum Verkauf angeboten (mit einem Preis). Sie können entweder auf 'Jetzt kaufen' klicken oder ein einmaliges Gebot abgeben. Dann warten Sie. Es gibt keinen Bieterwettstreit, keine schrittweisen Erhöhungen und ganz sicher keinen Anruf eines Spezialisten, der Sie zu einem höheren Gebot drängt. [...] Diese Ungewissheit ist Teil des Konzepts.“

Das französische Auktionshaus kauft Millon den strauchelnden Konkurrenten Pierre Bergé, meldet Artdaily.

Die Kunsthändler Lévy Gorvy Dayan steigen jetzt auch ins Geschäftsfeld der exklusiven Private Auctions ein, meldet Daniel Cassady im Mai bei Artnews: „Auktionshäuser haben auf niedrigere Schätzpreise gesetzt, um den Absatz von Werken anzukurbeln, und die Ergebnisse waren solide. Hohe Verkaufsquoten und eine Reihe erfolgreicher Auktionen haben die Verkäufer dazu bewegt, wieder am Wettbewerb teilzunehmen. Nun möchte LGD Hammer diesen Druck in den Galeriebetrieb übertragen. Anstatt ein Werk in eine überfüllte Abendauktion einzubringen, wird die Galerie ein Gemälde zu einem festgelegten Zeitpunkt einer kleineren Gruppe von Käufern anbieten.“

Die tiefste und breiteste Analyse der New Yorker Auktionswoche bieten Zachary Small, Julia Halperin und Tim Schneider in der New York Times (evtl. Paywall): „Monatelange Spekulationen führten zu diesem Moment, der als Symbol für den Versuch der Branche steht, nach vier Jahren mit schwankenden Umsätzen wieder auf die Erfolgsspur zurückzukehren. Es hat funktioniert. Abgesehen von dem siebenminütigen Bieterwettstreit, der den Wert des Pollock-Gemäldes auf einen Rekordpreis von 181,2 Millionen Dollar trieb, übertrafen viele Kunstwerke bei den Auktionen ihre hohen Schätzpreise, wobei einige neue Auktionsrekorde erzielten. Christie’s, Sotheby’s und Phillips verkauften letztendlich Kunstwerke im Gesamtwert von 2,5 Milliarden Dollar, einschließlich Käuferkosten, verglichen mit 1,3 Milliarden Dollar bei den entsprechenden Auktionen im vergangenen Mai.“ Über die reinen Zahlen hinaus werden auch die Themen Garantien, neue Sammler, neue Märkte, alte weiße Männer und Ultracontemporary angesprochen. Im Grunde ist das der eine Artikel, den man lesen sollte. Für Monopol ziehe ich eine Bilanz der Abendauktionen in New York.

Kunst ist ein schlechtes Investment-Instrument. Das sollte eigentlich eine Binse sein, doch der Irrglaube vom Gegenteil hält sich hartnäckig. Ausgerechnet am Beispiel der aktuellen New Yorker Auktionsergebnisse, die von den Auktionshäusern selbst, Kunsthändlern und weiten Teilen der Presse als Wiederauferstehung des Kunstmarkts gefeiert werden, weist Katya Kazakina für Artnet (evtl. Paywall) detailliert nach, dass selbst ein risikoscheues Investment in einen passiven Indexfonds eine höhere Rendite erzielt als Kunst.

Die Auktionsergebnisse von Grisebach in Berlin wertet Johannes Wendland im Handelsblatt vom 12. Juni als Zeichen des Aufschwungs: „Berlin ist nicht New York oder London – doch der allgemeine Aufwärtstrend auf dem weltweiten Auktionsmarkt ist in etwas bescheidenerer Form auch hierzulande angekommen. Die Sommerauktionen bei Grisebach haben die wiedererwachte Kauflust bestätigt. Dies gilt vor allem für Spitzenwerke, also die Lose, die eine ungewöhnliche Qualität, Entstehungsgeschichte oder Provenienz repräsentieren. 19 Millionen Euro Umsatz konnte Geschäftsführer Daniel von Schacky zufrieden vermelden. Das liegt satte 60 Prozent über der unteren Schätzsumme und damit 'weit über unseren Erwartungen', wie er sagt. Und was besonders aufgefallen sei: 'Außergewöhnliche Werke laufen außergewöhnlich gut.'“ Der Teufel steckt wie so oft im Detail und nicht in der jeweils aktuellen Pressemitteilung. Die Frühjahrsauktionen letztes Jahr brachten nämlich 19,5 Millionen Euro. Und wenn das Toplos statt zehn Prozent des Gesamtumsatzes ein gutes Viertel einspielt, sollte man auch meinen, dass die Erwartungen übertroffen wurden. Von einer erfolgreichen Auktion berichtet Christiane Fricke im Handelsblatt vom 12. Juni: „Am späten Nachmittag des 10. Juni zeigte sich bei Van Ham in Köln, wie recht der Frankfurter Bankier Jochen Neynaber (1939–2025) mit seinem Satz 'Kleine Kunst ist nicht klein. Sie ist groß' hatte. Von den 31 ausnahmslos kleinformatigen Werken, die Markus Eisenbeis aus der Sammlung Neynaber live versteigerte, ging kein einziges Los zurück. Die anschließend überreichten weißen Handschuhe und ein überragendes Ergebnis von mehr als 1,7 Millionen Euro waren der Lohn. Die untere Schätzpreissumme hatte bei 624.000 Euro gelegen.“