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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Art Brussels 2026; Foto Stefan Kobel
Art Brussels 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 18 2026

Die Art Brussels behauptet sich seit 1968 (zunächst als Biennale, seit 1997 jährlich) als Messe für zeitgenössische Kunst mit Höhen und Tiefen. In diesem Jahr hat sie deutlich abgespeckt. Nicole Büsing und Heiko Klaas zeigen sich im Tagesspiegel angetan: „[Discovery] umfasst genauso viele Aussteller wie im vergangenen Jahr. Der Hauptsektor Prime dagegen hat kräftig Federn lassen müssen, die Zahl der Teilnehmer ist hier von 108 auf 83 gesunken. Daher tummeln sich sämtliche Galerien diesmal in der Halle 5. Messedirektorin Nele Verhaeren hat den krisengedingten Aderlass zum Anlass genommen, die frei gewordenen Flächen in der Halle 6 mit einem anderen Konzept zu gestalten: In der neu geschaffenen Sektion Horizons zeigen jetzt sieben Galerien monumentale Werke. […] Auch wenn die Art Brussels in diesem (Krisen-)Jahr etwas kleiner und überschaubarer daherkommt, muss man sich um die Zukunft der Messe wohl keine Sorgen machen.“ Die „Horizons“ beschreibt Alexandra Wach bei Monopol: „Die lichtdurchflutete weiße Kapelle, die ohne jegliche Doktrin auskommt und die Grenzen zwischen Skulptur, Architektur und traditionellem Messestandformat auflöst, ist eines von sechs Projekten, die Devrim Bayar, leitende Kuratorin am Brüsseler Kanal Centre Pompidou, für 'Horizonte' ausgewählt hat. Dass sich diese Großarbeiten, darunter Oswald Oberhubers 380.000 Euro teures Panoramagemälde 'Paradiesgarten', als Mini-Ausgabe der Basler 'Unlimited' neben dem Gastronomiebetrieb diesmal eine ganze Halle teilen können, ist ein Gewinn, denn auch diese so weitläufige wie luftige Agora gleicht einem Zufluchtsort vor dem Messetrubel nebenan.“ Ich war für Artmagazine in Brüssel.

Stockholms Market Art Fair positioniert sich selbstbewusst als Regionalmesse, berichtet Gareth Harris im Art Newspaper (evtl. Pawywall): „Auf die Frage nach den Zielen der Messe – strebt sie an, die wichtigste regionale Messe Skandinaviens zu werden? – antwortet Sara Berner Bengtsson, Messeleiterin und Geschäftsführerin: 'Gerade die Peripherie erscheint heute unverzichtbar. Regionale Messen sind keine zweitklassigen Veranstaltungen – sie können hochwertig, fokussiert und geschäftsorientiert sein. Wir werden niemals so groß sein wie die Frieze, aber ich denke, wie die diesjährige Ausgabe beweist, können internationale Galerien hier Künstler zeigen, die sie sonst auf diesen größeren Messen präsentieren würden. Sie sollten sich in Stockholm dazu in der Lage fühlen.'“

Wien hat mit der Spark Art Fair im nächsten Jahr doch zumindest eine internationale Kunstmesse, berichtet Werner Remm von Artmagazine: „Vom 18. bis 21. März soll die Kunstmesse nun wieder in der Marx Halle stattfinden. Das Konzept der Einzelschauen wird auch für die kommende Ausgabe beibehalten und auch die Größe der Messe soll mit rund 90 teilnehmenden Galerien ungefähr den früheren Ausgaben entsprechen.“ Sie kommt mit einer so charmanten wie riskanten neuen Initiative: „Dabei können Galerien Werke jener Künstler:innen, die sie auch auf der Messe zeigen zur Auktion einbringen. Interessierte können bereits vor der SPARK auf einer eigenen online Plattform Gebote für die Werke abgeben, die dann im Rahmen eines Live-Events direkt auf der Messe versteigert werden.“

Endlich tut die Art Basel etwas! In einer Pressemitteilung kündigt sie „Basel Exclusive“ an: „Die teilnehmenden Aussteller aus dem Hauptbereich der Art Basel – 'Galleries' – werden mindestens ein bedeutendes Werk, eine gezielte Auswahl an Werken oder in einigen Fällen eine gesamte Präsentation aus allen Vorab-Vorschauen, Online-Viewing-Rooms und Vorverkaufsaktivitäten zurückhalten und diese erstmals öffentlich bei der VIP-Eröffnung der Messe am Dienstag, dem 16. Juni, während der 'First Choice Preview'-Stunde präsentieren“.

Bei Artnews erklärt Maximilíano Durón: „Die Art Basel Paris hat sich dank der Anziehungskraft der französischen Hauptstadt nach und nach zur meistbesuchten Messe des Unternehmens entwickelt und muss daher ein gewisses Maß an Besuchermanagement betreiben, um die VIPs zu belohnen, die tatsächlich kaufen werden. Basel hingegen scheint zunehmend an Attraktivität zu verlieren, wenn es darum geht, Top-Sammler – insbesondere aus den USA – in die Schweizer Stadt zu locken. Die Einführung einer neuen Form der Knappheit, die eine persönliche Anwesenheit erfordert, könnte genau das sein, was die Messe braucht, um sie wieder anzulocken.“ Der Flut an Verkaufsmeldungen der großen Galerien, die zuverlässig ab 15 Uhr dieses Tages einlaufen, wird das wohl kaum Einhalt gebieten.

Von einer sehr erfolgreichen Designauktion in New York berichtet Elisa Carollo für den Obeserver: „Die Sammlung von Jean und Terry de Gunzburg, die als wertvollste Designauktion aus einem einzigen Nachlass in der Geschichte von Sotheby’s angekündigt wurde, hat die Erwartungen erfüllt. Die Auktion 'The Collection of Jean & Terry de Gunzburg – Design Masters' am 22. April im Breuer-Hauptsitz des Auktionshauses endete mit einem Gesamterlös von 96 Millionen US-Dollar für 107 Lose, bei einer ursprünglichen Schätzung von 28,5 bis 42,5 Millionen US-Dollar, und wurde damit zur wertvollsten Design-Sammlung, die jemals in den USA verkauft wurde. Da 94 Prozent der Lose über ihren höchsten Vorverkaufsschätzungen verkauft wurden, bestätigten die Ergebnisse nicht nur die anhaltende Dynamik bei Lalanne, sondern auch die anhaltende Nachfrage nach Art déco und Design des späten 20. Jahrhunderts im weiteren Sinne.“

Private Sales werden für die großen Auktionshäuser immer wichtiger, berichtet George Nelson bei Artnews: „Die Ausstellung war nur die jüngste von Sotheby’s veranstaltete Privatverkaufsveranstaltung, zu der ausschließlich geladene Gäste Zugang hatten; auch der Konkurrent Christie’s hat in den letzten Jahren zwei solcher Veranstaltungen durchgeführt. Fox, der Sotheby’s inzwischen verlassen hat, erklärte, dass Privatverkäufe im Auktionshaus 'boomen' und dass man solche Veranstaltungen als 'eine neue Möglichkeit zur Einbindung von Sammlern' betrachte. Im Jahr 2020 gab Sotheby’s bekannt, dass es einen Rekordumsatz von 1,5 Milliarden Dollar bei Privatverkäufen erzielt habe. Auch wenn dieser Umsatz zweifellos durch die pandemiebedingten Schließungen begünstigt wurde, gab das Auktionshaus an, seitdem jedes Jahr zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden Dollar im Privatverkauf erzielt zu haben, was etwa einem Viertel des gesamten Jahresumsatzes des Hauses entspricht.“

Eine Weiterdrehe für seine Privatauktionen hat Loïc Gouzer gefunden, über den Daniel Cassady bei Artnews berichtet: „Sie ist noch ungetestet, aber genau das macht für ihn einen Teil des Reizes aus. Am 23. April wird seine Auktions-App 'Fair Warning' ein neues Format namens 'No Warning' einführen. [...] Zunächst wird ein Werk zum Verkauf angeboten (mit einem Preis). Sie können entweder auf 'Jetzt kaufen' klicken oder ein einmaliges Gebot abgeben. Dann warten Sie. Es gibt keinen Bieterwettstreit, keine schrittweisen Erhöhungen und ganz sicher keinen Anruf eines Spezialisten, der Sie zu einem höheren Gebot drängt. [...] Diese Ungewissheit ist Teil des Konzepts. Gebote sind 72 Stunden lang verbindlich. Das höchste Angebot geht an den Verkäufer, der entscheidet, ob er es annimmt oder ablehnt. Käufer erfahren nicht, ob sie überboten wurden, so Gouzer, da eine solche Rückmeldung das Ganze wieder in eine Auktion verwandeln würde – genau das, was er zu vermeiden versucht. 'Um erfolgreich zu sein, muss man sein Bestes geben', sagte Gouzer. Wenn das Werk verkauft wird, verschwindet es. Wenn nicht, verschwindet es trotzdem.“

Das französische Auktionshaus kauft Millon den strauchelnden Konkurrenten Pierre Bergé, meldet Artdaily.

Der Krieg zwischen Iran auf der einen und den USA und Israel auf der anderen Seite könnte jenseits der Golfstaaten überraschend geringe Auswirkungen auf den Kunstmarkt habe, mutmaßt Scott Reyburn im Art Newspaper (evtl. Paywall): „Im Oktober 2023 versetzte der überraschende Angriff der Hamas auf Israel dem internationalen Kunstmarkt einen schweren Schlag, und in den beiden folgenden Jahren verlief das Geschäft verhalten. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten fordert nach wie vor zahlreiche Menschenleben, doch scheint dies den Appetit vermögender Privatpersonen auf den Kauf und Verkauf von Kunstwerken nicht mehr zu schmälern. [...] Die Umsätze bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips stiegen um 64 % auf 1,7 Mrd. US-Dollar – laut ArtTactic das stärkste erste Quartal seit 2016. Die in New York ansässige Kunstberaterin Wendy Cromwell blickt optimistisch auf die bevorstehende Auktionswoche im Mai, bei der in Manhattan Auktionen für moderne und zeitgenössische Kunst stattfinden.“

Er verkaufe kein Investment, sondern ein Gefühl, erzählt Odilo Lamprecht von Bucherer Certified Preowned (CPO) über den Handel mit gebrauchten Luxusuhren im Interview mit Kim Dang für die NZZ: „Ja, aber auch ein Investment ist ein Gefühl. Ich versuche trotzdem, nicht über Uhren als Investment zu sprechen. Ich sage: Kauf die Uhr, die dir gefällt – das ist das beste Investment. Nach Corona hat man gesehen, dass Werte auch fallen können. Deshalb geben wir bewusst keine Versprechen zur Wertentwicklung.“ Die Parallel zum Kunstmarkt ist offensichtlich. Und en passant erwähnt er, dass der weltweite Markt für gebrauchte Luxusuhren mittlerweile einen Jahresumsatz von 16,73 Milliarden Dollar erreicht hat. Das ist rund ein Viertel des gesamten Kunstmarkts oder knapp die Hälfte des Sekundärmarkts. Man bekommt so langsam eine Idee davon, wo der Sammlernachwuchs abgeblieben ist.

Anhand der Frankfurter Galerie Anita Beckers erklärt Christiane Fricke im Weltkunst Insider (60 Tage kostenlos), wie ein Unternehmensübergang in der Branche funktionieren kann: „BVDG-Geschäftsführerin Birgit Maria Sturm berichtet, dass ihr in den vergangenen 15 Jahren 18 gelungene Übergaben innerhalb von Familien bekannt wurden – meist in Form eines fließenden Übergangs an Töchter oder Söhne, die im Unternehmen verblieben. In anderen Fällen habe eine Ablösung oder Gründung eines eigenen Unternehmens stattgefunden. Selten sei es vorgekommen, dass der Elternteil dem Nachwuchs an einen neuen Standort folgte, wie im Fall von Thomas Levy, der von Hamburg nach Berlin wechselte. Viele Mitglieder des BVDG seien inzwischen 'in die Jahre gekommen'. Häufig fehle es an Sohn oder Tochter, die eine Nachfolge antreten könnten oder wollten, ergänzt Sturm. Jüngst zeigte sich diese Entwicklung etwa bei der Schließung der legendären Galerie Der Spiegel von Werner Hillmann sowie bei der Galerie Neher in Essen, die nach dem Tod ihres Inhabers Ende des Jahres von seiner Frau Christa Neher geschlossen wird.“

Die Marian Goodman Gallery „pausiert“ in Los Angeles, meldet Maximilíano Durón bei Artnews.: „Die Galerie vermied es, zu erklären, dass sie den Betrieb in LA definitiv einstellen werde, und erklärte stattdessen, dass die Partner 'die nächste Phase für den Raum prüfen' und 'unsere Präsenz in Los Angeles sowie in Städten weltweit durch Sonderprojekte, Kunstmessen und Museumsausstellungen zur Unterstützung unserer Künstler und Kunden aufrechterhalten' würden.“ Irgendwann wird es die erste Masterarbeit über Galerieschließungsprosa geben.

KI im Kunstmarkt, ein Gebiet, auf dem Artnet und Artsy nach ihrer Übernahme und Zusammenlegung selbst groß herauskommen wollen, ist Gegenstand eines Beitrags von Jo Lawson-Tancred bei Artnet: „Bei der Veranstaltung 'Art Market Minds' fragte Alan Lau, Sammler und Tech-Investor, die Teilnehmer: 'Sind Sie in der Welt der KI überhaupt sichtbar?' Jeder sollte seine Inhalte so optimieren, dass sie für KI-Chatbots lesbar und zitierfähig sind, die mittlerweile zu unverzichtbaren Recherchetools geworden sind, sagte er. Oder, so fragte Lau, könnten Sie KI als Ihre eigene 'Emily' nutzen, die allwissende [menschliche] Assistentin aus „Der Teufel trägt Prada“ (2006), die sich an den Kontext jeder Kundenbeziehung erinnert: wann Sie sich zuletzt getroffen haben, was sie gekauft haben, was ihnen gefallen hat. Das ist die Logik hinter First Thursday, einer 'Collector Intelligence'-Plattform, die Algorithmen nutzt, um Daten zusammenzuführen, die später abgefragt werden können, um Kontextinformationen über neue Kunden oder die längerfristigen Kaufmuster treuer Kunden zu erhalten. So nutzen Early Adopters KI bereits im Vertrieb. 'Das ist keine Zukunftsmusik, das ist nicht erst in zwei Jahren', betonte Lau. Es ist jetzt.“

Die Albertina betätigt sich auch unter neuer Leitung als Aura-Generator für den Kunstmarkt und bereitet KAWS die große Bühne. Veronika Metzger findet dafür bei Artmagazine deutliche Worte: „Was bringt mir eine niedrige Schwelle wenn der Übertritt keinen Mehrwert hat? Einen solchen Popanz für einen alten weißen Mann zu veranstalten und ihn auf der Website 'radikal Grenzen in fragestellend' zu nennen, wirkt genau wie die Kunst selbst kalkuliert und kommerziell. [...] Ich bin absolut immer dafür, dass Kunst den Menschen auf Augenhöhe begegnen soll. Die Augenhöhe ist nur leider in diesem Fall in Preis und Größe der Skulpturen doch ein paar Meter zu weit oben.“

Vom Schindluder, das oft mit posthumen Editionen getrieben wird, berichtet Hubertus Butin am Beispiel von Basquait und Bacon in der FAZ vom 25. April: „Liegt bei den Kunden – von Sammlern möchte man hier gar nicht sprechen – dann Unwissenheit, Naivität oder Gleichgültigkeit vor, wenn sie sich bei den Auktionen auf die Blätter stürzen und bereit sind, dafür Unsummen auszugeben? [...] Die Spekulation auf Wertsteigerung scheint für die Käufer eine treibende Kraft zu sein. Trotzdem handelt es sich nur um ein teures Poster, dem weder ein Originalstatus noch ein künstlerischer Wert zukommt.“

Das Bauernopfer hat nicht ausgereicht. Jetzt ist die Berliner Kultursenatorin selbst über die Fördergeldaffäre gestolpert, meldet der Tagesspiegel. Anna Thewalt, Alexander Fröhlich, Dominik Mai und Marius Gerards präsentieren mit Staatssekretärin Cerstin Richter-Kotowski auch gleich eine potentielle Nachfolgerin, die bestens für das Amt qualifiziert scheint. Alexander Fröhlich hat noch weitere Details zur Personalie. Bis 2021 war sie Bezirksbürgermeisterin in der CDU-Hochburg Steglitz-Zehlendorf. Der Unterhaltungswert der Berliner Kulturpolitik dürfte also weiter hoch bleiben.

Die Julia Stoschek Foundation verlässt einer Pressemitteilung zufolge Berlin.

Den überraschenden Tod von Jenny Falckenberg meldet dpa. Und BILD wäre nicht BILD, wenn sie Stefan Schneider und Thomas Koop nicht noch ein bisschen Schmutz auskübeln ließe.