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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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Artissima 2026; Foto Stefan Kobel
Artissima 2026; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 45 2026

Die Turiner Artissima setze in ihrer aktuellen Ausgabe weniger auf Italienisches und mehr auf Internationalität, stellt Nicole Scheyerer in der FAZ vom 31. Oktober fest: „Arte Povera ist dieses Jahr weniger präsent als früher, dafür tritt die 33. Artissima noch zeitgenössischer und vielfältiger auf. Nach der Londoner Frieze und der Art Basel Paris kommen hier Sammler mittlerer Budgets auf ihre Kosten. Die Anzahl der ausstellenden Galerien stieg von 170 auf 183. Viele sind zum ersten Mal dabei. Auch die unter Fassis Ägide forcierte Internationalisierung der Messe schreitet voran, so sind etwa acht Galerien aus Asien und vier aus Südafrika vertreten.“ Die Netzwerkfunktion der Messe betont Arun Kakar bei Artsy: „Vielmehr ist es eine Drehscheibe für Experimente, bei der gewagte Präsentationen, aufstrebende Künstler und junge Galerien im Mittelpunkt stehen. Für Sammler bedeutet das die Chance, unbekannte Namen zu entdecken und Werke vielversprechender Künstler schon früh in ihrer Karriere zu erwerben. Auch bei Kuratoren und Museumsdirektoren ist die Messe sehr beliebt – sie kommen hierher, um Talente zu entdecken und Kontakte zu knüpfen, die den Künstlern später institutionelle Chancen eröffnen können.“ Die Rolle der in öffentlichem Besitz stehenden Messe als kulturpolitisches Instrument erregt auch international Interesse. So war die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ina Brandes in Turin, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Ihr Bundesland verfügt immerhin über zwei internationale Kunstmessen, eine davon ebenfalls indirekt in öffentlicher Hand, wovon man allerdings nicht allzu viel merkt. Ich war für Artmagazine in Turin.

Die Unzufriedenheit vieler Galerien mit der vorzeitigen Schließung der Art Basel Paris und ein mögliches Nachspiel thematisiert Jeni Fulton ausführlich bei Monopol. Demnach beklagen die Aussteller nicht nur entgangenen Umsatz, sondern auch die Kommunikation der Messeleitung: „Auf die Frage nach Rückerstattungen erklärte die Messe-Sprecherin: 'Zwar können wir uns noch nicht zu konkreten finanziellen oder vertraglichen Maßnahmen äußern, doch stehen wir in direktem Kontakt mit unseren Galerien und werden diese Angelegenheiten so bald wie möglich mit ihnen klären.' Am 29. Oktober, dem Tag nach dem Brief der CPGA, schrieb Crippa an die Aussteller, dass die Schließung 'unsere Galerien auf unterschiedliche Weise getroffen hat', und versprach 'in den kommenden Tagen konkrete Neuigkeiten'.“ Da wird es wohl auf das Kleingedruckte in den Geschäftsbedingungen ankommen. Auf Höhere Gewalt wird sich die Messe nicht berufen können, da die Schließung nicht behördlich angeordnet war. Doch selbst in einem solchen Fall könnte die Art Basel Kulanz walten lassen. Früher wäre eine gütliche Einigung mit den Galerien, einst die wichtigsten Kunden der Messe, wahrscheinlich einfacher gewesen. Doch inzwischen ist die Art Basel nicht mehr weitgehend in öffentlichem Besitz und wird von einem New Yorker Konzern gesteuert. Da dürfte sehr viel genauer aufs Geld geschaut werden, das zu einem nicht unwesentlichen Teil von den Sponsoren mit ihren Lounges auf der Art Basel kommt.

Die Art Basel Qatar hat ihre Teilnehmerliste bekanntgegeben. Die umfangreiche staatliche Förderung für die Teilnehmer führt Margret Carrigan bei Artnet auf: „Die Messe unterstützt auch bei ihrer zweiten Ausgabe weiterhin die Teilnahmekosten für die Aussteller – ein deutlicher Unterschied zu anderen Art Basel-Veranstaltungen, der durch die Partnerschaft mit den staatlich unterstützten Einrichtungen Qatar Sports Investments (QSI), QC+ (dem kommerziellen Zweig von Qatar Museums) und Visit Qatar ermöglicht wird. Dazu gehören Zollabfertigung, Transport vor Ort, Sammellagerung und Aufbaudienste, Hotelunterkunft für bis zu zwei Mitarbeiter sowie Reise- und Hotelkosten für die ausstellenden Künstler. Angesichts gestiegener Versandkosten und Reisebedenken aufgrund des Iran-Kriegs übernimmt die Art Basel zudem 50 Prozent der Kosten für den Rücktransport unverkaufter Werke, bis zu 20.000 US-Dollar pro Galerie.“ Für Monopol versuche ich eine Einordnung (englisch).

Einen Ausblick auf die neue Architektur der Art Cologne nach ihrem Umzug im Jahr 2027 gibt Michael Kohler (der offensichtlich noch nicht dem KI-Kahlschlag des Verlags zum Opfer gefallen ist) im Kölner Stadt-Anzeiger: „Auch sonst wird sich 2027 einiges ändern. Die neue Art Cologne verteilt sich nicht mehr auf zwei Etagen, sondern auf zwei hintereinander liegende Hallen. Im vorderen Bereich werden, so Hug, voraussichtlich die Einsteiger-Sektoren „Collaborations“, „Neumarkt“ und mutmaßlich „Art + Object“ liegen, im hinteren Bereich sollen die etablierten Händler ihre Kojen beziehen. „Alles auf einer Fläche“, schwärmt Hug und kündigt als Fluchtpunkt am Ende der hinteren Halle eine 35 Meter breite Bartheke an.“

Über die Eigenschaften und Vorteile kleiner Einladungsmessen wie Prospect Cologne oder Post-Fair in Paris spricht Kate Brown für Monopol mit deren Machern.

Sotheby's schlägt einen weiteren Pflock in der Golfregion ein, berichtet Hikmat Mohammed bei Artnews: „Sotheby’s baut seine Aktivitäten in der Region weiter aus und veranstaltet am 10. Dezember, einen Tag vor der Eröffnung des Guggenheim, seine erste Kunstauktion in Abu Dhabi. Als Teil der Sotheby’s Collectors’ Week, die letztes Jahr zum ersten Mal stattfand, kehrt die bevorstehende zweite Ausgabe mit Kategorien wie Autos, Schmuck, Uhren, Hochleistungsfahrrädern und Handtaschen zurück, die am 9. Dezember unter den Hammer kommen. Die spezielle Kunstauktion trägt den Titel 'Breaking Ground' – eine Anspielung darauf, dass die Stadt laut einer Pressemitteilung 'von Grund auf neu geschaffen' wurde – und findet im neuen Saadiyat Grove Experience Center auf der Insel Saadiyat statt, dem kulturellen Zentrum der Stadt.“

Der Geschäftsbericht von Phillips in Großbritannien sei bedingt positiv, urteilt Hikmat Mohammed bei Artnews: „In dem Bericht heißt es, dass der Konzern und das Unternehmen 'in der Vergangenheit Verluste verzeichnet haben und sich zum Stichtag in einer Netto-Schuldenposition befinden'. Die Vorstandsmitglieder gaben an, eine schriftliche Bestätigung von Phillips’ oberster Muttergesellschaft, der Mercury Group Trading Limited, erhalten zu haben, wonach diese beabsichtigt, weiterhin 'finanzielle Unterstützung' zu leisten, und 'bestätigt hat, dass sie über die finanziellen Mittel' dafür verfügt. Allerdings heißt es in dem Bericht auch, dass Phillips weiterhin von seinen obersten wirtschaftlichen Eigentümern abhängig ist, deren Unterstützung 'nicht garantiert werden kann'. Sowohl die Vorstandsmitglieder als auch der Wirtschaftsprüfer stuften dies als 'wesentliche Ungewissheit' ein, die 'erhebliche Zweifel' an der Fortführungsfähigkeit des Konzerns aufkommen lassen könnte.“

Die nicht so guten Geschäftszahlen von Pace und die besseren von Hauser & Wirth sowie David Zwirner in Großbritannien hat sich Margaret Carrigan für Artnet (evtl. Paywall) angesehen: „Betrachtet man die Kunstverkäufe von Hauser & Wirth und geht man davon aus, dass sich die Umsatzkosten in Höhe von 34,6 Millionen Pfund größtenteils darauf beziehen, lag die Bruttomarge bei etwa 16 Prozent – ein Anstieg gegenüber etwa 12 Prozent im Jahr 2024. Das liegt nahe an Zwirner, dessen ausgewiesener Umsatz ausschließlich aus Kunstverkäufen besteht: Die Marge betrug dort 19,5 Prozent, ein Anstieg gegenüber 16,4 Prozent. Bei Pace lief es anders. Nach Abzug der direkten Kosten blieben etwa 19 Cent von jedem Dollar übrig – ein Rückgang gegenüber etwa 30 Cent im Vorjahr –, und nach Abzug der sonstigen Aufwendungen verlor das Unternehmen etwa 8 Cent pro Dollar Umsatz.“

Insgesamt hinke der britische Kunstmarkt der weltweiten Entwicklung hinterher, ist das Ergebnis einer Studie (PDF), die Arts Economics für den britischen Kunsthändlerverband BAMF erstellt hat. Riah Pryor fasst die Ergebnisse für das Art Newspaper (evtl. Paywall) zusammen: „Ein Bericht, der diese Woche anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der British Art Market Federation (BAMF) veröffentlicht wurde und von Arts Economics verfasst wurde, ergab, dass Großbritannien gemessen am Umsatzwert weiterhin der zweitgrößte Kunstmarkt der Welt ist und von 2,6 Mrd. £ im Jahr 1996 auf 8 Mrd. £ im Jahr 2025 gewachsen ist. Großbritannien nimmt auch weiterhin eine dominierende Position in Europa ein und hält über 50 % des Marktanteils auf dem Kontinent. Allerdings verlief die Erholung von den aufeinanderfolgenden wirtschaftlichen Schocks schwächer als bei den wichtigsten Konkurrenten. Seit dem Tiefpunkt des Marktes im Jahr 2009 infolge der globalen Finanzkrise sind die Umsätze in Großbritannien bis 2025 um 17 % gestiegen, verglichen mit einem Wachstum von 114 % in den USA und 51 % weltweit.“

Centre Pompidou, MoMA und M+ haben sich zur Bildung eines Museumskartells verabredet, berichtet Sarah Douglas bei Artnews.

Wie sich mit Kunstgeschenken in den USA und Österreich Steuern sparen lassen, hat Olga Kronsteiner für den Standard recherchiert: „Denn Wohltäter können den Marktwert der Kunstwerke auf bis zu 30 Prozent ihres Bruttoeinkommens für das Jahr der Spende geltend machen, wobei nicht genutzte Anteile auf bis zu fünf nachfolgende Steuerjahre vorgetragen werden können. Durch Schenkungen von Vermögenswerten zu Lebzeiten, lässt sich in den USA außerdem die aus dem steuerpflichtigen Nachlass ermittelte Erbschaftssteuer reduzieren. […] Auch in Österreich sind Sachspenden in Form von Kunstwerken an gewisse Einrichtungen begrenzt abzugsfähig: konkret zehn Prozent des Gesamtbetrages der Einkünfte des jeweiligen Jahres als Sonderausgabe für Privatpersonen oder des Gewinns des laufenden Wirtschaftsjahres als Betriebsausgabe für Unternehmen. Die 'tagesaktuelle' Liste der begünstigten Einrichtungen findet sich auf der Website des Finanzministeriums und umfasst derzeit 26 Museen. Dazu gehören auch die Bundesmuseen, die regelmäßig mit Schenkungen bedacht werden.“

Die Kataloge der Nachlassversteigerungen des Kunstkritikers Walter Vitt und des Ausstellungsmachers Wulf Herzogenrath bei Van Ham in Köln und Grisebach in Berlin habe ich mir für Monopol (Paywall) angesehen.

Über seine Vorstellung von Kunst, Ausstellungen, Museen und NFTs spricht Vignesh Sundaresan, der Kryptounternehmer, der 2021 unter dem Pseudonym Metakovan als Käufer von Beeples "Everydays: The First 5,000 Days" für knapp 70 Millionen Dollar berühmt geworden ist, mit Tobi Müller für Monopol (Paywall): „Gute Investoren sagen: Kaufe günstig, verkaufe teuer (lacht). Heute finde ich, dass ein gutes NFT wie eine Skizze ist, die man zeichnet, zusammenrollt und dann irgendwo aufbewahrt. Und in zehn Jahren entdeckt sie jemand und hängt sie auf. Ich wünsche mir, dass sich die digitalen Medien so weiterentwickeln, dass Künstler nicht ständig unter Druck stehen, ihre Werke marktgerecht zu gestalten. [...] Und da bleiben NFTs interessant, denn sie sind eben Marker für Daten, die nicht bei einem digitalen Unternehmen oder einem großen Technologiekonzern liegen. Wir sind im Stadium der Skizzen. In ein paar Jahren wissen wir mehr und sehen, ob die Zeit den NFTs zugutekommt. Ich denke, es ist ein bisschen wie beim Einlegen von Gewürzgurken!“

Dinosaurier scheinen sich als neues Lieblingsspielzeug der Superreichen zu etablieren, zum Ärger von Wissenschaftlern. Den jüngsten Hochpreis-Zuschlag von 47,3 Millionen US-Dollar bei Sotheby's in New York meldet Angus Thompson bei der BBC: „Das etwa 10 Fuß (3 m) große Skelett mit dem Spitznamen 'Jodi' wurde bei Sotheby’s in New York versteigert. Der Verkauf erfolgte ein Jahr, nachdem Forscher bestätigt hatten, dass das Skelett zu einer eigenständigen Gattung gehört. Man ging davon aus, dass der Fleischfresser aus der späten Kreidezeit am Dienstag mindestens 9 Millionen Dollar einbringen würde, als er unter den Hammer kam. Die Auktion folgt auf den Verkauf eines Tyrannosaurus rex namens 'Gus' durch Sotheby’s im Juli, der einen Rekordpreis von 50,1 Millionen Dollar erzielte. Der Verkauf hat in der wissenschaftlichen Gemeinschaft erneut eine Debatte darüber entfacht, ob Dinosaurierüberreste privat verkauft oder öffentlich ausgestellt werden sollten.“

Vielleicht ist KI doch zu etwas gut. Zumindest setzt die italienische Polizei sie bei der Fahndung nach gestohlenen Kunstobjekten erfolgreich ein, berichtet Sofia Quaglia bei der BBC: „[Oberstleutnant Salvatore] Rapicavolis Team ist seit Jahrzehnten darauf spezialisiert, gestohlene Kunstwerke landesweit aufzuspüren. Er sagt, dass das neuartige, maßgeschneiderte KI-System, das sie auf der Messe getestet haben, ihre Arbeit enorm verbessert hat. Seitdem kann das Team gestohlene Kunstwerke schneller aufspüren und Details erkennen, die das menschliche Auge normalerweise nicht wahrnehmen kann. 'Die Zahl der Treffer ist exponentiell gestiegen', sagt Rapicavoli. Seit seiner Einführung im November 2023 hat das KI-System seinem Team dabei geholfen, mehr als 300 große geraubte Gemälde und Statuen sowie mehr als 165.000 kleinere Münzen, Medaillen, Briefe, Manuskripte, religiöse Gegenstände, Briefmarken und Karten im Gesamtwert von über 203 Millionen Euro (170 Millionen Pfund, 226 Millionen Dollar) wiederzufinden. Die Fortschritte in Italien – sowohl in technischer als auch in politischer Hinsicht – haben weltweit den Weg für den Einsatz von maschinellem Lernen bei Ermittlungen in Kunstdiebstahlfällen geebnet und versprechen, das globale Vorgehen gegen Kunstdiebe zu revolutionieren.“

Zum Schluss noch ein realsatirischer Schwank aus dem Trump-Universum, den Zachary Small für die New York Times aufzeichnet: „Skulpturen aus dem US-Pavillon auf der Biennale in Venedig könnten in Italien stranden, nachdem das von der Trump-Regierung für den Aufbau der Ausstellung ausgewählte Team mitteilte, es benötige dringend Mittel, um die Werke nach Hause zu holen. Das Außenministerium übernahm einen kleinen Teil der Kosten für den Aufbau des amerikanischen Beitrags zur weltweit wichtigsten Kunstausstellung dieses Jahres. Es war Aufgabe einer gemeinnützigen Organisation, den Rest der Mittel aufzubringen. Doch als es an der Zeit war, nach Hause zu fahren, reichte das Geld dieser Organisation nicht aus.“