Kobels Kunstwoche 19 2026
Das Berliner Gallery Weekend bezeuge die Resilienz der hiesigen Kunstszene, freut sich Niklaas Maak in der FAZ (Paywall): „Was verschwunden ist, sind allenfalls die günstigen Mieten für Wohnungen und Ateliers, und der Senat tut immer noch zu wenig, um die Kunstwelt, mit der die Imagekampagnen der Hauptstadt gern Werbung machen, in der Stadt zu halten. Die gute Nachricht lautet: Trotz Arbeits- und Wohnbedingungen, die mittlerweile ähnlich miserabel sind wie in New York, hat Berlin immer noch eine spannende, neue Generation von Künstlern, Kuratoren, Galeristen und Sammlern […] Was in Berlins Kunstwelt passiert, kann man auf dem diesjährigen Gallery Weekend sehen, das trotz der globalen Kunstmarktkrise zum 23. Mal stattfindet.“ Die kritischen Punkte sieht er allerdings auch, etwa die Ausstellungspolitik der Neuen Nationalgalerie: „Warum nervt Beeple so? Erstens, weil Roboterhunde mit Überwachungskamera und körperlose Köpfe die langweiligste Metapher für die Folgen der Digitalisierung sind ('sie machen uns zu Robotern, die Bilder verdauen'). Zweitens, weil jede Hito-Steyerl-Arbeit klügere Bilder dafür findet und man sie lieber groß in der Nationalgalerie sehen würde als Beeples One-Liner. Und wie gesagt: Es gäbe ja genügend gute neue Kunst in Berlin, die man zeigen könnte.“ Tut man aber nicht, siehe Maurizio Cattelan anstelle von Avantgarde. Die Institutionen passen sich halt dem Niveau der Immobilienpreise an und spielen auch ein bisschen New York. Oder Miami. So rosig sind die Aussichten für die Berliner Kunstszene dann vielleicht doch nicht. Der einzige frei zugängliche Artikel der Berliner Zeitung zum Gallery Weekend ist eine Mode-Strecke von Isabell Gielisch und Maxima Tribull mit Rolex und Dior-Täschchen.
Manchmal hilft die kritische Außensicht, die aber nicht immer auf offene Ohren stößt. Kabhir Jhala schreibt im Art Newspaper: „Das Modell ist erfolgreich und wurde von London bis Warschau dutzende Male kopiert, ist jedoch nicht frei von Mängeln. Wer sich nur auf die GWB-Karte stützt, könnte sich fragen, ob Berlins kommerzielle Kunstszene nach 2015 aufgehört hat zu wachsen. Von den Galerien, die regelmäßig teilnehmen, wurden nur vier – Noah Klink, Sweetwater, Schiefe Zähne und Molitor – im letzten Jahrzehnt gegründet. Anders als bei einer Kunstmesse bewerben sich die Galerien nicht. Vielmehr werden sie von einem Auswahlkomitee zur Teilnahme eingeladen, und die Liste der Aussteller bleibt 'Jahr für Jahr mehr oder weniger gleich', sagt GWB-Direktorin Antonia Ruder. Dem Auswahlverfahren wurden bereits Vorwürfe des Elitismus und der Undurchsichtigkeit gemacht, doch 'Platz ist ein zentrales Thema', so Ruder. 'Wir müssen sicherstellen, dass es möglich ist, alle Galerien an einem Wochenende zu besuchen, und eine gewisse Ausstellungsqualität gewährleisten.'“
Eine Lanze für Kunst auf Papier, die sich die Messe Paper Positions auf die Fahnen geschrieben hat, bricht Michaela Nolte im Tagesspiegel (Paywall; aktuell 5 Monate für insgesamt 5 Euro) : „Nicht zuletzt haben die engagierten Messemacher auch zukünftige Sammelnde im Blick. Ein vergleichsweise niedriges Preisniveau bietet auf der Paper Positions gerade dem Nachwuchs Orientierung. Denn wenn eine professionelle Galerie junge Kunstschaffende vertritt und ihnen Marktpotenzial zutraut, ist das ein erstes gutes Zeichen .Als erschwingliche Einstiegskunst bietet sich außerdem Druckgrafik namhafter Künstlerinnen und Künstler an.“ Auch Monopol hat Freude an der Veranstaltung: „Die diesjährige Ausgabe der Paper Positions zeigt einmal mehr, dass sie durchaus fähig zu Kontrasten ist. Es ist das Material, das all das zusammenhält. Und vielleicht ist es genau das, was die Messe nach zehn Jahren so stabil macht: dass sie sich auf ein scheinbar kleines Format konzentriert – und darin genug Raum für ziemlich große Bilder findet.“
Die Art Monte Carlo hat den Besitzer gewechselt. Dessen Pläne erläutert Georgina Adam im Art Newspaper: „Mit nur 26 Ausstellern ist dies eine kleine Messe mit großen Ambitionen: Sie wurde im vergangenen Jahr von Informa Prestige von Palexpo, dem Eigentümer der Art Geneva, übernommen. Dabei handelt es sich um einen neu gegründeten Luxuszweig von Informa, der zahlreiche Messen in Bereichen wie Yachting und Supersportwagen organisiert. John Paton, Vorstandsvorsitzender, erklärt, dass die Strategie darin besteht, die Marktpräsenz auszubauen: Das Unternehmen besitzt bereits die Messe 'Untitled' in Miami. 'In diesen Bereichen gibt es sich ergänzende Zielgruppen, mit einer Kundschaft aus vermögenden Sammlern', sagt er.“
Die Kunsthändler Lévy Gorvy Dayan steigen jetzt auch ins Geschäftsfeld der exklusiven Private Auctions ein, meldet Daniel Cassady, bei Artnews: „Auktionshäuser haben auf niedrigere Schätzpreise gesetzt, um den Absatz von Werken anzukurbeln, und die Ergebnisse waren solide. Hohe Verkaufsquoten und eine Reihe erfolgreicher Auktionen haben die Verkäufer dazu bewegt, wieder am Wettbewerb teilzunehmen. Nun möchte LGD Hammer diesen Druck in den Galeriebetrieb übertragen. Anstatt ein Werk in eine überfüllte Abendauktion einzubringen, wird die Galerie ein Gemälde zu einem festgelegten Zeitpunkt einer kleineren Gruppe von Käufern anbieten. Dominique Lévy, Mitbegründerin der in New York ansässigen Galerie, wird als Auktionatorin fungieren und dabei auf ihre langjährige Erfahrung bei Christie’s zurückgreifen, um den Verkauf zu leiten. Das erste Werk ist Willem de Koonings 'Milkmaid' (1984) mit einer Schätzung von 10 bis 15 Millionen Dollar.“ Ein Kunsthändler aus der Schweiz, der zu der Auktion eingeladen wurde, hält das Werk für überteuert, es „50-100% über dem Retail-Preis angesetzt.“
Das neue Geschäftsmodell der ehemaligen Sotheby's-Mitarbeiterin Kimberly Pirtle beschreibt Daniel Cassady bei Artnews: „Mit der Gabriel Advisory Group versucht sie, einen neuen Ansatz zu etablieren. Das Unternehmen ist sowohl auf dem Primär- als auch auf dem Sekundärmarkt tätig und berät Sammler bei Ankäufen, während es gleichzeitig philanthropische Strategien und das Engagement institutioneller Akteure begleitet. Für manche Kunden bedeutet dies, sich auf Auktionen zurechtzufinden und Beziehungen zu Galerien zu pflegen. Für andere bedeutet es, Strategien für wohltätige Schenkungen zu entwickeln oder enger mit Museen und Stiftungen zusammenzuarbeiten.“
Das Metropolitan Museum of Art kann dank einer Spende Praktikanten jetzt und in Zukunft auch bezahlen, ist einer Pressemitteilung zu entnehmen. Lee Anne Miller erläutert die Details für Artnews: „Jennifer Rubio und ihr Ehemann Stewart Butterfield haben dem New Yorker Museum 23 Millionen Dollar zugesagt. Rubio ist eine Unternehmerin, die die allgegenwärtige Reisemarke Away gegründet hat, und Butterfield, der im Vorstand des Whitney Museum of American Art und der Dia Art Foundation sitzt, ist ein Software-Manager, der Flickr und Slack mitbegründet hat. Die Spende ist für das Praktikumsprogramm des Met vorgesehen und soll sicherstellen, dass alle Praktika für Studierende und Absolventen voll vergütet werden. Die Zusage, so Met-Direktor Max Hollein in einer Erklärung, werde 'einen kontinuierlichen Zustrom neuer Stimmen und innovativer Ideen in die Branche' unterstützen.“
Die Ernennung von Finanzsenator Stefan Evers Kultursenator findet Tobias Timm in der ZEIT unglücklich: „Es gleicht eher einer Bankrotterklärung, aber im wahrsten Sinne. Die zum Teil sowieso unterfinanzierten Kulturinstitutionen werden nun dem obersten Sparkommissar selbst unterstellt. Evers – der kulturaffin sein soll, den aber zumindest der Autor dieser Zeilen noch nicht auf Premieren und Vernissagen in der Stadt gesehen hat – kündigte auch gleich an, die »begonnenen Reformen weiter voranzubringen«. Reformen, das bedeutete in den vergangenen Jahren in Berlin vor allem: harte Budgetkürzungen. Wer aber soll den Kulturhaushalt in den kommenden Monaten bis zur Neuwahl im September vor den Kürzungen durch den Finanzsenator verteidigen? [...] Es wird das perfekte Zwiegespräch sein, das Stefan Evers in Zukunft als Doppelamtsträger in allen kritischen Fragen führen wird. Und zwar mit sich selbst.“
Für 23 Jahre muss in den USA ein Betrüger ins Gefängnis, der eine angeblich mit Kunst und Gold besicherte Kryptowährung verkauft hat, berichtet Brian Boucher bei Artnews: „Fünf Jahre lang, zwischen 2018 und 2023, gab Dunlap vor, ein Kryptowährungsunternehmen zu betreiben, das einen digitalen Vermögenswert namens 'Meta-1 Coin' vermarktete. Er versicherte potenziellen Investoren, dass dieser Vermögenswert durch Kunstwerke im Wert von bis zu 1 Milliarde US-Dollar und Gold im Wert von 44 Milliarden US-Dollar gedeckt sei“. Kunst im Wert von einer Milliarde Dollar im Hintergrund einer völlig unbekannten Kryptowährung? Kann schon sein, bei diesem verrückten Kunstmarkt und diesen Milliardären und so... Aber 44 Milliarden Dollar in Gold – wer glaubt so etwas?
Die insolvente Londoner Stephen Friedman hinterlässt einen Schuldenberg von 7,8 Millionen Pfund, hat Anny Shaw für das Art Newspaper recherchiert: „Aus den Unterlagen geht hervor, dass den Gläubigern insgesamt 7,8 Millionen Pfund geschuldet werden, wobei die Bank Coutts & Company einen Verlust von 3,1 Millionen Pfund verzeichnet. Als gesicherter Gläubiger wird die Bank voraussichtlich 65 % ihrer Forderungen zurückerhalten. [...] Stephen Friedman, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, ist der alleinige Geschäftsführer der Galerie und hält 100 % des gesamten Aktienkapitals. Vor der Zwangsverwaltung beschäftigte die Galerie 27 Mitarbeiter im Vereinigten Königreich und weitere fünf Personen in den USA.“