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Kunstwoche

Kobels Kunstwoche

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"Umweltverantwortliche" Super-Jachten; Foto Stefan Kobel
"Umweltverantwortliche" Super-Jachten; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 41 2026

Die nächste Kunstmesse geht an einen Irgendwas-Konzern. Den Verkauf der New Yorker Independent an Informa aus London melden Brian Boucher und Maximilíano Durón bei Artnews: „Zu den Hauptaktionären [Informas] zählen BlackRock, Newton Investment Management, Lazard Asset Management, Norges Bank, Artemis Investment Manager und Invesco. Informa ist an der Londoner Börse notiert und gehört zum FTSE-100-Index. Die 14.000 Mitarbeiter sind auf rund 42 Länder verteilt. Die Übernahme von Independent ist die erste Kunstmarke des Unternehmens mit Sitz in New York. Zu den weiteren namhaften Projekten von Informa gehören die Monaco Yacht Show und die Cannes Lions. Ebenfalls unter dem Dach von Informa steht South Florida Ventures, der Veranstalter von Kunstmessen wie Untitled Art, Art Miami und Palm Beach Modern and Contemporary; Independent wird jedoch unabhängig von South Florida Ventures bleiben.“

Währenddessen bespielt mit dem Designmarktplatz basic.space ein weiterer Messeeigentümer (Design Miami) mit einer Verkaufsausstellung den Showroom von Christie's in Beverly Hills, wie Alice Morby bei Hypebeast meldet.

In seinem nachgereichten Bericht zur Contemporary Istanbul weist Osman Can Yerebakan im Art Newspaper (evtl. Paywall) auf eine überraschende Ankündigung ihres Eigentümers Ali Güreli hin: „Während die Messe bereits ihre Rückkehr für 2027 angekündigt hat – in derselben Woche wie die 19. Istanbul-Biennale –, hat Güreli auch Pläne, eine weitere Messe auf der asiatischen Seite der Stadt ins Leben zu rufen. Er fügte hinzu, dass sein Unternehmen derzeit mit dem Ministerium für Kultur und Tourismus über eine Reform der Kunstbesteuerung verhandelt, ähnlich der kürzlich in Italien beschlossenen Senkung der Steuer auf Kunstkäufe auf 5 %. 'Wir brauchen Anreize, um Unternehmen dazu zu ermutigen, Kunst zu sammeln', sagte er.“

Das Programm der Frieze Abu Dhabi stellt Werner Remm bei Artmagazine vor und ich das der Art Basel Miami Beach.

In einem seltenen Fall von abwägendem Journalismus lässt die Art Basel in ihren Stories Eileen Kinsella die Tendenzen in der New Yorker Galerienszene untersuchen: „Doch hinter all dem Trubel verändert sich etwas Grundlegenderes. New Yorks Galerien werden immer flexibler darin, wie sie sich in der Stadt positionieren: Sie teilen sich Räumlichkeiten, schließen sich für Ausstellungen und Kunstmessen zusammen und nutzen temporäre Räume, um neue Standorte und Zielgruppen auszuprobieren – und gleichzeitig die Fixkosten niedrig zu halten. New York ist besonders anfällig für Pop-ups. Laut dem kürzlich veröffentlichten „Storefront Pop-Up Index“ ist New York die führende US-Stadt für diese Art von Räumlichkeiten. Außerdem gehören Galerien zu den größten Nutzern von Pop-ups. Weltweit machen Kunst und Galerien laut dem Index 15 % der Nachfrage nach temporären Räumlichkeiten aus und liegen damit an zweiter Stelle hinter der Modebranche.“

Sotheby's hat eine weitere schlagzeilenträchtige Sammlung für seine New Yorker Herbstauktion aufgetan, berichtet Anny Shaw im Art Newspaper (evtl. Paywall) : „Jahrzehntelang soll die Blaquier-Arrieta-Sammlung „unter Verschluss“ auf dem Familienanwesen außerhalb von Buenos Aires, Argentinien, aufbewahrt worden sein. Heute werden fünf Gemälde daraus bei Sotheby’s in London vorgestellt, während das Auktionshaus eine internationale Tournee mit impressionistischen und modernen Meisterwerken startet, die von der argentinischen Zuckerindustrie-Erbin Nelly Arrieta de Blaquier und ihrem Ehemann Carlos Pedro Blaquier zusammengetragen wurden. Zwölf Gemälde aus der Sammlung, die zu den größten noch existierenden Privatsammlungen dieser Art zählt, sollen voraussichtlich rund 450 Millionen Dollar einbringen, wenn sie im November in New York unter den Hammer kommen.“ Der große Vermögenstransfer scheint in vollem Gange. Irgendwann wird sich die Frage stellen, wie viele dieser einmalige Gelegenheiten der Markt aufnehmen kann.

Zwei junge deutsche Auktionshäuser, die Kunst zugänglicher machen wollen, stellt Antonia Krinninger in der FAZ vom 2. Oktober vor: „Es ist Anne Karges dritte Auktion. Im Oktober vergangenen Jahres hat sie ihr Auktionshaus in der Dresdener Neustadt eröffnet. Das Versteigerungswesen kennt sie gut. 20 Jahre hat sie zuvor in anderen Häusern der Branche gearbeitet. Zwölf Jahre war die Kunsthistorikerin bei ihren Kindern zu Hause. 'Jetzt ist meine Zeit', sagt sie. Im Auktionshaus Karge soll vieles anders laufen als bei der traditionellen Konkurrenz. 'Mir liegt dieses Unpersönliche nicht', sagt Karge. 'Ich will das auf meine Art machen.' 'Dieses Unpersönliche' hat auch den Berliner Auktionator Sebastian Greber zuerst vom Kunstmarkt ferngehalten. In Auktionshäusern habe er sich oft unwohl gefühlt, erzählt er. 'Alles war so förmlich, meine Schuhe haben auf dem Boden gequietscht.' Nach einer Bankausbildung studierte Greber BWL. In die Kunst habe er sich 'reingefuchst'. Im November 2021 gründete er dann das Auktionshaus am Grunewald. […] Im Auktionshaus am Grunewald gibt es Kunst ebenfalls schon für kleines Geld. Bei jeder Versteigerung sind Werke ab einem Schätzpreis von 100 Euro dabei. Damit verdienten sie nichts, räumt [Lena] Winter ein, aber nur so könne man vor allem jungen Leuten den Einstieg ermöglichen. Die Strategie scheint aufzugehen. Einige Bieter seien in ihren Zwanzigern und inzwischen Stammgäste bei den Auktionen.“

Sehr lose ist der Zusammenhang mit dem Kunstmarkt, den Eva Karcher in ihrem Bericht über die neuesten Mega-Yachten für den Kunstmarkt-Teil des Handelsblatts vom 2. Oktober herstellt: „Peter Marino, Stararchitekt und Interior-Designer vieler Maisons von Louis Vuitton, der umsatzstärksten Marke des Luxuskonzerns LVMH, stattete das 101,5 Meter lange Schiff, das 2015 von der niederländischen Werft Feadship ausgeliefert wurde und damals bereits rund 150 Millionen Dollar kostete, zusammen mit dem bekannten Yacht-Designer François Zuretti mit allen Ingredienzen exzentrischer Exklusivität aus - afrikanisch-balinesisch-thailändisches Mobiliar, eine Vielzahl erlesener Materialien wie Seide, Leder, Bambus und Satinholz und Kunst, ja: große Kunst. Denn Arnault zählt zu den weltweit bedeutendsten Kunstsammlern und gründete die Pariser Fondation Louis Vuitton. Vor Kurzem soll er eine neue Megayacht in Auftrag gegeben haben, die 143 Meter lang sein, über ein rund viermal so großes Volumen wie die Symphony verfügen und 650 Millionen Dollar kosten soll.“ Die Überschrift des Artikels lautet: „Umweltverantwortung statt protziger Selbstdarstellung“. Fast möchte man lachen.

Mangelnde Finanzierung ist laut einer Studie die größte Bedrohung für Kulturerbestätten, berichtet Francesca Aton bei Artnews: „ In einer neuen Studie, die der World Monuments Fund (WMF) diese Woche veröffentlicht hat, kam die gemeinnützige Organisation zu dem Ergebnis, dass unzureichende öffentliche Mittel die größte Bedrohung für Kulturerbestätten weltweit darstellen. Diese Bedrohung ist nach wie vor größer als Klimagefahren und Fachkräftemangel. Die Untersuchung wurde im Rahmen des umfassenderen Nominierungsprozesses der Organisation für ihre kommende 'World Monuments Watch'-Liste 2027 durchgeführt, die im Februar bekannt gegeben werden soll. Seit 1996 veröffentlicht der WMF die Liste alle zwei Jahre, um auf Finanzierungslücken im Bereich des Denkmalschutzes aufmerksam zu machen. Für die Liste 2027 gingen 372 Nominierungen ein – fast doppelt so viele wie im Jahr 2025.“

Die Schweiz investiert in Provenienzforschung, berichtet Anne Doran bei Artnews: „ Die Schweizer Regierung stellt 2,4 Millionen Dollar für die Erforschung der Provenienz von Objekten in ihren Museen und Sammlungen bereit, wie das Bundesamt für Kultur Anfang dieser Woche bekannt gab. Nach einer öffentlichen Ausschreibung wurden Fördermittel für 26 Projekte im Zeitraum 2027–2028 bewilligt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Objekten, die von Schweizer Institutionen im kolonialen, archäologischen und nationalsozialistischen Kontext erworben wurden. Die ausgewählten Projekte reichen von Initiativen, an denen mehrere Museen beteiligt sind, über Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften bis hin zur individuellen Katalogisierung von Archiven und Datenbanken.“

Wolfram Weimers Amtszeit entwickelt sich immer zur Polit-Soap. „Dokumente wecken Zweifel an Weimers Darstellung“ meldet zuerst Jonas Mueller-Töwe am 30. September bei t-online. „Hat Weimer die Bedenken seiner Beamten erfunden?“ titelt daraufhin Patrick Bahners am 1. Oktober in der FAZ. Eine öffentlich zugängliche Pressemitteilung des BKM zu den Vorwürfen gibt es nicht. Eine verschiedenen Redaktionen zugesandte Stellungnahme lässt sich unter anderem in der ZEIT nachlesen.

Beim Millionenraub eines Diamantcolliers aus dem MAK in Wien habe das Museum alles richtig gemacht, habe ein vom MAK beauftragtes Gutachten ergeben, meldet der ORF.