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Doha; Foto Stefan Kobel
Doha; Foto Stefan Kobel
Portraitfoto von Stefan Kobel

Stefan Kobel

Kobels Kunstwoche 6 2026

Nifty Gateway macht dicht. Der bekannten NFT-Plattform wird von ihrer Muttergesellschaft Gemini, einem Krypto-Dienstleister der Winklevoss-Brüder mit Sitz auf Malta, der Stecker gezogen. Künstler, Sammler und „Investoren“ haben bis 23. April Zeit, ihre Assets zu anderen Plattformen zu transferieren. Valentina di Liscia kommentiert bei Hyperallegic: "Auf dem Höhepunkt der NFT-Spekulation im Jahr 2021 meldete Nifty Gateway einen Bruttowarenwert von 300 Millionen US-Dollar, gestützt durch hochkarätige Transaktionen wie den Verkauf einer Kollektion von Pak in Zusammenarbeit mit Sotheby's für 17 Millionen US-Dollar. Doch dann ging es schnell bergab, als der Handel mit Blockchain-gestützten Sammlerstücken um Milliarden von Dollar einbrach, was viele Kommentatoren als das Platzen der NFT-Blase bezeichneten. Bis 2023 waren laut einem Bericht der Krypto-Glücksspiel-Analyse-Website dappGambl 95 % der NFTs praktisch wertlos. Der anhaltende Rückgang des NFT-Handelsvolumens führte zu einer Welle von Schließungen, wobei Unternehmen wie Kraken und Bybit ihre NFT-Marktplätze drastisch reduzierten. [...] Unterdessen scheint für die Winklevoss-Zwillinge alles rund zu laufen. Vor wenigen Tagen hat die Börsenaufsichtsbehörde SEC zugestimmt, eine langjährige Klage gegen Gemini fallen zu lassen. Die Brüder sind zufällig große Trump-Anhänger, die seine Wiederwahlkampagne unterstützt haben. Sie haben sogar Trumps Abriss des Ostflügels mitfinanziert, um Platz für seinen berüchtigten neuen Ballsaal zu schaffen. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?“

In ihrem Bericht über die Absage der Blockchain-Konferenz NFT in Paris merkt Annika von Taube bei Monopol (Paywall) an: „Es stimmt natürlich, dass der Wert digitaler Kunst längst nicht mehr nur in ihrer Authentifizierbarkeit gesehen wird, und man kann sich freuen, dass mittlerweile mehr Leute von "Kunst" sprechen als von NFTs. Aber: Blockchain ist viel mehr für diese Kunst als nur eine Speicheradresse. Es ist ein Ökosystem, zu dessen Ausgestaltung und Sichtbarmachung Kunst massiv beigetragen hat, was dieses wiederum damit belohnt, dass es die Belange von Kunst unterstützt.“

Sollte die Trump-Regierung ihre Pläne zur Verschärfung der Einreisebedingungen wahr machen, sieht Rob Fields bei Hyperallergic schwarz für den Kunstmarkt in den USA: „Besucher aus 42 Ländern, die am Visa Waiver Program teilnehmen, müssen möglicherweise bald ihre Social-Media-Aktivitäten der letzten fünf Jahre, ihre E-Mail-Adressen der letzten zehn Jahre, alle in den letzten fünf Jahren verwendeten Telefonnummern sowie biometrische Daten wie Gesichts-, Fingerabdruck-, DNA- und Irisdaten offenlegen. Außerdem müssten sie die Namen, Adressen und Geburtsorte ihrer Kinder und anderer Familienmitglieder angeben. Diese Anforderungen gelten auch für enge Verbündete der USA, darunter Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Australien und Japan. Seit 1986 können Bürger aus Ländern, die am Visa Waiver Program teilnehmen, sich ohne Visum bis zu 90 Tage in den Vereinigten Staaten aufhalten. Dies ist nicht nur eine bürokratische Übertreibung. Es ist ein Signal mit sehr realen Konsequenzen für den Kunstmarkt. [...] Märkte sind auf Bewegung angewiesen – von Menschen, Gegenständen, Geld und Ideen. Wenn man Bewegung erschwert, passt sich das System an. Wenn man Reibungspunkte einführt, ändern die Menschen, auf die man angewiesen ist, ihr Verhalten, manchmal sogar drastisch. [...] Wenn die Einreise in die Vereinigten Staaten plötzlich die Preisgabe Ihres digitalen Lebens und der privaten Informationen Ihrer Familie erfordert, wie lange wird es dauern, bis die Menschen sich einfach dafür entscheiden, nicht mehr zu kommen?“ Das dürfte allerdings nicht nur für den Kunstmarkt gelten.

Die Expo Chicago schrumpft zwei Jahre nach ihrer Übernahme durch den Frieze-Konzern auf ihr Normalmaß zurück. Mit etwas über 130 sei die Zahl der Aussteller in diesem Jahr knapp ein Viertel kleiner als im Vorjahr, berichtet Maximilíano Durón bei Artnews. Im Sommer 2023 hatte der Unterhaltungs- und Eventkonzern Endeavor, zu dem die Frieze gehört, die Messe zusammen mit der Armory Show übernommen und das Teilnehmerfeld auf über 170 ausgeweitet. Die Zahl der Galerien entspricht jetzt wieder der Größenordnung vor der Übernahme und beinhaltet immer noch ein Dutzend koreanische Galerien. Letztes Jahr waren es aufgrund einer Kooperation mit dem südkoreanischen Galerienverband noch 20.

Business as usual meldet Lisa-Marie Berndt von der Art Genève für Monopol: „Neben internationalen Schwergewichten wie Hauser & Wirth, Pace, Mennour, Galerie Lelong und Eva Presenhuber ist die Schweizer Szene stark präsent. Galerien wie Fabienne Levy oder Peter Kilchmann haben hier fast ein Heimspiel. Neu dazu kommen unter anderem Louis & Sack aus Paris, Seventeen aus London und Danysz mit Standorten in Paris, Shanghai und London. Die Art Genève bleibt damit eine Schnittstelle zwischen französischem Markt, Schweizer Sammlerszene und internationalem Austausch.“

Salzburg hat jetzt doch eine Kunstmesse zu den Osterfestspielen, meldet Werner Remm bei Artmagazine: "Unter der Voraussetzung selbst keine Teilnehmer:innen für die Veranstaltung organisieren zu müssen, konnte Pelz nach kurzer Zeit ein Bürgerhaus am Waagplatz unweit der Residenz als Austragungsort der vom 27. März bis 26. April stattfindenden 'Salzburg International Fine Art Fair' (SIFAF) benannten Kunstmesse bekanntgeben." Auf fünf Stockwerken sollen 20 Aussteller aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden in eigens adaptierten Salons und Zimmern ihre Kunstwerke präsentieren." Der Name ist für eine Kleinveranstaltung allerdings ganz schön ambitioniert.

Im Vorfeld der Art Basel Qatar zeichnet Melanie Gerlis ein nuanciertes Portrait des Marktplatzes Mittlerer Osten für die Financial Times (evtl. Paywall) : „Einige Galeristen haben privat ihre Besorgnis über die Vorschriften des Regimes gegen gleichgeschlechtliche Aktivitäten, die in Katar illegal sind, und über die Menschenrechtslage der Arbeiter geäußert, für die das Land während seiner Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2022 kritisiert wurde. Selbstzensur scheint zumindest unvermeidlich zu sein, obwohl die Aussteller sagen, dass die Art Basel keine Empfehlungen dazu abgegeben hat, was sie mitbringen sollten und was nicht. Das Auswahlverfahren für die Galerien basiert jedoch auf im Voraus eingereichten Projektvorschlägen. [...] 'Es scheint eine Tendenz unter den einflussreicheren Segmenten des Kunsthandels, insbesondere großen Messen und Auktionshäusern, zu geben, sich in Steueroasen anzusiedeln', sagt James Goodwin, Autor von The International Art Markets (2009). Katar sowie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien haben keine Einkommenssteuer für Einwohner und attraktive Körperschaftssteuerregelungen. Goodwin stellt fest, dass 'sich internationale Kunstmärkte historisch gesehen in der Regel in mehreren Phasen entwickelt haben: Zunächst handelten die Länder mit ihrer eigenen Kunst, dann mit ausländischer Kunst und schließlich mit der internationalen Avantgarde.' Galerien in der Region weisen die Erzählung vom Spielgeld zurück und sprechen stattdessen von einem zeitlich gut abgestimmten Tempowechsel.“

Bedenken in Bezug auf die Art Basel Qatar äußert Uri Binnun bei Tachles aus der Schweiz: „Dass die westlichen Galerien, Auktionshäuser und Museen über teilweise angebrachte ethische Bedenken hinwegsehen, mag sicher mit den enormen finanziellen Mitteln in einem ausgetrockneten Kunstmarkt zu tun haben. 'Art Basel ist in einer Reihe von internationalen Umfeldern tätig, in denen sie Werke sammeln kann. Offensichtlich besteht eine finanzielle Beziehung zwischen der Art Basel und Katar, bei der es um Geld geht. Es gibt offensichtlich eine Verlagerung der Kunst in den Nahen Osten, die auch durch finanzielle Interessen motiviert ist', stellt der Galerist Benjamin Evans aus der Galerie Landau Fine Art fest. [...] Konkret in Bezug auf die Teilnahme an Art Basel Katar bestehen aufgrund der gespannten Lage im Nahost und der engen Beziehungen zwischen Katar und der Hamas Sicherheitsbedenken um jüdische und israelische Künstler und Galeristen während ihres Aufenthalts in Katar. Der israelische Nationalsicherheitsrat rät israelischen Staatsbürgern aufgrund erhöhter Motivation terroristischer Akteure vor Ort, Israelis und Juden anzugreifen, konsequent von jeglicher Reise nach Katar ab.“

In einer zweiten Runde hat Sotheby's nicht nur mit Kunstwerken, sondern auch mit Autos besicherte Kredite gebündelt und weiterverkauft, berichtet Daniel Cassady bei Artnews: „Die Aufnahme von Sammlerautos ist das deutlichste Signal dafür, in welche Richtung sich das Geschäft von Sotheby's entwickeln wird. Anstatt die Kunstkreditvergabe als Nischendienstleistung im Zusammenhang mit Auktionsaktivitäten zu betrachten, positioniert sich das Unternehmen als breitere Finanzierungsplattform für Luxusgüter, die Kredite für alles von Gemälden bis hin zu wertvollen Automobilen vergibt. [...] Für den Kunstmarkt deutet diese Transaktion auf eine stille, aber bedeutende Veränderung hin. Da die Auktionsumsätze weiterhin uneinheitlich sind, ist die Kreditvergabe für große Auktionshäuser zu einer der zuverlässigsten und skalierbarsten Einnahmequellen geworden, ein Trend, der in den letzten Jahren in der gesamten Auktionsbranche zu beobachten war. Ob dieses Modell auch während der nächsten Marktflaute Bestand haben wird, bleibt offen. Vorerst macht die jüngste Verbriefung von Sotheby's deutlich, dass Kunst und nun auch Sammlerautos nicht mehr nur Luxusgüter sind, sondern auch Finanzinstrumente.“

Die Londoner Auktionsumsätze des letzten Jahres referiert Anne Reimers in der FAZ vom 31. Januar: „Im internationalen Kunstmarkt ging es zuletzt bergauf. Der Standort London aber ist im vergangenen Jahr weiter hinter New York zurückgefallen. Bei Sotheby’s lag das nicht zuletzt daran, dass das Unternehmen seine Akquise auf die großen New Yorker Novemberauktionen, mit denen der neue Hauptsitz im Breuer-Gebäude glanzvoll eingeweiht werden sollten, konzentrierte.“

Die Einrichtung der Künstlersozialkasse ist eine weltweit einmalige Errungenschaft und gleichzeitig ein Wettbewerbsnachteil für deutsche Galerien. Der Reformbedarf ist allen Beteiligten seit langem bekannt. Daniel Völzke fasst die aktuelle Diskussion bei Monopol zusammen: „Der Berliner Galerist Jan Wentrup spricht von einem "bürokratischen Monster", das einseitig eine Berufsgruppe belaste, die ohnehin in einem hochriskanten Markt agiere. Besonders schwer nachvollziehbar sei die Abgabepflicht bei ausländischen Künstlerinnen und Künstlern, die niemals von der KSK profitieren werden. "Eine derartige Sonderabgabe existiert in keinem anderen Land", so Wentrup – ein Argument, das sich in der Studie vielfach wiederfindet. Auch der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) sieht eine strukturelle Wettbewerbsverzerrung. Während deutsche Galerien im internationalen Wettbewerb zusätzliche Sozialabgaben schultern, unterliegen ihre ausländischen Konkurrenten keinen vergleichbaren Regelungen.“

Die neuen Pläne des Galeristen Gordon VeneKlasen nach der Trennung von der Galerie Michael Werner Gallery erläutert Sarah Douglas bei Artnews: „Nachdem VeneKlasen mehr als 30 Jahre lang den New Yorker Standort von Werner geleitet hat, wird er diesen Standort sowie den Londoner Standort von Werner unter dem Namen seiner eigenen Galerie übernehmen und zwei langjährige Mitarbeiter zu Partnern befördern. Als Teil der Vereinbarung wird die kurzlebige Niederlassung der Michael Werner Gallery in Los Angeles geschlossen. Justine Birbil, die bei Werner für das globale Geschäft zuständig war, und Kadee Robbins, die Werner in London leitete, wurden beide zu Partnern bei VeneKlasen ernannt.“

Die Frida Kahlo Corporation, gegründet von der Nichte der Künstlerin, ist sich für wenig zu schade, wie unter anderem Kooperationen mit Shein und Barbie belegen. Jetzt kann man sogar Luxuswohnungen in den Frida Kahlo Wynwood Residencies in Miami kaufen, berichtet Carlie Porterfield im Art Newspaper (evtl. Paywall). Die überzeugte Kommuniustin Kahlo wäre begeistert. Nicolas Sarazin feiert das Projekt bei Art Majeur: „Fernab von Logos aus der Mode- oder Automobilbranche wird hier eine historische Persönlichkeit, die Kunst, Politik und Intimität zugleich verkörpert, zum Herzstück eines Immobilienprojekts.“ Der französische Marktplatz bietet nach eigener Aussage ein “Auswahl von über 3,5 Millionen zeitgenössischen Kunstwerken “ preist sich selbst als eine „der größten Kunstplattformen der Welt“ an.

Eine fast bankrotte Galeristin versucht mit einem wagemutigen Auftritt auf der Art Basel Miami Beach das Ruder herumzureißen. Der realistische anmutende Plot ist die Ausgangssituation eines neuen Films mit Natalie Portman, den Sophia Powers für Artnews gesehen hat: „The Gallerist ist ein unterhaltsamer Streifzug durch die Farce und Torheit der zeitgenössischen Kunstwelt – zwar ein leichtes Ziel, aber mit Bravour gemeistert.“

Über 130 US-amerikanische Galerien, hauptsächlich in New York, haben sich laut Tessa Solomon bei Artnews dem Protest gegen die Abschiebungstruppe ICE unter dem Motto „ICE OUT“ angeschlossen und letzten Freitag nicht geöffnet. Die FAZ hat dazu eine Meldung von Ursula Scheer.

1,2 Millionen Euro will der Berliner Galerist Johann König von der ZEIT vor Gericht erstreiten, berichten Ursula Scheer und Michael Hanfeld in der FAZ (Paywall): „Der Galerist Johann König verklagt den 'Zeit'-Verlag wegen eines Artikels, in dem ihm vermeintlich übergriffiges Verhalten vorgeworfen wurde, auf Unterlassung, Schadenersatz von einer Million Euro und eine Geldentschädigung von mindestens 200.000 Euro, beides plus Zinsen. Er wendet sich gegen einen Text, der unter der Überschrift „'ch habe ihn angeschrien und beschimpft, damit er weggeht' am 1. September 2022 in der 'Zeit' und tags zuvor bei 'Zeit online' erschien. Das Verfahren sei seit Ende letzten Jahres bei der Pressekammer anhängig, teilte das Landgericht Hamburg auf Anfrage mit. Es läuft unter dem Aktenzeichen 324 O 677/25. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.“

Das Leben der verstorbenen New Yorker Galeristin Marian Goodman lässt Monopol Revue passieren: „Für ihre Verdienste erhielt Marian Goodman zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Légion d’honneur (2013), den Leo Award von Independent Curators International (2016) sowie 2023 den Rang einer Kommandeurin des Ordre des Arts et des Lettres. 2012 wurde ihr ein Ehrendoktorat des CUNY Graduate Center verliehen. Marian Goodman ist bereits am 22. Januar gestorben. Die Galerie wird nun von langjährigen Partnerinnen und Partnern weitergeführt.“