Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Saisonstart in Leipzig; Foto Stefan Kobel
13.01.2020 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 2 2020

Mit dem neuen Jahr hat auch eine neue Kunstmarktsaison begonnen. Den Anfang machen die Leipziger Galerien mit dem Spinnereirundgang, den ich für Artmagazine besucht habe.

Jahreswechsel sind traditionell Anlass für Rück- und Ausblicke. 2019 lassen Elke Buhr und Carsten Probst im Gespräch mit Vladimir Balzer im Deutschlandfunk Revue passieren. Die Schlagzeilen des abgelaufenen Jahres hat für Österreich Parnass zusammengstellt.

Das für den US-Kunstmarkt bescheidene Jahr 2019 erklärt Boris Pofalla in der WELT ausgerechnet mit einem Steuergeschenk der Regierung: "Ende 2017 brachte Trump Steuernachlässe für sehr Wohlhabende durch den Kongress, die seither niedriger besteuert werden als die ärmsten Amerikaner. Der 'Tax Cuts and Jobs Act' war ein Geschenk an die Superreichen, die potenziellen Käufer von Ruscha, Koons & Co. Ausgerechnet dieses Geschenk habe aber dem amerikanischen Kunstmarkt geschadet, bemerkt der Journalist Tim Schneider in einer spannenden Analyse für die Branchenseite Artnet. Denn mit dem neuen Gesetz fielen Kunstwerke aus einer bestehenden Steuererleichterung heraus. Dank der sogenannten "1031 Exchanges"-Regelung konnte ein amerikanischer Sammler oder Kunsthändler beliebig viel an Wertzuwächsen einstreichen, wenn er die bei Verkäufen erzielten Gewinne nur wieder in dieselbe Anlagekategorie reinvestierte: Einen Warhol loszuschlagen blieb steuerfrei, wenn man den Erlös anschließend in zwei neue Rauschenbergs steckte."

Der französische Auktionsmarkt stand im abgelaufenen Jahr wegen des anstehenden Brexits verstärkt unter Beobachtung. Olga Grimm-Weissert resümiert im Handelsblatt das Geschäftsjahr 2019.

Berlin wiederum hat es in die Top Ten der 2010er Jahre von Artnews geschafft! Allerdings ist die Stadt mit der Art Berlin in die Rangliste der zehn größten Flops des Jahrzehnts gelangt. Dort befindet sie sich in guter Gesellschaft etwa mit der Anfang 2019 sehr kurzfristig abgesagten Art Stage Singapore oder der legendär schlechten Björk-Ausstellung im New Yorker MoMA 2015.

Ein heiß diskutiertes Thema des letzten Jahres, das uns auch in diesem Jahr begleiten dürfte, ist die Nachhaltigkeit des Kunstbetriebs unter Umweltgesichtspunkten. Die Vielfliegerei der Kunstzirkusnomaden nimmt Kyle Chayka für Frieze unter die Lupe. Den Stand der Diskussion um die Klimaverträglichkeit von Museen fasst Nicola Kuhn im Tagesspiegel zusammen.

Eine Liste mit besonders offensichtlichen Voraussagen für 2020 hat Alina Cohen für Artsy erstellt. Auch die Zukunft der digitalen Kunst, wie sie Elena Zavelev für den Observer vorhersagt, ist nicht wirklich überraschend. Unter den mehr oder weniger ernstzunehmenden Voraussagen Tim Schneiders bei Artnet sticht seine Vermutung heraus, dass der Einstieg von Sergey Skaterschikov bei der Messe Schweiz größere Veränderungen bei der Art Basel-Mutter hervorrufen wird.

Einen in seiner Fülle verwirrenden Kunstmessenkalender (Umschlagplatz Coburg!) hat das Art Newspaper zusammengestellt.

Auf einen grundlegenden Wandel beim Kunstkonsum stimmt uns Annegret Erhard in der WELT ein: "Derweil verringert sich die Zahl der kleinen und mittleren Galerien in Berlin und andernorts kontinuierlich. Grund sind die steigenden Kosten bei sinkendem Umsatz. Ursache ist aber auch, dass sich das Käuferverhalten vor allem der jüngeren Generation rapide ändert. Man ist zwar durchaus kunstsinnig, kauft auch hin und wieder, doch das Kompilieren, der Aufbau einer in sich stimmigen Sammlung, wird immer seltener angestrebt. Man muss nicht haben, um zu genießen - kein Auto, keine Wertobjekte, keine Kunstwerke, ist schließlich doch nur Ballast in einer nomadisch angelegten Biografie. Man bildet sich online, betrachtet online, ist auf Instagram im Austausch, man zieht zur Art Week und zum Gallery Weekend durch die Galerien und Museen. Das reicht."

Ein Interview über Instagram und die Aussichten für die nächsten zehn Jahre, das Carola Padtberg mit Hans-Ulrich Obrist für den Spiegel geführt hat, hätte interessant werden können, doch hat HUO nicht ganz unerwartet vor allem über sich selbst gesprochen: "Ganz viele Künstler, mit denen ich arbeite, verzichten bewusst auf soziale Medien. Für den albanischen Videokünstler Anri Sala, der keinen eigenen Account möchte, bin ich der Ersatz. Er schickt mir alle zwei Wochen eine neue Uhr, die ich dann poste."

Die Kunsttransportbranche stellt Nicole Scheyerer im ORF der breiten Öffentlichkeit vor.

Kurz vor dem Brexit habe der britische Gesetzgeber den Kunsthandel auf der Insel noch mit seiner verschärften Version der fünften EU-Geldwäscherichtlinie überrascht, berichtet Christy Kuesel bei Artsy. Der Anwalt Kenneth Mullen gibt britischen Kunsthändlern im Art Newspaper Ratschläge, wie sie sich verhalten sollten. Das meiste gilt auch für alle anderen Kollegen in der EU.

Knight Landesman, an dessen Person sich #MeToo erstmals in der Kunstwelt festmachte, sei von einem New Yorker Berufungsgericht freigesprochen worden, sein ehemaliger Arbeitgeber Artforum jedoch nicht, berichtet Rachel Corbett für Artnet.

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