Kobels Kunstwoche

Kommentierte Presseschau zum Kunstmarkt - Jede Woche neu

Ist die Luft raus aus der Biennale de Paris? Fotro Stefan Kobel
15.02.2021 06:00 Uhr

Kobels Kunstwoche 7 2021

Wer glaubt, die Biennale de Paris – früher Biennale des Antiquaires – hätte die Talsohle durchschritten, irrt. Nach Jahren der Intrigen und immer neuer Tiefpunkte glaubte man mit dem Gemäldehändler Georges de Jonckheere im November 2019 eine Persönlichkeit gefunden zu haben, die das Flaggschiff des französischen Kunst- und Antiquitätenhandel wieder auf Kurs bringen könnte. Jetzt meldet allerdings Bettina Wolfarth in der FAZ vom 13. Februar dessen überraschenden Rückzug: „ Er wolle seine gesamte Aufmerksamkeit und Energie den zahlreichen Projekten seiner eigenen Galerie widmen“.

Ob die Art SG in Singapur jemals stattfinden wird, fragt sich Lisa Movius im Art Newspaper angesichts der neuerlichen Verschiebung der ursprünglich für 2019 angekündigten Erstausgabe ins Jahr 2022. Zum Kontext: Die MCH Group war 2018 an der Messegründung beteiligt, hatte sich aber bald darauf aus allen Regionalmessen zurückgezogen.

Mit der Messe in St. Agnes scheint der Berliner Galerist Johann König hingegen ein erfolgreiches neues Modell gefunden zu haben. So erfolgreich, dass er mit Lena Winter, die aus dem Auktionswesen kommt, eine eigene Direktorin angestellt hat, wie Susanne Schreiber im Handelsblatt berichtet: „Startend mit dem Gallery Weekend Berlin plant der umtriebige Galerist vom 28. April bis 9. Mai 2021 die dritte Messe in der zur Galerie umgebauten katholischen Kirche St. Agnes zu veranstalten. Wie bei jeder Kunstmesse gibt es vor den Publikumstagen vier Tage Preview für geladene Gäste. Und anders als bei den eingeführten Kunstmessen zaubert einem der zweideutige Veranstaltungsname ein Lächeln ins Gesicht. Das Hochamt Kunst hat längst die verloren gegangene Spiritualität in der Gesellschaft ersetzt. Neuerungen stehen indes, laut einer Pressemitteilung von Donnerstag, nicht nur bei der Ausstellungsarchitektur in Haus. Mit an Bord ist jetzt auch die Kunsthistorikerin Lena Winter als Messedirektorin. Erfahrung im Sekundärmarkt hat die 39-Jährige in den Auktionshäusern Lempertz, Grisebach und Ketterer gesammelt. In der König Galerie betreut sie neben der Messe auch die Private Sales.“

Sogar im italienischen Auktionsgeschäft sei im Corona-Jahr 2020 die Jetztzeit angekommen, stellt Andreas Rossmann in seinem Rückblick für die FAZ vom 13. Februar fest: „Dass Auktionen online hätten stattfinden müssen, habe die Digitalisierung beschleunigt, aber auch die Kundenkreise im Ausland – insbesondere in China, Taiwan, Hongkong und Südkorea –, außerdem unter jungen Leuten erweitert. Die Notwendigkeit, in die Kataloge die englische Übersetzung aufzunehmen, habe sich endlich auf ganzer Linie durchgesetzt. Und der traditionelle Vorbehalt der italienischen Sammler gegenüber Erwerbungen, die 'auf Distanz' getätigt würden, schwinde.“

Auction Technology Group (ATG), die führende Plattform für Online-Auktionen in Großbritannien, hervorgegangen aus der Zeitschrift The Antiques Trade Gazette, plane einen Börsengang mit einer Unternehmensbewertung von 600 Millionen Pfund, meldet Ivan MacQuisten im Art Newspaper.

Das Katalogarchiv von Christie's sei externen Besuchern wegen Kürzungen beim Personal nicht mehr zugänglich, meldet Anna Brady im Art Newspaper.

Den Markt für zeitgenössische afrikanische Kunst untersucht Christian Herchenröder im Handelsblatt: „Ein Handicap ist, dass afrikanische Staaten kaum in die kulturelle Produktion und Infrastruktur investieren. So muss die Anerkennung ihrer Künstler weitestgehend über westliche Kanäle – Auktionen, Kuratoren, Messen, Kunstberater – funktionieren. Aber langfristig sind die Aussichten gut. Immer mehr Museen kaufen Werke afrikanischer und afrikanischstämmiger Künstler an. Ihr Markt ist trotz eines Dämpfers im Jahr 2019, wo die Umsätze wegen weniger spektakulärer Auktionen um elf Prozent zurückgingen, einer der zukunftsträchtigsten Märkte.“

Die geplante Reform des Stiftungsrechts solle Restitutionen auch aus privaten Stiftungen möglich machen, erläutern die Rechtsanwälte Rainer Hüttemann und Peter Rawert in der FAZ vom 13. Februar: „Weder der Grundsatz der Vermögenserhaltung noch steuerliche Vorgaben sind also unverrückbare Hindernisse für die Rückgabe von verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern. Allein auf den Willen der Stifterinnen und Stifter kommt es an.“

Zurückgeben möchte die Tochter des 2020 verstorbenen Asiatika-Händlers Douglas Latchford alle noch in ihrem Besitz befindlichen Kunstwerke, berichtet Oscar Holland bei CNN: „Doch nun hat die Tochter des verstorbenen Händlers, Nawapan Kriangsak, versprochen, alle kambodschanischen Artefakte zurückzugeben, die sie von ihrem Vater geerbt hat. Die Sammlung, die aus mindestens 100 Statuen und Schnitzereien besteht, gilt als kulturell so bedeutend, dass das Nationalmuseum des Landes in Phnom Penh für sie erweitert wird.“ Das dürfte private und institutionelle Kunden Latchfords in aller Welt unter Druck setzen.

Die aktuelle Diskussion über die Finanzierung von Museen in den USA, ausgelöst durch den Tweet der Geschäftsführerin eines Provinzmuseums, ist Gegenstand eines Essay von Valentina die Liscia bei Hyperallergic: „Die Coronavirus-Pandemie hat die ungleiche Verteilung von Wohlstand in allen Branchen deutlich gemacht, und im Fall des Kultursektors rufen gefährdete Kunstschaffende zu Recht nach Antworten. Colemans Tweet beweist, dass es dringenden Diskussionbedarf über die Finanzen der Museen gibt. Die Krise könnte eine solche Gelegenheit bieten: einen transparenten Blick auf die Art und Weise, wie Institutionen finanziert werden, auf den Zweck und die Grenzen von Stiftungsgeldern und auf die Notwendigkeit von mehr und alternativen Unterstützungsquellen in den kommenden Monaten.“

Während das Deaccessioning genannte Verkaufen vom Museumsbeständen in den USA gerade für viele Museumsleitungen ein bevorzugtes Mittel zur Generierung von Kapital ist, wird die Diskussion darum immer heftiger geführt. Andrew Russeth blickt für Artnews auf Geschichte und Gegenwart dieser Praxis: „Zumindest so viel ist klar: In vielen dieser Kämpfe geht es um riesige Geldbeträge und grundlegende Prinzipien. Obwohl das 'Virus' des Deaccessioning zutiefst deprimierend ist, überrascht es mich nicht ganz', sagte der Kunstwissenschaftler David Anfam in einer E-Mail. Anfam, der gegen die Verkäufe in Baltimore ist, glaubt, dass sich die Museen in einer Krise bezüglich ihrer Rolle befinden. 'Um es grob zu formulieren', sagte er, 'sind sie Schatzhäuser für die Elite oder Gemeinschaftszentren? Zweifellos liegt die Antwort zwischen den beiden Extremen. Das Dilemma ist, wo?“

Eine hauptsächlich mit Leihgaben eines mit Putin befreundeten Oligarchen bestückte Fabergé-Ausstellung soll zahlreiche Fälschungen enthalten, schreibt Simon Hewitt bei Artnet.

Ohne konkreten Anlass hat Alex Greenberger eine vergnügliche Top 25-Liste der größten Kunstdiebstähle der Geschichte für Artnews zusammengestellt.

Damien Hirsts neuen Job als Kurator einer der Londoner Filialen der Gagosian Gallery für das gesamte Jahr 2021 meldet Nan Stewert bei Artnet.

 

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